Archiv der Kategorie: Fahrzeuge für Exoten

Subaru BRAT und Baja – Pick me up

In der heutigen Ausgabe geht es um amerikanische Träume und ihre japanische Umsetzung.
Im Hintergrund dieses sehr unterhaltsamen Interviews (ab Minute 2:46) entdeckte ich ein mir bis dato unbekanntes Fahrzeug, welches direkt meine Neugierde weckte.
Es handelt sich um einen Subaru BRAT:

Dem geneigten Betrachter wird die Ähnlichkeit zum Chevrolet El Camino nicht verborgen bleiben. Der BRAT wurde nur etwas zu heiß gewaschen.
Basierend auf dem Leone entwarf Subaru diesen Pickup für den amerikanischen Markt. Natürlich kam er mit einem Boxermotor und AWD daher. Die Varianten reichten vom Untersetzungsgetriebe bis zur Turboaufladung und Automatik. Für jeden Einsatzzweck etwas.
Um die noch immer bestehende „Chicken tax“ zu umgehen, welche auf importierte leichte LKW statt 2,5% Steuern 25% verlangt, stattete Subaru den BRAT mit rückwärts gerichteten Sitzschalen (mit Beckengurten) und Teppich auf der Ladefläche aus:

Wie ihr euch sicher beim Anblick des obigen Werbebildes ausmalen könnt, waren die Unfallzahlen der hinteren „Insassen“ erschreckend!
Mit diesen Sitzen galt der BRAT jedoch als PKW und war von der Sondersteuer ausgenommen.
Orderte man das zusätzliche Ladeflächenhäuschen erhöhte sich nicht nur der Stauraum, sondern auch der Regenschutz für die hinteren Passagiere:

Subaru exportierte den BRAT leider nie nach Deutschland, sondern nur als Subaru Brumby nach Australien und als Subaru 284 nach England.
Gebaut wurde der BRAT in verschiedenen Serien von 1978 bis 1993, wobei das Aussehen jeweils dem Zeitgeist angepasst wurde, die Technik sich jedoch nicht großartig änderte.
Da ist also mal wieder suchen angesagt. Allerdings dürfte auch hier dank Großserienbasis die Ersatzteilversorgung gesichert sein.

Sollte euch die Idee die Kinder auf der Ladefläche zu transportieren erstaunlicherweise nicht zusagen, so hätte ich noch den Subaru Baja im Angebot:

Ja, ihr seht richtig: Eine Limousine mit Pickup-Ladefläche.
Wie ihr euch vielleicht denken könnt, war der Baja erstaunlicherweise kein sonderlich großer Erfolg, so dass nach viereinhalb Jahren und weltweit nur 30.000 verkauften Exemplaren Schluss war.
Technisch ist der Baja ein Mix aus den Modellen Legacy und Outback, so dass aus technischer Sicht mal wieder Versorgungssicherheit besteht.
Anfang 2003 importierte Subaru Deutschland 153 Baja Sport, so dass man mit etwas Glück hier einen aufhebenswerten auftreiben könnte. Mobile.de hat gerade 6 Stück im Angebot…
Nach 10 Jahren dürften die so langsam die Talsohle erreicht haben.

