Genauso häufig, wie ich im Familienchat frage, wie Menschen nur ohne Anhänger leben können, frage ich auch, was für eine traurige Existenz man ohne Hubwagen vor sich hin fristet.
Und ich wäre kein Kind der turbokapitalistischen Erziehung der 90er, wenn ich mich mit dem schnöden Besitzes eines Hubwagens abgeben würde!
Oh, nein! Denn was ist besser als ein Hubwagen?
Richtig! Zwei Hubwagen!
Und was ist noch besser als ein zweiter Hubwagen?
Klar, ein dritter….
Aber das meine ich nicht. Das wäre ja nun wirklich Angeberei!
Ein Hochhubwagen!
Klar, die Kollegen kennt jeder von euch aus dem Baumarkt.
Aber so eine „Elektroameise“ ist bestialisch schwer und will immer am Strom nuckeln, damit die Batterien nicht sterben.
Und dann sitzen da irgendwelche elektrischen Gremlins drin, die man nur mittels Schaltplan Schamane austreiben kann.
Nee, gerne Oldschool rein mechanisch.
Ist zwar nervig mit dem hochpumpen, aber ist ja nicht so, dass ich da täglich tonnenschwere Lasten mit bewegen würde. „Über 200 kg und einmal die Woche“ (Titel deines Sexvideos) wird sich da kaum was bewegen.
Dementsprechend hatte ich seit knapp 1,5 Jahren einen Suchauftrag bei Kleinanzeigen laufen.
Mit bescheidener Ausbeute.
Einer konnte plötzlich doch nicht mehr verkauft werden, da der Gabelstapler defekt ging.
Und bei dem Anderen stellte sich bei der Besichtigung heraus, dass der Verkäufer die Hubhöhe von ChatGPT erfragt und nicht selber nachgemessen hatte.
Mein Lastenheft war aber auch sehr speziell:
- eingefahren maximal 2m hoch
- Hubhöhe von mindestens 2,4m
- Freihub
- in der Breite verstellbare Zinken
- Schnellhub
Die Höhe begrenzte die Durchfahrt zum Werkraum, die Höhe brauchte ich, um auf den geplanten Zwischenboden zu kommen, den Freihub (Hubhöhe, eh der Mast beginnt sich auszufahren) wollte ich, um auch bei der Deckenhöhe im Werkraum etwas sinnvoll anheben zu können, die verstellbaren Zinken helfen bei Einwegpaletten o.ä. und ein Schnellhub befreit von ewigem pumpen mit dem langen Hebel.
Nachdem diese eierlegende Wollmilchsau aber partout nicht bei Kleinanzeigen auftauchen wollte, musste ich in den sauren Apfel beißen und sie neu ordern:

Im Bild seht ihr einen Pallit SDJA 1000-I.
Der Hase hebt bei einem Eigengewicht von 322 kg eine Last von 1000 kg 2,5m hoch. Das reicht locker für den Zwischenboden:

Auf dem Bild seht ihr auch, warum ich den Eingang zum Werkraum in einer Flucht mit der oberen Öffnung gemauert habe. Irgendwo müssen ja die vorderen Ausleger hin.
In eingefahrenem Zustand hat er nur 184 cm:

Das passt also auch locker.
In Verbindung mit dem Freihub kommt die Last damit auf Hüfthöhe, eh die Zwischendecke zum Problem wird:

Mit einer Opferplatte auf einer Europalette ergibt das einen schönen mobilen Hubtisch.
Und dank der (bedingt) stufenlos verstellbaren Gabelzinken, lassen sich auch ungenormte Dinge anheben:

Teil der Wahrheit ist aber auch, dass das ab Bodenniveau nur geht, wenn die Zinken neben, genau über oder zwischen den vorderen Auslegern sind. Ansonsten muss man die unförmige Last erst ein Stück anderweitig anheben. Aber variabler als die üblichen starren Zinken ist das allemal.
Besonders gefreut hat mich, dass sogar an Schmiernippel gedacht wurde:

Aber wie uns schon der große Gegenwahrtsphilosoph Kalle Grabowski sagte:
„Auch an einer spitzen Ollen gibt es mitunter einiges zu optimieren!“
Ich kenne mich ja. Irgendwann will ich den Hasen mal auf die Lafette verladen und obwohl wir alle wissen, wie muskulös ich bin, sind 322 kg doch knapp über meinem Limit.
Da müssen also Anschlagpunkte für meine Elektrowinde dran. Hinten war das auch kein Problem:

Da habe ich einfach einen der Laufrollenbolzen umgedreht und die Mutter gegen eine Augenmutter ersetzt.
So wäre aber die Last immer hinter dem Hubwagen auf dem Anhänger und ich würde ihn nicht vom Anhänger runter bekommen, ohne erst die Last abzuladen.
Also mussten auch vorne zwei Anschlagpunkte dran.
Nach kurzem sinnieren fiel mein Blick auf die Käfige der vorderen Laufrollen. Die sind schön massiv und liegen bei angehobenen Zinken auch frei. Zeit für den Bohrer:

Dadurch, dass die Zinken deutlich länger und auf der Unterseite hohl sind, verschwinden die Augenmuttern auch problemlos in ihnen:

Dank meiner Auffahrkeile lässt sich der Hubwagen nun auch so rum auf die Lafette zerren:

Ich werde vom ersten Praxistest berichten.