Wintermarkt mit den Ludolfs – Review

Am Samstag habe ich (wie angekündigt) mit dem 5. Magdeburger Oldtimer- und Teilemarkt meinen ersten Altblechmarkt im östlichen Teil der Republik besucht.
Sofern ihr an einer Review nur begrenztes Interesse habt, so soll das folgende Bild als Zusammenfassung reichen:
Teilekisten

Solltet ihr an meiner persönlichen Sicht der Veranstaltung interessiert sein, so klickt einfach auf

Es begann am frühen Samstagmorgen mit der Wiederbelebung des Rialtos.
Der war laut Fahrtenbuch zuletzt im August anlässlich der Filmaufnahmen für Motorvision TV gelaufen.
Also frisch geladene Batterie wieder eingebaut, Ölstand geprüft, Zündspule abgeklemmt und ein wenig mit dem Anlasser georgelt um Öldruck aufzubauen.
Wie erwartet sprang der Rialto anschließend zuverlässig an und schnurrte nach der Warmlaufphase wie ein Kätzchen.
Um den Motor ein wenig auf Temperatur zu bringen, ging es bei strahlendem Sonnenschein zu einer entfernten Tankstelle. Dort spendierte ich 15l Super Plus (Ich hatte schon ganz vergessen, wie teuer Benzin ist! AUA!), eine Runde Reifendruck und eine Katzenwäsche in der SB-Waschbox:
Rialto in der Waschbox
Schon erstaunlich, was sich an Staub in so einer Tiefgarage ansammelt.
Anschließend gings zum Messegelände.
Ein wenig stutzig machten mich der Wasserwerfer und der Panzerwagen direkt vor der Einfahrt zum Gelände.
Hinter der nächsten Kurve geriet ich dann auch prompt mitten in den Aufmarsch der Blockadeaktion „Magdeburg Nazifrei„.
Die Damen und Herren vom Schwarzen Block waren jedoch sehr freundlich und haben sich köstlich über den Rialto amüsiert, so dass ich ungehindert passieren konnte.
Wie sich später herausstellen sollte, lag das Messegelände mitten in der ursprünglich geplanten Neonazi-Marschroute.
Hätte ich das eher gewusst, hätte ich den Jungs & Mädels sagen können, dass da garantiert kein Nazi vorbei kommt. Eine Beschränkungsverfügung der zuständigen Behörde ist da eigentlich zwingend.
Das Gefahrenpotential bei zu befürchtenden Ausschreitungen in der Nähe einer unbeteiligten Massenverantaltung (wie dem Oldtimermarkt) ist viel zu hoch, als dass dies die Polizei bzw. dass Landesverwaltungsamt (je nach Zuständigkeit) verantworten würde.
Dementsprechend haben sich die fröhlichen Schwarzträger auch nur die Beine in den Bauch gestanden, während die Handvoll Nazis im entvölkerten Süden der Stadt unterwegs war.
Zurück jedoch zum Kern dieses Artikels:
Zwar wurde auf der Homepage der Veranstaltung vollmundig von freiem Eintritt für Oldtimerfahrer gesprochen, jedoch beharrte die Dame am Eingang zum Parkplatz auf ihren 3€-Parkgebühr.
Nun gut, geschenkt.
Also direkt neben dem Eingang auf der reservierten Fläche geparkt, zum sehr netten Ordner am Drehkreuz getapert und meinen Kinder-Bärchenstempel für unbegrenzten Zugang abgeholt.
Direkt hinter dem Eingang befand sich eine Freifläche auf der neben Fressbuden auch Händler mit sperrigen Gütern auf Käufer lauerten.
Es startete vielversprechend mit diesem Buick-Gerippe für 2800 €:
Buick Karosse
Auf dem zugehörigen LKW fand sich diese fabrikneue (!!) Rohkarosse aus den 80ern eines Barkas B 1000 für ein Mindestgebot von 4000 €:
Barkas Rohkarosse
Was mir schon am Anfang auffiel war der recht hohe Anteil an Fahrrädern mit MAW-Hilfsmotor, die komplett bzw. in Teilen zum Verkauf standen:
Fahrrad mit MAW-Motor
Diese schicke Diesel-Zapfsäule von 1965 sollte VB 700 € kosten:
Tanksäule
Direkt hinter dem Eingang zur nördlichen Halle (beheizte Halle rockt!) fand sich die Ami-Ecke:
US-Ecke
Bis auf die Beiden Hot-Rods jedoch nix, was sonderlich berauschend war.
Gegenüber stand dann noch neben einem Hanomag RL 20 ein Moskwitsch 400 und sein älterer Bruder Opel Olympia:
Moskwitsch 400 mit Opel Olympia
Damit war dann der der Anteil an Westfahrzeugen auch nahezu erschöpft….
Den Rest der Messefläche nahmen Ostprodukte in Beschlag.
Mein persönlicher Favorit war dieser Saporoshez 966:
Saporoshez 966 Front
Leckerer Originallack und technisch mit luftgekühltem Heckmotor interessant, weiß er mich auch mit seinem Design zu überzeugen:
Saporoshez 966 Heck
Ansonsten gab es reichlich Handbücher aus dem IFA-Kontor:
IFA-Reparaturhandbücher
Und ob man einen Shiguli, einen Polski-Fiat
Ich fahre einen...
oder einen Kartoffelsammelroder E665 sein Eigen nennt, man wurde fündig:
Ersatzteilkatalog Kartoffelsammelroder E665
Auch ich wühlte wieder erwarten erfolgreich in einer der Kisten mit Bedienungsanleitungen und Prospekten:
Bond 250G Estate Prospekt
Allerdings waren mir die geforderten 25 € für den vierseitigen Bond 250 G Estate-Prospekt dann doch zu happig.
Ein paar Stände weiter fand sich eine Ansammlung der hässlichsten Schaltknäufe der Welt:
Schaltknäufe
Und auch sonst fand sich so manche Geschmacklosigkeit:
Blechschilder
Selten findet man faschistische und kommunistische Parolen so friedlich nebeneinander.
Ebenfalls sehr kritisch fand ich diesen Anbieter von rostigen Militaria:
Militaria
Das Kriegswaffenkontrollgesetz sieht es gar nicht gerne, wenn man Panzerfaustrohre, Hand- oder Panzergranaten (rostig oder nicht) verscherbelt.
Positiv erstaunt war ich über die schicke Hülle, die man über so etwas schnödes wie den Wartburg 313/1 S ziehen konnte:
Wartburg 313/1 S
Was mich erstaunte, war der geringe Anteil an Simson-Fahrzeugen. Außer ein paar S51, SR50 sowie 2-3 traurigen Schwalben fand sich nur dieses bemitleidenswerte Duo:
Simson Duo 4/1
Eine andere Verbindung habe ich zu diesem Trabant:
Dresden-Banjul Trabant
Diese lieblose Honda Gorilla Replika hatte auf mich eher abschreckende Wirkung:
Honda Gorilla Replika
Die ganzen StVZO/FZV-Verstöße will ich an dieser Stelle mal nicht ausbreiten.
In den Bereich „Schnäppchenpotential“ fiel dieser Händler, bei welchem man für einen 5er Vergaser kaufen konnte:
Vergaser für nen 5er
Entweder zur Ersatzteilgewinnung oder als chefiger Briefbeschwerer poliert auf einer Marmorplatte für den Schreibtisch.
Abseits der automobilen Fortbewegung fanden sich auch heiße Geräte, wie dieser prähistorische Außenborder:
Außenborder
oder diese handliche FAUN-Kettensäge:
FAUN Kettensäge
Dreiradmäßig wurde ich mit Kinderspielzeug versöhnlich gestimmt:
Liliput 2
Dieser schicke PAV 41 stand für 850 € zum Verkauf:
PAV 41
Sehr unterhaltsam fand ich auch die Stapel von DDR-Automagazinen:
DDR-Automagazine
Da muss ich mal schauen, ob ich nicht billig ein Konvolut als Toilettenlektüre ergattern kann.
Man muss seinen Gästen ja auch auf dem Örtchen was bieten können!
Als ich mich dann nach ein paar Stunden wieder auf den Besucherparkplatz begab, um ein wenig die Oldies der anderen Besucher zu bestaunen war ich doch sehr ernüchtert:
Besucherparkplatz
Mit einem ranzigen Chevrolet El Camino aus den 80ern und einem weiteren Trabant, war das die gesamte Ausbeute!
Das fand ich selbst für einen Wintertag doch arg mager.
Da ich weiß, dass der Anteil an Passat-Freunden hier im Blog recht hoch ist, habe ich den mal etwas näher abgelichtet:
VW Passat L Front

