Operation Edward II

Wie schon angedeutet, habe ich endlich meinen Plan einen Reliant Rialto zu kaufen in die Tat umsetzen können.
Ich möchte vorrausschicken, dass die ganze Aktion ohne meinen Vater (welcher seine selbst behauptete „Spontanität einer 18-jährigen“ mehr als bewiesen hat!) nicht möglich gewesen wäre und das ich ihm sehr dankbar bin, dass er mir dieses Abenteuer ermöglicht hat! „Jedes Kind sollte einen Vater haben!“
Doch nun von Anfang an:
Den Auslöser für den spontanen Ausflug setzte am Dienstag diese eBay-Verkaufsanzeige:
Anzeige
Sie versprach einen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate aus Ersthand und mit original 19.000 Meilen (ca. 30.000 km, also lediglich ca. 1200 Km pro Jahr) auf der Uhr.
Die Photos sahen vielversprechend aus und nach einigem Überlegen waren auch meine Bedenken bezüglich der verbauten „Yellow Top-Engine“ beiseite geschoben.
Der Kontakt mit dem Verkäufer war freundlich und relatv aufschlussreich. Er versicherte mir die Laufleistung und konnte auch auf einige meiner Fragen zu neuralgischen Punkten befriedigende Antworten liefern.
Also stand der Entschluss fest: Dieser wirds!
Da ich aus dem Debakel des letzten Mals gelernt hatte, habe ich diesmal den Feind über meine Absichten im unklaren gelassen bzw. Stillschweigen gewahrt. Lediglich Menschen von denen ich sicher gehen konnte, dass sie keine Engländer kennen wurden von mir eingeweiht.
Den Plan vom letzten Mal, den Wagen auf eigener Achse zu holen, hatte ich mittlerweile ja verworfen und eine Hänger-Lösung bevorzugt (was ich im Nachhinein auch immer noch für die mit Abstand beste Lösung halte). Wir nahmen also für den neuen Anlauf den gleichen Hänger, den wir schon fürs Lolas Rückführung nach Osnabrück verwendet hatten. 70€ fürs zwei Tage inklusive Versicherung sind ok. Der Hängerhökerer war zwar etwas skeptisch, als ich ihn nach einer dritten Auffahrrampe fragte, meinte aber, da ließe sich was organisieren (was auch problemlos klappte). Allerdings haben wir auch dieses mal wieder über die riesigen Ausmaße des Hängers ein wenig geflucht. Für den nächsten Transport suche ich echt einen „passenderen“. Englische Ortschaften sind für solch ein Geschoss einfach nicht gemacht…
Vaddern und ich machten uns dann am Freitag gegen 13 Uhr auf den Weg Richtung Dünkirchen. Schon bald stellten wir allerdings fest das meine prognostizierte Marschgeschwindigkeit viel zu hoch gegriffen war und wir das Ziel nicht mehr erreichen würden, bevor das Transportboot den Hafen verlassen hätte. Dünkirchen….
Ich hatte eigentlich gedacht, dass wir 100 Km in der Stunde schaffen würden. Allerdings kamen wir dank verschiedener Staus lediglich auf 60-70 Km. Das sollte man beim erneuten Anlauf ganz klar berücksichtigen.
Die Fähre um 20 Uhr verpassten wir also, konnten aber problemlos das (leider) schon vorgebuchte Ticket auf die spätere 22-Uhr-Fähre umbuchen. Ich rate ganz klar dazu, das Fährticket erst vor Ort zu kaufen. Man bekommt eigentlich immer einen Platz auf ner Fähre und die Preisersparnis wird durch die Hetze die anvisierte Fähre zu erwischen lässig wieder aufgefressen. Hat man die Wahl, sollte man antizyklisch schiffen fahren. Das Fährticket kostet nämlich zu unterschiedlichen Uhrzeiten unterschiedlich viel. Je nach Auslastung. Wir hatten leider keine Wahl und haben so für die Hin- und Rückfahrt jeweils 90 Pfund bezahlt.
Direkt nach betreten der Fähre steuerte ich den Duty-Free-Shop an, um „Abblendaufkleber“ zu kaufen:
Reliant Rialto Abenteuer 006
Die Teile pappt man nach der kryptischsten Anleitung die ich jemals gesehen habe, auf die Frontscheinwerfer um den Gegenverkehr mit dem asymmetrischen Lichtaustritt nicht zu blenden. So soll das (hoffentlich) montiert aussehen:
Reliant Rialto Abenteuer 073
Die Teile musste ich übrigens nachher mit einer Rasierklinge wieder abschälen, weil sie so verdammt fest saßen. Bastarde! Auf dem Schiff versuchten wir etwas zu schlafen.
