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35. INTERNATIONALES DREIRADTREFFEN

Es ist Sommer, da komme ich traditionell leider kaum zum schreiben. Es passieren aber trotzdem Dinge.
Zum Beispiel fand auf der Burg Ziesar das 35. internationale Dreiradtreffen statt:

Burghof Tag 1

Ich predige es ja immer wieder: Das Treffen ist an Putzigkeit kaum zu überbieten! Eine echte Empfehlung, sollte es mal in eurer Nähe stattfinden!
Leider war die Wettervorhersage so eindeutig, dass ich an beiden Tagen mit dem Rialto anreiste. Am Freitag füllte sich der Burghof so langsam:

Lineup Tag 1

Selbst die Dame mit dem dreirädrigen Kinderwagen wurde direkt eingewiesen:

Kinderwagen

Ich selbst fand einen Platz neben meinem Wochenendhighlight:

Rialto und Invacar

Für die Rätselnden unter euch: Das neben dem Rialto ist ein Invacar:

Invacar Front

Das ist das angelsächsische Pendant zum Krause Duo, Duo 4/1, Duo 4/2 oder zum SMZ S-1L aus der Sowjetunion.
Schon in England haben nach der staatlichen Verschrottungsaktion Anfang der 2000er (die Invacars gehörten immer dem Gesundheitsministerium) kaum noch Exemplare überlebt. Ursprünglich produziert wurden mehrere zehntausend.
Überlebt hat nur eine Handvoll Exemplare. Bei Hubnut findet sich ein in der Szene recht bekanntes Invacar.
Passend zu seinen drei Rädern hat das Invacar nur eine (Schiebe-)Tür auf der linken Seite:

Invacar Tür offen

Der einzelne Sitz ist auf seitlichen Schienen angebracht, so dass man ihn für einen besseren Ein- und Ausstieg nah zur Tür bewegen kann:

Invacar Tür offen 2

Angetrieben wird dieses Exemplar von einem Villers 197 ccm-Motor, welcher lediglich auf das linke Hinterrad wirkt:

Invacar Motor

Lola lässt grüßen.
Nachdem übrigens in den frühen 70ern die Produktion der Villers-Motoren eingestellt wurde, wurden die Invacars mit einem 500 bzw. 600 ccm-Motor von Styr-Puch ausgestattet. Mit diesem Leistungsschub schafften die Invacars ca. 130 km/h (82 mph)!
Zusammen mit gänzlich fehlender Crash-Sicherheit, miesem Handling und einer hohen Unfallrate, führte die Einführung eines Subventionsprogrammes zum Umbau regulärer PKW zum aussterben der Invacars.
Ganz viel Liebe für den sehr netten Eigentümer dieser Pretiose!
Auch sonst gab es einiges zu bestaunen.
Hier die Notwendigkeit für einen Pickup:

Huckepack

Oder die Verstärkung aus der alten Heimat:

Besuch aus Lippe

Der blaue Messerschmidt mit dem DT-Kennzeichen war natürlich auch wieder mit dabei.
Aber auch im Fahrerlager fand sich ein Goldstück:

Ex-Pferdetransporter

Mit diesem, für die niederländische Polizei-Reiterstaffel ursprünglich gebauten, Harburger Transporter war der Eigner einer 50er-Ape angereist. Neben der Ape passte noch ein Feldbett und eine kleine Küchenkombination mit in den Transporter. Herzallerliebst!
Tag Eins endete mit einem gewaltigen Regenschauer, der mich auf der Rückfahrt überraschte.
Tag Zwei war hingegen ein einziger Regenschauer. Das kann die wackeren Recken allerdings nicht schrecken:

