Archiv der Kategorie: Tobias Fuhrpark

Schreiner bleib bei deinen Leisten

Letztes Wochenende war ich mit Tobias mal wieder los, um einen fahrbaren Untersatz für ihn zu kaufen. Er hat ja schon in seinem Blog darüber berichtet. Nach dem Reinfall mit dem Firebird in Verbindung mit meinem Nörgeln es doch mal bei einem Händler und nicht bei Privatpersonen zu versuchen war sein Ziel diesmal RD Classics in Emmerich.
Objekt der Begierde war dieser 1973er Ford Mustang Mach I:

Mustang Mach 1

Mustang Mach 1 3

Mustang Mach 1 2

Mustang Mach 1 5

Die Beschreibung klang gut:

„…Die Lackierung ist dann auch im gutem bis absolutem spitze Verfassung
und hat ein vollständige schöne und tiefe Glanz.

Das Chrom is auch im hervorragende Kondition.
…“

Allerdings kann man sie getrost als Lüge titulieren. Die Lackierung war überall rissig und warf genauso wie beim Firebird Blasen. Die Stoßstange sah aus, als hätte eine 60 KG-Spinne ein Spinnennetz drüber gewebt. Sie war überzogen von Rissen, welche man schon als „Spalten“ bezeichnen konnte. Ihre Ecke waren abgebröselt und einfach übergepinselt. Der Motorraum sah aus, als hätte jemand einen großen Eimer Hammerit einfach drüber gegossen und mit der Hand verteilt. Auch Spaltmaße waren vorhanden, aber keinesfalls auch nur annähernd gleichmäßig. Die Dichtungen waren weiterhin stellenweise überlackiert.
Der gelobte Chrom präsentierte sich teilweise mit tiefen Kratzern und wurde an der Fensterseite anscheinend mal mit dem Hammer wieder in Form gebracht.
Die vorher eigentlich vereinbarte Probefahrt wurde mit den Worten “ Ist nur möglich, wenn Sie den Wagen auch wirklich kaufen.“ abgelehnt. Sie wäre allerdings auch technisch kaum möglich gewesen. Der Wagen war nämlich ohne jegliche Betriebsflüssigkeiten.
Der Verkäufer meinte, dass der Wagen seit 6 Monaten bei ihm stehen würde. Das glaubten wir gerne. Und ich prophezeie, dass er auch noch weitere 6 Monate bei ihm zubringen wird, wenn sich nicht noch ein Taubstummblindbekloppter findet der ihn mitnimmt.
Hatte ich eigentlich schon den geforderten Preis erwähnt? 18.950 €
Noch Fragen?

Nachdem wir also nach ungefähr 10 Minuten mit der Besichtigung fertig waren, haben wir die Chance genutzt um uns auch ein paar Corvettes der Baureihe C3 anzuschauen. Die stehen nämlich auch auf Tobias Einkaufsliste.

Corvette C3 2

Corvette C3 4

Corvette C3 5

Corvette C3 7

Corvette C3 8

Dort wiederholte sich das Elend: Blasen, Risse, abblätternder Lack, rissige und überlackierte Dichtungen, mit Badezimmersilikon eingedichtete Scheiben, sichtbare Spalten im Targadach, milchige Scheibenränder, wildeste Umbauten, etc.
Besonders liebevoll war die oben zu sehende Innenraumgestaltung. Dagegen war meine Arbeit bei Lola absolutes Profihandwerk. Den Wagen muss ein Metzger neu bepolstert haben. Das neue Kunstleder hat er einfach über das alte geklebt und dann die Bauteile mit einfachen Linsenkopf-Schrauben festgeschraubt. Ein Traum.
Der Preis der beiden Fahrzeuge lag bei ca. 11.000 €….. pro Stück versteht sich.
Als wir auch dort bedient waren, haben wir uns noch die anderen Fahrzeuge in der Halle angesehen.
Besonders interessiert habe ich mich für einen Bitter SC. Mit dem Wagen liebäugel ich auch schon seit Jahren. Die einfache Opel Technik gepaart mit tollem Design finde ich ausgesprochen reizvoll:

Bitter SC

Bitter SC 2

Bitter SC 3

Bitter SC 5

Bitter SC 4

Doch auch dieser Wagen war in meinem Augen ein Grab und seine knapp 13.000€ nicht Wert. Als Beispiel seien die Fensterleisten genannt, welche durch blühenden Rost hochgedrückt wurden…

Abschließend gingen Tobias und ich noch eine Runde durch die weitläufige Halle:
Wir sahen 4 Rolls-Royce, AC Cobra, Mercedes-Benz 450 SEL 6.9, Maserati Quattroporte, Bentleys, Cadillacs, Pontiac GTO, etc. Alles voll mit traumhaften Fahrzeugen und allesamt anscheinend Edelschrott. Kaum trat man näher als 3 Schritte an einen beliebigen Wagen heran fielen einem sofort verschiedenste Mängel auf. Und das ohne sich besonders mit den Schwachstellen der jeweiligen Fahrzeuge auszukennen. Ein Trauerspiel.

