Archiv der Kategorie: Sonstige Schraubereien

Altersruhesitz

Erstaunlicherweise werde selbst ich nicht jünger. So sehnte ich mir schon des öfteren an einem meiner Garagendonnerstage ein Sitzmöbel herbei, um wenigstens bei den eintönigsten Routineaufgaben nicht stehen zu müssen. So richtig hatte ich auch keinen Plan, selbst wenn Adam Savage ein Loblied auf Arzthocker singt.
Die Erleuchtung brachte dann erst ein Sperrmüllhaufen am örtlichen Gerontenstift. Dort fand sich nicht nur Frau Wächters Rollator (Super zum schlachten! Die großen weichen Gummirollen sind Spitze) sondern auch dieser fahrbare Toilettenstuhl:

Darum, dass der Toilettenteil fehlte, war ich nur partiell traurig. *Ürgs*
Gut, dem Rost nach zu urteilen, haben sie das Ding immer verwendet, um die Rentner im Hof abzukärchern, aber ein paar Rostnarben sind ja nicht weiter tragisch.
Viel mehr war die Überlegung, dass der Stuhl die Basis für einen recht ordentlichen Werkstattstuhl bilden könnte.
Die Kugellager der großen Rollen drehten sich nach einer gründlichen Reinigung und einem Bad in Öl wieder schön geschmeidig. Das war die Mindestvoraussetzung.
Für den Toiletteneinsatz befinden sich an der Front Scharniere, welche sich ziemlich Problemlos für schwenkbare Ablagen umbauen ließen.
Hier noch im Rohbau:

Während der wilden Hatz durch die Werkstatt halten schnöde Magnetschnapper aus dem Möbelbau die Böden unter der Sitzfläche.
Die neue Sitzfläche stammt aus dem Plattenfundus und erhält noch etwas Schaumstoff von einer alten Kindermatratze:

Darüber kommt ein Rest Kunstleder, den ich noch von Lola übrig habe. Das Kunstleder ist sogar explizit „urinbeständig“. Wenn das nicht passend ist. Das Kunstleder habe ich, wie bei Lola, wieder getackert:

Damit mir die Schiebestange nicht irgendwo aneckt bekam sie noch ein Verhüterli aus Rohrisolierung.
Interessanterweise passt der Spazierstockhalter von Frau Wächters Rollator exakt als WD40-Halter an den Stuhl:

Die Ablagen habe ich mit Leisten eingefasst:

Bei der Rückenlehne muss ich mir noch was einfallen lassen. Das Original hat Risse.

Mal sehen, wie sich der Stuhl so in der Praxis bewährt.

Planschrank

Tobias ist seit längerer Zeit auf der Suche nach einer kostengünstigen Aufbewahrungsmöglichkeit für sein Werkzeug.
Ich persönlich bin ja ein Fan von Küchenunterschränken, er eher von Werkzeugwagen. Letztere sind aber bekanntermaßen unbezahlbar.
Sein Lösungsansatz heißt Planschrank. Sind regelmäßig auch nicht billig, aber zumindest ist der Interessentenkreis geringer als bei echten Werkzeugschränken.
Im Original werden/wurden diese Schränke verwendet, um bei Architekten und Ingenieuren große Zeichnungen und Pläne ungeknickt zu verstauen.
Vor einiger Zeit fand er einen solchen Schrank bei ebayKleinanzeigen in der Umgebung von Magdeburg und schickte mir den Link strategisch geschickt kurz vor seinem Geburtstag.
Gut, bei 10 € Kaufpreis kann man wenig falsch machen. Selbst wenn er so aussieht:

Drei Schichten Farbe:

reichlich Dellen:

und auch Rost zeugten von einem bewegten Leben:

Selbst einige der Schubladen waren verbogen:

Wenigstens passt selbst mit einer 15mm-OSB-Platte noch eine Lage Werkzeug gut in die Schubladen:

Bei der ersten Reinigung fanden sich Überbleibsel seiner Vergangenheit:

Wahrscheinlich wurde in diesem Planschrank die jährliche Plan-Plansollübererfüllung abgelegt.
Damit der Junge nicht ganz so ein trauriges Wrack bekommt, habe ich mal die CSD-Scheibe kreisen lassen:

Teilweise ließ sich der Lack aber auch einfach mit dem Spachtel abkratzen:

Die Beste Wirkung erzielte jedoch die Zopfbürste auf der Flex:

Erfreulich war, dass sich auch die Farbe von den Griffen entfernen ließ:

In einem Anflug von Experimentierfreudigkeit habe ich mal Hammerschlagfarbe von Alpina getestet:

Ich hegte die Hoffnung, dass die Hammerschlagoptik einige der Blessuren kaschieren würde.
Leider war die Lackierung aber ein herber Reinfall.
Als erstes testete ich die vom Hersteller empfohlene „kurzflorige Rolle“ zum Lackauftrag. Das sah aber so aus, als hätte ich eine der Nachbarskatzen zum Rollen verwendet. Alles voller Fussel und ohne Ende scheckig. Also nächster Versuch, wie beim Schraubstock, mit dem Pinsel.
Dabei wird der Lack leider auch total fleckig. An senkrechten Flächen hat man die Wahl zwischen Läufern und einem ausbleiben des Hammerschlag-Effekts aufgrund zu geringer Lackstärke. Am Ende war ich so frustriert, dass ich zur Schaumstoffrolle gegriffen habe. Das sieht jetzt zwar auch beschissen aus, aber wenigstens ist die Lackschicht gleichmäßig deckend:

Hätte ich mal auf meine innere Stimme gehört und Brantho-Korrux 3-in-1 verwendet. Das wird mit der Schaumstoffrolle zwar auch eine leicht raue Oberfläche, aber wenigstens gleichmäßig und schön matt.
Egal. Ich habe Glück, es ist ja ein Geschenk, so dass ich mir das Elend nicht dauernd angucken muss.
Wenigstens rostet nun der Planschrank nicht mehr weiter und wenn Tobias in Rente geht, kann er ihn ja wieder abschleifen und dann ordentlich lackieren.

Mobilitätskonzept


In den vergangenen Jahren der Garagenschrauberei ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, seine Werkstatt beweglich zu halten.
Sei es die große Kreissäge oder meine Kappsäge. Könnte ich die nicht einfach nach draußen rollen, wären viele Projekte deutlich schwerer zu realisieren.
Daher stand schon früh fest, dass ich auch beim Genesungswerk möglichst mobil bleiben will.
Nun ist es aber wenig praktikabel unter jedes größere Einrichtungsstück Rollen zu schrauben. Eine Sandstrahlkabine bewegt man nun auch nicht täglich. Vom Kostenfaktor für ordentliche Rollen mal ganz zuschweigen. Daher plane ich die größeren Teile einfach auf Europaletten bzw. Minipaletten zu montieren, um sie bei Bedarf mit einem Hubwagen rangieren zu können. Das hat auch den Vorteil, dass man selten benutzte Großgeräte (Sandstrahlkabine, Reifenauswuchtmaschine, Teilewäscher, etc.) schön kompakt hintereinander stellen kann. Wenn man sie braucht, einfach mit dem Hubwagen ran und vor geholt.
Durch die verschiedenen Baustofflieferungen im letzten Jahr ergab sich jedoch die Notwendigkeit schon vor der Fertigstellung des Genesungswerkes nach einem Hubwagen Ausschau zu halten.
Vaddern und Tobi organisierten mir zum Geburtstag einen 2m-Hubwagen:

Nachteil war, dass er den Druck nicht hielt. Das sollte sich doch aber reparieren lassen:

Pustekuchen. Die Schraube zum Ventil saß dermaßen fest, dass der Torx-Inbus einfach ab riss und stecken bliebt:

Glücklicherweise klagte ich mein Leid dem richtigen Bekannten, welcher mir den Kontakt zu einem befreundeten professionellen Flurförderfahrzeugdealer (welcher jedoch ungenannt bleiben möchte) vermittelte.
Wenn die im großen Stil Gabelstapler verkaufen, gibt es da auch immer wieder gebrauchte Hubwagen als Beifang zurück. Die Entsorgung von sowas ist bei denen ein Service für den Kunden. Der Schrotti holt dann alle halbe Jahr die Mulde mit Beifang dort ab und zahlt 20 € pro Hubwagen als Schrottpreis. Für den gleichen Preis durfte ich mir einen Hubwagen weg holen:

Top Deal und extrem nette Abwicklung!
Natürlich hat das Gerät schon ein paar Tonnen und Kilometer auf dem Buckel, aber es funktioniert trotzdem noch zuverlässig.
Allerdings bewegten sich alle Rollen und Wellen nur noch sehr schwergängig durch unmengen von Staub und Flusen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten.
Mit Schmierfett war auch nie jemand an den Hubwagen heran getreten. Das sollte sich ändern.
Also munter zerlegt:

Schon bei dem gelben Monstrum war ich sehr von der einfachen Konstruktion dieser Hubwagen angetan. Alle Verbindungen sind entweder geschraubt oder mit Splinten gesichert:

Dementsprechend gut ließ sich die Mechanik auch zerlegen und reinigen:

Danach alles schön schmieren und zusammen bauen.
Jetzt läuft er wieder so leicht, dass selbst die Kinder mit ihm mittelschwere Lasten bewegt bekommen.
Unabhängig von den Baustoffpaletten habe ich den Hubwagen auch schon anderweitig mehrfach genutzt, so dass ich ihn mittlerweile nicht mehr missen möchte.