Auf in den Regen

Vorausgegangen war die Fahrerbesprechung seitens der Organisatoren. Es gab folgende Ansage:
„Wir starten mit einer kleinen Rundfahrt durch die Altstadt von Ziesar. Hierfür haben wir die Auflage der Polizei, dass wir in Gruppen mit nicht mehr als 10 Fahrzeugen fahren dürfen, um den Verkehr nicht unnötig zu behindern. Wir machen es daher so, dass sich gleich 9 Fahrzeuge hier hinter dem roten Mercedes als Führungsfahrzeug sammeln. Der Klaus/Horst/Günther im Mercedes fährt dann voraus und führt die 9 Fahrzeuge durch die Altstadt. Außerhalb der Stadtgrenze sammeln wir uns dann, er kommt zurück und holt die nächsten 9 Fahrzeuge bzw. die Elisabeth/Marianne/Ursula im gelben Käfer fährt dann mit dem nächsten Pulk los.“
Verständiges Nicken der Zuhörenden
Und daraufhin brach das Chaos aus…..
Natürlich stiegen alle in ihre Fahrzeuge und stellten sich in einer langen Schlange hinter dem Führungsfahrzeug an. Als selbiges losfuhr, fuhren auch einfach alle hinterher. Das klappte auch exakt bis zur ersten roten Ampel. Danach verlor ein Großteil der Gruppe den Anschluss in den kleinen Altstadtgässchen.
Ich hatte allderweil auf dem Burghof zusammen mit den Velorex- und Messerschmidt-Pilot/-innen wieder eine „schnelle Gruppe“ als Nachhut gebildet.
Als wir als Letzte losfuhren, hatten wir das lustige Erlebnis, dass während unserer Tour durch die Altstadt immer wieder aus irgendwelchen winzigen Gässchen verirrte historische Dreiräder auf uns zu kamen. Wir haben herzlich gelacht. Natürlich klappte es dementsprechend auch nicht, dass sich die Gruppe geschlossen hinter der Stadtgrenze wiedertraf. Glücklicherweise war die Pilotin eines Messerschmidts ortskundig und konnte uns auf die Spur der ursprünglichen Führungsgruppe bringen.
Leider war in diesem Durcheinander auch der Kradmelder verschütt gegangen, der eigentlich entlang der Strecke die Hinweisschilder zur Streckenführung anbringen sollte.
Er überholte uns dann im Tiefflug und ströhmenden Regen. Als wir ihn an der nächsten Abbiegung einholten, vereinbarten wir mit ihm, dass wir den Pulk hinter uns an geeigneter Stelle aufhalten, ihm etwas Vorsprung geben und uns dann weiter auf den Weg machen würden. Das klappte gut, so dass wir mit einer recht großen Teilgruppe an unserem Zwischenziel, dem Schulmuseum Reckahn ankamen:

Schulmuseum Reckahn mit Autos

Mal wieder einer dieser Orte, die ich sonst nie extra besuchen würde.
Es lohnte sich aber! Für uns war eine historische Schulstunde gebucht. Unterhaltsam, lehrreich und liebevoll gestaltet.
Auch hier merkte man wieder, dass das Thema mit Herzblut verfolgt wurde.
Während ich also unter den wachsamen Augen von Fräulein Schubert mein Sütterlin übte:

Sütterlin

Wurde draußen schon das Mittagessen aufgebaut.
Eine wirklich gute Soljanka brachte uns über den fortlaufend heftigen Regen.

Aufstellung vor dem Schulmuseum

Hier noch eine wirklich schöne Lösung für mehr Verkehrssicherheit am Vorkriegstempo:

Funk-Rücklicht

Die LED-Einheit ist mittels Magnet befestigt, batteriebetrieben und wird per Fernbedienung vom Fahrerhaus aus gesteuert. Wenn ich mich recht entsinne hat sie sogar ein Bremslicht integriert, das per Trägheitssensor funktioniert. Kudos an den Erfinder!
Anschließend sattelten wir wieder die Hühner und fuhren über kleine Sträßchen:

Über kleine Straßen

Zum „Mollihof Jakob“ nach Grüningen:

Mollihof Schild

Dort gab es, wen überrascht es?, DDR-Geräteträger in allen Formen, Farben und Zuständen zu bewundern:

Mollihof 2

Auch Sondervarianten, wie diese, zum vereinfachten Fahrtrichtungswechsel:

Mollihof Wechselsitz

Ansonsten kann man sich den Mollihof so vorstellen, dass nebenan ein DDR-Museum detoniert ist. Die Trümmer regneten dann auf den Hof nieder und wurden teilweise sogar verräumt. Oder als lebensgroßes Wimmelbild. Ist halt die private Sammlung eines DDR-Bürgers mit viel Platz und großer rosa Brille für die Vergangenheit.
Entsprechend geteilt war auch das Echo auf den Besuch. Insbesondere der der NVA gewidmete ex-Kälberstall samt ausstaffierter Puppen rief einige Irritationen hervor. Fairerweise war er aber auch vom Eigentümer als etwas „nur für echte Genossen“ angekündigt worden.
Zur Ehrenrettung der Veranstalter will ich aber auch betonen, dass man erstmal in so kleinem Aktionsradius überhaupt sehenswertes finden muss!
Nach der Besichtigung ging es wieder im Regen zurück auf die Burg:

Fahrt im Regen

Hatte ich schon erwähnt, dass mein Highlight das Invacar war?

Invacar vor mir

Das sieht so lustig aus!
Im großen Burgsaal konnte man sich dann bei Heißgetränken und einem riesigen Kuchenbuffet wieder stärken.
Nach dem obligaten Klöhnschnack machte ich mich wieder auf den Heimweg.
Vielen, vielen Dank an den Motor-Club Ziesar e.V. für die Organisation! Es war eine würdige Veranstaltung!
Wir sehen uns nächstes Jahr in Haseloff!

34. Internationales Dreiradtreffen – Tag 2

An Tag zwei des 34. Internationalen Dreiradtreffens reiste ich mit dem JZR an:

Start zu Tag 2

An Tag 2 findet traditionell die Ausfahrt statt. Die geht auch gerne mal sieben Stunden und mehr. Auch dieses mal waren knapp 8h angesetzt:

Programm

Als ich auf dem Gelände eintrudelte war es schon deutlich gefüllter, als bei meiner Abreise am Vorabend:

Lineup Samstag 3
Lineup Samstag 2
Lineup Samstag 1
Lineup Samstag 4

Die Bilder decken natürlich nur einen Teil der Fahrzeuge ab. Insgesamt waren es wohl deutlich über 40 Fahrzeuge und damit wohl das größte Treffen jemals. Nachdem es in der Vergangenheit zu (Hitze-)Problemen aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeiten im Tross gekommen war, gab es dieses Mal unterschiedliche Startzeiten für unterschiedliche Leistungsklassen. Als erstes startete die Klasse bis 7 PS (oder Äquiv.):

Start zur Ausfahrt
Framo Stromer Heck

Wir aus der „Performance-Klasse“ (Reliant, JZR, Isetta, Velorex, etc.) hatten allderweil noch 45 Minuten Zeit, um miteinander noch ein wenig zu scherzen:

Ü-Ei

Mit unserem späteren Start passte es haargenau, dass wir gemeinsam mit den Vorkriegsschnauferln am (sehr schönen) Technikmuseum „Hugo Junkers“ eintrudelten. Während wir auf unsere Führungen warteten, nutzte ich die Chance für ein paar Fotos mit den Exponaten auf dem Außengelände:

JZR vor MIG Kampfflugzeugen

Das Museum selbst ist wirklich imposant. Von außen wirkt es deutlich kleiner:

Junkers JU 52 im Museum Dessau

Neben der JU 52/3m (mit toller Geschichte!) finden sich dort noch Repliken der J 1 und der F13:

Junkers F13

Die Führung war sehr informativ und deckte auch das deutlich größere Spektrum Hugo Junkers, abseits des Flugzeugbaus, ab. Sehenswert sind auch die anderen Exponate. Ein besonderes Herz habe ich ja immer für ausgefallene Lösungen. Dementsprechend begeistert war ich von dieser „Most-Presse“ aus Flugzeugteilen:

Mostpresse

Ebenso begeistert bin ich immer von Motor-Schnittmodellen. Da möchte ich im Genesungswerk später auch gerne was stehen haben. Allerdings wohl eher was kleineres also diesen schönen 6-Zylinder-2-Takt-Gegenkolben-Diesel-Flugzeugmotor:

Schnittmodell Gegenkolbenmotor

Ich könnte euch jetzt noch mit einem ganzen Blumenstrauß an weiteren Exponaten langweilen/beeindrucken, aber wir sind ja erst beim ersten Zwischenstopp.
Zum Abschluss hatten wir noch die Gelegenheit, mit unseren Oldtimern in (!!) das Museum zu fahren und Fotos mit der Ju 52 zu machen:

Junkers JU 52 mit JZR 2

Eine Gelegenheit die ich mir auf keinen Fall entgehen lassen konnte:

Junkers JU 52 mit JZR 1

Sieht doch stimmig aus, oder?
Nach dem Halt am Technikmuseum ging es weiter zur Straußenfarm nach Klein Rosenburg. Hier waren wir etwas schneller als der Rest des Trosses, so dass wir uns noch ein wenig die Beine vertreten und miteinander schnacken konnten. Zum Beispiel konnte ich (erneut) diese beiden Originale beschnuppern:

2 Messerschmidt Kabinenroller

Einmal Originallack, einmal original Lipper, beide komplett durchgeschwitzt.
Die Führung über die Farm war leider etwas unstrukturiert, aber dafür konnte man sehr nah an die Protagonisten:

Auf der Straußenfarm

Ich habe noch den Straßen-Hahn gefüttert, was mich nachhaltig beeindruckte. Die Viecher sind echt bösartig und schnappen mit einem lauten *klack!* ihres Schnabels nach allem in ihrer Reichweite.
Letzter Halt auf unserer Liste war die herzallerliebste „Konditorei Tortenträume„:

Café Tortenträume

Leider waren wir deutlich vor der mit der Konditorei abgesprochenen Zeit am Ort, so dass wir deren Abläufe völlig aushebelten. Am Ende bekam aber jeder sein Stück Kuchen oder sein Eis. Außerdem schien die Sonne und wir waren umgeben von Gleichgesinnten. Da wartet es sich entspannt.
Ab hier fuhr jeder eigenständig zurück zum Treffengelände. Eventuell bin ich anschließend ein wenig auf einer gemütlichen Bank im Schatten eingedöst. Am Abend habe ich mich dann von allen verabschiedet und bin mit dem JZR in den Sonnenuntergang geritten.
Fazit:
Was soll ich sagen? Es war wie immer! Toll organisiert, Helfer allenorten, super nette Teilnehmer, familiäres Ambiente, entspannte Stimmung, leckere Verpflegung und viel Abwechslung.
Natürlich habe ich mir den Termin für’s nächste Jahr (11.07. – 13.07.2025) auf der Burg Ziesar (!) schon fest in den Kalender eingetragen!
Gleichzeitig war die Tour auch die Feuerprobe für den JZR, welche er (trotz kurzfristigem Schraubereinsatz am Donnerstagabend) mit Bravour bestand.

34. Internationales Dreiradtreffen – Tag 1

Es war wieder soweit:
Das „Internationale Dreiradtreffen“ rief für das Wochenende 07.06. – 09.06.2024 zur 34. Auflage nach Groß Rosenburg:

Schild zum 34. Internationalen Dreiradtreffen

Da die bisherigen Ausgaben dieses Treffens immer ein echtes Jahreshighlight waren, war meine Teilnahme schon ab Verkündung des Termines im letzten Jahr fix.
Glücklicherweise liegt Groß Rosenburg nur eine knappe Stunde von mir entfernt. So konnte ich an unterschiedlichen Tagen mit unterschiedlichen Fahrzeugen starten. Am Freitag nahm ich den Rialto:

Start zu Tag 1

Als ich ankam, trudelten auch die anderen Teilnehmer nach und nach ein:

Platz Tag 1

Wie immer war es ein sehr buntes Teilnehmerfeld. Vom bald 100 Jahre alten Framo LT200:

Framo Dreiräder

Bis zum schwedischen Lizenzbau des Fuldamobils (Fram-King):

schwedisches Fuldamobil

Während andere ihre Schmuckstücke noch abluden:

Huckepack

Meldete ich mich offiziell an und bekam mein Begrüßungspaket:

Begrüßungspaket

Neben der schönen Schweißkunst gab es wieder eine ganz liebevoll zusammengestellte Bordmappe mit allen nötigen Informationen und Ansprechpartnern. Auch sonst gab es einiges zu bestaunen. Zum Beispiel diese Eigenbau-Ackerfräse auf Basis eines Berlin-Rollers:

Berlin Trecker 1

Ein lokaler Kleinbauer hatte sich dieses Geschoss selbst gebaut, um an dem schwarzen Pylon am Heck verschiedenste Ackergeräte (z.B. einen Pflug) anzuflanschen. Die bärenstarke Untersetzung erreichte er indem er an den normalen SR59-Motor (verbunden über eine Kette) einen zweiten Motor samt Getriebe anflanschte. Der zweite Motor hat keinen Kolben im Zylinder, so dass er faktisch nur als Reduktionsgetriebe fungiert. So läuft das Gerät selbst im höchsten Gang und Vollgas kaum mehr als 10 km/h, reißt aber notfalls einen Baum samt Wurzel aus. Die Vorderachse stammt wohl von der Dieselameise:

Berlin Trecker 2

Bei Bratwurst, Kartoffelpuffern und verschiedenen Kaltgetränken beschlossen wir im Sonnenuntergang Tag 1….

31. Internationales Dreiradtreffen

Ker, was bin ich mit der Berichterstattung ins Hintertreffen gekommen.
Und das ausgerechnet bei einem meiner gesellschaftlichen Highlights des Jahres! Es tut mir wirklich leid.
Am Wochenende des 15.06.2019 war nämlich das 31. internationale Dreiradtreffen. Diesmal in der pulsierenden Metropole Michendorf (OT Stücken).

Ich habe ja schon beim letzten und vorletzten Mal berichtet, wie putzig das immer ist. Da werden Informationsunterlagen noch per Post, statt Facebook verschickt und im Briefumschlag findet sich nicht eine ausgedruckte Route von google-Maps, sondern eine selbstgemalte Wegbeschreibung. Eine Homepage mit Infos sucht man ebenfalls vergeblich. Solche Anachronismen ziehen sich durch jede dieser Veranstaltungen.

21. Jahrhundert? Weit entfernt.
Kopfschütteln? Mildes Lächeln?
Das Problem der Spötter ist: Es läuft!
Und zwar wie geschmiert. Ich habe es ja schon zum letzten Jahr geschrieben:
Ich kenne keine (nicht-kommerzielle) Veranstaltung die besser organisiert ist als diese Treffen ohne ihren familiären Charakter zu verlieren.
Verfahren? Panne? Verpflegung vergessen? Unterkunft verpennt? Sonstiges Zipperlein?
Alles kein Problem. Zu allem steht im freundlichen Brief ein Ansprechpartner samt Telefonnummer.
Extrawürste bei der persönlichen Organisation nötig? Kein Problem, einfach anrufen und schon wird geholfen.
Bei der 7-stündigen (!) Ausfahrt findet sich an jeder noch so kleinen Weggabelung ein Helfer (!) mit einem Richtungsschild in der Hand.
Tollende Kinder, die gerne mal im Vorkriegstempo sitzen möchten? Aber gerne doch, bitte nehmt Platz!
Ich bin jedes Mal wieder völlig von den Socken, was die Leute da in ihrer Freizeit für solch ein Nischenevent auf die Beine stellen.
Und das auch noch für die Breite der Teilnehmer (regelmäßig drei Generationen jeglicher Geschlechter).
Ehrlich gesagt wüsste ich nicht, was da ein Facebook-Account oder Google-Link verbessern sollte.

Leider steht meine persönliche Teilnahme jedoch regelmäßig unter keinem guten Stern. Beim ersten Mal Junggesellenabschied, beim vorletzten Mal eine hoch schwangere Frau im Gepäck, konnte ich im letzten Jahr nur mit dem großen Schräubchen an der Ausfahrt teilnehmen. Dieses Jahr sollte wenigstens mit der ganzen Familie zur Ausfahrt angereist werden.
Natürlich bekam das große Schräubchen am Vorabend reichlich Fieber und war auch am Veranstaltungsmorgen noch mit weit über 38°C dabei. Also spontan umdisponiert und wenigstens mit dem kleinen Schräubchen zum Roadtrip gestartet. Die war etwas irritiert, dass Mama und Schwester nicht mit einstiegen, aber als auf der Autobahn die Gummibärchen-Flatrate eröffnet wurde, war sie ob der fehlenden Begleitung nicht mehr traurig.
Durch die spontane Umdisponierung verpassten wir den Start zur Ausfahrt um 10 Minuten, hatten den Tross aber bald eingeholt.
Am ersten Zwischenhalt trafen wir dann den gesamten Flohzirkus:

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Während einige durch die Auslage des Trödelmarktes streiften, machte ich es mir mit dem kleinen Schräubchen und einigen anderen im Schatten gemütlich.
Hier wurden alte Freundschaften gepflegt und neue Bekanntschaften geknüpft. Alles sehr kurzweilig.
Nachdem wieder zum Aufbruch geblasen wurde, ging es weiter über malerische Kreisstraßen:

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Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, die Gegend zu kennen, konnte es aber nicht richtig einordnen. Als ich aber plötzlich das hier sah, wusste ich woher:

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Da wo die Trabanten sprießen hatten wir damals unseren Combo gekauft.

Im Park von Ahrensdorf konnten wir unsere Fahrzeuge im Schatten parken und ein leckeres Mittagessen genießen. Das Kleine Schräubchen tobte über den Spielplatz, während einige andere im Schatten dösten oder sich zum Klönschnack versammelten.

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Man beachte auf dem obigen Bild übrigens den Messerschmitt Kabinenroller mit dem „DT“-Kennzeichen. Nicht nur, dass da heimatliche Gefühle aufkamen, das Kennzeichen zeugt auch von einer langen Beziehung zu dem Kabinenroller. Schließlich wird „DT“ schon seit 1990 nicht mehr vergeben. Schön, dass der Besitzer es behält. Ein „H“ ergibt auch weder steuerlich noch aus Umweltzonen-Gesichtspunkten Sinn.
Ein wenig traurig lässt einen dieser Anblick zurück:

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Während andernorts junge Familien von den eigenen vier Wänden nur träumen können, stehen hier Häuser in ordentlicher Lage leer. Leider ist „Lage“ auch hier das Problem. Außer blühenden Landschaften ist hier nämlich nix.
Doch zurück zum heimatlichen Kabinenroller. Das Wetter meinte es sehr gut mit uns, so dass den ganzen Tag bei 30°C die Sonne vom Himmel strahlte. Verständlich, dass die Besatzung da die Kuppel öffnete, solange es durch den Ort ging:

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Die älteren Herrschaften taten mir wirklich leid. Das ist eine harte Sauna-Diät unter der Käseglocke. Dass die beiden aber hart im Nehmen sind, beweist der Aufkleber auf ihrem Kabinenroller:

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„Nordkapp Rally 1999“ muss man sich erstmal verdienen. Insbesondere bei max. 15 Kg Zuladung.
Der nächste Halt in Körzin war ein Fest für’s kleine Schräubchen:

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Es ging auf einen Bio-Bauernhof zum Kühe streicheln:

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100m weiter gab es dann Kaffee und Kuchen (und Eis für das tapfere Schräubchen) im Garten eines schönen Bauerncafés:

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Danach wurde noch etwas geschaukelt, bis es im Anschluss wieder zurück in den Gutspark nach Stücken ging.
Dort traf ich dann Karsten mit seinem roten Reliant Robin MK II:

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Bisher hatten wir nur per Mail Kontakt. Umso größer war daher die Freude, sich endlich mal persönlich kennenzulernen.
Damit waren dann vier Reliant-Dreiradfahrer mit zwei Fahrzeugen vor Ort. Das dürfte damit das größte Reliant-Dreirad-Treffen Deutschlands gewesen sein.
Randgruppe? Ich? Niemals!
Es war jedenfalls ein Fest im Fest. Es wurden Teile getauscht (Vielen Dank!) und viel gefachsimpelt.
Stärken und Schwächen der jeweiligen Fahrzeuge wurden analysiert und Zukunftspläne geschmiedet.
Jedoch merkte ich zusehens, wie dem kleinen Schräubchen der Tag zugesetzt hatte, so dass ich mich leider viel zu schnell verabschieden musste, um die 1,5h Heimreise anzutreten. Schade.
Es dauerte auch nur bis zur Autobahnauffahrt, bis neben mir friedlich geratzt wurde. So rollten wir beide zufrieden und erschöpft durch die Abendsonne.
Ich freue mich schon sehr aufs nächste Jahr. Baden-Württemberg als Veranstaltungsort birgt die Chance auf eine längere Teilnahme.
Vielen Dank für die Ausrichtung dieses tollen Treffens!