Schmunzeln musste ich jedoch bei dieser Paarung:

Gute Nachbarschaft

In so elitäre Gesellschaft wird der Sachsenring Trabant wohl eher selten kommen.

Es bleibt festzuhalten, dass es eine Frechheit von dem Laden war, uns auf eine 500 Km-Tour zu locken, mit einer Beschreibung, die hinten und vorne einfach nicht der Wahrheit entsprach. Und auch die von uns extra per Mail angefragte Probefahrt mit „Alle Optionen sind möglich.“ zu kommentieren und dann vor Ort zu sagen: „Ne, nur wenn sie kaufen.“, ist eine Unmöglichkeit.
RD Classics wird uns ganz bestimmt nie wieder sehen und ich kann jedem nur von dem Laden abraten.
Der Inhaber mit klassischen 3-Punkt-Tattoo sollte wohl lieber bei seinen Möbeln bleiben.

Nach diesem erneuten Reinfall machten wir uns etwas niedergeschlagen auf den Weg Richtung Mühlheim an der Ruhr. Was uns dort erwartete darf ich aber noch nicht verraten. Daher verweise ich an dieser Stelle erstmal auf Tobias Artikel zu diesem Teil der Reise.

Laberbackes 1969er Pontiac Firebird

Nachdem „Unternehmen Seehund“ letztes Wochenende ja am Widerstand der Engländer gescheitert ist, haben wir die so gewonnen Zeit dazu genutzt, um neue Verbündete für den erneuten Anlauf zu suchen. Wie Tobias ja schon in seinem Kommentar schrieb, haben wir uns dabei auf die US-Amerikaner konzentriert. Objekt unserer Begierde war ein 1969er Pontiac Firebird:
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Ein besonders schönes Detail ist, wie ich finde, der originale Drehzahlmesser auf der Motorhaube:
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Wie ihr an dem Schriftzug auf der Haube erkennen könnt, hat dem Firebird in seinem früheren Leben mal jemand einen 455cui-Motor implantiert. Das sind umgerechnet ca. 7,5 Liter Hubraum. Damit leistet der V8 um die 300 PS:
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Diesen größeren Motor zum implantieren ist durchaus zeitgenössisches Tuning und daher an sich nichts anrüchiges. Natürlich haben wir auch eine Probefahrt gemacht:

Es tut mir leid, das man kaum Gelegenheit hat, den Motorsound zu hören. Der Verkäufer wollte mangelndes Wissen durch unaufhaltsamen Redefluss kaschieren. Der Typ war wirklich eine Laberbacke vor dem Herrn. Und nur Dünnschiss… Es war teilweise unerträglich. Das war auch einer der Gründe, warum Tobias sich gegen die Verstärkung aus Detroit entscheiden hat. Der Wagen wies so viele Ungereimtheiten auf, die der Verkäufer uns nicht erklären konnte, dass wir immer stärker an einem Kauf zweifelten. Ein Beispiel: Er behauptete, der Wagen sein nie gespachtelt worden. Allerdings haftete mein provisorisches „Schichttiefenmessgerät“ erst am linken Kotflügel, nachdem ich 1,7mm Schichttiefe festgestellt hatte. Bei anderen Blechpartien reichte 0,1-0,2 mm Tiefe.
Nur falls Interesse besteht: Das „Gerät“ besteht aus einem Pinnwandmagneten und 20 Schnipseln 80g/m²-Papier. 80g/m²-Papier ist ca. 0,1 mm dick. Das ergibt also eine nichtmagnetische „Abschirmschicht“ von 2 mm.
schichttiefenmessgerät 002
Nun sucht man sich am zu begutachtenden Fahrzeug einen möglichst senkrechten Referenzpunkt, an dem der Magnet auf dem Papierstapel gerade so sich selbst hält. Anschließend geht man rings um und testet verschiedene Stellen. Sollte der Wagen im „Originalzustand“ sein, sollte der Magnet überall nahezu gleichmäßig anhaften. Purzelt er hingegen wie beim Firebird einfach weg, ist genaueres Untersuchen gefragt. Natürlich ist mir bewusst das dieses „Messinstrument“ Steinzeittechnik ist. Allerdings hilft es schon einen gewissen Eindruck zu bekommen.
Was uns besonders negativ auffiel, war, dass der Lack am Wagen rings um Blasen geworfen hatte. Hier kann man es ganz leicht erkennen. Achtet auf die verzerrte Spiegelung des Hauses. Diese Blase war sogar schon gerissen:
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Der Verkäufer beteuerte zwar, dass das kein Rost sei (was ich ihm auch glaube) allerdings hatte er trotzdem überall 5DM-Stück große Blasen. Meine ganz persönliche Vermutung ist, dass der Wagen hier in Deutschland schon mal lackiert wurde und das dabei der alte amerikanische Thermoplast-Lack auf der Karosserie gelassen wurde. Nun arbeitet dieser Lack bei Temperaturunterschieden unter dem neuen europäischen Lack und die beiden Schichten lösen sich nach und nach von einander. Was also nichts anderes bedeutet, als dass man in absehbarer Zeit den Wagen komplett entlacken muss und eine vollständige Neulackierung ansteht. Das dürften gut-und-gerne 4000€ werden. Eine Investition, die der sonstige Zustand des Wagens einfach nicht rechtfertigte. Ansonsten glänzten noch Rechnungsunterlagen und Werkstattbelege durch Abwesenheit und die Werkstatt „die den Wagen in-und-auswendig“ kennen soll ist kein US-Spezialist sondern (wenn ich das richtig gesehen habe) eine Werkstatt für LKW und Baumaschinen.
Allerdings bleibt festzuhalten, dass, obwohl Tobias den Wagen nicht gekauft hat, es doch ein sehr lehrreicher Ausflug war! Außerdem hatten wir drei (Vaddern war auch mit) einen schönen Tag und viel zu lachen.

