Archiv der Kategorie: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

Federbruch

Neben einem undichten Auspuff hinderte mich auch eine gebrochene Sitzfeder daran, mit dem Rialto auf eigener Achse die knapp 600 km zum diesjährigen „Tamworth Specials“-Treffen zu bestreiten.
Die Feder war in der Sitzlehne gebrochen und bohrte sich unter Belastung gefährlich spitz in das bislang makellose Kunstleder der Lehne. Mir da ein Loch einzuhandeln, wollte ich unbedingt vermeiden.
Um wenigstens ohne bleibenden Schaden an der Ausfahrt teilnehmen zu können, versteifte ich die Lehne temporär mit einem Reststück Hartschaumplatte von meiner mobilen Tür:

Provisorische Stütze

Auf dem Treffen bekam ich von Karsten ein ganzes Bündel Ersatzfedern und von Holger den wertvollen Tipp, die Lehne mittels Filzunterlage zu verstärken.
Wieder zurück ging es direkt ans Werk. Der Bezug hält lediglich mit Klammern, die sich mit einem Schraubendreher vorsichtig abdrücken lassen:

Halteklammer am Bezug

Schön fand ich, dass an einigen Klammern noch die original Kunststofffolie von der Auslieferung hing. Ich bin ja erst der zweite Eigentümer des Rialtos und er kam mit jungfräulichen 19.000 Meilen zu mir. Sind die Federn ab, kann man den Bezug nach oben abziehen und hat den Unterbau vor sich. Dabei purzelte auch direkt das abgebrochene Stück Feder heraus:

abgebrochenes Stück

Die Federn selbst liegen offen auf der Rückseite:

Gebrochene Feder

Hier seht ihr auch, warum es sinnvoll ist, eine Filzmatte zwischen Federn und Schaumstoff zu packen. Die Federn arbeiten sich sonst in den weichen Schaumstoff ein und zerschneiden ihn.
Ich fand bei „NanuNana“ nahezu perfekt passende Platzsets aus dickem schwarzem Filz:

Neue Federn und Filzmatte

Also zuerst die Feder getauscht:

Neue Feder eingebaut

Wie ihr seht, ist die neue Feder deutlich dicker und hat auch eine Windung mehr als die übrigen Federn. Das liegt daran, dass sie eigentlich aus der Sitzfläche stammt und somit auf höhere Belastungen ausgelegt ist. Da die Federn aber im Laufe von knapp 40 Jahren etwas ihrer Spannung einbüßen, ist dieses Upgrade durchaus sinnvoll.
Zwischen Schaumstoff und Federn kam anschließend noch die leicht zugeschnittene Filzunterlage:

Filzmatte eingebaut

Nun noch wieder den Bezug drüber und mit den Klammern sichern:

Sitz repariert

Optisch ist kein Unterschied feststellbar, aber der Sitzkomfort gewinnt deutlich. Die Lehne ist viel strammer als früher. Sehr schön.

Service+

Nachdem ich das Problem mit dem Blinkerhebel nochmal weitere 15 Jahre reifen lassen muss, habe ich den normalen Service am Rialto abgearbeitet. An erster Stelle den Abschmierservice. Um den Achsschenkelbolzen des Vorderrades („Kingpin“) abzuschmieren, demontiert man immer (!!) das Vorderrad:

Bremse innen vorne

HALT! Was sehen meine traurigen Augen?
Einer der Radbremszylinder ist fritte:

Radbremszylinder vorne defekt

Verdammt. Dabei habe ich den erst vor 15 Jahren gewechselt.
Dann stöbern wir doch mal im Fundus, ob wir da noch was haben.
Ja, kein Problem. Haben wir lagermäßig da: 2x NOS Radbremszylinder Ford Escort MK I vorne links:

Radbremszylinder vorne

Und da die mittlerweile knapp werden, habe ich die Chance genutzt und zwei weitere NOS bei eBay besorgt.
Mit dem Aktuellen sollte mich das rechnerisch über die nächsten 60 Jahre bringen. Und damit sie so lange auch noch frisch bleiben, habe ich sie zerlegt, gereinigt und satt mit Bremsenpaste eingerieben:

Radbremszylinder konservieren

Und wenn wir schon mal eh die Bremse zerlegen, konnte ich auch gleich die vorderen Bremsbacken vermessen:

Bremsbelag vorne Verschleiß

Die vernieteten Beläge sind laut Handbuch an der Verschleißgrenze, wenn sie noch 1mm Material über den Nieten haben.
Die haben Sie noch ganz knapp. Allerdings können bei der sehr überschaubaren Jahresfahrleistung des Rialtos, die Beläge ruhig noch 1-2 Jahre drin bleiben.
Neue Beläge (Delphi LS1154) liegen schon im Regal bereit:

Bremsbelag vorne neu

Eh ich nun die Bremse wieder zusammenbaue, habe ich den Achsschenkelbolzen abgeschmiert. Hier nochmal das Beweisfoto, warum man das immer und ausschließlich bei abgenommener Bremstrommel macht:

Fett in der Bremstrommel vorne

Das will man nicht direkt neben den Bremsbelägen haben.
Auch die Schmierung des vorderen Radlagers habe ich kontrolliert:

Radlager vorne

Sieht noch gut aus.
Weiter ging es mit der Fettpresse zur Kardanwelle:

Kardanwelle Schmiernippel

Zeitlich wäre auch laut Serviceplan der Benzinfilter dran. Der sieht aber noch makellos aus:

Benzinfilter

Den Abschluss bildeten die Bremsen hinten:

Bremsbeläge hinten

Die Beläge sehen noch Top aus und ließen sich einwandfrei nachstellen.
Damit war der Rialto fit für den Start in die Saison.

Links hui, Rechts pfui II

Wie wir alle gelernt haben, gibt es problematische Einstellungen die sich zwar eine Zeit lang ignorieren lassen, aber einen doch irgendwann wieder einholen.
So zum Beispiel die fehlerhafte Einstellung des Blinkerschalters am Rialto. Da war ich ja schon vor ziemlich genau 15 Jahren dran und habe des Problem danach erfolgreich ignoriert. Da ich für die Reparatur der „Fernlichtautomatik“ eh schon den Blinkerschalter demontieren musste, konnte ich auch gleich nach dem Rückstell-Mechanismus schauen. Und wenn ich schon dabei war, konnte ich auch gleich den einstufigen Rücksteller, gegen einen mit zwei Rückstellnasen tauschen. Max aus unserer Reliant-Gruppe hatte da nämlich mal was am 3D-Drucker gezaubert.
Also erstmal alles schön markieren, damit nachher das Vorderrad auch wieder gerade steht:

Position Lenkrad markiert

Hat man die Zentralmutter gelöst, lässt sich das Lenkrad mit moderatem Kraftaufwand von der Lenksäule ziehen:

Lenkrad abgezogen

Auch die Position der Nase auf dem schwarzen Plastikring des Rückstellers habe ich markiert:

Position alter Rückstellring

Auch der Ring lässt sich mit etwas Kraft abziehen.
Hier Alt und Neu im Vergleich:

Rückstellringe im Vergleich

Der Vorteil des neuen Rings ist, dass man bei einer Linkskurve nicht mehr ewig darauf warten muss, dass sich der Blinker zurück stellt. Durch 0,2mm mehr Höhe gleicht er auch etwas die Abnutzung der alten Ringe aus.
Bis zur feinen Verzahnung lässt er sich bequem aufschieben:

Neuer Rückstellring aufgesteckt

Danach hilft ein Zündkerzenschlüssel beim vorsichtigen aufklopfen:

Rückstellring auftreiben

Leider zeigte schon ein erster Test, dass der Ring zwar super ist, aber bei meinem Problem der fehlenden Rückstellung nach Rechtskurven nicht hilft.
Bei „Blinker-links“ ist der Nocken sehr nah am Gehäuse des Blinkerarms:

Blinker links

Bei „Blinker-rechts“ gleitet er fast ohne Kontakt unter dem Rückstellarm hindurch:

Blinker links

Da das Drehgelenk der Blinkermechanik auf der Grundplatte vernietet ist, gibt es da auch leider keine Einstellmöglichkeit, um die Arme etwas zu vermitteln. Sehr komisch.
Was bleibt mir also? Richtig: Problem weiter ignorieren und den Blinker von Hand zurück stellen. Wird schon nicht so schlimm sein.
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich….

Fernlichtautomatik

Auf meiner Winterliste stehen neben klassischem Fahrzeugservice auch einige kleinere Reparaturen, auf die ich während der Sommersaison keine Lust hatte. Zum Beispiel hatte der Rialto im letzten Sommer die Eigenart entwickelt, bei Schlaglöchern das Fernlicht einzuschalten. Quasi eine umgekehrte Fernlichtautomatik…. Hielt man den Lenkstockschalter jedoch leicht auf Zug Richtung „Lichthupe“ trat das Problem nicht auf. Damit war auch direkt der Schuldige ausgemacht:

Lenkstockschalter von unten

Da die Komponenten alle nur geklemmt sind, markiert ihr euch am Besten deren Position. Dann passt nachher auch wieder die Abdeckung hinter dem Lenkrad ordentlich.
Ist die Abdeckung ab, könnt ihr die Halteklemme der beiden Lenkstockschalter lösen:

Schalter an Lenksäule

Auf der unteren Schraube befindet sich ein Distanzstück. Nicht verlieren:

Lenkstockschalter demontiert

Anschließend noch den großen Stecker am Kabelbaum trennen und ihr habt den Schalter in der Hand:

Zentralstecker

Oberhalb des braunen Kabels seht ihr den Kontakt für das Fernlicht:

Fernlicht- und Lichthupenkontakte

Der rechte, dicke Kontakt ist für das Fernlicht. Die dünne Zunge links ist für die Lichthupe. Über den Lenkstockhebel wird der mittige Kontakt zwischen diesen beiden Polen hin- und her bewegt.
In einem ersten Schritt habe ich die Kontakte mittels eines feinen Schleifpapiers gereinigt:

Kontakte gereinigt

Schon dabei wurde deutlich, dass der mittlere Kontakt in seiner Ruhestellung kaum Abstand zum Fernlichtkontakt hat. Da passte kein Schamhaar zwischen.
Der mittige Federkontakt ist einfach im Laufe der Jahrzehnte müde geworden. Ich versuchte erst, die Kontakte etwas nachzubiegen, das funktionierte aber aufgrund der engen Platzverhältnisse nicht.
Die Lösung waren am Ende zwei Lagen Isolierklebeband auf dem Federarm:

Klebeband aufgeklebt

So ist der Kontakt in Ruhestellung etwas weiter vom Fernlichtkontakt entfernt, lässt sich aber noch problemlos hin und her bewegen.
Da ich aber schon mal so weit vorgedrungen war, konnte ich auch gleich ein uraltes Problem angehen….

Besinnliche Weihnachten 2024

Liebe Lesenden, ich wünsche euch allen ein erholsames und ruhiges Weihnachtsfest. Genießt die Zeit mit euren Lieben und besinnt euch auf die Dinge im Leben, auf die es wirklich ankommt. Und wenn ihr einen Moment Ruhe habt, denkt vielleicht an die, denen dieses Weihnachten nichts als Schmerz gebracht hat und gebt den Euren einen extra Kuss.

Trauer Weihnachten 2024

Solltet ihr meinen obligaten Jahresrückblick am 31.12. schwänzen, wünsche ich euch schon mal einen guten Rutsch und wir lesen uns hoffentlich in einem besseren Jahr 2025 wieder.