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Container-Ingo I

Die Garage platzt aus allen Nähten. Vier Fahrzeuge, Holzspalter, Schredder, Freischneider, Motorhacke, Kreissäge, Kappsäge, Bollerwagen, Werkbänke, Regale, Schränke und haufenweise Gartenwerkzeuge sind einfach zu viel für 40m². Zumindest alles Gartenbezogene muss daher auswandern. Sommerprojekt 2019 ist somit ein Gartenhaus.

Klar, kann man einfach im Baumarkt kaufen. Machen Millionen Menschen so. Es gibt dort grob drei Kategorien von Gartenhäusern: Plastik, Holz oder Metall.
Plastik-Gartenhäuser sind deutlich zu klein und Holz muss ich pflegen. Damit war das beides schon mal raus. Blieben also Metall-Gartenhäuser. Da gibt es durchaus brauchbare Größen. Das ist dann aber entweder extrem teuer oder aber extrem wabbelig.
Also doch der kochsche Weg und schauen, was man zweckentfremden kann.
Einer meiner Nachbarn baut gerade eine große Garage und musste in der Zwischenzeit auch reichlich Gedöns zwischenlagern.
Dafür hat er sich einen „Schnellbaucontainer“ von Kovobel liefern lassen.
Ich habe beim Aufbau mitgeholfen und ihn mir im Detail besehen. Nicht schön, aber sehr massiv!
„Schön“ lässt sich machen. Ich hab da schon einen Plan.
Also Beste von Allen überzeugt und Selbstabholer- sowie Skonto-Rabatt ausgehandelt.
Passenderweise sitzt der damit für mich günstigste Importeur nämlich nur 25 km von Vaddern entfernt. Gute Gelegenheit mal etwas Größeres mit der Lafette zu transportieren:

Container auf dem Anhänger

2,20m x 3m passt gut drauf. Die Abholung verlief auch reibungslos. Wir bekamen noch ein paar Anti-Rutsch-Pads für den Anhänger geschenkt und konnten den Hasen dank Gabelstapler schnell aufladen.
Sehr angenehmes Geschäftsgebaren.
Zuhause angekommen habe ich die Einzelteile zerlegt und mit 1-2 Personen in den Garten geschafft:

Den Boden mit den rohen Holzbrettern habe ich separat gelegt, um ihn zu schleifen und zu streichen:

Im Hintergrund seht ihr auch schon das vorbereitete Fundament. Das Gartenhaus steht später auf Gehwegplatten, umgeben von einem weiteren Ring aus Gehwegplatten (Sinn erschließt sich später). Links seht ihr eine Wasserleitung, die an unser Bewässerungssystem angeschlossen ist und hinten rechts liegt ein Starkstromkabel, das später das Gartenhaus mit (Stark-)Strom versorgen wird.
Der Aufbau ging dann auch ähnlich schnell, wie ihn die Blue Man Group hier darstellt:

Quelle:Kovobel.cz

Seiten und Rückwand waren auch problemlos:

Lediglich das Aufsetzen des Daches erforderte einen vierten Mann. Insbesondere, da ich selbst auf Zehenspitzen einfach zu klein war. Ein Glück, wer hilfsbereite und große Nachbarn hat.
So sieht der Container dann fertig aus:

Beide Türen lassen sich vorne öffnen und die Innenhöhe beträgt 197 cm. Deutlich komfortabler als diese ganzen Minigartenhäuser mit ihren 170cm-Schiebetürchen.
So konnte das aber natürlich nicht bleiben. An den Innenausbau gehen wir daher in Teil 2.