Bedford CA – Die englische Bulldogge

Wie unser aller Freund Karl-Heinz Grabowski schon meinte, besteht in manchen Lebenslagen auch mal Bedarf an einem Kleinbus.
Warum dann dort nicht nach fremden Ufern streben?
Wie wäre es zum Beispiel mit dem äußerst liebenswerten Bedford CA?
Bedford CA CrewCab
Ausgefallenes Design, Bauerntechnik aus dem Vauxhallkasten, lange Bauzeit (1952–1969), reichlich Aufbautenvarianten, Schnäppchen im Vergleich zum T1 und auf dem Kontinent gänzlich unbekannt.
Außerdem wartet er mit ein paar schön schrulligen Details auf.
Ungewohnt sind die Lenksäulenschaltung, dass per Fußschalter betätigte Fernlicht/Abblendlicht, der Blinkerschalter auf dem Armaturenbrett (beides wie beim Bond Bug [inkl. identischer Schalter]) und ein Anlasser, welcher per Hebel in Gang gesetzt wird, welcher unter der Handbremse auf dem Fahrzeugboden zu finden ist.
Durch die Kugelumlauflenkung mit ihren vielen Umlenkpunkten, ist ein präzises Steuern sehr schwer. Es geht eher darum Kurven grob zu peilen und dann einen Annäherungskurs zu setzen.
Um die Kosten für teure Halbleiterelemente zu sparen verwendete Bedford ein aufwändiges und schon damals antiquiertes System, um die Kühlwassertemperatur zu messen. Sie wurde mechanisch gemessen, und zwar durch ein Kapillarröhrchen, das mit einer Kapsel mit leicht flüchtiger Flüssigkeit verbunden war. Die Kapsel war im Gehäuse der Wasserpumpe eingebaut. Temperaturveränderungen des Kühlwassers führten zum Verdampfen oder Kondensieren der Messflüssigkeit und veränderten so den Druck auf ein mechanisches Hebelwerk im Anzeigeinstrument, das wiederum den Zeiger bewegte. Über die Genauigkeit und Zuverlässigkeit dieses Systems muss ich wohl wenig sagen, oder?!
Eine der augenfälligsten Besonderheiten sind die vorderen Türen. Der CA hatte (Sonderaufbauten natürlich ausgenommen), im Gegensatz zu den sonstigen Lieferwagen seiner Zeit, Schiebetüren:
Bedford CA Workbus
Auf dem Bild sieht man übrigens auch schön den Anlasserhebel unter der Handbremse.
Befeuert werden die Bedford CAs von einem 1.508 cm³-Motor mit 52 oder 54,8 BHP (je nach Verdichtung). Ein Herkules im Vergleich zum T1 mit identischem Leergewicht! Motor und Getriebe stammen aus dem Vauxhall Victor Serie F. Als Höchstgeschwindigkeit sollen 100 km/h drin gewesen sein.
Besonderer Beliebtheit bei Sammlern erfreuen sich die Dormobile-Wohnmobil-Versionen (mit aufstellbarem Dach und kleiner Küchenecke):

und die Umbauten als Eiswagen:

Die Preise liegen zwischen 1.000 und 12.000 €, wenn man ein Exemplar von der Insel holt.
Technische Unterlagen und Bilder einer leckeren Restaurierung findet ihr hier.

Changfeng Rhombus – Ein Typ mit Ecken und Kanten

Leser as schickte mir freundlicherweise einen Link zum Changfeng Rhombus (Eine Anspielung auf die Anordnung der vier Räder.), welcher als Conceptcar „R-6“ vorgestellt wurde:

Da stand doch ganz klar mein heiß geliebter Rialto Pate!
Ok, den Chinesen hatte er zu wenig Platz, so dass sie hinten einfach noch einen zweiten Rialto umgedreht dran laminiert haben, aber auch die Idee ist alt:

Die Geschichte besagt hierzu, dass zur British International Motor Show 1974 nur vierrädrige Fahrzeuge zugelassen waren, Reliant aber unbedingt den Bond Bug zeigen wollte. Das Obige war dann ihre Lösung….
Ich betone ja immer wieder, dass ich die unkonventionellen Lösungsansätze von Reliant überaus schätze!
So ein Changfeng Rhombus würde mich aber auch sehr reizen…..

Sonstige Retro-Modelle – Retrowelle auf japanisch III

Auch Fuji Heavy Industries hatte 1995 mit dem Subaru Vivio Bistro ein Retro-Modell im Angebot:
Subaru Vivio Bistro

Subaru Vivio Bistro Heck
Subaru rechnete mit einem Markt für 3.500 Exemplare ihres so modifizierten Sondermodells. Jedoch stieß der Kleine mit dem großen Chrommaul auf solche Begeisterung, dass innerhalb von nur sieben Monaten 62.000 Vivio Bistro an den Mann/die Frau gebracht werden konnten. Angetrieben wird der Vivio Bistro durch einen 658 ccm-Motor. Dessen Leistung variiert je nach Layout (8V bis DOHC 16V-Turbolader) von 38 kW (53PS) bis 47 kW (64PS) im Bistro SS 4WD. Bei einem Leergewicht zwischen 650 kg und 700 kg eine unscheinbare Krawallbüchse. In Japan bekommt man sie mittlerweile sehr billig. Ab ca. 1.000 € gibts schon eine breite Auswahl. Da sie jedoch nie so einen Kultstatus wie der Nissan Pao oder Figaro erlangten, fanden kaum Exemplare ihren Weg raus aus Japan, so dass man selbst in England sich auf eine lange Suche einstellen muss.