Sibirische Reparaturmaßnahme

Tobias hatte mich zusammen mit einigen Freunden über Sylvester in Osnabrück besucht und wir hatten gemeinsam in der WG meiner Freundin gefeiert. Auf dem Hin- oder Rückweg muss das Rohrstück am Endtopf des Alten Volvos die Gunst der Stunde genutzt haben, um sich von Dannen zu machen. Dabei nahm es leider auch gleich das S-förmige Endrohr der Auspuffanlage mit… kein netter Zug von den Beiden.
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Der Verlust hatte den Vorteil eines wesentlich sportlicheren Sounds, allerdings rußte uns das kurze ende das Heck des Volvos ziemlich zu, was nicht tragbar war.
Also war nun die Frage: Neuen Endtopf (Eigentlich noch recht solide) und neues S-Rohr oder selbst was bauen und nur neues S-Rohr? Tobias fällte diese Entscheidung recht schnell zugunsten der Bastellösung. Also bestellte er bei Skandix das fehlende Rohr und Papa und ich wühlten in unserem Eisenfundus nach einem anschweißbaren Rohr in passendem Durchmesser. Wir fanden es in Form eines alten Wasserrohrs:
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Also ein großes Brett nach draußen in den Schnee (und die Kälte um die -15°C) geschleppt und die Flex und Schleifhexe ausgepackt. Erst ein passendes Stück ablängen:
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Und dann selbiges etwas konisch zuschleifen, so dass es in das Loch des Endtopfes passt und Vaddern es anbraten konnte. Das war eine passende Gelegenheit für mich, die Feuerwerk-Motiv-Funktion meiner neuen Kamera zu testen. Ich bin zufrieden. Sehr stimmungsvoll:
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So sah dann das passende Rohrstück aus:
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Als nächstes haben wir noch den rostig ausgefransten Rand des Endtopfes blank geschliffen, damit das Rohr dort gut reinpasste und auch die Schweißnaht etwas solider ausfallen würde:
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Das vorbereitete Rohrstück passte haargenau in das Loch und ließ sich nach ein paar Hammerschlägen von Hand nicht mehr raus ziehen.
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Nun konnte es ans anbraten gehen („schweißen“ ist was anderes… wir haben leider nur ein altes Elektrodenschweißgerät und niemand von uns hat schweißen jemals wirklich gelernt):
Auspuffreparatur 001
Die Verbindung macht einen stabilen Eindruck und sollte halten.
Und wenn nicht, ist das auch nicht so schlimm. An die Schelle, welche das S-Rohr auf dem Stutzen befestigt montieren wir einen Draht, welcher am an der Karosserie verlührt wird. So verlieren wir beim nächsten mal wenigstens nicht wieder das S-Rohr.
Nun war der Volvo wieder leiser und das Heck vor Ruß sicher:
Auspuffreparatur 002