Archiv der Kategorie: VW Golf Plus

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit II

Nachdem wir dem defekten Türschloss in seinen Kaninchenbau gefolgt sind, wollen wir ihm jetzt das Fell über die Ohren ziehen.
Dazu muss der Halter des Türgriffs weichen. Das geht sehr einfach, in dem man das lila Gummiband entfernt und ihn dann einfach entnimmt:

Nun könnt ihr den weißen Spritzschutz über dem Schloss entfenen. Er ist lediglich geclipst. Gefühl!
Als nächstes kommen die Schlossschrauben raus. Hierfür braucht ihr einen Außenvielzahn (XZN) der Größe 6:

Bitte versucht erst gar nicht den Schrauben mit einem TORX-Bit zuleibe zu rücken! Sie sind beide eingeklebt und sitzen ordentlich fest. Ihr vergurkt sie ansonsten und bekommt sie nie raus.
Sind die Schrauben raus hängt das Schloss noch an einer Blechlasche. Nun könnt ihr auch einfach den Zentralstecker abziehen und das Schloss entnehmen:

Wenn ihr das Schloss raus nehmt, müsst ihr noch den Bowdenzug zum inneren Türöffner entfernen. Dazu hakt ihr seine Tülle am Schloss aus und dreht das Schloss um 90° seitwärts:

Auf der Werkbank könnt ihr dann alt (links) und neu (rechts) vergleichen:

Denkt bei dieser Gelegenheit daran, den kurzen Tonnenzug für die äußere Türbetätigung (oben im Bild) an das neue Schloss umzubauen.
Nun kann es direkt an den Wiedereinbau gehen.
Denkt an den Bowdenzug zur inneren Türbetätigung.
Um euch Gefummel zu ersparen, seht zu, dass euer Schloss wieder korrekt in der Blechlasche an der Innenseite der Tür eingehakt ist:

Die Schlossschrauben säubert ihr mit einer Drahtbürste von der Schraubensicherung und dreht sie so wieder ein, dass sie deckungsgleich mit den alten Dreckrändern sind:

So stellt ihr sicher, dass die Tür später auch wieder korrekt schließt.
Nachdem der Zentralstecker wieder auf dem neuen Schloss sitzt, ist es Zeit für eine ausgiebige Funktionsprobe.
ZV auf/zu, von Innen auf/zu, über Fahrertür-Schalter auf/zu, über den kleinen Tonnenzug vom Türgriff auf/zu und gerne alles doppelt und dreifach.
Lüppt wieder?
Alles klar, dann werfen wir muter alles weiter zusammen.
Über das Schloss kommt jetzt wieder der weiße Spritzschutz. Achtet dabei auf den korrekten Sitz der Clipse:

Er braucht etwas Nachdruck, damit er ordentlich einrastet und die Gummilippe wieder sauber am Blech anliegt.
Jetzt wo alles bereit für den Widereinbau der Türhaut ist, dürft ihr eurem Putzfimmel nachgeben und reinigt den unteren Teil der Fensterscheibe:

Die Laufschienen des Fensterhebers habe ich bei der Gelegenheit mit PTFE-Spray behandelt, damit mir nicht das Gleiche passiert, wie beim Combo.
Anschließend montiert ihr wieder die Türhaut. Passt auch hier auf eine Kollision mit dem Kotflügel auf und nutzt die Dreckränder der Schrauben für die Ausrichtung.
Nun muss der Türgriff wieder an Ort und Stelle. Dazu müsst ihr die Schließzungen des Schlosses vor spannen, damit der Griff dort einhaken kann.
Das ist etwas fummelig und lässt sich schlecht beschreiben.
Auf dem folgenden Bild zeigt der Torx auf die Obere der beiden (zusammenhängenden) Zungen:

Ihr müsst da seitlich durch ein Loch dran und die Zungen nach außen drücken, während ihr den Griff einführt.
Sie haken mit einem Klick ein und ihr merkt dann auch den federbelasteten Widerstand beim Zug am Griff.
Nun hängt ihr den Tonnenzug der Schlossentriegelung in der richtigen Rastung (siehe Schraubenzieher in Teil 1) wieder ein und testet nochmals die korrekte Funktion des Schlosses.
Zum Abschluss kommt der nervigste und fummeligste Teil: Die Montage der Abdeckkappe neben dem Türgriff:

