Archiv der Kategorie: Volvo V50

Scheibenkleister

Es liegen arbeitsame Tage hinter mir. Drei Autos mussten zum TÜV und dafür war einiges nötig:

Lieferung

Den Start machte der V50. Auf einer Testfahrt (normalerweise der Wagen der Besten) zeigte sich ein deutliches rubbeln im Lenkrad wenn man bremste. Je höher die Geschwindigkeit, desto schlimmer wurde es.
Fragt man dieses Internet, kann es alles sein. Sogar Krebs.
Erfahrungsgemäß sind es aber einfach die Bremsscheiben, die fertig sind (abgenutzt, Unwucht, etc.):

Bremsscheibe alt

Die Bremsscheiben des Volvo V50 dürfen minimal 23mm Reststärke haben. Die hier hatten 22mm.
Also einmal neu (Achtung, es gibt drei unterschiedliche Scheibendurchmesser!). Der Austausch ist straight forward und bei allen 08-15-Fahrzeugen ziemlich ähnlich. Knackpunkt sind eigentlich immer filigrane Zentrierschrauben (Hat der V50 glücklicherweise nicht) und die Bolzen des Bremssattelträgers:

Bremssattelhalter Schrauben

Auf der Fahrerseite hilft ein kleiner Wagenheber bei der Problemlösung:

Bremssattelhalter Schrauben Wagenheber

Auf der Beifahrerseite ist die Drehrichtung leider umgekehrt, so dass dort nur der Knebel samt Rohr als Verlängerung bleibt.
Ist alles demontiert, wird die Radnabe gereinigt:

Radnabe

Und anschließend alles mit Neuteilen wieder zusammen geworfen. Die Drehmomente findet ihr im Haynes.
Damit war das Rattern verschwunden und die HU kein Problem mehr.

Hier noch modellhaft ein Tipp, wie ihr die Reststärke von Bremsscheiben mittels Messschieber bestimmen könnt:Bremsscheibendicke messenAuf jede Seite der Bremsscheibe kommt eine dicke Unterlegscheibe, um den Grad am Rand zu überbrücken (auf dem sonst der Messschieber aufliegen würde). Wenn ihr das Maß bestimmt habt, zieht ihr davon noch die Stärke der Unterlegscheiben ab und ihr habt eure Reststärke.

Nachfolgeregelung

Der Volvo V50 hat neulich die 200.000 km-Marke überschritten:

200.000 km

Da fängt man so langsam an, sich Gedanken über einen Nachfolger zu machen.
Der Restwert des V50 beläuft sich laut mobile.de auf irgendwas bei 3000 €. Tendenz stark fallend. Da lohnt ein Verkauf kaum noch. Insbesondere weil alle Angst haben jetzt noch einen so alten Diesel zu kaufen. Also fahren wir ihn, bis er tot ist bzw. bis eine teure Reparatur ins Haus steht, die ich nicht selber beheben kann.

Da der V50 immer lediglich Gebrauchsgegenstand war und nicht wirklich zu unserem Nutzungszweck passte (Zu groß für die Stadt, zu klein für die Reise, Diesel bei kaum Fahrleistung). Wäre niemand um ein baldiges Ende traurig.

Problematisch ist allerdings die Nachfolge. Es soll ein komfortabler Reisewagen mit Platz für Familiengepäck werden.
Raymans Phaeton war da schon sehr beeindruckend. Mit einer Anhängerkupplung und Transportkiste darauf, dürfte auch das Gepäck-Problem gelöst sein. Allerdings würden wir uns nur sehr ungerne vom Erdgasantrieb lösen.

Der Combo hat in den letzten Jahren viel zu gut gezeigt, wie problemlos, komfortabel und vor allem billig ein Erdgasfahrzeug sein kann. Ganz zu schweigen vom überlegenen Ökogefühl auf dem Kita-Parkplatz.

Leider ist das Angebot an Erdgas-Reisewagen extrem dünn gesät.

