Archiv der Kategorie: Am Wegesrand

Die Entdeckungen des Alltags

Beim Daimler zuhause

Vor einiger Zeit verschlug es mich nach Stuttgart, um den Junggesellenabschied eines guten Freundes zu begehen.
Keine Angst, über die Vorfälle dort wird Schweigen bewahrt. Manche Dinge nimmt man besser mit ins Grab.
Nun ergab es sich aber, dass ich Sonntags noch ein wenig ausnüchtern musste. Und wo könnte man das als Petrolhead besser als in einem Auto-Museum?
Da ist es immer schön dunkel und auch kühl. Ideal für den hämmernden Schmerz im Kopf! Das Porsche-Museum schied aus. Die Gefahr, dass es da Hörproben von Rennmotoren gab, war einfach zu groß.
Also auf zum Daimler:

Am Eingang bekommt man kostenlos Audioguids mit Hilfe derer man sich Details zu den einzelnen Exponaten erzählen lassen kann. Fand ich eine sehr gute Idee, zumal man bei den Infos zwischen verschiedenen Kategorien wählen konnte.
Los ging es bei Adam und Eva. Zumindest aus automobiler Sicht:

Es folgten die „Standuhr“, Benz Patentwagen und weitere Entwicklungen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts.
Danach teilte sich das Museum in zwei parallele, baulich getrennte, „Stränge“.
Zum einen Personenkraftwagen und zum anderen Nutzfahrzeuge. Da ist ein wenig Aufmerksamkeit gefordert, damit man an keinem Strang einer Epoche vorbei läuft, sofern man sich denn für beides interessiert.
Allerdings ist die Unterscheidung in den Strängen nicht immer konsequent. So fand sich zum Beispiel bei den Nutzfahrzeugen diese schöne Stromlinien Limousine (W 142)aus den 30ern:

Insbesondere die Rückenflosse mit Stern ist ein Detail, wegen dessen alleine ich ein modernes Auto sofort kaufen würde:

Auch ansonsten fand sich reichlich Vorkrieg:

Die Beste von Allen hat schon mal Bedarf an einem Führer-Mercedes angemeldet, um angemessen Paraden abnehmen zu können.
Bei den Nutzfahrzeugen fand sich auch die Replik des legendären Renntransporters „Das blaue Wunder„:

Hierzu sei dem geneigten Betrachter dieses Video ans Herz gelegt.
Insbesondere das Rückfenster ist ein tolles Detail:

Bei sowas frage ich mich immer, wer damals gesagt hat: „Nene, das muss so! Gerade geht das nicht.“ und welcher Verantwortlich dann gesagt hat: „Ja, ok.“.
Heute undenkbar.
Größtes Ausstellungsstück war dieser O10000 als mobiles Postamt der österreichischen Bundespost:

Ein echter Gigant, der schon damals nur mit Sondergenehmigung auf die Straße durfte.
Wie hinreichend bekannt sein dürfte, schlägt mein Herz ja für Exoten und Unikate.
Dementsprechend begeistert war ich über diesen wunderschönen Messwagen:

Die Basis bildet ein Mercedes 300, damit er genügend Power hatte um an den zu messenden Fahrzeugen dran zu bleiben. Immerhin waren beide über einen dicken Kabelstrang miteinander verbunden.
Auch hier ist die Heckansicht mal wieder Zucker:

Spannend fand ich auch den ESF 22:

Ein Fahrzeug zur Erprobung verschiedener Sicherheitstechniken. Erinnerte mich stark an den VW ESVW 1.
Das für mich schönste Exponat war jedoch die Studie Auto 2000:

Extrem lang, schön kantig und mit ebenfalls tollem Heck:

Muss an meiner Kindheit in 80er-Jahre-Volvos liegen….
Am Ende der Ausstellung kommt man an einer Steilkurve mit den verschiedenen Rennautos der Daimlergeschichte vorbei:

Glücklicherweise hatte ich bis dahin meinen Kater soweit im Griff, als dass ich die vorgespielten Motorengeräusche genießen konnte.
Technisch ist das sehr interessant gelöst. Bevor das Motorengeräusch des jeweiligen Fahrzeuges abgespielt wird, geht über dem Rennwagen ein Spot an, so dass man das Geräusch immer zuordnen kann. Der Wagen „startet“ dann an seiner Position und fährt (durch entlang der Steilkurve positionierte Lautsprecher) zwei Runden durch die Steilkurve, um am Ende mit Vollgas wieder an seiner Startposition vorbei zu kommen. Insbesondere bei den Vorkriegsrennern, wie dem „Blitzen-Benz“ (mit läppischen 21,5 l Hubraum) klingt dass herrlich infernalisch! Toll gemacht.
Hat man den Ausstellungsbereich verlassen und den Audioguide abgegeben, finden sich auf dem Weg nach draußen noch einige „vergessene“ Exponate an den Wänden und auf Stelen:

Zu obigem Fahrzeug und dem C111 hab ich noch nicht mal eine Infotafel gefunden:

Auch die Studie F100 mit mittigem Vordersitz musste mit einem dürftigen Infoschild auskommen:

Der Eintritt kostet moderate 8 Euro für Erwachsene und dafür bekommt man einiges geboten!
Ich hatte lediglich vier Stunden Zeit für meinen Besuch, so dass ich die letzten Exponate im Laufschritt abklappern musste. Ganz zu schweigen von den ganzen „Ausprobier-Exponaten“, vor denen zu viele Kinder standen, als dass ich dafür Zeit gehabt hätte.
Ein Besuch lohnt sich daher auf jeden Fall!

Wo viel Licht ist, ist aber leider auch viel Schatten:
Dass die Audioguides nicht immer funktionierten, geschenkt.
Ihr fragt euch aber, warum ich keine Fotos von Autos aus den 70ern, 80ern und 90ern gemacht habe? Nun, die sind einfach nicht vorhanden! Bei den Nutzfahrzeugen steht hinter dem O 1000 ein Mercedes-Benz 1624 Autotransporter, auf dem hoch oben W123, W124, W126 und Konsorten stehen. Das war‘s.
Die Infotafeln dazu sind dürftig, vom Audioguide ganz zu schweigen. Bei dem war ganz klar erkennbar, dass je neuer ein Fahrzeug war, desto karger wurden die Infos. Konnte man zu Fahrzeugen aus den 20er und 30er-jahren noch 4-5 Infokategorien mit einer Laufzeit von 15+ Minuten genießen, fand sich zu Fahrzeugen aus den 80ern gerade mal ein mickriger Betrag von 2-4 Minuten. Auch z.B. der Unimog wurde eher dürftig abgehandelt. Vom G-Modell gab es lediglich ein Papamobil.
Studien? Entwicklungsfahrzeuge? Meilensteine der jüngeren Unternehmensgeschichte? Fehlanzeige!
Auch Selbstkritik war völlig abwesend. Die Infotafel zur A-Klasse protzte damit, dass sie als Vorreiter dieser Fahrzeugklasse serienmäßig ESP hatte. „Elch-wer?!?“
„2.Weltkrieg? Da waren alle im Urlaub…
Leider habe ich auch keine Hoffnung, dass sich die Ausstellungssituation (insb. bezüglich der jüngeren Firmengeschichte) noch bessern wird, da einfach kein Platz mehr im Museum ist. Da fehlen gelöst zwei Stockwerke. Schade.

Altautotreff Magdeburg August 2014

Fußball macht mich fertig!
Wer kann auch ahnen, dass der 1. FC Magdeburg ausgerechnet dann gegen den FC Augsburg spielen muss, wenn das Altautotreffen stattfindet?!
Ende vom Lied war, dass ich erst gegen 17: 30 Uhr am Pfahlberg war. Dammter Stau.
Ich war da, wer noch?
Keiner, wie es scheint. Oder die Leute waren schon wieder weg… keine Ahnung.
Ich hab genüsslich Burger gefuttert und ein wenig den Rialto inspiziert.
Hat sich auch gleich als sinnvoll erwiesen, ist doch glatt einer der Heizungsschläuche undicht:
rissiger Kühlerschlauch
Nach anderthalb Stunden bin ich dann auch abgehauen und hab leise Fettes Brot – Kuba gesummt:

„ich glaub daran so viele träumen davon
dann folgt Björn Beton in die Einkaufsmeile
da steh ich nämlich schon seit ner Weile
warte dass jemand kommt aber bleib alleine
überraschenderweise stehst du plötzlich vor mir und sagst ganz leise

Das ist doch nicht so’n Drama
wir üben das n paar mal
eines schönen Tages klappt das schon“

In diesem Sinne:
Bis nächsten Monat!

