Der Blaue

Im Zuge der Aufarbeitung unserer automobilen Historie bin ich auch über den „Blauen“ gestolpert.
Nachdem mein Vater dem recht heftig (unverschuldet) verunfallten Grünen nahezu unverletzt entstiegen war, stand sofort der Entschluss fest, sich wieder einen Volvo zuzulegen.
Der Blaue war ebenfalls ein Volvo 244 DL. Jedoch Baujahr 1981. Gekauft haben ihn meine Eltern im September 1985 für 13 000 DM.
Allerdings wartete er mit einigen Besonderheiten gegenüber seinem Vorgänger auf.
Wir kauften ihn von einem in Deutschland stationierten GI. Daher war es ein US-Modell, erkennbar u.a. an den Doppel-Scheinwerfern:
1987 Innvik-Norwegen 86
Das Foto entstand 1987 auf einem Pass auf dem Weg nach Innvik/Norwegen. Im Sommerurlaub versteht sich!
Damals gab es halt noch Schnee.
Eine Besonderheit, die meine Eltern vor ungeahnte Probleme stellen sollte, war ebenfalls seiner intendierten Herkunft geschuldet:
Er hatte schon einen Katalysator und bedurfte daher unverbleiten Benzins. Anfang der 80er-Jahre gab es im gesamten Kreis Lippe lediglich drei (Ich wiederhole: DREI) Tankstellen, die auch unverbleites Benzin verkauften. Da wurden Einkäufe und Verwandtenbesuche nach dem Füllstand des Tanks bemessen und Routen sorgfältig geplant. Wir hatten einen 20l-Kanister in der Garage stehen und tankten immer voll, wenn wir an einer Tanke vorbei kamen, die unverbleiten Sprit verkaufte, auch wenn es nur 10l waren.
Mein Vater berichtet, dass wir mit dem Blauen anfangs keine AU machen mussten, weil keine Werkstatt passende Testgeräte besaß und das wir aufgrund einer Sonderregelung, welche Kat-Fahrzeuge fördern sollte, für fünf Jahre keine Steuern zahlen mussten.
Leider hat sein Vorbesitzer den Blauen nie gewartet, so dass der Motor viel Ölkohle angesetzt hatte und selbst Vadderns großzügige Ölwechsel hielten ihn nur bis März 1992 am Leben, er wurde nur 138 000 km alt. Dann verendete der Motor in den Kassler Bergen, den Kofferraum voller Mosel-Wein.
Hier noch ein Bild von schräg hinten auf 1400m Höhe:
1987 Innvik-Norwegen 87
Man beachte auch unseren dezenten Eigenbau-Dachkoffer.
Der Koffer alleine dürfte weit jenseits der zulässigen Dachlast gelegen haben.
Mit Ladung dürfte er dann auch jegliche Toleranzwerte hinter sich gelassen haben, war er doch u.a. auch Transportbehältnis für unseren schon damals historischen „Archimedes„:
1985 Herbst Hvidbjerg-Dänemark 74
Vaddern rüstete den Volvo mit einem manuellen Niveau-Lift-System aus (Monroe Ride-Leveler). Es waren einfache Gummibälge in den Federn, welche man mit einem Ventil an der nächsten Tanke aufpumpen konnte. So stand er selbst vollbeladen schön gerade da.

An dieser Stelle sei noch kritisch angemerkt, dass auch den Archimedes ein ähnlich grausiges Schicksal ereignete, wie unsere treue Urban

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.