Volvo hat den sehr schönen V70 Bi-Fuel nie offiziell in Deutschland angeboten, so dass man hier nur Grau-Importe findet und sich keine Werkstatt damit auskennt

Volvo V70

Selbst Volvo-Händler die die verkaufen winken beim Service ab. In Schweden wurde seit 2009 der V70 2.5FT AFV angeboten und konnte direkt bei Volvo bestellt werden. Dabei handelt es sich um einen V70 mit FlexiFuel-Motor (Benzin/Ethanol in beliebigem Mischungsverhältnis) und nachgerüsteter Prins-Erdgasanlage. Die Nachrüstung erfolgte durch die Firma AFV in den Werkshallen von Volvo in Torslanda.

Mercedes hat noch von der E-Klasse eine Erdgasvariante in homöopathischen Dosen auf den Markt gebracht:Mercedes E-KlasseAllerdings nur als Limousine und die wurden alle im Taxi-Betrieb aufgebraucht. Da findet man kaum was unter 150.000 km.

Bleibt noch der V.A.G. Konzern mit seiner „Erdgasoffensive„. Bisher ist da noch nicht viel gekommen. Audi A4 / VW Golf VII / Skoda Octavia Variant sind ein wenig mickrig, A5 hat schon so kaum Kofferraum.

Es ist und bleibt ein Trauerspiel.
Für sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung wäre ich dankbar.

Hasenpfote?

Trotz aktuell sehr beengter Platzverhältnisse (Bericht folgt) habe ich um die Weihnachtstage dem V50 seinen Jahresservice angedeihen lassen:Enge PlatzverhältnisseDas Ganze startete erstmal mit einem gehörigen Schrecken, als ich beim Abstellen der grünen Plastikschale das hier entdeckte:Hasenpfote?Da hat die Beste wohl einem per Anhalter fahrendem Reh die Flunke abgefahren. Oder der Marder hat vom jagenden Nachbarn einen Glücksbringer abgestaubt.
Nachdem dieses Andenken entsorgt war, habe ich mich an den Ölwechsel begeben. Dank der abgesägten Schraube, war der Dieselfilter diesmal kein Hindernis. Auch aus dem lose sitzenden MAN-Filter habe ich gelernt und zum Testen mal einen von Mahle genommen:FilterbohrungenWie ihr seht, ist beim neuen Mahle-Filter das Mittelloch deutlich kleiner als beim alten MAN-Filter. Jetzt sitzt er wieder schön stramm auf der Führung im Deckel.
Auch den Dieselfilter habe ich entwässert:Dieselfilter entlüftenWenn man weiß wie es geht, ein wirkliches Kinderspiel. Ich kann nur nochmal das Haynes Werkstatthandbuch loben! Super Anschaffung.
Als letzte Zen-Übung habe ich dann noch den Innenraumfilter gewechselt. Ich erspare euch Bilder von ausgebauten Gaspedal. Das Grauen habe ich hier ja schon hinlänglich dokumentiert.