Ich hätte nicht gedacht, dass mich so etwas simples so beschäftigen kann, aber ich habe bestimmt eine halbe Stunde damit verbracht, diese olle Kappe wieder zu montieren.
Mit dem Torxbit müsst ihr die Einstellschraube so lange rein und raus drehen, bis ihr die Stellung gefunden habt, in der die Kappe in ihre Führung rutscht. Nun müsst ihr weiter probieren, damit die Kappe nicht nur verriegelt sondern auch noch gerade sitzt. Ich habe sie bestimmt 6-7 mal ein- und ausgebaut, bis es endlich passte.
Egal. Das ist schon jammern auf hohem Niveau, wenn man bedenkt, wie eine solche Reparatur bei anderen Fahrzeugen aussehen würde. Nun noch die Gummileiste wieder drüber und fertig ist der Lachs.
Jetzt schließt und entriegelt der Gerontengolf wieder ordnungsgemäß.
Mal sehen, wie lange das Teil hält.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit I

Der Gerontengolf wird bei uns aktuell selten genutzt (Home-Office, ÖPNV). Bei einem seiner raren Einsätze berichtete die Beste, dass sich die Beifahrertür nicht mehr öffnen ließe. Ein kurzer Test zeigte die Reproduzierbarkeit des Problems. Die Tür entriegelte nicht mit der Zentralverriegelung und ließ sich dementsprechend nicht mehr von außen öffnen. Über den Taster im Innenraum und den Öffner in der Beifahrer-Türpappe ließ sie sich jedoch noch entriegeln.
Während ich es noch auf die lange Standzeit schob und die Batterie ans Ladegerät hing, dräute mir aus dem Internet größeres Ungemach.
Der Golf V und seine VAG-Derivate jener Epoche leiden reihenweise unter kläglich verendenden Türschlössern. Schlimmstenfalls versagt das Schloss plötzlich ganz und man hat die Wahl zwischen einem „4-Türer“ oder der gewaltsamen Zerstörung der Tür um das defekte Schloss zu knacken.
Während ich also schleunigst die Losung ausgab, dass der Gerontengolf bis auf weiteres nur noch unverriegelt abgestellt werden dürfe (selbst Autodiebe haben ihren Stolz), grub ich etwas tiefer in den diversen Fehlerbeschreibungen.
Tritt der Fehler auf, soll im Steuergerät der folgende Code (z.B. für die Fahrertür) abgelegt werden:

00928 – Schließeinheit für Zentralverriegelung Fahrerseite (F220)

008 – unplausibles Signal – Sporadisch

Allerdings kann man sich das (kostenpflichtige) Auslesen eigentlich sparen. Laut eines VAG-Mechanikers liegen solche Probleme in über 90% der Fälle an einem verreckten Schloss. Die restlichen Prozente gehen auf Kabelbrüche in der Gummitülle zur Tür zurück, was jedoch erst bei Laufleistungen jenseits der 200.000 km (und dann meistens bei der Fahrertür) auftritt.
Der Vorteil eines so häufigen Defektes ist, dass man mit seinem Problem nicht alleine ist.
So gibt es wirklich vorzügliche Reparaturanleitungen:

und auch ein breites Angebot an Aftermarket-Ersatzteilen.
Volkswagen nimmt alleine für das Originalteil 200 €. Auf dem Markt gibt es aber schon ab 30 € passenden Ersatz. Von den ganz günstigen Angeboten riet der Experte jedoch ab, da diese über kurz oder lang identische Probleme zeigen würden.
Ich entschied mich für ein Exemplar aus der mittleren Preisregion (~50 €) von VEMO:

VW hat für die Konstruktion seiner Türen einen Sonderweg beschritten. Um an die Innereien (Fensterheber, Scheibe, Schloss, etc.) zu kommen, muss man die Außenhaut (!!) der Türen entfernen. Die Türpappen bleiben unberührt. Was erstmal nach einem Irrweg und dem Einsatz einer Flex klingt, ist im Nachinen betrachtet eine extrem servicefreundliche Lösung! Die Türhaut ist nämlich lediglich geschraubt und man hat im Anschluss viel Platz zum arbeiten.
Ich nehme euch mal mit auf die Reise ins Innere der Tür.
Wir starten mit der Entfernung der Gummileiste am Rand der Tür:

