Archiv der Kategorie: Bond Bug

Kupferwurm X – Die Ölsardine

Nach der Beschriftungsorgie konnte ich endlich den alten Kabelbaum rausreißen.
Das erwies sich als eine der schmierigsten Arbeiten, die ich je erledigt habe.
Auf dem folgenden Bild sieht man in der Mitte den Heckkabelbaum
verschmierter Kabelbaum Heck
Direkt daneben drehen sich die Kreuzgelenke der Kardanwelle. 40 Jahre Abschmierfett mit Sand und sonstigem Schmock konnte ich mit dem Spachtel abkratzen.
Die Raue GFK-Oberfläche erwies sich dabei als nicht sonderlich hilfreich. Kaum hatte man etwas vermeintlich sauber geputzt zog sich wieder ein schmieriger Film drüber.
Auch in der Gegend, an der der Kabelbaum über das Getriebe kreuzt, lauerte eine gleichmäßige Schmierschicht:
Ölschmier am Getriebe
Alles schön in Öl gepökelt.
Ein paar Kabel musste ich auch abkneifen, wie z.B. diesen Massekontakt:
Masseschraube am Getriebe
Die Schraube ließ sich nicht weit genug raus drehen, um sie entnehmen zu können. Ich hätte dafür das Getriebe absenken müssen. Das war es mir dann doch nicht wert. Bleibt als Dekoelement erhalten.
Da die Karosserie des Bond Bugs nur aus zwei Teilen besteht, gibt es auch nur eine Trennstelle im Kabelbaum. Um ihn dort zu öffnen, musste ich erst mal winzige Schnipsel klebrigen Isolierklebebands abwickeln:
klebriges Isolierband
Wie ich das Zeug hasse! Insbesondere unter Wärmeeinfluss verwandelt sich das Band in eine schmierige Masse, die kaum noch aneinander aber dafür an allem Anderen klebt.
Der Schlauch mit dem kleinen runden Trichter in der Mitte ist der Wasserschlauch der manuellen Scheibenwaschanlage. Der kleine runde Trichter ist ein Rückschlagventil, damit nicht immer die ganze Leitung leer läuft und man eine Sehnenscheidenentzündung im Daumen vom pumpen bekommt.
Voller Entzückung entdeckte ich diese verrödelte Leitung:
Tüddelkabel zum Canopy
So ein Scheibenwischermotor zieht ja nicht so viel. Da lohnt crimpen oder löten nicht. Außerdem kann man dann den Kabelbaum ja auch nicht mehr trennen! Was beschwere ich mich eigentlich?
Auch ein Teil der Peripherie musste weichen. Zum Beispiel der Verteiler:
Verteiler ausgebaut
Nachdem ich einen Lappen in sauberem Öl getränkt und in die Öffnung Motors für den Verteiler gestopft hatte, hab ich auch hier mal gründlich durchgefeudelt.
Von dem klumpigen Schmodder wollte ich lieber nix in den Verteilerantrieb bröseln lassen.
Die Zündspule musste ebenfalls ihr trautes Heim verlassen:
Zündspule ausgebaut
Glücklicherweise liebt Vaddern solche Putzaufgaben, so dass ich ihn gut beschäftigt halten konnte.
Nach und nach habe ich dann den Kabelbaum zur Mitte hin zurück gefädelt:
hängendes Gedärm
Nach getaner Arbeit dankte ich dem Schraubergott für PR88:
Schmuddelkrams 2
Ein echtes Wundermittel, dass ich nur wärmstens empfehlen kann!
Hätte ich damit vor der Arbeit auch mal mein Gesicht samt Hals eingerieben….
Vaddern und ich haben anschließend draußen den Kabelbaum grob geputzt und ihn so auf eine große Pappe geklebt, wie er im Fahrzeug eingebaut war:
aufgeklebt
Links ist vorne (oben links ist z.b. das rechte Vorderlicht), in der Mitte erkennt man das Gewußt des Armaturenträgers und hinten die Rücklichter.
Die Pappe kam dann als Anschauungsobjekt neben dem Bug an die Wand:
aufgehangen
Nächster Schritt: Fehlersuche…

