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Karies II

Aufgrund verschiedenster Baustellen komme ich partout nicht dazu beim JZR voran zu kommen.
Nachdem aus dem Bereich des Hinterrades nur noch mahlende Geräusche statt Vortrieb zu vernehmen waren, gingen ja die ersten Ferndiagnosen in Richtung „abgescherte Verzahnung am Endantrieb“.
Also habe ich mal alles freigelegt:

Schutzblech entfernt

Da man nicht, wie beim Motorrad, die Achse einfach seitlich raus ziehen kann, muss man die Stoßdämpfer und die Drehmomentstütze lösen und dann die Karosserie anheben:

Heck anheben

So kommt die Radnabe weit genug nach unten, damit man seitlich den Achsbolzen raus ziehen kann:

Hinterrad ablassen

Jetzt löst sich schon mal das Rad aus seiner Verzahnung. Allerdings bekommt man es erst raus, wenn auch der Endantrieb entfernt wurde:

Muttern Endantrieb lösen

Dazu die drei Muttern lösen und mit Nachdruck das Gehäuse hin und her wackeln.
Nach ein wenig Reinigung sieht die Verzahnung des Winkeltriebes noch Tip-Top aus:

Verzahnung Endantrieb gereinigt

Lediglich minimale Aufwölbungen lassen sich an den Flanken erkennen:

Leichte Verformung Zahnrad Endantrieb

Und auch die Verzahnung in der Felge sieht noch weit entfernt von Karies aus:

Verzahnung Felge 2

Ok, das Lager lässt sich von Hand in seinem zerschundenen Sitz drehen, aber das kann nicht die Ursache sein.
Mal sehen, ob ein paar Körnerschläge es wieder fixieren können.

Damit ist jedoch der Endantrieb als Ursache raus.

Die nächste Verdächtige auf der Liste ist die Verzahnung der Kardanwelle. Da muss ich aber noch raustüfteln, wie ich dafür die Hinterradschwinge ausgebaut bekomme.
Ich befürchte, dass dafür der Tank raus muss.

Karies

Das erste Maiwochenende hatten wir „Kinder-frei“. Dazu war bei uns bombastisches Wetter.
Beste Gelegenheit um die Route für die Ausfahrt des diesjährigen „Tamworth Specials“-Treffens auszukundschaften. Also JZR und beste Ehefrau von allen geschnappt und ab, entlang der Elbe:

auf der Fähre

Die Freude war auf allen Seiten ausgeprägt und es war ein herrlicher Tag!
Bis ich in einem winzigen Dörfchen auf einem abgelegenen Feldweg anfahren wollte und aus Richtung Hinterrad nur noch das Geräusch mahlender Zahnräder zu vernehmen war…..
Es war ziemlich schnell klar, dass das keine Feldreparatur werden würde. Schob man mit eingelegtem Gang den JZR klang es so:

Also beim AvD angerufen und einen Abschlepper bestellt. Das war dann noch eine längere Diskussion, da sie einen eigentlich nur 50 km weit transportieren und wir aber gut 65 km von Zuhause entfernt waren, aber „nach Rücksprache mit der Fachabteilung“ ging das dann doch.
Ich habe da mal ein Auge drauf. Ggf. muss ich doch nach 16 Jahren mal meine Mitgliedschaft kündigen. Aus 50km Umkreis komme ich auch selbst nach Hause und hole das Auto auf der Lafette.
Nachdem ich dem Abschleppdienst meine GPS-Position geschickt hatte, fand auch er uns:

auf dem Abschlepper

So endete der eigentlich wunderschöne Tage doch etwas niedergeschlagen.
Nach bisheriger Diagnose ist die Verzahnung vom Endantrieb abgeschert. Das soll bei der CX500 im Gespannbetrieb (belastungsmäßig wenig anderes als der JZR) häufiger vorkommen.
Hoffentlich hat es die Verzahnung im Hinterrad überlebt. Das ist nämlich eine Spezialanfertigung für den JZR….