Die lässt sich einfach abhebeln und auch die Clipse überleben.
Dann seht ihr schon die Myriade an Schrauben, welche die Außenhaut halten. Eh es denen an den Kopf geht, entfernen wir aber noch den runden Aufkleber im oberen Drittel der Tür:

Dahinter findet ihr eine Torx-Schraube, welche einen Klemmmechanismus bewegt, welcher wiederum die Abdeckkappe neben dem Türgriff entriegelt:

Ist ein bisschen Fummelkrams, aber irgendwann könnt ihr die Kappe entfernen.
Als nächstes muss der Türgriff weichen. Damit ihr später nicht endlos lang probieren müsst, wie die Tonne des Seilzuges in seiner Verzahnung sitzen muss, empfehle ich einen flachen Schraubendreher in pasender Breite als Referenzmaß:

Danach kann man die Tonne heraushebeln und den Türgriff ausbauen, indem man ihn in geschlossenem Zustand kräftig nach hinten zieht:

Unter dem vorderen Teil des Türgriffs kommt eine kleine TORX-Schraube zum Vorschein, welche wir als erstes entfernen:

Die Schraube kommt dann zusammen mit den anderen Schrauben und Spreiznieten der Türhaut in eine von Kinderhand gezeichnete Schablone:

Die Schablone ist sinnvoll, da die Schrauben zum Teil unterschiedlich lang sind und ihr euch beim Wiedereinbau ja keine Beulen in die Türhaut drücken wollt.
Beim entfernen der Schrauben ist es sinnvoll, die jeweils Obersten nur zu lösen bis ihr einen Helfer zur Hand habt, der die Türhaut vor dem Absturz sichert.
Sind alle Schrauben entfernt, lehnt ihr die Tür vorsichtig an (Achtung, dass die Türhaut nicht an den Kotflügel stößt!) und hebt die Türhaut vorsichtig ab:

Bevor es ans Eingemacht geht, nutzen wir noch die Chance und markieren die Löcher in denen die Spreiznieten sitzen:

Bei der Gelegenheit widerstehen wir auch dem Drang, die Dreckspuren rings um die früheren Schraubenköpfe zu reinigen. Die Spaltmaße werden es euch nach dem Widereinbau danken!
Jetzt geht es an die Innereien, was wir aber in Teil 2 behandeln.


Service en gros II

Nachdem der Combo mit dem Service durch war, habe ich dasselbe Spiel nochmal beim Gerontengolf durchgezogen:

Auch hier, fast nix, was wir nicht schon gehabt hätten.
Ein paar Hinweise will ich aber doch noch da lassen.
Bei der Dichtung für das Ölfiltergehäuse müsst ihr darauf achten, dass die kleine Lippe Richtung Motor zeigt:

Außerdem scheint der VAG-Konzern für alle seine Fahrzeuge nur einen Typ Luftfilter zu haben. Zumindest von den Dimensionen her, wäre er nämlich für den Cayenne angemessen:

Der Tausch ist super einfach, genauso wie beim Innenraumluftfilter. Den hingegen beim Combo verantwortlichen Opel-Ingenieur peitsche ich ja immer noch gelegentlich im Keller aus.
Beim Golf entfernt man einfach die Schaumstoffabdeckung im Fußraum (Plastikmuttern):

Dann sieht man direkt die Kunsstoffabdeckung des Innenraumfilters vor sich. Hat man auch die abgeschraubt, kommt einem direkt der Filter entgegen:

Dank der Form des Filters ist es im Anschluss auch umöglich ihn verkehrt herum einzubauen. Wirklich schön gelöst (whip).
Damit war auch hier der Service durch und ich konnte wieder den Stempel zücken.
Zwischenzeitig hatte ich schon die Bestellung für zwei neue Federn für den Combo aufgegeben. Dort konnte es also direkt weiter gehen.

