Archiv der Kategorie: Simson Duo 4/1

Hier geht es um mein heiß geliebtes Duo 4/1. Meinen ersten Oldtimer.

Roadbook Assistant

Nächste Woche hoffe ich ja, dass Lola ihr neues Blechkleid bekommt. Dann ist mal wieder eine Überführungsfahrt für Tobias und mich angesagt. 100 km von meinen Eltern nach Osnabrück. Letztes Mal haben wir knapp 4 Stunden für die Strecke gebraucht. Bisher verwendeten wir eine von mir geschriebene Excel-Tabelle als Roadbook. Da standen dann „Manöver“ (z.B. links ab), „Straßenname“, „Bezeichnung“ (z.B. B66), „Richtung/Über“ (z.B. Bielefeld), „Zielort“ (z.B. Asemissen), „Bis Wegmarke“ (z.B. T-Kreuzung), „Strecke“, „Km-Stand“ und „Anmerkungen“ (z.B. Bis Linksknick mit Blitzer).
Diese Tabelle war zwar ganz gut, aber immer noch Lichtjahre von einem klassischen Roadbook entfernt.
Mein Kumpel Google hat mir aber mal wieder in die Hände gespielt und ich bin über das Programm Roadbook Assistant gestolpert. Genau so habe ich mir das vorgestellt! Richtungspfeile, Landschaftsmarken, Schilder, Anmerkungen, etc. alles per Drag and Drop. Ein Traum. Die Sharewareversion kann ich jedem empfehlen! Natürlich hat das Programm auch noch einige Kinderkrankheiten. Die Schriftgröße ist nicht variabel, die Zeilengröße auch nicht, die 5. Textzeile wird einfach beschnitten, die integrierten Symbole und Verkehrszeichen sind zu wenige, etc. Aber das Roadbook ist wirklich Welten besser als meine Tabelle.

Die fehlenden Symbole und Schilder kann man auch recht einfach selbst integrieren. Ich habe zum Beispiel Ortseingangs- und -Ausgangsschilder hinzugefügt um anzuzeigen, wann ich ne Ortsdurchfahrt habe. Weiterhin habe ich Symbole für Bauernhöfe, Fabriken und Felder hinzugefügt. In Verbindung mit Google Earth ergeben sich so ziemlich gute stilisierte Abbilder des Straßenverlaufs. Mal sehen, wie mein „Gebetbuch“ die Praxisprüfung übersteht.
Hier noch ein Ausschnitt von meinem Roadbook:
Bild nicht vorhanden

Nachtrag: Mittlerweile habe ich auch ein 130-Zeichen-Zusatz-Set für den Roadbook Assistant gebastelt. Ihr findet es über diesen Artikel im Downloadbereich.

Ein Scheunenfund

Ich suchte also einige Zeit bei den klassischen Quellen mobile.de und ebay. Da ich beschlossen hatte, an meinem Duo ein wenig das 2-Takt-Schrauben zu üben durfte es ruhig ein nicht ganz perfektes Vehikel sein. allerdings wollte ich auch keine Leiche, die ich erst noch wiederbeleben musste. Es war Anfang des Sommers und ich wollte nicht länger radeln!

Da der Versand solcher Fahrzeuge nicht so ganz einfach ist und ich keine Lust hatte mit einem mir unbekannten Fahrzeug 400 Km nach hause zu gurken suchte ich nach Duos in meiner näheren Umgebung. Und ich fand eins! gerade mal 50 Km von Osnabrück entfernt! Sah auf den Bildern auch garnicht mal so schlecht aus. der Verkäufer sprach von „fahrbereit“. Also einfach mal blind gekauft.

Nein, dass es ein „Fehler“ war, will ich nicht sagen….ich habe viel daraus gelernt! Allerdings musste ich zweimal kommen um die Kiste ab zu holen. Das erste Mal kam ich exakt 30 Meter weit. Der Ausgleichsbowdenzug der Lenkung war gerissen und das Vorderrad schlackerte unkontrollierbar hin und her. Der Verkäufer sagte, er kenne jemanden, der sich mit den Kisten auskennt und der das fixt. Er zahlt. Ok, dachte ich mir, dann wird das auch ordentlich. Kann ja mal passieren, wenn nen Fahrzeug über 2 Jahre unbewegt in ner Scheune steht. Ne Woche später kam ich wieder um einen neuen Anlauf zu starten. Der Verkäufer übergab mir wortlos die Reparaturquittung von dem Bowdenzug: 120€…*aua* das senkte seinen Erlös doch gewaltig.