unverhoffte Komplikation

Der Volvo V50 war mit dem kleinen Service dran. Groß gab’s ja letztes Jahr.
Der Innenraumfilter war ein schon bekanntes Übel.
Für den Rest kam er auf meine Rampen:
V50 auf den Rampen
Hatte ich schon erwähnt, wie dankbar ich der Besten bin, dass Sie mir „schrauben mit Familienanschluss“ ermöglicht hat?
So liegt man unterm Auto, hört ein Tappsen, sieht kleine Füße und plötzlich guckt Schräubchen unter’s Auto und fragt mit ihrer unnachahmlichen Art: „Was machst du eintlich?!„:
"Was machst du eintlich?"
Nach einer kurzen Erläuterung der Sach- und Rückenlage krabbelt sie erst mit unter’s Auto, um anschließend einen Kinderstuhl zu holen und sich mit in die Garage zu setzen. Dort werden dann munter die Nüsse im Knarrenkasten neu arrangiert oder mit Dingen aus der „Restekiste“ gespielt.
Mir geht jedes Mal das Herz auf.
Aber zurück zum Thema:
Auch der Ölwechsel sollte ein Kinderspiel sein.
Dank des Haynes-Manuals wusste ich ja nun, dass man an den Ölfilter viel einfach kommt, indem man den Dieselfilter löst.
Das ging auch planmäßig, bis zu dem Punkt, wo ich ihn einfach nach oben aus seiner Führung ziehen sollte:
Dieselfilter freigelegt
Er bewegte sich ca. 5 mm und saß dann fest.
Nach einigem rätseln und vergewissern, dass es wirklich nur 5 Schrauben sind, die ihn halten, stellte ich fest, dass die Messingbuchse an der Seite des Filters der Übeltäter war:
Buchse im Detail
Die Buchse hatte sich augenscheinlich aus dem Plastik des Filters gelöst und in dem Langloch der Schraube verkantet.
Super Sache!
Natürlich ist da weder Platz zum hämmern, noch ein Gegenlager um zu hebeln, damit die Buchse wenigstens temporär wieder zurück in ihr Gehäuse geht.
Alles nur Plastik-Mist.
Ich habe da sicherlich eine geschlagene Stunde probiert und gefummelt. Es half alles nix.
Also Radikalkur und zu einem schlanken Eisensäge-Blatt gegriffen:
beim sägen
Das ließ sich zwischen Plastikgehäuse und Crash-Rahmen fummeln und immer 3-4 Sägezähne vor und zurück bewegen.
Nach ca. 45 Minuten war die Buchse durch und der Filter ließ sich einfach entnehmen:
Buchse abgesägt
Wie man sieht steckt die Buchse ein gutes Stück in dem Langloch. Sollte das irgendjemand nachmachen müssen, so denkt daran, die darunter liegende Lichtmaschine abzudecken! Keine Ahnung, wie toll die Wicklungen einen Haufen Messing-Späne finden. Muss man ja nicht austesten.
Der Rest des Ölwechsels lief dann wieder nach Plan (Auch wenn ich überrascht vom großen Spiel des MANN HU 711/51 x-Filters war. Der sitzt leider recht lose auf den Stutzen.).
Beim Zusammenbau habe ich auf die seitliche Schraube verzichtet und den angepassten Kabelhalter einfach oben am Crash-Rahmen befestigt:
Kabelhalter neu positioniert
Ich denke, dass der Filter auf die seitliche Schraube nicht zwingend angewiesen ist, da er fest in einer Schiene sitzt und ringsum vom Crash-Rahmen umfasst wird.
Als sich meine Arme am nächsten Tag von der erlahmenden Sägearbeit erholt hatten, habe ich noch als letzten Schritt den Dieselfilter entwässert.
Wenigstens das ging straight forward.
An die Ablassschraube habe ich die Vakuumpumpe von Tante Louise angeschlossen, etwas gepumpt und dann die obere Entlüftungsschraube auf dem Filtergehäuse geöffnet:
Dieselfilter entwässern
Nun noch ein wenig gesaugt (ca. 200 ml) und alles wieder zu gedreht.
Anschließend muss man das System wieder entlüften.
Auch das geht mittels Vakuumpumpe kinderleicht.
Einfach die Rücklaufleitung an dem grünen Verbinder trennen und dort die Pumpe anschließen:
System entlüften
Nun pumpt man bis in der durchsichtigen Leitung auf der anderen Seite des Motors keine Luftblasen mehr zu sehen sind:
Dieselleitung zur Hochdruckpumpe
Abschließend noch den Motor starten und eine Runde um den Block drehen und den Service-Reminder zurücksetzen:
Zündung auf 1; Tageskilometer-Rücksteller gedrückt halten; innerhalb von 2 Sekunden Zündung 2; wenn das "i" im Instrumentenbrett leuchtet loslassen; zur Bestätigung ertönt ein Signal
Läuft alles.

Kampfspuren

Irgend so ein *#$§%&* hat den geparkten V50 touchiert und ist abgehauen:
Vorher
Lack am Stoßfänger ab, Kratzer im Scheinwerfer und Delle im Radlauf.
Sobald ich Weltenherrscher bin, wird solchen Leuten direkt die Lebensberechtigungskarte entzogen!
Der Rempler war auch nicht so harmlos, dass man den nicht bemerkt hätte.
Nicht das man für sowas ne Versicherung hat. Nöööö. Man könnte ja hochgestuft werden. *Grusel, Grusel*
Grrrrr……
Wenigstens hat’s der Scheinwerfer überlebt. Ansonsten wäre das ein teurer Spaß für uns geworden.
So konnte ich Schwiegervadders Politur schwingen und hab gerettet, was zu retten war:
Nachher
Kunststoff rostet nicht, daher bleibt das nun so.