Archiv der Kategorie: Der Jagdwagen

Die verschiedenen Geländewagen meines Vaters für den Jagdbetrieb

Hutmuttern und Lochfraß

Auch am Vitara wurde ein wenig gefummelt.
Der Arsch ist nun nackt:
Suzuki Vitara ohne  Ersatzrad
Das macht ihn beim zurücksetzen wesentlich übersichtlicher.
Da neben dem Ersatzrad auch die Halterung des Selbigen von der Hecktür flog, waren die Radmuttern des Ersatzrades verfügbar um etwas zu beheben, was mir schon beim Kauf aufgefallen war.
Der Vitara hatte an jedem Rad vier hübsche Chrommuttern und eine schäbbige Stahlmutter.
Sowohl vorne:
Suzuki Vitara Vorderräder
Als auch hinten:
Suzuki Vitara Hinterräder
Strange.
Des Rätsels-Lösung fand sich später im Handschuhfach, in Form eines Felgen-Schloss-Schlüssels….
Da hatte wohl jemand vergessen, wo er den hatte und hat dann einfach die Schlossmuttern an jedem Rad geknackt.
Gut. Der Schlüssel konnte dann in den Müll wandern und die Chrom-Muttern des Ersatzrades die schäbbigen Kollegen ersetzen.
Da Vaddern eh nochmal zu dem Händler fahren musste, bei dem wir ihn gekauft haben (ominöse Geräusche im 4. und 5. Gang) haben die dort auch gleich die klassischen Vitara-Löcher in der Ladefläche geflickt.
Vorher:
Suzuki Vitara Rostloch
Nachher:
Suzuki Vitara Rostlöcher 11
Weit entfernt von schön, aber für lau…
Natürlich haben sie nicht, wie es anständig wäre, dass rostige Blech rausgetrennt, sondern einfach eins drüber gebraten:
Suzuki Vitara Rostlöcher 4
Naja. Im Winter hoffe ich ja eh schweißen zu lernen. Dann kann ich mich da dran austoben. Wird mein Gesellenstück.

Werkzeugkoffer II

Nach der Enttäuschung durch die Terios, habe ich mich spontan am Samstag morgen nach weiteren Alternativen umgesehen.
Bei der Suche nach kleinen und wendigen Geländewagen landet man über kurz oder lang bei Suzuki. Mit ihrer Ahnenreihe von LJ 80 über SJ/Samurai bis zum aktuellen Jimny haben sich die Japaner einen festen Kundenstamm und eine gute Reputation aufgebaut. Allerdings macht sich auch das wieder in den Preisen bemerkbar. Außerdem wurden die genannten Modelle auch nur von Menschen gekauft, die sie auch im Gelände einsetzten, was natürlich einen erhöhten Verschleiß mit sich bringt.
Es galt also eine Nische zu finden.
Und hier kommt der Vitara ins Spiel.
Hauptsächlich als peinliche Friseusenkiste bekannt:

wartet der Vitara mit Untersetzungsgetriebe und im Serientrimm respektabler Bodenfreiheit auf. In Deutschland gibt es größtenteils nur die Cabrio-Version, jedoch gab es ihn auch als geschlossene „Limousine“. Der Zweitürer ist von den Abmessungen nur ein wenig größer als der LJ/Samurai und der Motor mit 1,6l statt 1,4l auch kaum teurer im Unterhalt. Häufig wurden automatische Freilaufnaben statt der manuellen geordert bzw. waren Serienumfang, was den Komfort erhöht.
Die Mechanik soll narrensicher sein und Laufleistungen weit jenseits der 200.000km eher die Regel als Ausnahme sein (siehe mobile.de Ergebnisse). Der massive Leiterrahmen der Karosserie soll sowohl von grobem Geländeeinsatz als auch Korrosion nicht zu beeindrucken sein. Lediglich die aufgesetzte Karosserie hat ihre blechtechnischen Schwachstellen.
Es galt also einen dieser Vertreter zu finden.
Ich plädierte ja für einen seltenen Vitara X-90:

Hätte gut zu unserem sonstigen Fuhrpark gepasst. Und Gelände hat von denen sicherlich keiner gesehen! Aber die Idee wurde aus Praktikabilitätsgründen verworfen. Vaddern hat keine Lust, nen totes Wildschwein in den Kofferraum zu manövrieren. Ich glaube, es war ihm nur zu peinlich, damit auf einer Treibjagd aufzutauchen….
Egal. Zurück zu Thema.
Am Samstag sind wir dann spontan bei B&T Automobile vorbei gefahren.
Dieser Händler hat sich auf Vitaras spezialisiert und hatte den ganzen Hof voll damit. In allen Zuständen. Vom Schlachtfahrzeug bis zur tiefergelegten Chromkiste. Leider waren nur zwei geschlossene Varianten mit dabei. Der Eine war sehr verwohnt im Innenraum und hatte rings um Kampfspuren. Der Andere machte den besseren Eindruck. Nagelneue verstärkte Kupplung Anfang des Jahres zusammen mit neuem Agrarhaken (weiteres Wald-Kriterium von Vaddern), 130.000km auf der Uhr, TÜV neu bei Übergabe. Eine Probefahrt samt Check ergab nichts negatives. Insbesondere der Rahmen zeigte sich kerngesund und war auch im Inneren frei von Bröseln. Die Tür-Unterböden waren auch alle solide, lediglich im Innenraum im Bereich der Ladefläche fand sich ein Rostloch (dank Rahmen ist das aber schnurz-piep). Der Innenraum ist zwar Nikotin-geschwängert, aber nicht verwohnt. Der Preis war ok und fand sich im Mittelfeld der Terios-Preise.
Also zugeschlagen.
So sieht das gute Stück aus:
Suzuki Vitara 10
Ob der Frontbügel bleiben darf, überlegen wir noch. Eigentlich ist er nur unnötger Ballast. Eingetragen ist er zum Glück.
Suzuki Vitara 5
Das Ersatzrad flog direkt samt Halterung raus. Versperrt nur die Sicht nach hinten und ist zusätzliches Gewicht.
Der Motorraum ist etwas verdreckt, aber ansonsten gammelfrei:
Suzuki Vitara 1
Ich habe auch schon den Vorbesitzer ausfindig gemacht und mit ihm telefoniert. Sie hatten ihn um damit einen Bootstrailer zu ziehen. Mechanische Probleme hatten sie nie. Vorbesitzerin war eine Dame. Das klingt alles in allem gut. Lediglich ob der Zahnriemen (alle 100.000km) gemacht wurde, wusste er nicht. Allerdings soll das ne einfache Kiste beim längseingebauten Vitara-Motor sein. Machen wir also selber.
So haben wir nun eine „Werkzeugkiste“ für den Wald, bei der weder verdreckte Stiefel noch Kratzer durch Geäst oder Blut im Kofferraum etwas ausmachen. Mit zwei Jahren TÜV sind wir auf der sicheren Seite und nach deren Ablauf überlegen wir, ob wir ihn weiter nutzen oder ob er in die Tiefgarage als nächstes Rallye-Fahrzeug kommt.

