Archiv der Kategorie: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

Dicke rubbeln…

… Reifen doller ab. Wie gut dass ich so’n dünner Hering bin. Verhinderte aber trotzdem nicht, dass sich der Vorderreifen des Rialtos auf den letzten 10.000 Meilen ungleichmäßig abgenutzt hat. Also flugs vorne Aufgebockt und das Rad abgenommen:Rad abgenommenEin Vergleich mit dem identischen Rad vom Bond Bug (Der Händler bestand damals darauf, dass ich zumindest zwei Reifen nehme) zeigt den deutlich einseitigen Verschleiß:Reifen alt vs. NeuDie Seite auf welcher der Fahrer sitzt, ist schön blank. Nicht umsonst empfiehlt Reliant die Räder regelmäßig im Kreis zu tauschen.
Eh ich aber ein neues Rad aufgezogen habe, nutzte ich die Chance und habe den Achsschenkelbolzen abgeschmiert.

Dazu sollte man dringend die Bremstrommel abnehmen. Ihr seht nachher warum. Um die Bremstrommel runter zu bekommen, muss man beide Bremsnachsteller (oben und unten) zurück drehen:BremsrückstellerAls nächstes gibt es Schmackofatz mit der Fettpresse. Erst unten:Schmiernippel untenDann oben:Schmiernippel obenInsbesondere beim oberen Schmiernippel sieht man, warum man unbedingt die Bremstrommel dabei abnehmen sollte:Fett in der BremstrommelDas überschüssige Fett drückt sich unter den Bremsbelägen, im inneren der Bremstrommel raus. Und dass Bremsen und Schmierfett keine gute Kombi sind, brauche ich wohl niemandem zu erzählen.
Also alles sauber gewischt und auf dem Weg raus nochmal fix unter die Staubkappe des Radlagers geguckt:Radlager ohne StaubkappeDas sieht noch sehr gut aus. Das Fett habe ich nur durchgerührt und die Kappe wieder drauf gedrückt.
Anschließend kam die Felge vom Bond Bug samt Reifen drauf:Neues Rad montiertDer Reifen ist auch schon 7 Jahr alt. Wenn ich den auch nochmal 9 Jahre und 10.000 Meilen runter rubbel, kann ich getrost alle zusammen wegschmeißen und 4 neue kaufen.

Wanne, Öl II

Ich schulde euch noch das Finale der Ölwannenüberholung. Eigentlich sollte der Einbau locker von der Hand gehen, hatte ich mir doch schon vor langer Zeit ein komplettes Dichtset für den Reliant 850ccm-Motor beiseite gelegt. Wie wir aber alle wissen, beginnt mit „eigentlich“ immer eine Lüge. Die neue Dichtung wollte partout nicht auf die Auflagefläche der Ölwanne passen. Kurzer Vergleich mit der alten Dichtung:

Dichtung alt-neu

Super. Warum auch immer, die neue Dichtung ist einen ordentlichen Ticken kleiner:

Löcher passen nicht

Kein Wunder dass ich die Löcher nicht deckungsgleich bekomme. Eine wirkliche Erklärung habe ich dafür aber nicht, denn auch die 700 und 750ccm-Motoren basieren auf dem identischen Block mit identischer Ölwanne.

Egal. Lösungsorientiert Vorgehen:
Entweder in England neu ordern und hoffen, dass eine passende geliefert wird oder Dichtpapier besorgen und selber schnitzen.

Da preislich kein Unterschied bestand, habe ich mich für’s schnitzen entschieden. So kann ich sicher gehen, dass die Dichtung passt und habe noch Reste für spätere Basteleien. Allerdings war das Angebot an großen Dichtpapier-Bögen eher eingeschränkt. Lediglich Victor Reinz hat ein Dichtset im A3-Format im Angebot:

Victor Reinz Dichtset

Da die alte Dichtung noch vorhanden war, konnte ich sie einfach auf das dicke Dichtpapier übertragen:

aufgemalt

Ausgeschnitten wurde dann mittels Stahllineal und scharfem Cutter:

Dichtung ausschneiden

Für die Löcher lieferte Tante Louis ein brauchbares Locheisen-Set:

Locheisen geschwungen

Im Hintergrund seht ihr auch mein erstes „Anzeichnen-Experiment“. Die Empfehlung war, die alte Dichtung auf das Dichtpapier zu legen und dann mit einer Spraydose leicht über zu blasen. So entsteht ein Negativ, das man ausschneiden kann.

