Archiv der Kategorie: Genesungswerk

Macht hoch die Tür I

…das Tor macht weit. Seit Ewigkeiten bildeten zwei modifizierte Bauzaunelemente ein improvisiertes Tor zum Genesungswerk.
Ziel zum Jahresende war es, dieses Provisorium durch ein schickes neues Sektionaltor zu ersetzen.
Nach einem astronomischen Angebot von Hörmann (etwas über 6000€; ohne Montage!) entschied ich mich für Omnitore als Anbieter.
Dort kostete das Tor knapp die Hälfte und die Abwicklung samt Lieferung war absolut problemlos:

Tor geliefert

Um die Kosten weiter in Grenzen zu halten entschied ich mich für einen Aufbau in Eigenleistung.
Aus der Retrospektive kann ich sagen:
Kann man machen.

Die mit Abstand größte Herausforderung war es, die Piktogramme in der Anleitung zu verstehen. Die Anleitung umfasst verschiedene Varianten des Tores und die unterschiedlichen Baugruppen werden immer nur als „Option X“ tituliert. Da ist Detektivarbeit gefragt, um herauszufinden, welche „Option“ man denn nun da vor sich liegen hat. Die Bauteile sind häufig optisch gleich, weichen aber in den Dimensionen um ein paar Millimeter ab. Man beachte auch die kreative Nummerierung der Seiten.

Bei einem Tor in den Dimensionen 5 x 3 Meter geht der Aufbau selbst auch alleine, sofern man ein (Roll-)Gerüst hat.
Nur beim einsetzen der Torelemente waren wir zu dritt und gut ausgelastet.
Los ging es aber mit der Montage des Rahmens und der Schienen:

Schienenmaterial

Ebenfalls empfehlen möchte ich für den geneigten Nachmacher einen Nivelierlaser und Einhandzwingen zum ausrichten:

Schiene ausrichten

Eine gute Idee in der Anleitung ist es, die hintere Querstange als temporäre Abstandslehre für die Schienen vorne zu nehmen:

Hintere Querschiene als Distanzstück

So kann man die vertikalen Schienen schön vor der „Torloch“ vermitteln und mittels Einhandzwingen und Laser parallel ausrichten.
Danach noch 12 mal die Maße checken, die Löcher anzeichnen und dann gibt es keinen Weg mehr zurück:

Löcher bohren

Für die Verankerung in Porotonsteinen schwöre ich auf TOX „Bizeps“ Poroton-Dübel. Die halten wirklich super!
Nur oben im Betonsturz führte die hohe Reibung im Dübel dazu, dass ich mir eine Schraube abriss:

Schraube abgerissen

Merke: Für relevante Verangerungen in Beton IMMER Bolzenanker verwenden!
Es gab anschließend ein neues Loch, etwas darunter und einen ordentlichen Anker:

Bolzenanker gesetzt

Zur Montage der knapp 5m langen horizontalen Laufschienen ersann ich eine hasardeuristische Stützkonstruktion aus zwei Gerüstböcken, einer Baustütze und reichlich Kabelbindern:

Stützkonstruktion

Bis einen Moment später mein Blick auf mein Rollgerüst fiel….:

Schiene auf Rollgerüst

So konnte ich die Schienen bequem an das Tor heranrollen, vorne verschrauben und hinten hoch halten.
Mittels Ratschengurten habe ich sie dann temporär von den Stahlträgern abgehängt:

Schiene provisorisch abgehängt

Mittels der Ratschengurte ließ sich auch die Höhe der Schienen gut justieren. Abgehängt habe ich die Schienen dann final über an einem Stahlträger aufgehängte Dreiecke:

Schienen abgehängt

Das war ein wildes Puzzle aus gelochten Winkeleisen. Die Klemmung am Stahlträger erfolgt über Gewindestangen, die die Winkeleisen anpressen.
Ich habe die Dreiecke bewusst nach innen überstehen lassen, damit ich neben dem Tor ggf. noch ein Hochregal stellen kann. Der geneigte Nachmacher muss darauf achten, dass das Tor beim Hochlauf nicht mit der Querstrebe kollidiert.
Im nächsten Artikel geht es dann in die Vollen.

egalisiert II

Nachdem mir die Ausgleichsmasse am Vortag partiell ausgelaufen war, war ich gespannt, wie das Malheur wohl am nächsten Tag aussehen würde:

Ausgehärtet Detail

Man sieht deutlich, wo die Masse immer wieder abgeflossen ist.
Sie hatte jetzt die Konsistenz von nahezu festem Gips.
Auch einige Poren waren noch deutlich sichtbar:

Oberfläche im Detail

Sie ließ sie sich aber gut ausschalen:

Füllprofile entfernen

Hier sieht man auch deutlich, warum die Verwendung der Füllprofile dumm war. Die Masse findet eh ihren Weg und ich hatte mir jetzt einen Hohlraum geschaffen, der eine zukünftige Schwachstelle bildete. Genau über diese Ecke fahren ja später die Autos.
Noch blöder war die Verwendung von Silikon, da ich das mühsam aus den Hohlräumen puhlen musste:

Silikonrest

Notiz an eventuelle Nachmacher: Lücken einfach umbauen und voll laufen lassen. Kein Heckmeck.
Eh ich mich aber dieses Fehlers annehmen konnte, wollte ich mich erstmal der Fläche zuwenden, eh diese vollständig aushärtete.
Die Oberfläche vertrug noch etwas Finish:

Raue Oberfläche

Mit dem Reibebrett ließen sich einige der größeren Unebenheiten egalisieren:

Abreiben

Und der feuchte Schwamm schaffte wieder eine schön glatte Oberfläche:

Oberfläche geglättet

Das war jetzt 28 Stunden nach dem Guss.
Auch die vordere Kante wollte ich noch abrunden.
Hier bewährte sich Grobarbeit mit dem Cutter:

Kante mit Cutter brechen

Und der nasse Schwamm machte alles schön rund:

Kante abgerundet

Den Hohlraum vorne schloss ich mit eng gestopftem Quellmörtel:

Lücke füllen

Das hat auch bei den Stahlträgern gut funktioniert. Später wird an die Fläche ja ran gepflastert, so dass ich hoffe, dass auf die Kante nicht zu viel Last kommt.
Trotz des Malheurs bin ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden:

Final

Beim nächsten Mal würde ich die Masse steifer anrühren (weniger Wasser als vorgeschrieben) und sie dann händisch modelliert. Dann kann man auch direkt ein Gefälle mit realisieren.

egalisiert I

Um damit anfangen zu können, größeres Gelumpe in das Genesungswerk zu verfrachten, gab es nach der Fliesenaktion noch ein kleine Hürde zu überwinden. Und zwar im wörtlichen Sinne:

Absatz vor Fliesen

Am Eingang der Halle gab es nun eine kleine Stufe auf die erste Fliesenreihe. Lässt man das so und fährt mit Fahrzeugen einfach über die Fliesenkante, bricht sie nach kürzester Zeit ab oder die ganze Fliese löst sich.
Da die Stufe aber nur ca. 17mm betrug, schied auch Estrich aus, da er größere Schichtstärken benötigt, um eine feste Schicht auszubilden.
Meine Wahl fiel auf Ausgleichsmasse. Der reicht eine Schichtstärke von 2mm für eine Traglast von 30N/mm². Selbst Faserestrich braucht für 35N/mm² mindestens 25mm Schichtstärke.
So wirklich hatte ich noch nie mit Ausgleichsmasse gearbeitet. Wird also ein Experiment.
Für die Begrenzung nach vorne stellte ich ein Schalungsbrett. Die verbleibende Fuge zur Bodenplatte verschloss ich mit Fugenfüllprofil und Silikon:

Eingeschalt

Das war eine doofe Idee, aber dazu später mehr.
Mit einer Bleistiftmiene an einer Wasserwaage markierte ich mir zur Kontrolle die Höhe:

Höhe markieren

Da alle Anleitungen im Netz immer wieder betonten, wie schnell man mit der Masse sein müsse und das man mindestens zu zweit arbeiten müsse, machte ich mir für meinen Ein-Personen-Einsatz einen genauen Ablaufplan:

Ablaufplan

Ringsherum kam dann noch ein Streifen Schaumstoff, damit sich die Fläche unabhängig von den Fliesen bewegen kann:

Randstreifen kleben

Nun gab es kein Zurück mehr: anrühren, ausgießen, verteilen und fluchen:

Masse übergelaufen

In der Mitte habe ich eine kleine Senke in den Fliesen, so dass mir dort die Ausgleichsmasse über die Fliesen lief.
Half ja aber nix. Ich habe dann „betreutes aushärten“ gemacht und immer wieder mit dem Lappen nachgewischt, bis keine der immer zäher werdenden Masse zurück über die Fliesen lief:

Nachwischen

Nach drei Stunden war sie dann so fest, dass nichts mehr nach lief:

Läuft nicht mehr über

Nach weiteren zwei Stunden habe ich dann mit einem nassen Schwamm begonnen die Oberfläche zu bearbeiten und möglichst alle Poren zu verschließen:

Feuchter Schwamm

Damit die Masse möglichst langsam aushärtet habe ich sie mit einer Folie abgedeckt:

Schwelle mit Folie abgedeckt

Für die Feinarbeit musste ich bis zum nächsten Tag warten.

Lückenschluss IV

Auch am Genesungswerk geht es trotz eisiger Temperaturen weiter.
Auf der Liste mit den kleineren Arbeiten stand noch die Dämmung der Firstpfette. Wie schon berichtet, konnte ich sie ja nicht, wie die untere, von außen dämmen. Daher schnitt ich passgenaue Styroporblöcke zu und klemmte sie zwischen Sandwichplatte und Mauerkrone:

Kalte Pfette

Meine Hoffnung ist, dass auf der kalten Pfette so kein Wasser kondensiert. Und wenn doch hat es durch den Hohlraum genügend Hinterlüftung um wieder zu verdunsten.