Werkzeugkoffer

Ich merke schon, das Rätsel war viel zu leicht für euch.
OST lag mit seinem Tipp „Vitara“ goldrichtig.
Zu essen gab es griechische Hacksteaks (mit umstrittenem Namen Suzuki, Zuzuki, Souzuki, Bifteki, Keftedes) und dazu ein Vitamalz….Zu einfach. Ich gebs zu.
Dann erzähle ich die Geschichte mal von Anfang an.
Motivation für die Anschaffung war, dass sich der Ende letzten Jahres angeschaffte Volvo V50 als ungeeignet für den Waldeinsatz erwiesen hat.
Das hat multiple Gründe.
Zum einen hat Vaddern, welcher den Wagen bezahlt, ihn bislang am wenigsten genutzt. Erst hatte ich ihn mit in Speyer und seit Jahresbeginn nutzt ihn mein Bruder bis sein Volvo 740 wieder läuft.
Weiterhin hat sich herausgestellt, dass es doch eine zu starke emotionale Bindung bei uns an Fahrzeuge der Marke „Volvo“ gibt, als dass man damit ohne schlechtes Gewissen durch Wald und Flur im Revier bügeln könnte. Alleine schon der Gedanke an dreckverkrustete Stiefel ließ Vaddern erschaudern.
Und zuletzt ist der V50 einfach viel zu niedrig. Die Wege im Revier sind teilweise so ausgefahren, dass man dort unwillkürlich mit einem normalen PKW aufsetzt.
Daher erging der Auftrag an mich, ein Fahrzeug mit möglichst wenig emotionalem Bindungspotential zu suchen (damit hatte ich ja schon reichlich Erfahrung gesammelt) und welches für den regelmäßigen Waldeinsatz geeignet wäre.
Schaut man sich ganz unbedarft nach Allradfahrzeugen um, schlägt man erstmal bei den Preisen hinten rüber. Als Daumenpeilung kann man sagen, dass die Preise im Vergleich zu PKWs ähnlicher Größe und Ausstattung regelmäßig mindestens doppelt so hoch sind. Eine völlig tote Allrad-Rostlaube bringt immer noch über 1000€, während ein vergleichbarer PKW bei maximal 500€ liegen würde.
Um so schlimmer wird es, wenn man in den Bereich der „richtigen“ Offroader wie G-Klasse oder Land Rover geht. Da heben die Preise richtig ab. Da Vaddern jedoch lediglich über matschige Wiesen und ausgefahrene Feldwege hoppeln will, musste es keines dieser ernsthaften Geräte werden. Viel mehr war ihm an kompakten Abmessungen (um zwischen den Bäumen durch zu passen), moderaten Unterhaltskosten und problemloser Bedienbarkeit gelegen. Damit geriet die Klasse der „Softroader“ in meinen Fokus. Da finden sich auch Bodenfreiheit, Allrad sowie kleine Motoren. Toyota RAV4 (Serie I) in Kurzversion zum Beispiel erschien ein viel versprechender Kandidat. Allerdings soll sein komplett dem PKW-Programm entnommenes Fahrwerk auch lediglich leichtem Geländeeinsatz nicht gewachsen sein. Nächster Kandidat war der Daihatsu Terios I. Robuste Technik (späte Modelle sogar mit Steuerkette), sperrbares Mitteldifferenzial, 1,5l-Motörchen. Klang alles gut. Auch die Autozeitung mit vier Großbuchstaben lobte ihn mit den Worten „kann man blind am Telefon kaufen“. Ein Traum!
Es sollte sich aber eher als Wunschtraum (im wahrsten Sinne des Fahrzeugnamens) herausstellen.
Wir haben uns vier Terios von 2200€ bis 6900€, Baujahr 1997 bis 2003 und 36.000km bis 98.000km angesehen. Es war grauenhaft! Den Wagen für 2200€ habe ich noch nicht mal fotografiert. Die Rostlöcher waren so groß wie eine DIN-Faust, alles war mit Felgensilber übergejaucht und lieblos mit Glasfasermatten und Spaxschrauben geflickt. Der Wagen bekommt nie wieder TÜV. Doch auch seine jüngeren und teureren Brüder trieben einem die Tränen in die Augen.
Kandidat zwei:
Daihatsu Terios 14
Man erkennt die zielgerichtete Haltung der Protagonisten. Allerdings erkennt der geneigte Betrachter auch, dass die Motorhaube sowie Stoßstange eine andere Farbe hat, als der Rest des Wagens. Die linke hintere Tür war von Cellulite befallen und schlecht beilackiert. Unfall? „Nicht das ich wüsste.“ Warum sind denn da überall Bleche reingebraten? „Wooo?!“
Daihatsu Terios 15
„Och, da hat nur der Wagenheber den Unterboden ein wenig eingedrückt.“ Aha. Überall am Unterboden? Der frische Unterbodenschutz ist ja noch schön klebrig. Sogar auf den rostigen Falzen. War es nötig, auch die Bremsscheiben damit einzusprühen? Der Verkauf im Kundenauftrag ohne jegliche Gewährleisteung versteht sich dabei natürlich von selbst. Wir waren nach 15 Minuten durch. Für 4500€ muss er sich wen anderes suchen.
Nächster Händler. Der hatte gleich ein ganzes Rudel da. Der hier sollte 5900€ kosten:
Daihatsu Terios 20
Hatte knapp über 50.000km runter und war aus 2002. Innen Tip-Top. Das interessierte uns jedoch mittlerweile nicht mehr. Der Blick unter den Wagen offenbarte klassisches:
Daihatsu Terios 21
Als der Finger aus dem Loch zurück kam, war er braun und brachte reichlich Brösel mit.
Letzte Hoffnung war dieser hier:
Daihatsu Terios 16
2003, knapp 36.000km, Ersthand, Scheckheft, 6900€.
Was soll ich sagen? Hier die Bilder:
Daihatsu Terios 18

Daihatsu Terios 19
Sagen sie mal: Der rostet aber auch schon ganz ordentlich, oder?! „Warum?!“ Fingerzeig unters Auto; „Ja, da sind wir noch nicht mit der Aufbereitung fertig….“ blank geschliffen auf einer feuchten Wiese im Regen stehen lassen? Die „Aufbereitung“ sparten wir uns lieber.
Ein müdes Schmunzeln konnte uns der Händler wenigstens noch beim Anblick seiner praktischen Unkrautsperre im Vorgarten entlocken:
Daihatsu Terios 22
Ich vermute, er verkauft alle Autos ohne Fußmatten….
Daihatsu ist damit als Hersteller für uns gestorben. Tobias hatte sich vor einiger Zeit den Copen angeguckt und dort auch massive Korrosionsprobleme entdeckt. Das scheinen sie generell nicht im Griff zu haben.
Der Tag war ein Schlag ins Wasser und wir haben die obige Erkenntnis mit einer ziemlich hohen Spritrechnung teuer bezahlt. Ärgerlich.
Wir beendeten den Tag daher auch mit einer angemessenen Ladung Junkfood:
Daihatsu Terios 24