Ehrlich gesagt war mir der Testlauf auf einer Pappe deutlich zu unscharf. Wenn man eh noch die alte Dichtung hat, liefert der Bleistift viel bessere Konturen.
Schlussendlich passte die Dichtung perfekt:Neue passende DichtungVor dem Einbau habe ich noch das Ölsieb und seine Umgebung gereinigt, sowie die Dichtfläche von Mumpe befreit und ganz vorsichtig über geschliffen:Ölsieb gereinigtDabei fielen mir komische Macken an der vorderen linken Ecke auf:Macken in der DichtflächeSieht irgendwie nach Hebelspuren aus. Keine Ahnung wie die dahin kommen. Ich habe auch die vorsichtig über geschliffen, um wenigstens keine Erhebungen mehr zu haben.
Die Dichtfläche der Ölwanne habe ich mit Fett bestrichen, damit die Dichtung nicht fest klebt:Ölwanne mit Fett bestrichenDas funktioniert auch schon beim Ventildeckel seit 8 Jahren vorzüglich. Motorseitig gab es eine hauchdünne Lage Dirko schwarz. Das sollte eventuelle Unebenheiten ausgleichen.
Die anschließende Probefahrt zum Saisonstart (Alles schön trocken) feierte ich mit einem runden Tachostand:Tachostand nach ProbefahrtDamit habe ich seit dem Kauf 10.000 Meilen (16.093,44 km) mit dem Rialto zurück gelegt.

Wanne, Öl

Da für die Überholung des Anlassers der Ölfilter raus musste, habe ich die Öllose Zeit genutzt und die rostige, versiffte Ölwanne demontiert: Rostige ÖlwanneDie Dichtfläche zeigt schon Spuren von Dichtmittel. Zum Glück hielten sich die Brösel am Ölsieb in Grenzen: Ölpumpe mit SiebIn der Ölwanne selbst fanden sich noch Reste der Exxon Valdez als gummiartige Klümbchen:BodensatzIch hoffe mal, dass die Ölkanäle im Motor durch das stete Frischöl der letzten Jahre mittlerweile frei gespült sind und sich nur noch Reste in der Ölwanne fanden.
Hat jemand von euch schon Erfahrungen mit Motorreinigen gesammelt, die solche Verstopfungen lösen sollen?

Nach einer gründlichen Reinigung habe ich die Ölwanne mittels Schleiffliessscheibe und (an engen Stellen) Dremel blank gemacht:Bereit für FertanDas hat gut funktioniert indem ich sie umgedreht auf einer großen OSB-Platte fest gespaxt habe.
Im Anschluss gab es eine gründliche Behandlung mit Fertan. Bisher hatte ich Fertan noch nie benutzt. Die gut kontrollierbare Ölwanne halte ich da für ein geeignetes Testobjekt.
Abgewaschen präsentierte sich die Ölwanne so:Fertan behandeltZum Abschluss gab es drei Lagen Brantho Korrux 3-in-1:Fertig lackiertDamit hatte ich damals schon den Tank vom Rialto behandelt und das hat gut funktioniert. Allerdings gibt die Farbe mit dem Pinsel keine schöne Oberfläche. Ich habe stattdessen eine kleine Schaumstoffrolle verwendet. Das ergibt eine feine „Orangenhaut“, die ich an technischen Teilen ganz hübsch finde.

Anlasser III

Den Zusammenbau des Lucas M35J Anlassers habe ich damit begonnen, dass ich die Gehäusekante auf einem ebenen Stück Schleifpapier abgezogen habe. Auch der hintere Deckel mit dem Kohlenhalter wurde gründlich gereinigt:

Rückwand einkleben

Danach habe ich dünn Dirko S Dichtmittel auf den Rand aufgetragen, die Kohlen eingefädelt und die Rückplatte wieder verschraubt.
Während das Dichtmittel trocknete, habe ich das Ritzel auf der Welle montiert:

Ritzel montieren

Hat man sich die Reihenfolge gemerkt, ist das erstmal reine Puzzle-Arbeit.
Knifflig wird erst die Montage des Sicherungsrings. Hierzu muss man die ganze Chose komprimieren, so dass man an die Nut kommt. Die modifizierte Nuss von der Demontage bot zu wenig Platz zum fummeln, so dass ich einen U-förmig gebogenen Winkel stattdessen verwendet habe:

Sicherungsring rüber schieben

Mit dem und zwei schlanken Elektriker-Schraubenziehern ließ der Sicherungsring sich nach X Versuchen in die Nut zwängen.
Um den Ring gleichmäßig zu setzen hat sich ein kleiner Ringschlüssel und ein leichter Hammerschlag bewährt:

Sicherungsring in Nut

So sitzt der Ring wieder schön fest und wird von der Scheibe sicher umschlossen:

Sicherungsring in Nut final

Baut man den komplettierten Rotor wieder in das Gehäuse ein, muss man darauf achten, dass die kleine Nase des Deckels genau in die Aussparung des Gehäuses greift:

Nase im Gehäuse

So sah er dann fertig aus:

Umbau fertig

Abschließend noch ein Vergleichsbild neues Ritzel gegen altes Ritzel:

Ritzel alt vs. neu

Was auffällt, sind die deutlich längeren Zähne. Nicht nur durch die fehlende Abnutzung, sondern schon im Urzustand sind sie deutlich länger als im Original.
Ich hoffe, das sie so besser in den Zahnkranz der Schwungscheibe greifen.
Der Einbau im Rialto verlief problemlos.
Ebenso ein trockener Test (Wir erinnern uns: Kein Öl) mit abgeklemmter Zündung.
Der überholte Anlasser spurt sauber ein und dreht den Motor. Ich werde berichten, wie er sich dauerhaft bewehrt.

Die Ersatzteile für die Überholung habe ich von folgendem Shop bezogen:
www.jcrsupplies.co.uk/
Die Jungs dort sind wirklich sehr nett und helfen per Mail gerne weiter. Eine echte Empfehlung!

Anlasser II

Nachdem wir im letzten Teil den Lucas M35J Anlasser vom Ritzel samt Feder befreit haben, geht es nun mit der Demontage weiter. Schraubt man die beiden großen Schlitzschrauben aus dem Deckel, lässt sich dieser abnehmen und der Rotor samt Welle aus dem Gehäuse ziehen:

Rotor entnommen

Hat man den Anlasser soweit zerlegt, kann man auch gleich die Lager tauschen. Das Vordere lässt sich einfach mittels einer 15er-Nuss austreiben:

vorderes Lager austreiben

Neue Lager sollten eigentlich jedem guten Überholungsset beiliegen. Das vordere Lager lässt sich auch gut mit der Gefrierfach-Heißluftpistole-Methode austauschen. Am hinteren Lager bin ich jedoch gescheitert. Dieses sitzt in einem vernieteten Blechkäfig innerhalb der Bakelit-Führung der Schleifkohlen (siehe Bilder weiter unten). Ich hatte keine passenden Nieten und deutliche Bedenken mehr kaputt zu machen, als ich repariert bekomme. Daher habe ich das Lager nur einer Sichtkontrolle unterzogen und das Spiel der Welle geprüft. Beides unauffällig. Daher durfte das alte Lager bleiben und das Ersatzteil wandert in den Fundus.
Wenden wir uns nun dem hinteren Ende des Anlassers zu. Ein schnelles Foto von der Kontaktschraube erleuchtet die spätere Anordnung der unterschiedlichen Unterlegscheiben:

Anordnung Kontaktschraube

Die winzigen Maschinenschrauben des Deckels werden von einer 5,5mm Nuss optimal gegriffen:

5.5er Nuss für die Rückwand

Es kann sein, dass der Deckel nach entfernen der Schrauben sich nicht löst. Dies liegt an einer verklebten Papierdichtung, welche an diesem Ende verwendet wurde:

hinterer Lagerschild mit Bürstenhalter 2

Die Dichtung lässt sich nicht zerstörungsfrei lösen und es gibt sie auch nicht als Ersatzteil. Also entweder selber schnippeln oder Hylomar/Dirko verwenden. Ich nutze nach Wuschels Hinweis immer letzteres.

Eigentliches Ziel an der Rückseite, sind jedoch die Kohlen:

hinterer Lagerschild mit Bürstenhalter

Auch diese wollte ich bei der Überholung austauschen. Leider sind jedoch zwei der Kohlen (Masse) am Anlasser punktverschweißt:

angepunktete Bürsten

Selbst mein 175 Watt-Lötkolben konnte die Verbindung nicht lösen:

Lötpistole

Dementsprechend ist auch die Lösung im Netz: Alte Kohlen möglichst nah an der Schweißstelle abkneifen, mit einem Fräser die Reste von Schweißpunkt entfernen und dann die neuen Kohlen dort anlöten. Erfolgsquote? 70:30.
Auch das war mir zu haarig. Die Kohlen haben noch mehr als 2/3 ihrer Stärke und die zukünftige Laufleistung des Rialtos ist eher überschaubar. Ich muss mir ja auch noch etwas Arbeit für in 15 Jahren lassen.

Damit konnte ich (im nächsten Teil) wieder an den Zusammenbau des Anlassers gehen.