Also frohgemut auf die Piste! Noch in der Auffahrt ging mir der Sprit aus…..ok, kein Problem. Der Verkäufer hatte noch nen Kanister mit 2-T-Sprit. Also rein damit und neuer Versuch. Das ging auch ca. 10 Km gut. Dann ging mir das Duo dauernd aus und wollte nicht wieder starten. Also an den Rand geschoben und auf einem Friedhofsparkplatz nach der Ursache gesucht…nix gesehen, aber auch keine Ahnung von der Materie.
Ok, was tun?!…. Auf der Quittung von dem Typen, der den Bowdenzug repariert hatte, stand auch seine Telefonnummer und Adresse…“Neuenkirchen-Vörden“…wo zur Hölle ist das und wo bin ich überhaupt? Also zur nächsten Tanke und fragen, wie das Kaff überhaupt heißt und siehe da: der Ort in dem ich liegengeblieben war hieß „Neuenkirchen-Vörden“! Geile Scheiße! Was ein Glück im Unglück! also habe ich mich durchgefragt, bis ich die Werkstatt von dem Typen gefunden hatte, der das Duo schon mal repariert hatte. „Werkstatt“ ist ein großes Wort für diese Gerümpelkammer. Aber ich hatte keine Wahl. Also mit dem Mechaniker kurz geschnackt und Lola quer durch den Ort zu ihm auf den Hof geschoben. Nee, jetzt so aus dem Stehgreif könne er da auch nix machen. seine Tochter fährt mich zurück nach Osnabrück und er schaut sich den Bock in Ruhe an und macht ihn wieder fahrbereit….das klang teuer. Im Nachhinein hätte ich mir das havarierte Gefährt einfach von ihm nach hause liefern lassen sollen und mich selbst drum gekümmert. Aber damals war ich jung und wusste noch nicht, wie einfach strukturiert so ein Zweitakter ist…

Wieder eine Woche später kam mein Duo dann auf nem Hänger nach Osnabrück. Es war lediglich ein verstopfter Auspuff gewesen… 80€ bitte…tolle Wurst… Naja, wir verbuchen es unter Lehrgeld. Und so stand mein Duo endlich vor meiner Haustür!

Anbei noch ein paar Bilder vom Urzustand:

Linke Seite
rechte Seite
Lenker
Motor
Rückwertige Ansicht
Innenraum

Vom Kriegsversehrtenmobil zum Spaßvehikel

Nun mal ein wenig zur Geschichte des Duos:

Das Simson Duo 4/1 wurde in der DDR als Krankenfahrstuhl für Kriegsversehrte gebaut. Hergestellt wurden die Duos in wechselnden Fabriken („VEB“s = „Volkseigene Betriebe“). Meine Lola wurde 1979 im VEB Robur-Werk zusammengeschraubt. Haupterzeugnis dieses VEBs waren eigentlich Lastkraftwagen bis drei Tonnen Nutzlast, aber das sah man in der DDR ja generell nicht so eng…