Weitere Bilder und Eindrücke findet ihr auch im Blog „Stücken bloggt„.

30. Internationales Dreiradtreffen

Nach viel zu langer Abstinenz habe ich die Chance ergriffen und am 30. internationalen Dreiradtreffen teilgenommen. Nach der persönlichen Einladung auf dem Militärfahrzeugtreffen (ratet mal welches Fahrzeug zum Einladenden gehört 😉 hatte ich auch keine andere Wahl. Aufgrund der Kollision mit einem anderen unverschiebbaren Termin, konnte ich allerdings leider nur an der Ausfahrt am Samstag teilnehmen:IMG_20180602_085312resizedAber auch hier gilt das 2014 schon gesagte: Eine so herzliche und gut organisierte Veranstaltung findet man kaum ein zweites Mal! Auch das Programm hatte für jeden was dabei. Für die Rentner Frühgeschichte (Zeitzeugen ;-), für die Kinder (und ihre Väter) das an mit-mach-Sachen reiche Technikmuseum sowie den Abenteuerspielplatz am Bierer Berg und für die Damen das Hundertwasser-Haus:IMG_20180602_085320resizedDoch fangen wir am Morgen an. Ich traf den Tross auf dem Weg zum Ringheiligtum Pömmelte. Eine schnelle Wende samt Spurteinlage brachte mich hinter Thomas JZR:IMG_20180602_085359resizedAuch mal schön, zur Leistungselite einer solchen Veranstaltung zu gehören.
Da der Tross mit ca. 40-50 km/h die Gegend erwanderte, setzten Thomas und ich uns etwas ab:IMG_20180602_090140resizedErster Treffpunkt war besagtes Ringheiligtum.
Während sich der Parkplatz langsam füllte, zogen am Horizont leider dicke Regenwolken auf:IMG_20180602_091211resizedWährend die Besatzungen ihre Fahrzeuge (so gut es eben ging) regenfest machten, erkundeten wir schon mal die Sehenswürdigkeit:IMG_20180602_092512resizedLeider wurde der Regen zwischenzeitlich so heftig, dass das große Schräubchen und ich in den Rialto flüchteten. Bei Keksen und Hörbüchern überdauerten wir munter den Regenschauer:IMG_20180602_094558resizedSchon beim nächsten Halt, dem Technikmuseum Magdeburg, war das Wetter wieder OK:IMG_20180602_110508resizedDie ältesten Gefährte erhielten aber Unterschlupf in den Heiligen Hallen:IMG_20180602_110809resizedInsbesondere der Chauffeur des Reichspost-Dreirades war froh über das Dach über dem Kopf.
Der Rest von uns erkundete derweil die Ausstellungshalle:IMG_20180602_111631resizedOder labte sich beim Mittagessen (lecker!):IMG_20180602_122757resizedAnschließend hieß es wieder sammeln.
Die nächste Station erreichen wir jedoch nicht per Dreiräder,IMG_20180602_124400resizedsondern in einem historischen Ikarus-Bus:IMG_20180602_132153resizedNatürlich gab es auch die typischen Reisegruppen-Vorfälle:

Abfahrtszeit schriftlich mitgeteilt und auch nochmal mündlich jedem eingebläut, aber natürlich gab es wieder Leute die sie im Eiscafé verbummelt hatten. Herrlich.
Bevor sich der Tross dann weiter Richtung Bierer Berg auf den Weg machte (ich musste leider wieder zurück, privater Termin, siehe oben) haben Thorsten und ich noch schnell Fahrzeuge getauscht:IMG_20180602_142401resizedErkenntnisse:

Der Rialto ist nur was für Heringe wie mich und der JZR nur was für Riesen wie ihn.

Trotzdem dass ich leider nur kurz mit dabei sein konnte, war es wieder ein Highlight meines Oldtimerjahres. Vielen Dank an die Organisatoren!