Kunststoff schweißen

Im Sinne einer frühkindlichen Prägung dürfen die kleinen Schräubchen in unseren Alltagsautos spielen, wenn diese auf dem Hof stehen.
Natürlich ist danach regelmäßig alles im Innenraum verstellt und der Innenspiegel mit Klebefingern voll, aber das ist der Preis.
Zum Preis gehört es auch, dass mal etwas zu Bruch geht.
So zum Beispiel die (zugegebenermaßen extrem filigrane) Brodit-Handyhalterung im Gerontengolf:

Im Combo habe ich damit ja exzelente Erfahrungen gemacht, aber die für den Golf Plus ist einfach Mist.
Da die Dinger aber nicht gerade billig sind, habe ich ein erstes Experiment auf dem Feld des Kunststoffschweißens gewagt.
Tobias hat damit sehr erfolgreich seinen (beim Vorbesitzer) verunfallten BMW Z4 wieder zusammen geklebt. Nur mit einem Lötkolben und ein paar Kabelbindern als Füllmaterial. Kann also nicht so schwer sein.

Leider ist das Verfahren bei notwendigerweise filigranen und maßgenauen Teilen eher nicht geeignet. Die Bruchstelle bleibt der Schwachpunkt
Dementsprechend hielt die Reparatur auch nicht lange:

Für die nächste Runde versuchte ich ein feines Drahtgewebe als Verstärkung in die Oberfläche mit einzuschweißen:

Das klappte so leidlich, aber mittlerweile war die nötige Passform so weit dahingeschmolzen, dass sich die Halterung nur unter Gewalt wieder in das Armaturenbrett des Gerontengolfs integrieren ließ. Dabei machte es dann leise *knack* und sie war wieder gebrochen:

Damit verwarf ich die Angelegenheit und ging das Problem neu an.
Die Halterung des Innenraumheizers oben mittig auf dem Armaturenbrett hat sich im letzten Winter sehr bewährt. Warum das Konzept nicht einfach auf den Handyhalter übertragen?
Voila:

Es kann manchmal so einfach sein….

Warm ums Herz VI

Das aktuelle Wetter bietet exzelente Bedingungen, um die im Gerontengolf verbaute elektrische Standheizung mal unter Extrembedingungen zu testen.
Der Test ist leider nicht ganz freiwillig, da der Besten von Allen an der Ampel jemand hinten auf den Combo gerutscht ist. Alles harmlos, aber der Schaden muss für die Versicherung erst begutachtet werden.
Die Ausgangslage beim Gerontengolf war folgende:

Dank abwechselndem Homeoffice zur Kinderbetreuung steht er knapp 2 Monate unbewegt auf seinem Platz. Die Batterie hatte ich wohlweißlich zwischenzeitig mal nachgeladen.
Also habe ich ihn erstmal ausgebuddelt und für die Nacht an die zeitgesteuerte Steckdose angeschlossen:

Nachts waren es hier ungefähr -14°C. Die Vorheizung sprang pünktlich um 4:40 Uhr an und zwei Stunden später sah der Wagen so aus:

Ihr seht keinen Unterschied?
Doch, klar. Guckt euch mal die hintere Seitenscheibe auf beiden Bildern an. Die war abends noch dick vereist. Auch sonst waren die Scheiben größtenteils aufgetaut.
Im Innenraum waren es knapp über 0°C.
Enttäuscht bin ich jedoch über den Motorwärmer selbst. Da merkt man ehrlich gesagt keinen Unterschied zu vorher. Ich befürchte, dass das warme Wasser irgendwie doch seinen Weg nicht in den Motorblock findet. Leider konnte ich bislang nicht herausfinden, was am oberen Ende des von mir angezapften Schlauches sitzt.
Vom Motorwärmer im V70 meiner Mutter (welcher in Vadderns Obhut dem Oldtimeralter entgegen schlummert) weiß ich, dass er schon nach wenigen Metern die Temperaturnadel zum zucken bringt.
Dementsprechend durchwachsen fällt auch das Fazit aus:
Der Heizlüfter für den Innenraum ist super! Kein kratzen, keine klebenden Türdichtungen, keine angefrohrenen Scheibenwischer.
Der Motorwärmer für das Kühlwasser ist in meiner Bauweise Mist. Vielleicht hatte es doch einen Grund, warum Defa da den Weg eines Ölwannenwärmers gegangen ist. Mal sehen, ob mir da noch was schlaues einfällt.