Obere Pfetten innen gedämmt

Auch den Abschluss der mittleren Trennwand habe ich so gebildet. Jetzt gibt es oben unterm Dach einen umlaufenden schwarzen Streifen. Ganz hübsch, wie ich finde:

Innendämmung

Auf dem Boden der Tatsachen

Während die Putzer draußen zauberten, ging im Genesungswerk der fliesenlegende Mensch zu Werke. Ich hatte bewusst nach einem Profi gesucht, da die Fliesen direkt auf den recht unebenen Betonboden geklebt werden mussten. Aufgrund der geringen Durchfahrtshöhe zum Werkraum war ein ausgleichender Estrich leider nicht möglich.

Das war der Zeitpunkt, auf den die beste Ehefrau von Allen seit 6,5 Jahren wartete. So lange standen nämlich 80m² feinste Werkstattfliesen bei uns hinter dem Haus. Da die Gelegenheit damals ausgesprochen günstig war, kaufte ich sie, noch bevor der erste Spatenstich erfolgte (und verbog beim Transport die Lafette). „Besorge in der Zeit, dann hast du in der Not“ oder so ähnlich.
Wir haben die 1,5t Fliesen dann in einer Menschenkette Paket für Paket runter ins Genesungswerk verfrachtet.
Ganz ungewohnter Anblick, so ganz ohne Europaletten:

Lager leer

Im Genesungswerk kamen die Pakete auf Paletten mit Rollen (seit den Stahlträgern eigentlich immer im Einsatz). So konnten die Handwerktätigen sich die Pakete hinrollern, wo sie wollten. Man ist ja serviceorientiert. Nachdem der Boden geschliffen und einige Setzungsrisse in der Bodenplatte mit Epoxydharz und Klammern verschlossen waren, ging es dann auch rasch an’s Werk:

Fliesen begonnen

Schon vorher wusste ich, dass die Werkstattfliesen nicht für die gesamte Fläche reichen würden. Daher orderte ich bei Fliesenoutlet-Shop24.de weitere 50m² Werkstattfliesen im identischen Format. Da die original Fliesen nicht zu bekommen waren, entschied ich mich für ein deutlich anderes Muster. So sieht es wenigstens halbwegs gewollt aus. Leider kann ich den Fliesenladen nicht empfehlen. Die Kommunikation war schleppend und von der gewünschten Fliese gab es kein Muster. Ich musste daher blind bestellen. Auch die Lieferung erfolgte ohne versprochene Ankündigung, so dass ich nur durch Zufall zuhause war. Kaum stand die Palette vor dem Genesungswerk bemerkte ich, dass einige Pakete beim anfassen so komisch knirschten:

Fliesen nachgekauft

Hier sieht man, wie sich das Packband in einen Karton einschneidet:

Kaputte Pakete

Das verhieß nichts gutes.
Glücklicherweise arbeiteten echte Fachkräfte dort in der Kommissionierung. Sie hatten mir nämlich nicht nur die bestellten 56m² geschickt, sondern eine volle Palette mit 64,8m².
Das sparte mir wenigstens die Reklamation, da ich die zerdepperten Fliesen einfach aussortieren konnte.
Die weißen Werkstattfliesen reichten bis auf knapp zwei Reihen an die Trennwand heran:

Übergang Fliesen

Dort schlossen die fliesenden Menschen dann mit den dunkleren Fliesen an. Leider bin ich auch mit dieser Arbeit nicht wirklich zufrieden. Schaut euch mal genau die Fugen zwischen hellen und dunklen Fliesen an:

Fuge verspringt

In der Mitte geht es noch, aber je weiter es nach außen geht, desto deutlicher verspringt die Fuge.
„30×30“ ist halt bei keinem Fliesenhersteller gleich. Bei einem sind es „29,3×29,3“, beim Anderen „30,2×30,2“. Hat wohl mit dem Schrumpfverhalten während des brennens zu tun. Ist aber auch egal. Mir hat man auf jeden Fall beigebracht, dass man deshalb bei einem solchen Fliesenanschluss (nachdem man eine Probereihe trocken gelegt hat und weiß, wie die Fuge verspringt), mit einer halben Fliese startet. So liegt die Anschlussfuge immer in der Mitte der Fliese und dort fällt es niemandem auf, dass sie um 2-3 cm wandert. Aber ich behaupte ja auch nicht gelernter Fliesenleger zu sein.

Nun war es aber zu spät und der Fliesenkleber hart.

Sie haben dann noch die Fläche beendet:

Fliesen fertig

Als es dann an die Fußleisten gehen sollte, sagten sie mir, dass es ihnen zu aufwändig wäre, diese aus den (ausreichenden) seitlichen Abschnitten zu schneiden und sie stattdessen nur ganze Fliesen zerschneiden würden.

Wir einigten uns darauf, die Zusammenarbeit an dieser Stelle zu beenden.