Archiv der Kategorie: Sonstige Schraubereien

2in1 Werkstattwagen

Meine aktuelle Werkbank besteht aus alten Küchen-Unterschränken. Der mittlere Schubladenschrank stammt noch aus der legendären osnabrücker Mädels-WG der Besten von Allen. Nicht nur das er aus dieser Zeit reichlich zu erzählen hätte, man glaubt ihm sein bewegtes Leben auch schon rein äußerlich:

Die Führungen und Schubladen teils gebrochen, der unterste Griff verbogen und die Böden durchhängend:

Dazu dann noch ein latenter Wasserschaden der die Spanplatten hat aufquellen lassen. Machen wir es kurz: Das Ding ist fertig.

Da passte es gut, dass das „Krawatten-Eck“ meinen bisherigen Bohrtisch verdrängte. Der Bohrtisch war ebenfalls ein alter Unterschrank vom Sperrmüll, aber leider nur mit einer Schublade:

Das ging so nicht. Ich brauche Schubladen und keine Tür. Also überlegt, wie man das Ganze kostengünstig umbauen könnte. Die erste Idee war ein Umbau auf Euro-Boxen, so wie hier. Leider passen die Euro-Boxen mit ihrem genormten 4:3-Format nicht zur deutschen Einbauküche mit ~5:5. Da ließ sich beim besten Willen nix ordentliches zurecht basteln.
Aber wenigstens die Werkstattwagen-Idee will ich von den Agrarökonomen übernehmen. Mit ein paar kleinen Rollen statt der Füße sollte der Schrank auch unter die Werkbank passen.
Blieb das Problem mit den Schubladen.
Klar, kann man die fertig als genormte Einsätze kaufen. Aber selbst IKEA hat da ordentliche Preise. Bleibt also nur selber bauen. Gerne aus Resten und gerne ohne aufwändige Tischlerarbeiten. Da finden sich zwei gute Artikel in der Blog-Welt. Insbesondere die Idee von Operation-Eigenheim mit den falschen Fronten spielt meinem Plan der Resteverwertung in die Hände.
Um mir Malessen mit den Böden (gefräste Nuten, aufwändige Verbindung mit den Seiten, etc.) zu ersparen, habe auch ich zu Auszügen gegriffen, welche die Schubladen von unten greifen. Für die Montage des untersten Auszuges habe ich Muttern als Distanzstücke verwendet:

Den ersten Schubladenboden habe ich dann direkt aus einem der alten Einlegeböden geschnitten:

Das Klebeband sollte ein absplittern der weißen Beschichtung verhindern. Ging so lala. Für die Werkstatt OK, für den Wohnraum muss man sich da was besseres überlegen (Tipps willkommen). Zumindest passte der Boden nachher genau:

Fehlte noch dass restliche Material für die Korpusse. Mein Holzvorrat lieferte mir ausreichend Reste. Insbesondere ein älterer Hängeschrank war schnell mit der Stichsäge zu Plattenmaterial verarbeitet:

An dieser Stelle kann ich nur nochmals die App CutList Optimizer empfehlen. Gerade bei unproblematischem Plattenmaterial liefert die App sehr gute Ergebnisse:

So konnte ich eine schön rationale Fertigungsstrecke aufbauen und hatte Rucki-Zucki alle Einzelteile beisammen:

Über die OSB-Platte bin ich etwas unglücklich, aber ich hatte nix anderes. Mit drei Lagen Parkettlack wird sie aber auch ausreichend glatt.
Ich habe erstmal Material für vier identische Schubladen mit 8 cm Innenhöhe gesägt. Das Maß für die fünfte und letzte Schublade hätte ich zwar ausrechnen können, das wäre aber aufgrund der unterschiedlichen Materialstärken garantiert falsch geworden.
Know your Limits!
Also munter am Fließband Schubladen bauen. Hierbei nochmal meinen Dank an den Herrn Schwager für die beiden „Spannmobile„:

Die Vereinfachen das Leben deutlich. Die Seiten der Korpusse habe ich aus ehemaligen Schrank-Fronten aus MDF gebaut. Hier ist beim verschrauben akribisches vorbohren erforderlich, sonst platzen die Platten! Nicht dass mir das passiert wäre….

Anschließend habe ich die Böden in den Schienen ausgerichtet, mit Klebeband fixiert und dann umgekehrt auf den Korpus gelegt:

Nun konnte ich alles miteinander verschrauben:

Zum Einsatz kamen Schrauben im Format 3×30 und 3×45. Dadurch, dass bei dieser Bauart die Seiten keine Last tragen, muss die Verschraubung mit dem Boden sie nur an Ort und Stelle halten.

Damit konnte dann der erste Korpus eingesetzt werden:

Sehr schön. Um später identische Abstände zwischen den Schubladen zu haben, habe ich mir für die folgenden Schienen einen Abstandshalter gebastelt:

Im nächsten Teil kommen dann die falschen Fronten dran, Rollen drunter und die obere Platte wird angepasst.

