Archiv der Kategorie: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

Benzinmessstab

Irgendwie kam der Wintereinbruch so überraschend, dass ich es nicht mehr geschafft habe, mit dem Rialto zum tanken zu fahren. Ich mache vor dem Winter immer den Tank bis zum Rand voll, damit sich möglichst wenig Kondenswasser an den Seiten des Blechtanks niederschlagen kann.

Also tanken aus dem Kanister. Aber wann ist der Tank voll? Auf die sehr träge Tankuhr ist da kein Verlass. Die zeigt noch 3/4 wenn einem der Sprit schon in den Socken steht. Abhilfe brachte der Ölmessstab aus dem Combo:

Beim Corsa C/Combo ist er aus einem stabilen aber doch flexiblen Drahtgeflecht und hat auch eine metallenen Anzeiger am Ende. Von der Länge her geht er ziemlich genau bis zum Anschluss zwischen Tank und Tankrohr. Hat super funktioniert.

Top Tipp, wenn ihr das nächste Mal über den Schrottplatz schlendert.

Navi aus der Asche

Die Jungs von Männertours waren so freundlich mir einen alten Aschenbecher für meinen Rialto aus ihrem Teilefundus zu schicken:

Einen solchen wollte ich schon länger für eine kleine Zwischenbastelei haben.
Problematisch bei Ausflügen mit dem Rialto in unbekannte Gefielde ist immer die Navigation. Zwar habe ich ja schon vor 10 Jahren zwei versteckte Steckdosen nachgerüstet, aber es fehlt einfach an Ablagen für ein Telefon als Navi.
Entfernt man aber vorsichtig die Zigarettenablage aus dem Aschenbecher:

So passt ein modernes Smartphone locker stehend in den Aschenbecher:

Problem solved.
Jetzt muss ich nur noch 1000 Jahre Nikotin aus dem Aschenbecher entfernen. Ürgs

Ready for Alltagseinsatz

Da unser Fahrzeugbestand ja überraschend drastisch reduziert wurde und Zulassungen Dank Corona ewig dauern, musste sich der Rialto nahtlos in den Alltagsbetrieb einfügen.
Dementsprechend habe ich ihm auch schnell einen großen Service angedeihen lassen:

Die Kardawelle hinten bekamm frisches Schmatzi-Watzi mit der Fettpressen:

Die beiden Schmiernippel an der Front sind immer eine besondere Herausforderung. Insbesondere wenn man als Bodenturner schraubt:

Auch die Kupplung habe ich nachgestellt:

Da war einiges an Spiel. Allerdings habe ich etwas mehr Luft als die im Handbuch vorgeschriebenen 1,5mm gelassen. Eher Richtung 3-4mm.
Den Überlauf des Vergasers im linken Kotflügel habe ich bei der Gelegenheit auch mal inspiziert und feucht durch gewischt:

Als Motoröl teste ich mal mild legiertes Rowe SAE50:

Der Rialto muss ja nicht mehr (so wie noch zu Osnabrücker Zeiten) bei winterlichen Temperaturen ran. Da tut es auch ein solches „Sommeröl“.
Dazu dann noch Kühl- und Bremsflüssigkeit sowie Batteriesäure prüfen, eine Sichtprüfung aller Verschraubungen, alle Schlösser und Scharniere ölen, den Öldeckel samt Schlauch reinigen und fertig ist die Laube. Bremsen, Reifen und Ventile hatte ich ja erst vor kurzer Laufleistung gemacht.
Eigentlich müsste auch mal das Getriebeöl gewechselt sowie das Öl im Hinterachdifferenzial und das Fett in der Lenkung geprüft werden. Allerdings bin ich zu alt dafür, dass in Bauchlage zu erledigen. Die 1-2 Jahre, bis die Halle steht, kann er noch warten.

Kleiner Service, großer Aufwand

Das Handbuch des Rialtos wünscht sich, dass der gewissentliche Eigentümer alle 10.000 Meilen das Dämpfungsöl des SU HS-2 Vergasers nachfüllt.
Aber gerne doch. Da passt es gut, das wir die 10.000 Meilen gerade überschritten haben.
Also erstmal Grundlagen klären:
Das Handbuch wünscht sich schlicht „engine oil“. Mein geliebtes Haynes ist da schon konkreter und begehrt SAE 20W/50.

Von Vadderns Nachbarn hab ich einen original SU-Spare-Parts-Catalogue bekommen, welcher nach SAE 20 verlangt.

Und da ich vorher in beides nicht rein geguckt habe, sondern dieses Internet befragte, habe ich schnödes ATF verwendet:

Soviel sei schon mal gespoilert: Es macht keinen Unterschied. Hauptsache der Kolben wird durch irgendwas gedämpft. Zur Not Sonnenblumenöl.

