Archiv der Kategorie: Honda Gorilla

Benzintausch

Nachdem sich die Oldtimer Praxis in den letzten beiden Ausgaben mit den Folgen von altem Sprit in Metall-Tanks beschäftigt hat, habe ich dies mal zum Anlass genommen und den Sprit in meinen aktuellen Stehzeugen ausgetauscht:
Benzin-Tausch
Beim Duo mit seinem 1:33-Gemisch ist alter Sprit nicht so dramatisch, da das Öl für eine gute Konservierung des Tanks sorgt. Bei der Gorilla als 4-Takter machte ich mir da schon mehr Sorgen.
Nach dem der Sprit raus war, habe ich mal einen Blick in den Tank geworfen:
Tank Innanansicht
Alles im grünen Bereich.
Auch die andere Tasche des Tanks sieht harmlos aus:
Tank Innanansicht 2
Keine wirkliche Verschlechterung zur Entrostungskur vor 4 Jahren.
Den Sprit aus Lola und der Gorilla habe ich in mehreren Kanistern gemischt und werde ihn nach und nach in Motoren ohne Abgasreinigung verheizen.

P.S.: Natürlich habe ich Lolas schleichendem Plattfuß auch eine Runde Luft spendiert.

Rostflöckchen, Braunröckchen

Ich habe vor einigen Tagen mal wieder bei Lola in der Tiefgarage vorbei geschaut:
Duo mit Platten
Wer auch immer nackten Betonboden für eine super Lösung in der Tiefgarage hielt… Nach einem Tag findet sich auf jedem Auto ein feiner Staubnebel. Egal. Lola zieht bald um und daher habe ich dem schleichenden Plattfuß hinten links ne Runde Luft verpasst und die Reifen ein Stückchen weiter gedreht (Standplatten).
Das war allerdings nicht mein einziges Ziel. Lola wurde ihres alten Spritfilters beraubt:
alter Benzinfilter
und bekam einen neuen Einwegfilter:
neuer Benzinfilter
Ich hoffe mal, dass der neue Fitler nicht zu viel Widerstand liefert. Die Bängzäng-Versorgung basiert ja nur auf Schwerkraft und die Leitungen sind lang und verschlungen. Da ist das Duo ein wenig mimosig.
Der alte Filter stammt von OMG (cooler Firmenname btw.) und ist auswaschbar:
Duo Benzinfilter rissig
Die Anschlüsse sind aus Metall und der Korpus aus Kunststoff. Wie man auf dem Bild sehen kann, haben sich nach 7 Jahren im Einsatz feine Risse im Korpus gebildet. Dicht ist er allerdings immer noch.
Ich habe ihn jedoch nicht ausgebaut um ihn weg zu werfen, sondern er soll (zumindest vorübergehend) den Einwegfilter aus der Gorilla ersetzen:
alter Benzinfilter
Wie man leider etwas schwer erkennen kann ist der Gorilla-Filter Rand voll mit Rostpartikeln. Dies sind die Überreste meiner Tanksanierung mit Zitronensäure. Schon damals war ja deutlich geworden, dass sich noch reichlich gelöste Rostpartikel im Tank befanden. Diese wurden nun nach und nach gen Filter transportiert und können mit diesem entsorgt werden. Der Einbau von Lolas Filter war unspektakulär:
Duo Benzinfilter
Bei Gelegenheit werde ich auch mal das Filtersieb im Tank und den Vergaser säubern. An beiden Stellen dürften sich ebenfalls einige Rostpartikel finden.