Hebezeug

Um mit dem Kran auch vernünftig arbeiten zu können, habe ich mir ein bisschen Lastaufnahmemittel gebastelt.
Da gibt es ja viele schöne Dinge im professionellen Bereich, z.B. Big Bag-Traversen, Palettenheber oder Steinheber.
Ähnliches fällt ja auch beim Genesungswerk hebetechnisch an, auch wenn es aufgrund des Minikranes nur 1/3 so schwer sein kann.
Starten wir mal mit dem Traggestell für Big Bags:
Vor langer Zeit hatte ich den geschenkten Quadheber versucht zu einem Hubtisch umzubauen:

Das war aber dermaßen mistig, dass es dazu noch nicht mal einen Blogartikel gibt. Durch die langen Arme war der Hebel so gewaltig, dass man kaum was schweres angehoben bekam.
Also habe ich die Arme wieder auseinander geflext und recycelt.
Eine Bohrung in der Mitte und ein paar M12 Ringmuttern später war die Traverse fertig:

Die Bigbags, welche noch in meinem Fundus schlummern, haben unten eine verschließbare Ablassöffnung. So kann ich sie am Kran hängend oben voll schaufeln (z.B. mit Sand), dann über die Mauer heben und einfach zum ausleeren unten öffnen. Easy.
Ähnlich stringent war die Idee zum Palettenheber. Auch da kamen einfach Ringmuttern an das Vierkantrohr:

Ein erster Test in Verbindung mit der Big Bag Traverse war jedoch nur so mittel erfolgreich:

Besser wurde es, als ich die Tragegurte direkt an den Haken hing:

Aber auch da seht ihr, dass sich die Traversen innerhalb der Palette verschoben haben. Wenn es doof läuft, rutschen beide in die Mitte und dann kracht die ganze Fuhre runter.
Da muss ich mir also was einfallen lassen.
Besser lief die Testreihe mit einem billigen Steinheber:

Da nervte nur, dass sich der Schlupf immer wieder von den Griffen abwickelte.
Nix, was man nicht mit zwei M12-Bauscheiben und einer Flex lösen könnte:

Ein paar Schweißpunkte und etwas rote Farbe später, hängt der Greifer sicher am Kran:

Die „Klauen“ passen übrigen genau in die 24er Steine:

Trotzdem sollte man die Steine besser quer fassen, bleibt man nämlich hängen und entlastet damit den Greifer, gibt es direkt Bruch (Sichheitsschuhe!):

Greift man die Steine quer, kommt man sich weniger mit den Moniereisen ins Gehege:

Insgesamt war ich von dem Greifer am Kran so begeistert, dass ich schon mal eine Reihe Steine gesetzt habe:

Schon alleine für die Schalsteine hat sich der Kauf des Kranes gelohnt!
Ebenfalls begeistert bin ich von den alten DDR-Schubkarren, die hier noch reichlich in der Nachbarschaft kursieren. Die haben nämlich ab Werk Kranösen:

Da bastele ich aber noch an einer Schnellkupplung, um sie einfacher auskippen zu können. Und so eine Schubkarre muss ich auch besorgen. Oder doch einen Japaner? Aber die sind so unverschämt teuer!

My Minikran V

Als letzten Posten vor der Inbetriebnahme hatte ich noch eine Abdeckung für den Kettenzug auf dem Zettel.
Der Kettenzug ist ein gewaltiger wie historischer Trümmer:

Er stammt von 1988 und kann 500 kg (1000 kg bei doppelter Kette) heben:

Da der Kollege bei Wind und Wetter draußen baumeln muss, wollte ich ihn ein wenig vor den Elementen schützen.
Am einfachsten geht das mit einer Regenhaube.
Die benötigten Maße ermittelte ich mit einem alten Duschvorhang, während der Kettenzug an meiner Dachbodenwinde hing:

Als Material entschied ich mich für LKW-Plane. Die ist UV-Stabil und auch sonst sehr unempfindlich.
Mein Lieblingsnachbar hatte davon glücklicherweise noch einen ganzen Ballen im Fundus, aus dem ich mir ein Stückchen heraustrennen durfte:

Damit mir die Plane an der Durchführung des Schäkels nicht ausreißt, habe ich dort passgenaue Löcher geschnitten und jede Schnittkante in einer Rundung auslaufen lassen:

Der auf dem Bild sichtbare KG-Deckel soll ebenfalls etwas von der Last von der Durchführung nehmen.
Dazu habe ich ihn mittels Forstnerbohrer und Raspel so bearbeitet, dass der Schäkel hindurch passt:

Der Deckel liegt nun auf dem oberen Haken des Kettenzuges auf und fungiert als „Tisch“ für die darüber hängende PVC-Plane.
Der Starkstromstecker guckt einfach unter seinem Rock hervor. Das sollte aber harmlos sein. Die sind beide gut abgedichtet.
Sollte sich jedoch diese Verbindung als anfällig erweisen, so habe ich auch noch fünfpolige Verbindungsmuffen mit IP68-Freigabe liegen.
Damit konnte der Kettenzug dann an den Kran und das ganze Geraffel erstmalig auf der Baustelle errichtet werden:

Ist ein ordentliches Kratur. Und das schon ohne den noch weiter teleskopierbaren Mast.
Von der Ausladung her passt er super zur Breite der Halle:

Auch ohne ihn zu bewegen, kann man einen Großteil der Baustelle abdecken.