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Karies III

Es kam mir alles spanisch vor.
Innerhalb der Hinterradschwinge sitzt laut Explosionszeichnung bei der CX500 keine weitere Verzahnung. Lediglich das Kardangelenk dreht sich dort in einem „Becher“, der Teil der Schwinge ist.
Aber die Geräusche passten partout nicht zu einem gebrochenen Gelenk.
Wie ich schon mal schrieb, bin ich ein mir selbst gegenüber sehr misstrauischer Mensch.
Wenn also meine geräuschmäßige Verortung des Defektes („Das kommt ganz klar vom Endantrieb!“) nicht auf Anhieb zu einem echten Schadensbild führte, war der logische nächste Schritt, mich selbst in Frage zu stellen.
Also alles auf Anfang und nochmal ohne subjektive Gefühlsregungen nachgeforscht.
Den nötigen Zusammenbau habe ich für die erste Reparatur genutzt:

Lager gesichert

Mittels zweier Körnerschläge fixierte ich das rechte Lager in der Bremstrommel. Das sollte sich nun nicht mehr mitdrehen.
Gute Gelegenheit, die Bremstrommel mal zu vermessen. Das maximale Maß ist freundlicherweise eingegossen:

Verschleißgrenze Bremstrommel

Meine Trommel hat noch exakt 150mm:

Durchmesser Bremstrommel

Da ist also noch reichlich Fleisch übrig.
Um den Endantrieb als Geräuschverursacher auszuschließen montierte ich mein Ersatzteil:

Beide Endantriebe

Danach kam im Heck alles wieder zusammen und ich räumte den Innenraum aus, um die Kardanwelle beobachten zu können:

Testweise zusammengebaut

Auf die Idee hätte ich auch schon deutlich früher kommen können. Denn wenn irgendwo zwischen Motor und Hinterrad die Kraftübertragung nicht funktioniert, zeigt die Kardanwelle das malade Ende an.
Also drehte ich bei eingelegtem Gang am Hinterrad und beobachtete die Kardanwelle.
Die drehte sich ordnungsgemäß, während unverändert das mahlende Geräusch schleifender Verzahnung erklang. Damit wusste ich schon mal, dass meine anfängliche „Gehördiagnose“ für den Arsch war…
Bleibt noch die Verzahnung „Getriebeausgang – Kardanwelle“. Die lässt sich hier erahnen:

Verbindung Kardan Getriebewelle

Natürlich kann ich nicht gleichzeitig am Hinterrad drehen und vorne den Wellenstumpf beobachten. Aber ein Handy ließ sich dort rein zwängen:

Herzlichen Glückwunsch, wir haben eine Diagnose!
Wie wir an der weißen Markierung sehen, dreht sich die Hülse der Kardanwelle auf der Verzahnung der Getriebewelle, ohne dass sich diese mit bewegt. Da scheint also der Defekt zu liegen. Ggf. ist der Passstift, der die Hülse auf dem Wellenstumpf sichert verloren gegangen oder wurde nie installiert.
Wenn man weiß, wonach man suchen muss, meine ich feine Metallspäne rings um die Stelle zu sehen.
Um das Ausmaß des Schadens begutachten zu können, muss jedoch die Kardanwelle raus.
Und um die Kardanwelle auszubauen, muss der Motor raus.
Die Saison ist gelaufen. Mindestens.
Es scheint, als würde das die erste größere Arbeit, wenn das Genesungswerk eingerichtet ist.

Karies II

Aufgrund verschiedenster Baustellen komme ich partout nicht dazu beim JZR voran zu kommen.
Nachdem aus dem Bereich des Hinterrades nur noch mahlende Geräusche statt Vortrieb zu vernehmen waren, gingen ja die ersten Ferndiagnosen in Richtung „abgescherte Verzahnung am Endantrieb“.
Also habe ich mal alles freigelegt:

Schutzblech entfernt

Da man nicht, wie beim Motorrad, die Achse einfach seitlich raus ziehen kann, muss man die Stoßdämpfer und die Drehmomentstütze lösen und dann die Karosserie anheben:

Heck anheben

So kommt die Radnabe weit genug nach unten, damit man seitlich den Achsbolzen raus ziehen kann:

Hinterrad ablassen

Jetzt löst sich schon mal das Rad aus seiner Verzahnung. Allerdings bekommt man es erst raus, wenn auch der Endantrieb entfernt wurde:

Muttern Endantrieb lösen

Dazu die drei Muttern lösen und mit Nachdruck das Gehäuse hin und her wackeln.
Nach ein wenig Reinigung sieht die Verzahnung des Winkeltriebes noch Tip-Top aus:

Verzahnung Endantrieb gereinigt

Lediglich minimale Aufwölbungen lassen sich an den Flanken erkennen:

Leichte Verformung Zahnrad Endantrieb

Und auch die Verzahnung in der Felge sieht noch weit entfernt von Karies aus:

Verzahnung Felge 2

Ok, das Lager lässt sich von Hand in seinem zerschundenen Sitz drehen, aber das kann nicht die Ursache sein.
Mal sehen, ob ein paar Körnerschläge es wieder fixieren können.

Damit ist jedoch der Endantrieb als Ursache raus.