26. Internationales Dreiradtreffen

Vom 13. bis zum 15.06. fand das 26. internationale Dreiradtreffen in der Metropole Schnauderhainichen bei Meuselwitz statt:

Logisch, dass ich da mit der Besten von allen hingefahren bin! Letztes Jahr war ich schon bei der 25. Ausgabe, allerdings nur als Tagesbesucher. Das war damals schon so herzlich, dass ich dieses Jahr auf jeden Fall wieder hin musste. Aufgrund des Durchschnittsalters der Teilnehmer ist das noch so richtig Oldschool, mit handgemalten Wegbeschreibungen, postalischer Anmeldung sowie Kaffee und Kuchen… herrlich!
Als wir am Freitag anreisten, war die Einwohnerzahl von Schnauderhainichen schon verdoppelt:

Es war wirklich süß, wie jedes Ömmaken am Wegesrand einem zeigte, wo man hin fahren muss.
Nach der Anmeldung und einem ersten Schnack habe ich mich ein wenig auf der Fahrzeugwiese umgesehen. Sehr gefreut habe ich mich über Lolas Urgroßmutter:

Ein seltenes Piccolo Duo in tollem Zustand.
Der Abend klang dann bei Bier und Bratwurst in einem Festzelt vor dem lokalen Feuerwehr- und Vereinsheim aus. Dort traf ich auch auf Torsten, Thomas und Andreas. Ersterer ist der Betreiber von BondBug.de und die letzteren haben beide ebenfalls Rialtos. Thomas wollte eigentlich auch mit seinem Rialto anreisen, scheiterte aber leider nach 150 km an einem gefressenen Vorderradlager.
Immer wieder schön, die Menschen auch mal persönlich kennen zu lernen, mit denen man sich sonst nur E-Mails hin und her schreibt. Wir stellten ziemlich schnell fest, dass wir alle auf einer Wellenlänge lagen und hatten das ganze Wochenende über viel Spaß zusammen. Danke dafür!
Für Samstag stand ein straffes Programm auf dem Plan, schließlich sollte die Ausfahrt 30 Kilometer betragen.
Start war dementsprechend um 9:00 Uhr. Gestartet wurde im 30 Sekundenabstand, damit sich keine langen Kolonnen bilden sollten.
Leider funktionierte das überhaupt nicht. 30 Sekunden sind schnell aufgefressen, selbst wenn der Geschwindigkeitsunterschied nur 5 km/h beträgt. So sammelten wir relativ fix einige Dreiräder vor und hinter uns, da ganz vorne ein 5,5 PS Vorkriegs-Hansa Berge entdeckte, von denen noch nicht mal das Landesvermessungsamt etwas wusste. Dementsprechend habe ich auch den Großteil der 30 km im zweiten Gang verbracht. Für den Rialto war das kein Problem, aber einige Tempo-Piloten klagten über Zündaussetzer aufgrund von überhitzenden Motoren.
Ausgedehnte Ameisenrennen (Überholvorgänge bei 30 km/h zu 27 km/h) auf der Suche nach mehr Fahrtwind waren die Folge:

Vielleicht wäre es sinnvoll bei der nächsten Ausgabe im Zuge der Anmeldung die gewünschte Marschgeschwindigkeit zu erfragen und danach Gruppen bzw. Startreihenfolgen zu bilden.
Egal.
Nach und nach trudelten alle Fahrzeuge am ersten Zwischenhalt, dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain, ein:

Wir hatten das Glück, dass einer der Dreiradpiloten bis vor wenigen Jahren im Tagebau gearbeitet hat und uns so einen tollen Einblick mit reichlich Hintergrundinfos liefern konnte. Sollte einer von euch mal die Gelegenheit haben, einen Tagebau zu besichtigen, so kann ich das nur jedem anraten.
Es ist atemberaubend!
Leider kann ein Foto kaum einfangen, was für ein gigantischer Raubbau an der Natur das ist:


Eine Mondlandschaft bis zum Horizont. Und das ist der Kleinere von zwei Tagebauen in der Umgebung…
Das winzige in der Mitte sind übrigens diese riesigen Schaufelbagger. Der gelbe Punkt daneben ist ein normaler Bagger…. Die Grube die wir dort besichtigten ist über 100 Meter tief. Da verschwimmen schon mal jegliche Dimensionen. Absoluter Wahnsinn.
Nach der Führung am Tagebau ging es weiter nach Meuselwitz:

Wir waren erstaunt, wie viele Leute gezielt am Straßenrand standen und uns zuwinkten. Die Veranstaltung muss im Vorfeld gute PR in den lokalen Medien erfahren haben.
Ein großes Lob muss auch an die Organisatoren gehen. Die Strecke war zusätzlich zum Roadbook vorbildlich ausgeschildert und an jeder Kreuzung standen Helfer in Warnwesten die einem den Weg wiesen. Toll!
In Meuselwitz trafen wir uns auf dem historischen Marktplatz zum Mittagessen:

Der Stadtkern ist wirklich schick hergerichtet. Durchaus schmuck.
Schmuck war auch dieser seltene Picco I:

Mein Herz schlägt ja auch für industrielles Gerät. Ist es dann auch noch dreirädrig, bin ich Feuer und Flamme. Ich war nur froh, dass er nicht bei der Ausfahrt vor uns war….
Zum Mittagessen gab es ein deftiges Gulasch samt Getränk. Leider öffnete der Himmel gerade beim essen seine Schleusen und es gab einen heftigen Schauer. Als der Regen abzog, haben wir die Fahrzeuge (bewacht) auf dem Marktplatz zurückgelassen und sind zum nahen historischen Bahnhof gegangen. Dort verkehrt noch die Schmalspurbahn, mit der früher die Kohle befördert wurde. Das Schienennetz umfasste zu DDR-Zeiten über 300 km von denen heute noch 16 km erhalten sind.
In dem Bahnhof ist auch der lokale Eisenbahnverein beheimatet, welcher sich liebevoll um die Überbleibsel der Schmalspurvergangenheit kümmert. Zum Beispiel diese beeindruckende Schneefräse:

Früher war halt nicht nur mehr Lametta im Winter…
Kein Foto habe ich leider von dem Waggon auf den ein Flugzeugtriebwerk montiert war. Der Abgasstrahl wurde über eine große Röhre auf das Gleis hinter dem Wagon geleitet. Der Erzählung nach, wurde es früher dazu verwendet, um das Gleisbett zu reinigen. Laubbläser XXL, quasi.
In historischen Waggons ging es nach der Besichtigung durch die Lande:

Bei einem Zwischenhalt gab es leckeren Kaffee und Kuchen.
Unterwegs entdeckten die Beste und ich vom Zug aus noch reich behangene Kirschbäume deren GPS-Koordinaten uns am Sonntag 4 Kg leckerste Schwarzkirschen bescherten.
Wir haben sie natürlich direkt bei mundraub.org eingetragen.
Der Samstagabend wurde von einem üppigen Büffet, einer Liveband und sehr netten Unterhaltungen gekrönt.
Bei Interesse findet ihr noch viele weitere Bilder im zugehörigen Album.
Alles in allem war es ein wirklich schönes Wochenende.
Sowohl die Beste als auch ich wollen nächstes Jahr unbedingt wiederkommen. Dann soll es ins Erzgebirge gehen.
Unser besonderer Dank gilt den Organisatoren, die wirklich viel Herzblut in diese tolle Veranstaltung investiert haben!
Herzliche Grüße gehen an Torsten, Thomas und Andreas. Wir hoffen, ihr seid wieder gut nach hause gekommen.