Ich gebe ja zu, gerne mit frischen unvergnaddelten Schrauben zu arbeiten.
Die Gorilla strotzte leider vor abgerundeten Hex-Schrauben und ausgefransten Schlitzschrauben. Letztere sind ab Werk aus einem überraschend weichen Material und häufig ein Grund für Ärgernisse.
Eine gute Gelegenheit also, zu einem der verfügbaren Schrauben-Sets für den Motor zu greifen und die ollen Dinger gegen schicke Inbus-Schrauben zu tauschen.
Ich habe ein Set vom Oldieschraubershop.de bestellt:

Alle Schrauben haben eine 8.8er-Festigkeit und sind hart verchromt. Sollte also halten und auch eine lange Zeit lang schick aussehen.
Um mir einen Überblick zu verschaffen, habe ich sie dann erstmal sortiert:

Und anhand der Explosionszeichnungen einzeln ausgetauscht:

Leider stimmten viele der Maße nicht 1:1 so dass ich ein wenig raten musste, ob an eine bestimmte Stelle die etwas zu kurzen oder die etwas zu langen Schrauben gehören.
Eine Tauschanleitung wäre da als Inhalt des Sets sehr wünschenswert gewesen! Leider sind nun nämlich auch einige Schrauben übrig und an anderer Stelle fehlen welche. Nicht sehr befriedigend.
Da muss ich mir nochmal Hilfe im Forum holen, da ich keinen blassen Schimmer habe, wo die hingehören. In den Explosionszeichnungen finde ich auch keine Schrauben in dem Maß.
Das der Schraubentausch eine gute Idee war, zeigte sich im laufe der Aktion mehrfach. So sah z.B. eine der Motorschrauben aus:

Als ich die Abdeckung über der Kupplung demontierte fiel mir auch noch die nächste Falle auf:

Die Halteplatte des Ritzels war nur mit einer Schraube gesichert, welche lediglich zwei Umdrehungen eingeschraubt war. Das wäre mir bei der ersten Probefahrt um die Ohren geflogen!
Bei der Gelegenheit habe ich alle Schrauben mit dem im Handbuch vorgeschriebenen Drehmoment angezogen. Leider habe ich es versäumt, die Schrauben danach mit Nagellack zu markieren, da keiner zur Hand war. Muss ich noch nachholen.
Was ich ja besonders amüsant finde, ist das Honda für diesen Zwerg auf dem 4-Takt-Prinzip beharrte. Das hat dann solche Auswüchse wie die Steuerkette, welche auch wahlweise als filigraner Damenschmnuck getragen werden kann (Man achte auf das Größenverhältnis):

Bei der Gelegenheit habe ich auch mal die Verzahnung der Kickstarterwelle inspiziert. Von den Simson-Motoren kenne ich sie als Schwachstelle, welche sich im laufe der Jahre zu einem Korkenzieher verdreht. Bei der Gorilla sieht sie aber noch aus wie neu:

Schraube locker
Anprobe II
Bei der Anprobe der Karosserieteile habe ich mich mal noch ein wenig weiter umgesehen, was es noch zu erledigen gibt.
Unter anderem muss ich noch ein neues Helmschloss besorgen, da ich zu dem alten keinen Schlüssel habe:

Beim Helmschloss ist das noch recht easy, da man den kompletten “Schlosskörper” samt Halter abschrauben kann. Muss ich nur nen neues samt Schlüssel finden und kann es dann plug & play tauschen.
Schwieriger wird das wohl beim Lenkerschloss:

Da hab ich natürlich auch keinen Schlüssel für und das bekomme ich da wohl nicht so einfach raus. Zumindest fehlt mir momentan noch die zündende Idee. Alle Schlüssel aus unserem Schlüsselfundus hab ich schon durchprobiert. Klar, ausbohren geht auch. Aber dann hab ich da Brösel drin. Muss ich mich beim lokalen Autoknacker nochmal schlau machen.
Auch im Bereich der Elektrik gibts einiges zu erledigen:

Wie man sieht ist der Keramik-Widerstand zerbröselt. Das soll aber eh eine doofe Lösung sein und da solls was unauffällig modernes geben, was der 6V-Anlage auch mehr Leistung entlockt. Muss ich auch noch Recherchearbeit leisten.
ebenfalls muss ich eine Quelle für original Blinker für hinten und vorne auftun. die Aufnahmen sind bei meiner Gorilla verwaist:

Und über die Funktion dieses Nippels muss ich auch noch Informationen einholen:

Ich vermute, es ist ein Entlüftungsnippel für den Motor. Vielleicht führt der dann in den darüber sitzenden Luftfilter. So wird das ja auch beim Rialto und Bond Bug gelöst.
Rust2Rome
Tobias und ich haben uns überlegt, dass wir auch dieses Jahr wieder eine Langstreckenrallye fahren wollen.
Allerdings haben wir beide leider nicht so viel Zeit wie für die Rally Dresden – Banjul damals.
Wir suchten daher eine Veranstaltung im Bereich von 7-14 Tagen. In Deutschland fanden wir nichts passendes, so dass wir uns ein wenig bei unseren Nachbarn umsahen. Tobias stöberte recht schnell die Rallye “Rust2Rome” auf.

