Dig on for victory I

Wer im Osten wohnt, braucht nen Kleingarten.
War schon immer so.
Und da man sich ja integrieren möchte, haben die Beste und ich jetzt auch Einen.
Allerdings nicht sowas spießiges mit „Kolonie“ und „Heckenschnittsatzung“, sondern die moderne Variante des „Urbanen Gartenbaus„.
In Magdeburg kloppen sie seit Jahren die leer stehenden Plattenbauten nieder, da sie niemanden finden, der da drin wohnen möchte, bei dem großen Angebot an anderem billigen Wohnraum (eine Situation die aktuell leicht absurd erscheint). Kein Wunder, wenn man sich die Bevölkerungszahlen ansieht. Seit 1990 hat Magdeburg über 45.000 Einwohner verloren. Tendenz steigend.
Ich zitiere mal aus dem Wikipediaartikel für den Stadtteil „Neu Olvenstedt“:
Mit Rückbau und Abriss leerstehender Wohnungen und ganzer Wohnblöcke konnten bislang knapp 3.000 Wohnungen (Stand 31. Dezember 2007) vom Markt genommen werden. Allein beim Projekt „Rennebogen“ wurden durch den Abriss von ca. 100 zusammenhängenden Eingängen knapp 1500 Wohnungen innerhalb weniger Wochen in Bauschutt verwandelt. Dennoch stehen immer noch ca. 3000 Wohnungen leer.

Leerstandsentwicklung:
31. Dezember 2000: 12.686 Wohneinheiten | davon 3.443 Leerstand | Leerstandsquote 27 %
31. Dezember 2007: 9.749 Wohneinheiten | davon 2.915 Leerstand | Leerstandsquote 30 %
Das Gleiche läuft auch im Stadtteil „Neue Neustadt“:
abgerissene Platte
Das Problem bei solchen Maßnahmen ist aber, was tun mit den frei werdenden Flächen?
Insbesondere, wenn in kurzer Zeit so viele große Flächen frei werden und eh keine Nachfrage nach Wohnraum besteht.
Da findet man nur schwer einen Käufer. Also verwilderten die Baulücken und wurden zu wilden Müllkippen. Auch nicht gerade hilfreich für die Aufwertung eines Stadtteils.
An dieser Stelle kommt das alte Konzept der „Victory Gardens“ ins Spiel:

Die Stadt hat mehrere dieser Baubrachen nicht nur in Abenteuerspielplätze, sondern auch in „Urban Gardening“-Flächen umgewandelt.
So auch eine Fläche am Gesundheitsamt.
Bei Google-Maps sieht man noch die beiden Plattenbauten, welche jetzt zerbröselt sind (nördlich und westlich des Parkplatzes).
Auf der westlichen Fläche ist der R. Amundsen-Spielplatz (ein Traum für Kinder!). Die nördliche Fläche hat die Stadt dem Verein KanTe e.V. für dessen Projekt IKuGa – Interkultureller Garten Magdeburg zur Verfügung gestellt.
Internationale“ bzw. interkulturelle Gärten“ haben den Sinn nicht nur ihren jeweiligen Stadtteil aufzuwerten, sondern auch den sozialen Kontakt zwischen Migranten (also quasi auch uns) und Einheimischen untereinander herzustellen. Im Osten bedeutet das damit auch immer ein klassisches Anliegen der „Victory Gardens“:

Ein Grund mehr für die Beste, sich dort zu engagieren.
Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, Menschen in unserem Alter in einer unbekannten Stadt kennen zu lernen.
Also reingehauen und mitgemacht!
Wir konnten glücklicherweise den verwilderten „Claim“ eines Studenten übernehmen, welcher für zwei Jahre ins Ausland gegangen ist.
Daher fand sich schon ein wenig Infrastruktur:
Claim Ausgangszustand III
Aus den Abbruchhäusern haben die Gartennutzer Ziegelsteine und Bangkirai-Bretter gerettet. Daraus haben sie sich Hochbeete gebastelt.
Die Hochbeete rühren daher, dass das Abrissunternehmen wohl entgegen des Auftrags das Kellergeschoss nicht mit entfernt hat, sondern dieses nur mit Schutt verfüllt und eine dünne Schicht Mutterboden aufgebracht hat. Wirklich tiefgründig anbauen kann man da nix. Außerdem hat ein Bodengutachten ergeben, dass der Mutterboden, den sie aufgebracht haben mit Schadstoffen belastet ist. Nix was man zwingend auf seinem Teller finden möchte.
Also Hochbeete und unbelastete Erde aus dem Stadtpark (ebendfalls von der Stadt gesponsert).
In den Beeten fanden sich noch die Überreste ihrer früheren Bepflanzung:
Claim Ausgangszustand II
Unser Claim geht, vom Zaun und Weg begrenzt, bis zu dem kleinen Apfelbäumchen (großer Maulwurfshügel hinten links):
Claim Ausgangszustand
Wildwiese will aber niemand. Da mussten also noch mehr Beete her.
Auch die technische Umsetzung des bisherigen Beets ließ einiges zu wünschen übrig:
defekte Beplankung
Wie man auf den Bildern sieht, gab’s einiges an Arbeit, bis der Claim kochschen Ansprüchen genügte.
Da musste gut gewullacht werden, bis ausreichend preußische Ordnung herrschte.
Davon aber mehr im nächsten Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.