Dig on for victory II

Wie schon angedeutet, gab es auf unserem Garten-Claim einiges zu wullachen.
Eine der ersten Amtshandlungen war der Bau eines weiteren Hochbeets (Im Hintergrund sieht man übrigens den wirklich schönen R. Amundsen-Spielplatz):
mittleres Beet Rohbau
Das Holz dafür hatte ich schon bei Vaddern in der alten Heimat besorgt und passend zugeschnitten. Die Kreissäge ist da doch eine Ecke präziser, als ich mit meinem Fuchsschwanz.
Wenn man ein Hochbeet baut, sollte man u.a. die Innenseite mit Folie auskleiden. Das schützt zum einen das Holz vor der ewig feuchten Erde und zum anderen die Erde hält selbst die Feuchtigkeit besser.
Um nun zu verhindern, dass die mit Tackernadeln befestigte Folie ausreist, hat Vaddern mich auf den Trick mit der Unterlage hingewiesen. Einfach die Tackernadel durch eine größere Auflagefläche schießen. Ist das selbe Prinzip, wie bei einer Unterlegscheibe.
Passender Weise hatte uns ein Online-Shop kurz zuvor mit farbigen Musterstreifen seiner Gurtband-Kollektion versorgt:
bunte Riemen
Die waren ratzeputz klein geschnitten, mit dem Feuerzeug verschreut und angetackert:
mittleres Beet ausgekleidet
Als Folie haben wir doppeltlagige Silofolie verwendet. Die ist UV-beständig und war gerade verfügbar.
Damit die Erde das Beet nicht in der Mitte auseinander drückt, gab es dort Verstärkungsbretter und ein gespanntes Seil:
mittleres Beet halb mit Erde gefüllt
Von dem alten Beet habe ich die obersten beiden Bretterreihen abgetragen und ein drittes Beet gebastelt:
abgenommenes Beet
Die Beste von Allen war auch unglücklich mit den vor Speißresten strotzenden Ziegeln:
Steinmauer Ausgangszustand
War nicht hübsch genug.
Also habe ich mich mit Hammer und Meißel hingesetzt und einen Nachmittag lang Steine gekloppt.
Leider fanden sich nicht genug Hübsche, um das Beet zu begradigen:
Mauer erneuert
Die Arglosigkeit des Vorbesitzers kann man auch an solchen Details erkennen:
rostige Nägel
Da wühlt man gerne mit der Hand drin….. Die Eisensäge entschärfte diese Tetanusquelle.
In den Bereich des experimentellen Gartenbaus bin ich mit meinem Kartoffelturm vorgedrungen.
Den kann man entweder in der klassischen Stapelvariante (siehe Wikipediaartikel) oder in der Turmvariante bauen.
Ich entschied mich aufgrund des höheren Ertrags für Letztere.
Die Basis bilden zwei „Rollen“ aus feinem Maschendraht (12x12mm), welche mit Rödeldraht als Stapel verbunden sind. Zur Stabilisierung kamen noch vier Erdspieße rein.
Die Grasnarbe habe ich unter dem Turm abgetragen und mit groben Steinen verfüllt. Da drauf kamen 15cm Erde, dann ein Ring aus Kartoffeln:
Kartoffelturm erste Lage
Dann wieder 15 cm Erde, wieder Kartoffeln….
Erst in ca. 100 cm Höhe gab es als vorletzte Lage, eine komplette Schicht Kartoffeln:
Kartoffelturm vorletzte Lage
Da drauf kam dann nochmal Erde, sowie eine zweite komplette Lage Kartoffeln.
Die beiden oberen Lagen sollen, den Gerüchten zufolge, nach oben aus dem Turm wachsen, während die Unteren sich seitwärts ans Licht vorarbeiten.
Hier noch ein Bild mit dem lieblichen Gesundheitsamt im Hintergrund:
fertiger Claim
Mittlerweile wächst in einem der Autoreifen ein Kürbis. Den Anderen bevölkert eine Heidelbeere.
Ein viertes Hoochbeet habe ich auch noch gebaut. Ich hatte noch eine Einwegpalette aus unbehandeltem Holz im Keller, welche, neu arrangiert, eine ideale Quarantänestation für Gurken ab gibt.
Mal sehen, was draus wird.

P.S.: Zwei Claims weiter ist das „Kinderbeet“. Da gibts immer unterhaltsame Gesprächsfetzen zu belauschen. Neulich meinte ein ca. 13-jähriger Junge: „Osterglocken sind die Geilsten!“….

Dig on for victory I

Wer im Osten wohnt, braucht nen Kleingarten.
War schon immer so.
Und da man sich ja integrieren möchte, haben die Beste und ich jetzt auch Einen.
Allerdings nicht sowas spießiges mit „Kolonie“ und „Heckenschnittsatzung“, sondern die moderne Variante des „Urbanen Gartenbaus„.
In Magdeburg kloppen sie seit Jahren die leer stehenden Plattenbauten nieder, da sie niemanden finden, der da drin wohnen möchte, bei dem großen Angebot an anderem billigen Wohnraum (eine Situation die aktuell leicht absurd erscheint). Kein Wunder, wenn man sich die Bevölkerungszahlen ansieht. Seit 1990 hat Magdeburg über 45.000 Einwohner verloren. Tendenz steigend.
Ich zitiere mal aus dem Wikipediaartikel für den Stadtteil „Neu Olvenstedt“:
Mit Rückbau und Abriss leerstehender Wohnungen und ganzer Wohnblöcke konnten bislang knapp 3.000 Wohnungen (Stand 31. Dezember 2007) vom Markt genommen werden. Allein beim Projekt „Rennebogen“ wurden durch den Abriss von ca. 100 zusammenhängenden Eingängen knapp 1500 Wohnungen innerhalb weniger Wochen in Bauschutt verwandelt. Dennoch stehen immer noch ca. 3000 Wohnungen leer.