Der Status eines Krankenfahrstuhls bringt einige Kurriositäten mit sich. Die Bedienung ist zum Beispiel so ausgelegt, dass man keine Beine braucht um ein Duo zu fahren. Anreißen, schalten, Handbremse, Gas, Bremse alles geschieht per Hand und über verschiedene Hebel. Das bringt für den Duo-Neuling einige Eingewöhnungsschwierigkeiten mit sich. Nehmen wir als Beispiel die Schaltung: Der Motor samt Getriebe stammt aus der Simson „Schwalbe“ KR51/1 S. Das hat den Vorteil, dass man bei der verbauten halbautomatischen Fliehkraftkupplung kein Kupplungspedal hat und somit wieder eine Sache für den armen Behinderten einspart. Es hat aber auch den Nachteil, dass man eine Motorradschaltung hat. Also die Gänge in verschiedenen ebenen „übereinander“ liegen. Ganz „unten“ 1. Gang, dann Leerlauf, 2. Gang, 3. Gang. Da der Kriegsversehrte aber kein Bein mehr hat um die Schaltwippe zu treten, wurde ein Schaltgestänge verbaut, so dass die Gänge nun per Hand in Hüfthöhe „hintereinander“ geschaltet werden können. Ranziehen = runterschalten, wegdrücken = hochschalten….. und da erzähle mir noch einer, dass die Tiptronic eine Erfindung des Motorsports sein…*Pfff*
Ein weiterer Vorteil ist, dass man das Duo als „Krankenfahrstuhl“ versichern kann. Das ist zwar ein normales Mofa-Kennzeichen, aber die Beiträge sind nochmal ein Stück billiger. Ich habe dieses Jahr z.B. für Haftpflicht mit Teilkasko knapp 55 Euronen gezahlt. Nicht im Monat…im JAHR!
Auch die E10-Diskussion kann den Besitzer eines Duos kalt lassen. Die Motoren sind auf dermaßen schlechten Sprit ausgelegt, dass sie so ein bisschen Ethanol nicht schocken kann. Ich kenne Leute, die ihr Duo problemlos mit E85 (85% Ethanol) betreiben. Nur andere Düsen im Vergaser und fertig. Das Duo-Handbuch schreibt zum Thema „Sprit“ übrigens, dass man keinesfalls Sprit mit unter 79 Oktan (ROZ) tanken soll…Das sagt eigentlich alles, wenn man weiß, dass in (West-)Deutschland selbst „Normal Benzin“ nicht unter 91 Oktan (ROZ) haben darf.

Wie alles begann

Während meines Studiums überlegte ich mir, wie ich möglichst günstig zu einem fahrbaren Untersatz komme. Ein normales Auto kam nicht in Frage. Zu neu, zu teuer und vor allem: Zu gewöhnlich. Das was jeder kann, ist für mich uninteressant. Dementsprechend gingen meine Versuche zu erst Richtung: Selbstfahrende Arbeitsmaschine. Dieses Projekt scheiterte nicht wie erwartet am TÜV (Die waren sehr kooperativ!), sondern an der Tatsache, dass sich jede von mir konsultierte Versicherung weigerte, meine Maschine zu versichern. Oder wenn, dann nur zu horrenden Preisen.

Die Konsequenz, die ich daraus zog, war dass ich etwas nehmen muss, was von all diesen Regularien befreit ist. Also etwas, dass TÜV-frei ist und auch das versicherungstechnisch wesentlich einfacher zu regeln ist. Das führt einen zwangsläufig in die 50 ccm-Klasse (Mofa-Kennzeichen) und da ich etwas alltagstaugliches (Also auch Regen und Winter) haben wollte auch ziemlich schnell zur Piaggio Ape 50. Die allerdings besitzt nur einen Sitzplatz (Rikscha-Modell ausgenommen. Das ist unbezahlbar…). Da ich aber eher einen zweiten Sitzplatz als eine Ladefläche brauchte, ging die Suche weiter. Fündig wurde ich bei unserem sozialistischen Brudervolk von ehemals nebenan. Das Idealvehikel heißt: Simson Duo 4/1

Das Duo (Eigentlich „Die Duo“, aber das klingt mir zu komisch) basiert größtenteils auf der millionenfach gebauten Simson Schwalbe und dementsprechend einem einfach zu wartenden und günstig zu beschaffendem Großserienprodukt. Die Fahrzeugspezifischen Bauteile sind eigentlich nur das Blechkleid. Ideale Voraussetzungen also für eine günstige Studentenkarre! Haupteinsatzgebiet sollte ja eh das flache Osnabrück werden. Daher ist eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h auch ausreichend. Ein Verbrauch von ca. 3,2 Litern auf 100 Km und die Versicherung über ein Mopedschild garantierten niedrigste Unterhaltskosten.

Die Suche konnte beginnen!