Gorilla im Nebel

Im März stand auch das Frühlingserwachen der Gorilla auf dem Speiseplan:
Ölwechsel
Im Zentrum stand nach rund 1000 km der erste Ölwechsel seit der Wiederbelebung.
Entsprechend genau habe ich im Bodensatz der Ablasswanne gelesen:
Bodensatz
Dafür dass die Gorilla keinen Ölfilter hat und die Kupplung ihren Abrieb ungeniert im Ölfluss entsorgt, sieht es ganz manierlich aus. Die kleinen Stückchen ließen sich alle ganz leicht mit dem Finger zerreiben. Ich habe mir daher auch den Aufwand gespart, die Zentrifuge zu reinigen (normalerweise alle 8000 km fällig).
Beim Öl habe ich die Marke gewechselt und verwende nun die Hausmarke von Tante Louise:
Ölsorten
Ansonsten bedurfte es nur der Batterie und eines neuen Kennzeichens:
Neues Kennzeichen
Nach 5-6 mal kicken schnurrte sie munter los und läuft seit dem zuverlässig.
Zur Abwechslung auch mal ganz nett.

Winterschlaf

Für den Fuhrpark habe ich mittlerweile die Winterpause eingeläutet.
Sowohl die Gorilla als auch der Rialto haben nach einer gründlichen Wäsche ihre Schlafanzüge an:

und die Batterien stehen im muckelig warmen Keller am Ladegerät.
Leider konnte ich das alte Öl nicht wechseln, da mir hier einfach die Infrastruktur fehlt.
Außerdem ist der Rialto mit der großen Inspektion dran.
Aber Ventile auf der Gasse einstellen ist kein Vergnügen….