Sollten euch Pao und Co. zu popelig sein und ihr eher nach Exklusivität streben, so gibt es mit der K.K. Mitsuoka Jidōsh einen Hersteller, der sich ausschließlich auf schwülstige Boutique-Autos im Stil britischer Autos der 50-60er spezialisiert hat.
Im Portfolio finden sich solche Perlen wie der Mitsuoka Galue I-III:

oder der Mitsuoka Viewt:

Perlen!
Die Basis bilden hierbei immer verschiedene Nissan- bzw. Toyota-Modelle, welche nur kosmetisch verändert werden. Das lässt die Chance einer Zulassung in Deutschland zumindest möglich erscheinen.
James May, unangefochtener Experte für schwülstigen britischen Pomp, hat den Galue auch schon mal getestet:
http://www.youtube.com/watch?v=qvI3JHoKZOo
Verkauft werden die Mitsuoka-Fahrzeuge nur in Japan und den USA, jedoch finden sich auch in England einige Grau-Importe, die mittlerweile für 3-8.000€ (Mitsuoka Viewt) den Besitzer wechseln.

Nissan Retro-Modelle – Retrowelle auf japanisch II

Wem von euch die Toyota-Retromodelle zu teuer sind, für den findet sich vielleicht was bei Nissan.
Schon Ende der 80er/Anfang der 90er-Jahre erkannte man dort nämlich den Retro-Trend und präsentierte auf der ’87er Tokio Motorshow den Nissan Pao:

Designmäßig sollte der Pao sich an Gutbrod Superior, Citroën 2CV und Austin Mini anlehnen.
Hierzu wurden u.a. außen liegende Scharniere, horizontal nach oben klappende Fenster und eine horizontal geteilte Heckklappe in das Design integriert:
Nissan Pao Heckansicht
Der Pao war wahlweise mit einem großen Stoff-Faltdach erhältlich. Auch ein Automatikgetriebe stand zur Auswahl. Als Farben gab es Terracotta, Elfenbein (eher ein Goldton), Olivgrau und Wasserblau.
Angetrieben wird der Pao durch einen Motor mit 988 cm³ und 52 PS (38 kW).
Bis 1991 produzierte Nissan 10.000 Stück, wovon einige auch als Grauimporte den Weg nach England fanden.
Technisch basiert der Pao auf dem Micra (K10), was die Teileversorgung zumindest bei der Mechanik erträglich gestaltet und eine Zulassung in Deutschland auch wesentlich vereinfachen sollte.
Meiner Recherche nach sollten sich auf der Insel gute Exemplare für rund 6-7.000 Euro finden lassen.

Angestachelt durch den Erfolg des Paos und anderer Retromodelle legte Nissan 1989 nach und präsentierte den Figaro:
Nissan Figaro Front
Als Antrieb dient diesmal ein Turbogeladener Vierzylinder mit 987 cm³, welcher 76 PS (56 kW) ausspuckt. Das Design soll eine Reminiszenz an den Datsun Sports/Fairlady sein.
Nissan Figaro Back
Der Figaro basiert ebenso wie der Pao auf dem Micra (K10). Als besonderes Feature wartet der Figaro mit einem großen Faltdach auf, dass sich elektrisch in den hinten angeschlagenen Kofferraum zusammenfalten lässt:
Nissan Figaro open
Auch im Innenraum versuchte Nissan klassische Elemente zu verbauen:
Nissan Figaro interior
Angelehnt an die Jahreszeiten standen nur vier Farben zur Auswahl: ein Minzgrün namens Emerald Green, das pastellblaue Pale Aqua für den Sommer, Topaz Mist für den Herbst und Lapis Grey für den Winter.
Bis zur Produktionseinstellung 1991 wurden 20.000 Exemplare hergestellt, von denen recht viele den Weg nach England und sogar Deutschland fanden. Da der Figaro jedoch offiziell nur für den japanischen Markt produziert wurde, sind alle Fahrzeuge Rechtslenker.

Damit auch der Heimwerker nicht auf sein Retro-Mobil verzichten muss, präsentierte Nissan zeitgleich mit dem Figaro den S-Cargo:


Die Designvorlage bildete hierbei die Kasten-Version der Ente.
Auch beim S-Cargo bildet der Micra die technische Basis. Zwischen 1989 und 1992 wurden von der Pike Factory für Nissan ca. 12.000 Stück produziert.
Aufgrund seiner eigentümlichen Form wurde der S-Cargo häufig als Werbeträger eingesetzt und fand so seinen Weg auch nach England. Ein einzelnes Exemplar habe ich auch schon in Deutschland gesehen.