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Laues Lüftchen

Natürlich gab es auch bei diesem Treffen der Tamworth Specials wieder schöne Dinge für mich. Das ist ja mittlerweile Tradition.
Heinrich hatte historische Windabweiser, die ihm doch etwas zu abgefahren waren:

Windabweiser 1

Ich glaube, da war ein Designer einfach nur begeistert, was für organische Formen sich mit Plexiglas herstellen lassen. Auch die Wölbung nach außen ist der Hammer:

Windabweiser 2

Der große Wermutstropfen ist jedoch, dass augenscheinlich vorgesehen ist, dass man die Windabweiser im GFK des Rahmens verschrauben soll. Einfach mit Spax-Schrauben rein ballern.
Dazu haben die Windabweiser schon fertige Bohrungen.
Kommt natürlich nicht in Frage.
Da muss ich mir also noch was überlegen.
3D-Druck-Adapter zum einstecken in den Fensterrahmen vielleicht?
Muss ja nicht für die Fahrt sein, aber für ein Oldtimertreffen wären die schon fesch.

Fernlichtautomatik

Auf meiner Winterliste stehen neben klassischem Fahrzeugservice auch einige kleinere Reparaturen, auf die ich während der Sommersaison keine Lust hatte. Zum Beispiel hatte der Rialto im letzten Sommer die Eigenart entwickelt, bei Schlaglöchern das Fernlicht einzuschalten. Quasi eine umgekehrte Fernlichtautomatik…. Hielt man den Lenkstockschalter jedoch leicht auf Zug Richtung „Lichthupe“ trat das Problem nicht auf. Damit war auch direkt der Schuldige ausgemacht:

Lenkstockschalter von unten

Da die Komponenten alle nur geklemmt sind, markiert ihr euch am Besten deren Position. Dann passt nachher auch wieder die Abdeckung hinter dem Lenkrad ordentlich.
Ist die Abdeckung ab, könnt ihr die Halteklemme der beiden Lenkstockschalter lösen:

Schalter an Lenksäule

Auf der unteren Schraube befindet sich ein Distanzstück. Nicht verlieren:

Lenkstockschalter demontiert

Anschließend noch den großen Stecker am Kabelbaum trennen und ihr habt den Schalter in der Hand:

Zentralstecker

Oberhalb des braunen Kabels seht ihr den Kontakt für das Fernlicht:

Fernlicht- und Lichthupenkontakte

Der rechte, dicke Kontakt ist für das Fernlicht. Die dünne Zunge links ist für die Lichthupe. Über den Lenkstockhebel wird der mittige Kontakt zwischen diesen beiden Polen hin- und her bewegt.
In einem ersten Schritt habe ich die Kontakte mittels eines feinen Schleifpapiers gereinigt:

Kontakte gereinigt

Schon dabei wurde deutlich, dass der mittlere Kontakt in seiner Ruhestellung kaum Abstand zum Fernlichtkontakt hat. Da passte kein Schamhaar zwischen.
Der mittige Federkontakt ist einfach im Laufe der Jahrzehnte müde geworden. Ich versuchte erst, die Kontakte etwas nachzubiegen, das funktionierte aber aufgrund der engen Platzverhältnisse nicht.
Die Lösung waren am Ende zwei Lagen Isolierklebeband auf dem Federarm:

Klebeband aufgeklebt

So ist der Kontakt in Ruhestellung etwas weiter vom Fernlichtkontakt entfernt, lässt sich aber noch problemlos hin und her bewegen.
Da ich aber schon mal so weit vorgedrungen war, konnte ich auch gleich ein uraltes Problem angehen….

durchlaufender Posten

Neben dem Combo war auch der Rialto mit HU und AU dran.
Strategisch geschickt habe ich natürlich beides am selben Tag abgehandelt und bin zuerst mit dem Rialto aufgetaucht:

HU-AU 2022 II

Erfahrungsgemäß wärmt er das Herz eines jeden Prüfers und herzgewärmte Prüfingenieure haben wir doch alle am liebsten.
Da der Prüfer neu war und etwas Zeit hatte, haben wir den üblichen Einführungsschnack zu Technik und Geschichte von Reliant im Allgemeinen und dem Rialto im Speziellen abgehandelt. Auch der Blick von unten durfte natürlich nicht fehlen:

HU-AU 2022 I

Wie immer gab es außer „Getriebe leicht ölfeucht“ nichts zu bemängeln, so dass auch hier ein Wiedersehen erst 2024 ansteht.

Navi aus der Asche

Die Jungs von Männertours waren so freundlich mir einen alten Aschenbecher für meinen Rialto aus ihrem Teilefundus zu schicken:

Einen solchen wollte ich schon länger für eine kleine Zwischenbastelei haben.
Problematisch bei Ausflügen mit dem Rialto in unbekannte Gefielde ist immer die Navigation. Zwar habe ich ja schon vor 10 Jahren zwei versteckte Steckdosen nachgerüstet, aber es fehlt einfach an Ablagen für ein Telefon als Navi.
Entfernt man aber vorsichtig die Zigarettenablage aus dem Aschenbecher:

So passt ein modernes Smartphone locker stehend in den Aschenbecher:

Problem solved.
Jetzt muss ich nur noch 1000 Jahre Nikotin aus dem Aschenbecher entfernen. Ürgs

Ready for Alltagseinsatz

Da unser Fahrzeugbestand ja überraschend drastisch reduziert wurde und Zulassungen Dank Corona ewig dauern, musste sich der Rialto nahtlos in den Alltagsbetrieb einfügen.
Dementsprechend habe ich ihm auch schnell einen großen Service angedeihen lassen:

Die Kardawelle hinten bekamm frisches Schmatzi-Watzi mit der Fettpressen:

Die beiden Schmiernippel an der Front sind immer eine besondere Herausforderung. Insbesondere wenn man als Bodenturner schraubt:

Auch die Kupplung habe ich nachgestellt:

Da war einiges an Spiel. Allerdings habe ich etwas mehr Luft als die im Handbuch vorgeschriebenen 1,5mm gelassen. Eher Richtung 3-4mm.
Den Überlauf des Vergasers im linken Kotflügel habe ich bei der Gelegenheit auch mal inspiziert und feucht durch gewischt:

Als Motoröl teste ich mal mild legiertes Rowe SAE50:

Der Rialto muss ja nicht mehr (so wie noch zu Osnabrücker Zeiten) bei winterlichen Temperaturen ran. Da tut es auch ein solches „Sommeröl“.
Dazu dann noch Kühl- und Bremsflüssigkeit sowie Batteriesäure prüfen, eine Sichtprüfung aller Verschraubungen, alle Schlösser und Scharniere ölen, den Öldeckel samt Schlauch reinigen und fertig ist die Laube. Bremsen, Reifen und Ventile hatte ich ja erst vor kurzer Laufleistung gemacht.
Eigentlich müsste auch mal das Getriebeöl gewechselt sowie das Öl im Hinterachdifferenzial und das Fett in der Lenkung geprüft werden. Allerdings bin ich zu alt dafür, dass in Bauchlage zu erledigen. Die 1-2 Jahre, bis die Halle steht, kann er noch warten.