Kopfnicken II

Wie berichtet hatte die Gorilla ein sehr unangenehmes Spiel im Lenkkopflager entwickelt.
Nachdem Wuschel und Gonzo in den Kommentaren meinten, dass es eventuell auch mit nachziehen der Wellenmutter getan ist, habe ich mich ans Werk begeben.
Um an die Wellenmutter der Gorilla zu gelangen, muss einiges demontiert werden:
Anfang
Über der Wellenmutter sitzt die Gabelbrücke, über der Gabelbrücke sitzt eine Hutmutter, um die Hutmutter zu demontieren muss der Lenker runter und um den Lenker zu demontieren muss der vordere Gepäckträger ab…
Als ich den Lenker demontierte und unterschiedliche Schrauben in der Hand hielt, beschlich mich zum ersten mal das ungute Gefühl, dass ich nicht der erste war, der dort einen Schraubenschlüssel ansetzt.
Bei der Gorilla ist das IMMER ein ungutes Zeichen, wie der geneigte Leser weiß.
Lenker demontiert
Die Steuerkopfmutter auf der Gabelbrücke hat Schlüsselweite 29. Da ich solch eine krumme Riesennuss nicht besitze, musste die Knipex Schraubzange “Raptor” zum Einsatz kommen:
Lenkkopflager Kontermutter
Damit ließ sich die mit 80 Nm anzuziehende, verchromte Mutter vergleichsweise leicht und beschädigungsfrei lösen.
Nach der Demontage der Gabelbrücke war endlich der Weg zur Wellenmutter frei:
Gabelbrücke demontiert
Bevor ich sie jedoch einfach etwas nachziehe, wollte ich erstmal einen Blick in das Lager werfen.
Nach den unterschiedlichen Schrauben bei der Lenkerbefestigung schwante mir nichts gutes und ich wurde mal wieder nicht enttäuscht:
obere Lagerkugeln
Das waren alle Lagerkugeln. Da sollen eigentlich 21 Stück drin sein. 11 hatten wohl gerade Urlaub.
Ok, also mit nachziehen ist’s also nicht getan.
Schauen wir doch mal, wie viele Kugel heute im unteren Lager zum Dienst erschienen sind und ziehen die Gabel aus dem Lenkrohr:
Gabel samt Instrumente abgebaut
Wer hätte anderes erwartet?
Lagerkugeln unten
Ok, ich gebe zu: 5 der unteren Kugel waren nicht durch das harzige Dreckfett verklebt und purzelten beim Ausbau auf das darunter ausgebreitete Handtuch.
Damit fanden sich auch unten exakt 10 Kugeln.
In beruflicher Boshaftigkeit unterstelle ich mal, dass der frühere „Mechaniker“ da auch schon mal dran war, ihm die Kugel durch die Werkstatt gepurzelt sind und er anschließend das Lager mit den verbliebenen wieder zusammen gesetzt hat. *Grmpfl*
Da putzen bekanntermaßen meditative Eigenschaften hat, habe ich die Lagerringe mal vom Dreck der Jahrzehnte befreit:
oberes Lager sauber
Sieht auf den ersten Blick ok aus. Unten genauso:
unteres Lager sauber
Bei sehr genauer Betrachtung konnte man jedoch kleine Abdrücke im Lagerring erkennen, wo die Kugeln normalerweise immer saßen.
Fühlen konnte man zwar nix, aber trotzdem verspürte ich wenig Lust die Ringe weiter zu verwenden.
Fürs Protokoll sei erwähnt, dass man die Lagerkugeln auch einzeln bei Honda kaufen kann. Das macht dann je Kugel 50¢
Der lokale Fahrradlader verkauft hingegen 144 identische Kugeln (3/16″ = 4,76 mm)für 3,65€…
Für mich stand der Entschluss auf ein modernes Kegelrollenlager in X-Anordnung umzurüsten.
Die Umrüstkits gibt es fix und fertig z.B. bei Tante Luise.
Die Dinger sind einfacher zu montieren(siehe rauspurzelnde Kugeln), verschleißärmer, erfordern weniger Wartung und bringen ein stabileres Fahrverhalten.
Allerdings muss dafür der Lagerring vom Lenkrohr der Gabel runter.
Also habe ich die Gabel weiter von Anbauteilen befreit:
Gabel ausgebaut
Den Lagerring von der Gabel zu bekommen ist ein episches Gewürge.
Laut Werkstatthandbuch soll man dazu mit einem Meißel im 90°-Winkel unter den Ring schlagen, damit sich dieser zwischen untere Gabelbrücke und Ring schiebt. Anschließend soll man mit zwei dicken Schraubenziehern den Ring runter hebeln. Filigran ist anders!
Darum hab ich auch gar nicht erst mit wullachen angefangen und die Gabel direkt zu Steinbach Motorradhaus gebracht.
Eine Woche und 15 € später war der alte Ring runter und das neue untere Lager drauf. Das war es mir auf jeden Fall wert.
In der Zwischenzeit habe ich mich um die Lagersitze im Lenkkopf gekümmert.
Die alten ließen sich gut mit einem langen Schraubenzieher rausklopfen.
Die neuen zitterten derweil in der Tiefkühltruhe. Oben reichte ein Stück Holz als Dämpfer zum Hammer und schön gleichmäßige Schläge rings um:
Lager steht oben über
Wie man auf dem Bild sieht, steht die Lagerschale minimal über. Sie geht jedoch nicht tiefer rein, da sie innen an die Fräßkante des Lagersitzes stößt.
Unten sitzt die Lagerschale tiefer im Lenkkopf, so dass man zu einer passenden Nuss greifen sollte:
Nuss
Als die Gabel wieder aus der Werkstatt zurück war, habe ich die Lager ausgiebig mit Fett gefüllt und alles wieder zusammen geworfen:
Lenkkopflager wieder montiert
Da die Rollenlager etwas höher bauen, musste ich auf die Stoßdämpfer Unterlegscheiben legen, damit die obere Gabelbrücke sich nicht krum zieht:
Unterlegscheiben auf Stoßdämpfern
Danach noch die Wellenmutter anziehen (fest, -1/8-Umdrehung).
Es darf kein vertikales Spiel fühlbar sein und die Gabel muss sich noch unbehindert seitlich drehen lassen.
Anschließend alles wieder zurück zusammen werfen und nach 200 km nochmals prüfen, ob sich das Lager weiter gesetzt hat und nun wieder Vertikalspiel vorhanden ist.

Es ist bemerkenswert, wie stabil die Gorilla jetzt wieder läuft. Man kann sogar ohne Todesangst eine Hand vom Lenker nehmen…