Das Krawatten-Eck II

Auch an der Krawatten-Front ging es weiter. Und zwar ganz unten. Ich habe die untere Hälfte des Tresens auf den Kopf gestellt, um die Unterseite zu lackieren. Erstens um den Boden zu schützen (der Tresen hat keine Füße) und zweitens, weil ich mal testen wollte, ob sich der von mir favorisierte Parkettlack auch mit der Schaumstoffrolle ausreichend schön verteilen lässt.
Also Schleifklotz raus und los:

Dabei bin ich direkt auf das nächste historische Relikt gestoßen:

Mein Barbarenfragment war also augenscheinlich mal Teil einer L-förmigen Verkaufslandschaft.
Drei Schichten später war die Bodenplatte ausreichend geschützt:

Fazit: Ja, der Parkettlack lässt sich auch mit der Schaumstoffrolle gut und schnell verteilen, allerdings verläuft er nicht so glatt wie mit dem Pinsel oder der Fell-Rolle. Es verbleibt eine ganz leicht strukturierte Oberfläche.

Für den sichtbaren Bereich bin ich daher wieder auf klassische Fusselrolle und Pinsel umgestiegen:

Natürlich habe ich vorher noch alles angeschliffen und auch am Zwischenschliff zwischen den einzelnen Lackschichten nicht gespart. Die Spuren der Jahre sind so unter einer glatten Oberfläche konserviert.

Bei dem Wasserschaden an den beiden Schiebetüren habe ich mich jedoch gegen eine Konservierung entschieden und habe sie deutlich schärfer abgeschliffen:

Leider habe ich nicht alle schwarzen Verfärbungen raus bekommen, so dass man den Wasserschaden bei genauer Betrachtung auch jetzt noch erkennt:

Oben drauf seht ihr auch schon die neue Arbeitsplatte, die ich besorgt habe. Hornbach lieferte massives Eichenleimholz in ordentlicher Stärke und Tiefe. Die Platte liegt auf dem Bild nur lose drauf und muss natürlich noch beschnitten werden. Eine Versiegelung hat sie (nach obligatem Zwischenschliff) trotzdem noch zusätzlich erhalten:

Früher nahm man dazu direkt Pinguine (sofern man sie nicht alle verheizt hatte), heute reichen auch eine Pinguin-Strumpfhose und etwas OSMO TopOil. Durch die geölte/gewachste Oberfläche lassen sich später Schadstellen in der Arbeitsplatte besser beheben, als wenn sie lackiert wäre.

Im nächsten Schritt habe ich mich den Schubladen zugewandt. Da sie natürlich alle in Handarbeit entstanden sind, passen sie auch nur sauber in die jeweils entsprechend angepasst Führung im Tresen. Damit da nix durcheinander kommt, hat der Schreiner damals alles penibel nummeriert:

Aber auch hier machen einem die Barbaren einen Strich durch die Rechnung, indem sie anscheinend die Schubladen des ganzen Ensembles durcheinander gewürfelt haben. So passen leider nur ca. 60% der Schubladen sauber in ihre entsprechenden Führungen.

Dementsprechend langsam geht es auch an dieser Stelle voran:

Beim nächsten Update sind hoffentlich alle Schubladen geschliffen, eingepasst und lackiert. Außerdem warte ich noch auf passende Seitenblenden aus Eiche, um auch die letzten stabilisierenden Spanplatten entfernen zu können. Ein historischer Schraubstock soll mir ebenfalls noch zu laufen.

Das Krawatten-Eck I

Über kleinere Umwege ist mir ein alter Eichen-Verkaufstresen aus dem „Krawatten-Eck“ in Lüneburg zugelaufen:

Ursprünglicher Zustand.jpg

Leider meinten die Vorbesitzer des Tresens es nicht sonderlich gut mit ihm. Sie schienen nur zwei Werkzeuge zu besitzen. Der Eine eine Säge, der Andere einen Hammer. Dementsprechend waren auch eigene Sitzäste kein Hindernis und jedes Problem augenscheinlich ein Nagel.

So hat einer der Barbaren den Tresen kurzerhand quer durchgesägt, um ihn in seine Höhle schleppen zu können und der andere Barbar hat ihn dann mit groben Zimmermannsnägeln wieder verbunden. Außerdem gab es mal einen Wasserschaden, es wurde munter mit genagelten Spanplatten verstärkt und die schöne grüne Tresenoberfläche ist mit Bohrlöchern, Brandmarken und Sägenschnitten übersät. Trotzdem halte ich ihn für eine schöne Basis um eine vererbbare Werkbank daraus zu bauen. Dabei will ich versuchen, einige der schöneren Spuren seiner Vergangenheit zu bewahren. Ganz so wie mit der Hobelbank. So finden sich auf dem Tresen zum Beispiel diese herrlichen Kreidemalereien auf der Rückwand:

Zeichnungen 2.jpg

Oder auch hinter den Schubladen:

Zeichnungen.jpg

Fragt mich nicht wie sie da hin kommen und warum sie alle auf der Seite liegen. Keine Ahnung. Barbaren, Höhlenmalerei, denkt euch was aus. Aber ich finde sie ein witziges Detail und damit bleiben sie.