Hier der Trailer zur 2009er-Ausgabe:
In neun Tagen führt die Rallye von Edinburgh über knapp 5000 km nach Rom.
Das ganze läuft nach dem Checkpoint-System und mittels vorgegebener Route. Diese ist auch die Besonderheit der Rallye. Der Organisator Marko verspricht die schönsten Straßen süd-west Europas aneinander gereiht zu haben. Unter anderem auch Straßen, die den Nerds unter euch aus Italian Job, Casino Royale oder Ronin bekannt sein dürften (einschlägige Filmszenen siehe Links).
Dementsprechend verwinkelt ist auch die Routenführung.
Als klassische “Banger rallye” sollen die Fahrzeuge der Teilnehmer nicht 500 GBP in der Anschaffung übersteigen.
Allerdings ist es nach Markos Aussage wichtiger, dass man ein Fahrzeug wählt, dass einem Spaß macht, als eines, dass alle 50 km zusammen bricht.
Tobias und ich überlegen daher, die Gelegenheit am Schopfe zu packen und mal wieder ein Auto für den dauerhaften Besitz zu kaufen.
Rüber fliegen, kaufen und mit kleinem Abstecher über Rom nach hause fahren… so der grobe Plan.
Nur mit dem Auto sind wir uns noch nicht sicher.
Ein Reliant Scimitar GTE SE6A steht im Raum:

Oder ein Triumph GT6:

Mal sehen, was uns noch so in den Sinn kommt.
Das Startgeld beläuft sich (bei zwei Personen) auf umgerechnet ca. 420 €, wobei dort schon die Fähre über den Kanal, eine Hotelübernachtung in Rom, Funkausrüstung, Navigationsunterlagen und sonstiger Kleinkrams mit drin sind. Bei mehr Teilnehmern pro Team wird es billiger.
Start ist am Sonntag den 01.Juli 2012.
Hat jemand von euch Lust an dem Trip mit einem zweiten Team teilzunehmen?
Es sind noch Plätze frei und Ausländer sind ausdrücklich willkommen.
Zwei Wochen Kanaren sind auch nicht billiger, aber die Fotos davon will nachher keiner sehen!
Ein Urlaub für echte Petrolheads!
Und wer will kann nachher die Karre hier verscheuern und versuchen, damit die Reise gegen zu finanzieren.
Die sympathische Einstellung der Teilnehmer wird auch in diesem Video aus Markos Videochannel deutlich:

Stehbolzenmassaker
Eine der ersten Baustellen an der Gorilla sind ihre Stehbolzen am Krümmerflansch:
Den nicht abgerissenen habe ich sicherheitshalber mit der Lötlampe erhitzt und anschließend abgeschreckt. Das hatte ja schon beim Wasserpumpenbolzen des 740 geholfen. Nachdem alles wieder abgekühlt war, ließ der Bolzen sich auch vorsichtig mittels gekonterter Muttern ausdrehen.
An dem abgerissenen Bolzen bin ich jedoch gescheitert. Für gekonterte Muttern war der Stummel zu kurz. Ein Schweißgerät hat noch immer keinen Weg in unsere heimische Werkstatt gefunden. Daher blieb mir nur der Weg, den Bolzen auf zwei Seiten flach zu feilen und mit einer Gripzange zu greifen:

brachte aber alles nix. Sitzt noch immer Fest das Biest. Es drehte sich einfach die Zange auf dem Bolzen.
Muss ich wohl den Motor ausbauen.
Dann mal weitersehen. Vielleicht bekomme ich doch noch mit unserem prähistorischen Elektrodenbräter eine Mutter auf den Stummel geschweißt.
Ansonsten muss ich mir was schlaues einfallen lassen, wie ich das Teil ausgebohrt bekomme.
Ein anderes Rätsel konnte ich jedoch lösen. Ich habe mich ja immer gewundert, dass der Auspuff nicht passen würde, obwohl es ein Originalteil zu sein schien. Das hier war die maximale Überschneidung, die möglich war:

Bei der näheren Begutachtung fiel mir aber auf, das im Flansch noch ein zweiteiliger Ring sitzt:

Eine kurze Nachfrage im Bonsai Crew-Forum zeigte, dass dies eigentlich ein Dichtring ist, der “nach” dem Auspuff eingesetzt wird und dann mit dem Pressstück des Flansches verschraubt wird. Also fix mit der Zange den Ring da raus gepuhlt und schon passt der Auspuff!
Durch das Forum konnte ich auch direkt die nächste Frage klären. Nämlich: Ist mein Motorgehäuse hin?

Wie ihr auf dem Bild seht, sieht es so aus, als wäre ein Stück Guss aus dem Flansch ausgebrochen.
Allerdings auch da konnte mich das Forum beruhigen. Das ist normal bei den 6V-Honda-Motoren….
Die waren an dieser Stelle ab Werk so verarbeitet. Original ist da eine V-förmige Kerbe, deren Ränder gerne so ausgefranst waren.
Anprobe
Nachdem der Fehler bei WebGo24 endlich gefunden ist und wir wieder auf unsere Foto-Datenbank zugreifen können, mache ich mich mal ans aufarbeiten:
Meinem Neujahrsvorsatz entsprechend, habe ich mich an die Gorilla begeben.
Um nicht immer am Boden rum kriechen zu müssen, habe ich sie auf einen verlängerten Tisch im Werkkeller gespaxt. So kann man gemütlich im sitzen am Motor arbeiten und sonst stehend um den kleinen Affen turnen.
Um mir endlich mal einen vollständigen Überblick zu verschaffen, habe ich mal die ganzen Teile aus den Kartons sortiert und lose zusammengesteckt:

Sieht schon fast wie ein Motorrad aus.

Glücklicherweise ist es nahezu vollständig. Lediglich die Luftfiltereinheit konnte ich direkt als großes fehlendes Element identifizieren.
Eine schnelle Suche im Netz förderte leider nur Sportluftfilter zutage. Ein Original/Nachbau-Teil wäre mir jedoch wesentlich lieber. Mal sehen, wo ich da eine Quelle auftue.