VW Passat L Heck

Als Fazit kann ich verschiedenes festhalten:
1. Dass ein Schwerpunkt auf Ost-Fahrzeugen liegt hatte ich erwartet, aber dass es so extrem sein würde, hätte ich nicht gedacht. West-Oldtimer musste man wirklich Nadel-Heuhaufen-mäßig suchen. Das war ernüchternd. Die Klotten vom 20. IFA-Hökerer guckt man sich dann wirklich nicht mehr an. Da würde etwas mehr Vielfalt gut tun. (Die Aussicht auf einen Stand in einer beheizten Halle könnte beim richtigen Marketing auch sicherlich den ein- oder anderen „West-Händler“ anlocken.)

2. Ebenso ernüchternd fand ich, wie wenig die Veranstalter die Verkäufer überwachen und aussortieren. Da würde ich mir für die Zukunft wesentlich mehr Kontrolle wünschen. Wenn sie schon nicht den ganzen Händler rausschmeißen wollen, so sollten sie doch mindestens den Verkauf bestimmter Waren untersagen.

3. Wo sind die ganzen Oldies der Besucher? Ich verstehe ja, dass man bei Schnee, Eis und Salz das geliebte Stück nicht vor die Tür bewegen möchte, aber an einem Tag mit strahlendem Sonnenschein?!

Hätte ich für die Veranstaltung weiter anreisen und Eintritt bezahlen müssen, würde ich sie als Reinfall verbuchen. So war es einfach nur ernüchternd.
Positiv will ich jedoch die ganzen Flyer und Zettel verbuchen, die ich einsammeln konnte.
Mal sehen, was sich da so an Kontakten ergibt. Donnerstag ist z.B. Oldtimerstammtisch.

3 Gedanken zu „Wintermarkt mit den Ludolfs – Review“

    1. Ne, da habe ich drauf verzichtet, nachdem sie mir ja damals keine Privataudienz gewährt haben. 😉
      In Wahrheit sprach viel mehr das Wetter dagegen. Am Samstag war strahlender Sonnenschein angesagt und für Sonntag Schnee-Regen-Schauer (Was beides eintraf). Da war es mir wichtiger, mal den Rialto wieder zu bewegen als mit Uwe zu fummeln.

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