Leistenbruch

Beim hangeln im Fußraum des JZR ist mir neulich eine der hölzernen Zierleisten abgebrochen:

Zierleiste abgebrochen

War zum Glück ein glatter Bruch entlang der alten Klebekante.
Herausfordernd war nur, wie ich das Holzstück anpresse, während der Leim langsam abbindet.
Es wurde dann eine wilde Hilfskonstruktion an den nahegelegenen Aufnahmen der vorderen Verkleidung:

Klemmung zum anleimen

Hat vorzüglich geklappt. Sitzt wieder spurlos an Ort und Stelle:

Leiste repariert

Facelift II

Wie schon beim Rundgang um das Kühlsystem des JZR festgestellt, waren hier größere Arbeiten fällig. Eine gute Gelegenheit, ihn auch optisch etwas zu überarbeiten.
Zentraler Blickfang bei den klassischen Three-Wheelern (Morgan, JZR, Triking) ist der frei stehende Motor. Das gibt es sonst bei keinem Automobil und nur bei ganz wenigen Motorrädern. Bei meinem JZR war der Motor jedoch hinter dem Zusatzkühler versteckt und quer vor ihm her lief noch ein dicker Kühlerschlauch. Dazu hatte ihn einer der Vorbesitzer schwarz lackiert, was ihn optisch noch mehr verschwinden ließ:

Weihnachtsgruß 2024

Dazu dann noch das Kupferrohr diagonal über den Motor, da sah ich optisches Optimierungspotential.
Das ich hier was ändern müsste, wusste ich schon beim Kauf. Daher war es mir auch so wichtig, den JZR als L5e zuzulassen und für den Entfall des vorderen Kennzeichens zu sorgen. Das schaffte nämlich den idealen Platz, um den Zusatzkühler zu versetzen:

Erster Test neue Zusatzkühlerposition

Jaaa! Das sieht doch schon ganz anders aus!
Aus dem Aluminiumflansch des Zusatzkühlers hatte ich zuvor noch die verzinkte 90°-Adapterkonstruktion herausgekämpft:

Gewindekorrosion

An dem weißen Pulver seht ihr schon die fortgeschrittene Alu-Korrosion. Das waren alles mal Gewindegänge. Ich habe die Innengewinde dann sorgfältig mit der Gewindefeile (tolles Werkzeug) nachgearbeitet und nach Vermessung der Steigung einen eloxierten Alu-Adapter M18x1,5 auf 19mm-Schlauchtülle besorgt:

Gewinde Zusatzkühler Feile

Da die M18-Gewinde keinen größeren Durchsatz erlauben, war die Reduzierung im Schlauchdurchmesser hier unkritisch. Es gab also zwei 19mm-90°-Schlauchbögen und zwei 22mm-19mm-Reduziertüllen um den Zusatzkühler wieder einzubinden.
Damit war verzinktes Eisen schon mal aus dem Kühlkreislauf verbannt.
Da der schwarze Lack am Motor schon abblätterte, habe ich ihn in mühevoller Kleinarbeit abgekratzt. Um die Überraschung für das finale Bild nicht zu spoilern hier die Ausgangslage:

schwarzer Motorblock

Weiterhin störte mich der schräg nach vorne zeigende Abgang des Thermostatdeckels. Das führte zwangsläufig zu einem vor dem Motor her laufenden Kühlerschlauch. Im Honda-Regal fand sich jedoch der Thermostatdeckel der CX 500 Eurosport (PC06). Der zeigt normalerweise gerade nach vorne, lässt sich aber auch um 180° verdreht montieren:

Thermostatdeckel im Vergleich

So zeigt der Abgang direkt nach hinten und vor dem Motor verläuft kein Schlauch mehr.
Um das Kühlwasser nun vom Thermostat nach hinten zum Kühler zu bekommen, musste ich den Schlauch etwas seitlich in einem steigenden Bogen führen. Es schlug die Stunde der CB 500-Schläuche:

Test neuer Kühlerschlauch

Ein 22mm-Schlauchverbinder schafft da die nötige Verbindung. Das sieht schon mal sehr gut aus:

Verlauf neuer Kühlerschlauch

Damit konnte auch das gerade Kupferrohr rausfliegen und im nächsten Winter kann ich die ausgesägte Motorhaube wieder schließen:

Kühlerschlauch passt mit Haube

Den Halter für den Zusatzkühler trimmte ich noch ein bisschen auf meiner umgebauten Bandsäge zu:

Haltekonsole Zusatzkühler

Anschließend lackierte ich ihn schwarz-rot um ihn optisch verschwinden zu lassen.
Noch ein wenig Kleinkram (Kabel umlegen und mit schwarzem Schrumpfschlauch kaschieren, den 90°-Kupferbogen am Kühler durch ein Kunststoffteil ersetzen, etc.), stundenlange Feinarbeit mit den blauen Proxxon-Polierscheiben (Top-Empfehlung!) sowie feinem Schleifpapier und fertig war der Umbau:

Neue Front

Guckt euch nochmal die Ausgangslage oben an. Über Geschmack lässt sich streiten, aber mir gefällt’s!

Facelift I

Wie uns schon das große gegenwartsphilosophische Werk „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“ lehrt, gibt es auch an einer super Ollen mitunter einiges zu optimieren! So auch beim JZR.

Bei meiner Service-Runde um den JZR kam ich natürlich auch am Kühler vorbei:

Blick in den Kühler

Das sieht nicht gut aus…
Kein Problem. Lassen wir mal das Kühlwasser ab und nehmen eine Probe:

Kühlwasserprobe

Ürgs
Aber ist halb so wild nach einiger Zeit wird das Wasser oben wieder klar:

Kühlwasserprobe 2

Verdammt…..
Ok, also Kühlsystem spülen. Der Kühler selbst ist übrigens auch fritte:

Kühler feucht

Einzelne Kühlröhrchen sind augenscheinlich undicht, so dass er immer leicht feucht ist.
Den ersetze ich aber später. Teil eines größeren Planes.
Ok, wenn ich da aber jetzt eh schon dran muss, dann kann ich bei der Gelegenheit auch den Materialmix im Kühlsystem reduzieren und den Verlauf der Schläuche ändern:

Kupferrohr

Aktuell finden sich neben Gummi auch Alu, Kupfer, Eisen, Zink und Messing im Kühlsystem. Ein spannungsreihiger Alptraum!
Außerdem musste einer der Vorbesitzer für das gerade Kühlwasserrohr nach vorne die Motorhaube aussägen. Das würde ich auch gerne rückgängig machen.
Da ich einige 22mm-Schlauchbögen für das Projekt brauchte und diese einzeln unbezahlbar sind, habe ich geschaut, welche 500ccm-Maschinen Honda noch gebaut hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass Honda da andere Schlauchdurchmesser verwendet hat, war verschwindend gering. Für schmalen Taler kam ich an einen Satz passende Kühlerschläuche der Honda CB 500:

Schlauchset CB500

Den habe ich in einem Essig-Bad entkalkt und gereinigt.
Während das einweichte habe ich den Motor und Kühlkreislauf in alle Richtungen gespült:

Kühlkreislauf spülen

Das Thermostat bedurfte ebenfalls einer gründlichen Reinigung (nach dem obligaten Check im Kochtopf):

Thermostat verklebt

Auch solche Schläuche flogen direkt auf den Müll:

alte Schläuche

Hmm…. Wenn ich eh schon so weit bin, dann kann ich doch eigentlich auch grundlegender das Erscheinungsbild des JZR ändern?!
Der Motor war mir hinter Zusatzkühler, Schläuchen und schwarzem Lack immer viel zu versteckt. Das wird was größeres…