Leerstandsentwicklung:
31. Dezember 2000: 12.686 Wohneinheiten | davon 3.443 Leerstand | Leerstandsquote 27 %
31. Dezember 2007: 9.749 Wohneinheiten | davon 2.915 Leerstand | Leerstandsquote 30 %
Das Gleiche läuft auch im Stadtteil „Neue Neustadt“:
abgerissene Platte
Das Problem bei solchen Maßnahmen ist aber, was tun mit den frei werdenden Flächen?
Insbesondere, wenn in kurzer Zeit so viele große Flächen frei werden und eh keine Nachfrage nach Wohnraum besteht.
Da findet man nur schwer einen Käufer. Also verwilderten die Baulücken und wurden zu wilden Müllkippen. Auch nicht gerade hilfreich für die Aufwertung eines Stadtteils.
An dieser Stelle kommt das alte Konzept der „Victory Gardens“ ins Spiel:

Die Stadt hat mehrere dieser Baubrachen nicht nur in Abenteuerspielplätze, sondern auch in „Urban Gardening“-Flächen umgewandelt.
So auch eine Fläche am Gesundheitsamt.
Bei Google-Maps sieht man noch die beiden Plattenbauten, welche jetzt zerbröselt sind (nördlich und westlich des Parkplatzes).
Auf der westlichen Fläche ist der R. Amundsen-Spielplatz (ein Traum für Kinder!). Die nördliche Fläche hat die Stadt dem Verein KanTe e.V. für dessen Projekt IKuGa – Interkultureller Garten Magdeburg zur Verfügung gestellt.
Internationale“ bzw. interkulturelle Gärten“ haben den Sinn nicht nur ihren jeweiligen Stadtteil aufzuwerten, sondern auch den sozialen Kontakt zwischen Migranten (also quasi auch uns) und Einheimischen untereinander herzustellen. Im Osten bedeutet das damit auch immer ein klassisches Anliegen der „Victory Gardens“:

Ein Grund mehr für die Beste, sich dort zu engagieren.
Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, Menschen in unserem Alter in einer unbekannten Stadt kennen zu lernen.
Also reingehauen und mitgemacht!
Wir konnten glücklicherweise den verwilderten „Claim“ eines Studenten übernehmen, welcher für zwei Jahre ins Ausland gegangen ist.
Daher fand sich schon ein wenig Infrastruktur:
Claim Ausgangszustand III
Aus den Abbruchhäusern haben die Gartennutzer Ziegelsteine und Bangkirai-Bretter gerettet. Daraus haben sie sich Hochbeete gebastelt.
Die Hochbeete rühren daher, dass das Abrissunternehmen wohl entgegen des Auftrags das Kellergeschoss nicht mit entfernt hat, sondern dieses nur mit Schutt verfüllt und eine dünne Schicht Mutterboden aufgebracht hat. Wirklich tiefgründig anbauen kann man da nix. Außerdem hat ein Bodengutachten ergeben, dass der Mutterboden, den sie aufgebracht haben mit Schadstoffen belastet ist. Nix was man zwingend auf seinem Teller finden möchte.
Also Hochbeete und unbelastete Erde aus dem Stadtpark (ebendfalls von der Stadt gesponsert).
In den Beeten fanden sich noch die Überreste ihrer früheren Bepflanzung:
Claim Ausgangszustand II
Unser Claim geht, vom Zaun und Weg begrenzt, bis zu dem kleinen Apfelbäumchen (großer Maulwurfshügel hinten links):
Claim Ausgangszustand
Wildwiese will aber niemand. Da mussten also noch mehr Beete her.
Auch die technische Umsetzung des bisherigen Beets ließ einiges zu wünschen übrig:
defekte Beplankung
Wie man auf den Bildern sieht, gab’s einiges an Arbeit, bis der Claim kochschen Ansprüchen genügte.
Da musste gut gewullacht werden, bis ausreichend preußische Ordnung herrschte.
Davon aber mehr im nächsten Artikel.