L5e-A

Die ältlichen Nerds unter euch werden im Titel 1337 5P34K vermuten, jedoch handelt es sich um eine besonders schöne Variante der Verordnung (EU) Nr. 168/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Januar 2013 über die Genehmigung und Marktüberwachung von zwei- oder dreirädrigen und vierrädrigen Fahrzeugen.

Mit dieser Regelung wurden europaweit die Fahrzeugklassen weiter vereinheitlicht und feiner aufgegliedert. In der Klasse „L“ finden sich „Leichtfahrzeuge “ aller Arten. Von Trailmotorrädern (L3e-A1T) bis zu schweren Geländequads (L7e-B). Für uns interessant ist jedoch die Klasse L5e, welche dreirädrige Kraftfahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 45 km/h und mehr als 50 ccm betrifft. Innerhalb der Klasse L5e wird nochmals unterschieden nach Fahrzeugen zur Personenbeförderung (L5e-A) und solchen zur Güterbeförderung (L5e-B).
Grundsätzlich muss ein L5e drei symmetrisch angeordnete Räder haben, kürzer als 4m, schmaler als 2m sowie niedriger als 2,5m sein und eine fahrbereite Masse von unter 1000 kg haben (und kein L2e sein); für ein L5e-A darf es dazu noch nicht mehr als fünf Sitzplätze haben.
Erfüllt ein Fahrzeug all diese Kriterien gelten folgende Sonderregelungen:

  • Entfall des vorderen Kennzeichens: §12 Abs.5 Satz 4 FZV
  • Entfall der AU (wenn EZ. vor dem 01.01.1989); Bei EZ nach dem 01.01.1989 ist die AUK mit einem Wert von 4,5 % CO nötig: § 29 StVZO Anlage VIII, Absatz 1 bis 4, 7, 9, 11 und 13, Unterpunkt 1.2.1.2ff.
  • Bei der HU fallen nur die Gebühren für ein Motorrad an
  • Freie Fahrt in Umweltzonen (siehe früherer Artikel)
  • keine Helmpflicht (sofern Gurte vorhanden sind); § 21a Abs. 2 StVO

Daneben gibt es noch weitere „weiche“ Kriterien, wie z.B. eine ggf. günstigere Versicherung. Bei OCC kostet der JZR (L5e-A) knapp die Hälfte des Rialtos (PKW).

Ausschlaggebend für die (nicht ganz einfache) Umklassifizierung des JZRs war jedoch für mich der Entfall des vorderen Kennzeichens. Dessen Platz brauche ich nämlich dringend für einen Umbau. Aber das dauert noch. Mindestens bis zum Saisonende.

Steinchen für Steinchen VI

Am Genesungswerk geht es mit riesen Schritten voran!
Wie im letzten Artikel beschrieben, habe ich die U-Schalen für den Ringanker (eigentlich eine Kombination aus Ringanker und Ringbalken) auf die Porotonsteine geklebt und die laut Statik nötigen Körbe geflochten:

Die Eisen zu binden war wieder eine schön meditative Aufgabe. Da habe ich mittlerweile ausreichend Erfahrung gesammelt. Einzige Herausforderung waren die Ecken. Für eine kraftschlüssige Verbindung sind da jeweils sechs Eisen nötig. Je Ebene (unten & oben) immer „außen – außen, innen – außen und außen – innen“:

Für die Anbindung einer Trennwand reichen vier Eisen, die (sich jeweils kreuzend) „außen – außen“ verbinden.
Aber auch da gibt es schöne Erklärvideos (notfalls mit Untertiteln):

Problematisch war hingegen die Frage, wie ich in den recht langen Schrägen des Ringankers ein runterrutschen des feuchten Betons verhindern könnte.
Wen fragt man da am besten nach Rat? Richtig! Die Eidgenossen! Wenn jemand weiß, wie man in schiefer Ebene betoniert, dann die Schweizer!
Freundlicherweise hat die „Technik und Forschung im Betonbau AG“ alle Ausgaben ihres „Cementbulletins“ seit 1933 (!!) digitalisiert und mit einem extra Index kostenlos ins Internet gestellt (ganz nach unten scrollen).
Da gibt es kaum ein Thema, dass die nicht mit konkreten Anwederhinweisen im Laufe der Jahre behandelt hätten. Gerade die historischen Ausgaben kommen noch ohne teure Spezialtechnik aus. Das lässt sich alles gut mit heimischen Mittel nachahmen. Wer also irgendwas unorthodoxes mit Beton vor hat, dem lege ich den Cementbulletin wärmstens ans Herz!
Für mich interessant war (u.a.) die Ausgabe 09/1968 „Betonieren geneigter Bauteile“.
Am Ende wurde es eine Kombination aus verschiedenen Techniken, unterstützt von kleinen Streckmetall-Barrieren, welche alle ~90 cm dem frischen Beton zusätzlichen Halt gaben:

An den Auflagern der späteren Stahlträger markierte ich noch den Verlauf der Bewehrungsbügel:

Die muss ich bei der späteren Verankerung ja nicht zwingend treffen.
Für das Betonieren selbst trommelte ich alle verfügbaren Helfer samt (nostalgischer) Technik zusammen.
Insbesondere Martin und sein Betonmischer „13. August“ waren eine große Hilfe:

Nun war also der große Tag gekommen und meine gütigen Helfer sowie versklavte Familienmitglieder schritten zur Tat:

Innerhalb von fünf Stunden verarbeiteten wir 4,2t Trockenbeton und füllten den gesamten Ringbalken ohne Unterbrechung:

Es lief wirklich wie am Schnürchen. Jeder hängte sich rein und malochte bis zur Erschöpfung, während die beste Ehefrau von Alle und Schwiegermutter dafür sorgten, dass jeder was zu beißen und zu trinken hatte.
Vielen, vielen Dank!! Ich bin wirklich gerührt. Ohne euch wäre das nicht möglich gewesen!