Um 1 Uhr nachts in England angekommen, war es unser erstes Ziel eine Tankstelle zu finden. Die Tankanzeige illuminierte den Innenraum schon seit einiger Zeit mit einem diabolischen rot. Zum Glück fanden wir eine ausgesprochen nette (und überraschend attraktive) junge Dame, die sich unserer annahm und sogar nicht zögerte ihre Freundin anzurufen, um zu erfragen, wo die nächste 24h-Tanke ist. Zu diesem Zeitpunkt war es ca. 1:30 Uhr.
Vollgetankt und noch verhältnismäßig frisch begaben wir uns dann auf die verweiste M20 Richtung London. Wir zogen unsere einsame Bahn durch die südenglische Hügellandschaft, welche in tiefschwarze Nacht gehüllt war und genossen die Ruhe die uns umgab.
Der Plan war ursprünglich, an einer Autobahn ein Motel zu finden und dort zu schlafen. Wir fühlten uns aber noch recht fit und wollten lieber erstmal den Schutz der Nacht nutzen, um ungehindert auf Bristol vorzurücken. Gegen 3 Uhr waren wir auf 80 Km an unser Ziel Warmley heran gekommen und beschlossen eine Unterkunft zu suchen. Leider war das von uns angesteuerte Motel schon voll belegt. Wir hatten also die Wahl: Entweder weiter durch die Nacht fahren auf der Suche nach einem Bett oder einen Parkplatz ansteuern und dort schlafen. Wir entschlossen uns kurzerhand für die Parkplatz-Lösung:
Reliant Rialto Abenteuer 079
An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Engländer anscheinend keine Autobahnparkplätze kennen wie wir. Es gibt dort nur Raststätten, welche Videoüberwacht sind. Dort wird beim einfahren das Nummernschild gefilmt. Fährt man wieder runter, wird das Nummernschild wieder gefilmt und es wird automatisch geguckt, wie lange man dort stand. Sind es mehr als 2 Stunden wird eine Parkgebühr von 10 Pfund (Plus Strafzahlung von 40 Pfund) fällig. Das führte dazu, dass wir uns zweimal den Wecker stellen mussten, um den Parkplatz zu wechseln. Beim nächsten Mal werden wir einfach abfahren und uns irgendwo an einer Landstraße hinstellen.
Nicht wirklich ausgeschlafen erwachten wir gegen 7 Uhr und konnten zum ersten mal England bei Tageslicht bewundern. Es muss gesagt werden, dass wir wohl einen der schönsten Tage des bisherigen Jahres erwischt hatten. Zarter Frühnebel waberte durch die malerischen Wiesen und Eichenhaine:
Reliant Rialto Abenteuer 009
Ihn löste alsbald blauer Himmel mit strahlendem Sonnenschein ab. Die Engländer witterten den Sommer und alle Naselang lief jemand in T-Shirt und/oder kurzen Hosen durch die Gegend….bei 13°C. Gegen 8 Uhr erreichten wir Warmley und hatten somit noch zwei Stunden Zeit, bis zum verabredeten Besichtigungstermin. Wir verbrachten sie damit durch den verschlafenen Ort zu wandern und einen Pub zu suchen, welcher uns Frühstück verkaufen wollte. Dabei stießen wir auf dieses Schild, welches von typisch englischem Humor zeugte:
Reliant Rialto Abenteuer 081
Leider hatte aber noch kein Pub auf und so mussten wir auf einen Tesco-Supermarkt zurückgreifen. Da ich die Losung ausgegeben hatte, sich möglichst landestypisch zu verhalten, kauften wir dort fertig abgepackte Sandwiches:
Reliant Rialto Abenteuer 013
Über den Geschmack und wie lange sie vor hielten muss ich wohl nix sagen, oder? Da wir dann noch immer Zeit hatten, fotografierten wir noch die Kirche von Warmley, welche stilistisch den ganzen Ort mit seiner Architektur symbolisierte:
Reliant Rialto Abenteuer 011
Gegen 10 Uhr fuhren wir dann zum Privathaus des Verkäufers. In England darf man Häuser offiziell Namen geben und damit dann seine Hausnummer ersetzen. Sein Haus heißt „Sunnybank“ und liegt auf einem Hügel. Ein stattliches Anwesen mit mehreren Garagen und Teerumfahrung um einen Goldfischteich. Im Garten standen palmartige Pflanzen, welche wohl durch das milde Golfstrom-Klima dort gedeihen.
Sehr schick.
Das soll für heute erstmal reichen. Um den Kauf selbst und die Rückfahrt geht es dann im nächsten Teil meines Reiseberichts.

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