An erster Stelle der Renovierung stand die Beseitigung der Barbarenspuren. Alle Bruchstellen wurde geleimt:

Leimen.jpg

Dellen habe ich mittels nassem Lappen und Bügeleisen größtenteils wieder raus bekommen:

Bügeleisen.jpg

Dabei strecken sich die Holzfasern und nehmen wieder ihre ursprüngliche Form ein. Funktioniert erstaunlich gut.

Anschließend habe ich mich daran begeben, die ganzen Ausbrüche zu kaschieren. Ich habe mir dafür ein Set auf Wachsbasis von Edding besorgt:

Edding Wachs Eiche.jpg

Die Farbtöne sollen auf Eiche abgestimmt sein. Bei kleinen Nagellöchern klappt das auch wirklich gut:

Nagelloch gefüllt.jpg

Mit dem Lötkolben das Wachs abschmelzen, ins Loch tropfen lassen und anschließend mit einer Rasierklinge glatt abziehen. Bei größeren Ausbrüchen ist es aber aufwändiger:

Ausbruchstelle.jpg

Die eingedrückten Fasern am oberen Rand ließen sich noch aufrichten, aber das Loch musste ich füllen. Damit mir das Wachs nicht an der Seite raus läuft, habe ich eine große Unterlegscheibe als Abschluss verwendet:

Ausbruch grob gefüllt.jpg

So ein rein brauner Klecks ist zwar besser, aber immer noch ein optischer Störfaktor. Daher kleckert man anschließend noch etwas dunkles Wachs oben drauf:

Dunkles und helles Wachs.jpg

Anschließend verschmilzt man beides mittels Lötkolben. Dabei sollte man in Maserrichtung den Lötkolben bewegen. So kommen dunklere Streifen in die Wachs-Masse, welche je nach Geschick nach dem Abziehen sowas ähnliches wie eine Maserung ergeben:

Schadstelle gefüllt.jpg

Nun noch abschleifen und lackieren. Darum geht’s im nächsten Teil.

I’m a Rollergirl

Neben dem Schlagschrauber schenkte die Beste von Allen mir noch ein Rollbrett:RollbrettDiese Kunststoff-Rollbrett fallen alle in China von selben Band und werden dann unter den unterschiedlichsten Namen vertrieben. Man beachte zum Beispiel die verblüffende Ähnlichkeit mit dem Gedore 905 und den Preisunterschied von 71,97 €.
Inspiriert von der MCM-Folge zum Hyper-Rollbrett habe ich natürlich auch direkt nach Verbesserungsmöglichkeiten geschaut. Was braucht man unten Auto? Natürlich Licht:Beleuchtung ausDiese kleinen LED-Leuchten passen genau auf die abgeflachte Fläche neben dem Kopfpolster. Sie werden mittels magnetischem Streifen befestigt und per USB geladen.
Sind sogar erstaunlich hell:Beleuchtung anDie zur Befestigung notwendigen Metallstreifen sind enthalten und werden aufgeklebt.
Passenderweise hatte Tante LIDL vor kurzem magnetische Schalen im Angebot:MagnetschalenDie halten ebenfalls super auf den Streifen und geben bei Bedarf zusätzlichen Stauraum.
Den ersten Praxistest hat das Rollbrett auch schon hinter sich. Für Zwerge wie mich ist es sehr gut geeignet. Wer aber über 1,75 cm groß ist, könnte mit dem Hintern vom Brett rutschen.

Den Faden verloren

Für den verwilderten Teil unseres Grundstücks hatte ich mir vor längerem den Bosch Freischneider AFS 23-37 zugelegt. Für einen kleinen Elektrohobel hat das Teil ordentlich Dampf. Leider gingen aber die mitgelieferten Trimmerfäden (Mähfäden F016800431) langsam zur Neige. Für das 10er-Paket Bosch-Fäden wird man locker ~15€ los. 1,5€ pro Faden ist schon eine Hausnummer.
Daher hier der Alternativweg um auf ~0,20€ pro Faden zu kommen. Ihr benötigt dazu runden Trimmerfaden mit 3,5mm Stärke von der Rolle und ein Alurohr mit 5mm Durchmesser (1mm Wandstärke):EinzelteileVon dem Alurohr trennt ihr ein 1,5cm langes Stück und vom Mähfaden ein 38cm langes Stück ab.
Die Aluhülse schiebt ihr jetzt mittig auf den Faden und verpresst sie mit einer einfachen Crimpzange. Fertig ist der Mähfaden. Wenn man das ne halbe Stunde macht, ist man für die nächste Saison mehr als ausreichend mit Fäden versorgt.
Ich selber habe leider einen quadratischen Faden gewählt, was aufgrund des anderen Querschnitts doof ist. Ist deutlich mehr Fummelei den in die Hülse zu bekommen. Hat man ihn fertig, kann man ihn wie gewohnt in den Mähkopf einsetzen:Alt und NeuPasst wie das Original:Neuer Faden eingelegtSo konnte dann auch gleich weiter gemäht werden (Keine Angst, sie hat noch ein Visier bekommen):Im Einsatz