Nun also zur praktischen Umsetzung. Bei Vadderns 1800S erledigt man das im vorbei laufen. Haube auf, liegen die Vergaser vor einem, Käppchen samt Dämpfer runter schrauben, Öl einfüllen bis der Messschieber sagt:“Passt“ (13mm über der Dämpferbohrung). Ist ne Sache von 3 Minuten.

Beim Rialto ist es etwas kompliziert. Seht ihr die schwarze Kappe auf der Glocke des Vergasers? Gaaaanz tief hinten rechts. Nein?

Moment, ich schraube schnell den Luftfilter samt Gehäuse weg:

Da ist sie.
Ach, ihr bekommt den Dämpfer nicht entfernt, weil die Karosserie zu dicht darüber ist? Kein Problem, ich schraube schnell den Vergaser samt Leitungen vom Vorheizelement los, um ihn nach vorne kippen zu können.

Ach geht nicht, weil auf den Stehbolzen nicht genügend Platz für einen normalen 1/2-Zoll Maulschlüssel ist? Kein Problem, ich feile gerade einen schlanken Blech-Schlüssel passend.

Ach Mist, der lässt sich nicht drehen, weil zu wenig Platz ist? Kein Problem, ich säge ihn auch noch ab.

So, jetzt haben wir ein passendes Werkzeug (siehe oben im Bild) und können den Vergaser ein Stück nach vorne ziehen, so dass der Dämpfer entfernt werden kann:

Hier sieht man auch die Bohrung des Dämpfers innerhalb der Glocke. Da soll das Öl 13mm drüber stehen. Bei waagerechtem Vergaser versteht sich. Keine Chance dass beim Rialto sauber hin zu bekommen.

Gut, dass es englische Technik ist. Da kann man auch getrost gröber ran gehen. Einfach auffüllen, bis das Öl Pi-mal-Auge unten am Gewinde steht, dann den Dämpfer einschrauben, einen Lappen auf das Entlüftungsloch oben in der schwarzen Kappe halten und mit der Hand ein paar mal kräftig den Kolben des Vergasers durch die offene Ansaugseite hoch drücken. Alles überschüssige Öl wird so nach oben durch die Entlüftung raus gedrückt. Bei ATF eine echt stinkige Angelegenheit, aber nachher passt der Pegel.

Danach alles wieder zurück bauen und fertig ist die Laube für die nächsten 10.000 Meilen. Den mund-geklöppelten Spezialschlüssel packt man am besten zum Bordwerkzeug.

Bei dieser Gelegenheit:
Hatte ich eigentlich schon mal gesagt, wie liebevoll ich die Beschriftung des Luftfilter-Gehäuses finde?

Ich finde, da ist Unternehmerstolz spürbar.

Dicke rubbeln…

… Reifen doller ab. Wie gut dass ich so’n dünner Hering bin. Verhinderte aber trotzdem nicht, dass sich der Vorderreifen des Rialtos auf den letzten 10.000 Meilen ungleichmäßig abgenutzt hat. Also flugs vorne Aufgebockt und das Rad abgenommen:Rad abgenommenEin Vergleich mit dem identischen Rad vom Bond Bug (Der Händler bestand damals darauf, dass ich zumindest zwei Reifen nehme) zeigt den deutlich einseitigen Verschleiß:Reifen alt vs. NeuDie Seite auf welcher der Fahrer sitzt, ist schön blank. Nicht umsonst empfiehlt Reliant die Räder regelmäßig im Kreis zu tauschen.
Eh ich aber ein neues Rad aufgezogen habe, nutzte ich die Chance und habe den Achsschenkelbolzen abgeschmiert.

Dazu sollte man dringend die Bremstrommel abnehmen. Ihr seht nachher warum. Um die Bremstrommel runter zu bekommen, muss man beide Bremsnachsteller (oben und unten) zurück drehen:BremsrückstellerAls nächstes gibt es Schmackofatz mit der Fettpresse. Erst unten:Schmiernippel untenDann oben:Schmiernippel obenInsbesondere beim oberen Schmiernippel sieht man, warum man unbedingt die Bremstrommel dabei abnehmen sollte:Fett in der BremstrommelDas überschüssige Fett drückt sich unter den Bremsbelägen, im inneren der Bremstrommel raus. Und dass Bremsen und Schmierfett keine gute Kombi sind, brauche ich wohl niemandem zu erzählen.
Also alles sauber gewischt und auf dem Weg raus nochmal fix unter die Staubkappe des Radlagers geguckt:Radlager ohne StaubkappeDas sieht noch sehr gut aus. Das Fett habe ich nur durchgerührt und die Kappe wieder drauf gedrückt.
Anschließend kam die Felge vom Bond Bug samt Reifen drauf:Neues Rad montiertDer Reifen ist auch schon 7 Jahr alt. Wenn ich den auch nochmal 9 Jahre und 10.000 Meilen runter rubbel, kann ich getrost alle zusammen wegschmeißen und 4 neue kaufen.