Die nächste Verdächtige auf der Liste ist die Verzahnung der Kardanwelle. Da muss ich aber noch raustüfteln, wie ich dafür die Hinterradschwinge ausgebaut bekomme.
Ich befürchte, dass dafür der Tank raus muss.

Karies

Das erste Maiwochenende hatten wir „Kinder-frei“. Dazu war bei uns bombastisches Wetter.
Beste Gelegenheit um die Route für die Ausfahrt des diesjährigen „Tamworth Specials“-Treffens auszukundschaften. Also JZR und beste Ehefrau von allen geschnappt und ab, entlang der Elbe:

auf der Fähre

Die Freude war auf allen Seiten ausgeprägt und es war ein herrlicher Tag!
Bis ich in einem winzigen Dörfchen auf einem abgelegenen Feldweg anfahren wollte und aus Richtung Hinterrad nur noch das Geräusch mahlender Zahnräder zu vernehmen war…..
Es war ziemlich schnell klar, dass das keine Feldreparatur werden würde. Schob man mit eingelegtem Gang den JZR klang es so:

Also beim AvD angerufen und einen Abschlepper bestellt. Das war dann noch eine längere Diskussion, da sie einen eigentlich nur 50 km weit transportieren und wir aber gut 65 km von Zuhause entfernt waren, aber „nach Rücksprache mit der Fachabteilung“ ging das dann doch.
Ich habe da mal ein Auge drauf. Ggf. muss ich doch nach 16 Jahren mal meine Mitgliedschaft kündigen. Aus 50km Umkreis komme ich auch selbst nach Hause und hole das Auto auf der Lafette.
Nachdem ich dem Abschleppdienst meine GPS-Position geschickt hatte, fand auch er uns:

auf dem Abschlepper

So endete der eigentlich wunderschöne Tage doch etwas niedergeschlagen.
Nach bisheriger Diagnose ist die Verzahnung vom Endantrieb abgeschert. Das soll bei der CX500 im Gespannbetrieb (belastungsmäßig wenig anderes als der JZR) häufiger vorkommen.
Hoffentlich hat es die Verzahnung im Hinterrad überlebt. Das ist nämlich eine Spezialanfertigung für den JZR….

Küchenprofi

Auf der vorletzen Fahrt der Saision 2025 hatte ich beim JZR plötzlich den Griff des Choke-Bowdenzuges in der Hand:

Chokegriff fehlt

Das musste für den anstehenden Saisonstart 2026 natürlich noch behoben werden.
Den Griff scheint einer der Vorbesitzer in seiner englischen Küche gemopst zu haben:

Chokegriff einzeln

Woher ich das weiß? Nun, so sehen die Schrankgriffe bei mir in der Büroküche aus:

Griffe Kaffeeküche

Eine frapierende Ähnlichkeit. Außerdem hat der Griff des JZRs ein Gewinde in der rückseitigen Bohrung. Eher unsinnig, bei einem Bowdenzug ohne Schraubnippel.
Daher war der Bowdenzug bisher auch wohl lediglich in dem Kopf eingeklebt. Dass das irgendwann aufgibt, war absehbar.
Nach dem Facelift im letzten Jahr stehen für den JZR noch weitere Umbauten auf dem Zettel. Eine geänderte Vergaserbatterie ist Teil dieser Pläne. Damit einher geht auch eine andere Choke-Zug-Führung und der Umbau auf den Chokezug des MGB. Ist aber alles noch in den Kinderschuhen. Daher musste der Küchengriff erstmal wieder zurück ins Cockpit. Aber ohne Kleber bitte. Mein Plan war eine Schraubverbindung.
Dafür habe ich den Alu-Knopf mit einer schlanken Schlüsselfeile an einer Stelle plan gefeilt:

planfeilen

So hatte ich einen guten Ansatzpunkt für den 3,3mm-Bohrer:

Bohren

Der zauberte das passende Loch, um ein M4-Gewinde zu schneiden. Allerdings kam ich mit dem konisch zulaufenden Gewindeschneider nicht weit, eh er an die Wand der Gegenüberliegenden Bohrung stieß. Meine Lösung war eine M4-Schraube, in die ich einen Schlitz sägte:

Gewindeschneider

Durch den Schlitz furchte sich die Schraube in das weiche Alu und produzierte ein ganz passables Gewinde:

Gewinde mit Schraube geschnitten

Anschließend kam an die Stelle der Schraube eine Madenschraube:

Madenschraube eingesetzt

Die klemmt jetzt zuverlässig und verdeckt das Stahlseil des Bowdenzuges:

Chokegriff wieder montiert

Leistenbruch

Beim hangeln im Fußraum des JZR ist mir neulich eine der hölzernen Zierleisten abgebrochen:

Zierleiste abgebrochen

War zum Glück ein glatter Bruch entlang der alten Klebekante.
Herausfordernd war nur, wie ich das Holzstück anpresse, während der Leim langsam abbindet.
Es wurde dann eine wilde Hilfskonstruktion an den nahegelegenen Aufnahmen der vorderen Verkleidung:

Klemmung zum anleimen

Hat vorzüglich geklappt. Sitzt wieder spurlos an Ort und Stelle:

Leiste repariert