Kupferwurm IX – altes Gedärm

Nachdem klar war, dass das Grundkonzept funktionieren würde, konnte ich an die Vorbereitung des Ausbaus des alten Kabelbaums gehen.
Bevor wir uns ins Getümmel stürzen, noch schnell ein Bild vom Transport des Bugs:
Bug auf dem Absenker
Der lokale Hängerhökerer hatte leider nur noch einen „Absenker“ mit geschlossener Ladefläche und Rampe. Auch wenn die Verladung so sehr komfortabel war, fand ich die 90 € für einen halben Tag Miete doch sehr happig.
Dammte Monopolstellung bei uns auf dem Land.
Beim nächsten Mal fahre ich dann lieber 30 km zum übernächsten Hökerer.
Egal. Kommen wir zur Vorbereitung.
Um später wenigstens noch die vage Chance zu haben, nachvollziehen zu können, welches Kabel wo hin geht, hab ich alleine zwei Tage damit verbracht, jeden Kontakt zu beschriften und einen passenden Index anzulegen:
beschriftete Kontakte
Der Anfang war easy. Am Ende standen über 140 Posten auf der Liste.
Hier übrigens mal ein Blick in den linken Teil des Kofferraums:
Minikabelbaum im Kofferraum
Die dünne Strippe links ist der Originalkabelbaum, welcher zum Heck des Bugs führt.
Nach dem Umbau ist er ca. 10 mal so dick. An seiner Stellen verläuft dann der Hauptkabelstrang des ganzen Wagens.
Auch den von mir vor langer Zeit optimieren Sicherungskasten musste ich akribisch mit Labeln versehen:
alter Sicherungskasten
Das war aber noch einfach im Vergleich zum Blick hinter den Tacho:
Blick hinter den Tacho
Da lauerte das Grauen.
Im original Layout spielt sich hier beim Bug alles Elektrische ab. Hier finden sich Knotenpunkte, Abzweige und dicke Hauptstromkabel, wird beleuchtet sowie geschaltet.
Ein ganz schöner Fummelkrams, da alles zu beschriften:
Tacho ausgebaut
Nachdem das geschafft war, ging es nicht minder gedrängt hinter den Bedienelementen weiter:
Bedienpanel
Das Zugangsloch hatte ich dort rein gesägt, als ich die Warnblinkanlage nachgerüstet habe. Das erleichterte die Arbeit sehr!
Zum Glück hatte ich damals schon die einzelnen Kippschalter beschriftet. Ansonsten hätte ich ehrlich gesagt raten müssen, welcher Schalter was steuert. Es ist einfach zu lange her, dass ich den Bug gefahren bin.
Hier das übersichtliche Gesamtbild:
Schlangengrube
Selbsterklärend. Quasi….
Ab diesem Zeitpunkt war ich mir eigentlich sicher, ihn nicht wieder zusammen zu bekommen. Egal in welcher Konfiguration….
Also Mut geschöpft („Kaputt is schon mal. Muss also nur noch heile!“) und an den Ausbau gemacht.

Kupferwurm VIII – Die Zentralelektrik

Genug des Vorspiels! Kommen wir zum Eingemachten der letzten Wochen: Zum Elektrikumbau des Bond Bugs
Auf dem folgenden Bild sieht man schon einen Teil der eingekauften Teile:
Zentralelektrik Einzelteile
Wie schon vor langer Zeit propagandiert, habe ich den Bug auf eine „moderne“ Zentralelektrik umgerüstet.
Die Teile hierzu lieferte das von Autoteile-Plauen angebotene Modulsystem:

ATP entwickelte sich in der Vorbereitung mehr und mehr zum Haus-und-Hoflieferanten für den Umbau, so dass mir freundlicherweise bei den Jungs ein ansehnlicher Rabatt für meine Bestellungen gewährt wurde. Vielen Dank an dieser Stelle!
Als erste Amtshandlung habe ich geschaut, ob mein bisher rein theoretischer Plan der Unterbringung neben der Batterie im Kofferraum auch umsetzbar war:
Pappdummy
Das Modulsystem erwies sich dabei als Lego-Baukasten für große Jungs: Hier was stecken, da was klicken, dort was einrasten. Herrlich!
Wie auf dem Bild zu sehen ist, liegt das System bei mir auf dem Rücken. Anders wäre es einfach zu hoch geworden. Auch musste ich die Stromschienen auf zwei Stück reduzieren, damit noch ausreichend Platz für den Kabelstrang blieb.
Für die normalen Schaltvorgänge bis 30A verwende ich Mikro-Relais. Lediglich das Relais, welches Zündungsplus (Klemme 15) liefert, ist ein Hochlastrelais. Das Riesenrelais am oberen Bildrand ist übrigens das lastunabhängige Blinkrelais von Tante Louis.
Mal sehen, wie das in Verbindung mit der Kontrolleuchte und meinem Summer funktioniert.
Nachdem klar war, dass der Platz grundsätzlich ausreicht, habe ich mich mal um die Höhe gekümmert:
Deckel aufgelegt
Wie schon im theoretischen Teil festgestellt, kam ich nicht umhin eine kleine Stufe in die Abdeckklappe zu integrieren.
Also fröhlich geschnippelt und gebastelt:
Pappschablone Stellprobe
Auch der Deckel wurde in schönster Kindergartenarbeit angepasst:
Schablone Deckel
Natürlich beginnt die Stufe beim finalen Deckel erste da, wo sie auch wirklich gebraucht wird. Sie schließt dann nahezu bündig mit der Rundung des Radhauses ab.
Meine ursprünglichen Überlegungen gingen ja dahin, die Kiste aus GFK selbst zu formen. Mittels einer kurzen kritischen Abwägung meiner Fähigkeiten und der aufwartenden Probleme überzeugte Vaddern mich davon, die Kiste aus Sperrholz zu bauen.
Einige Laubsägenarbeit später waren die Einzelteile fertig:
Zentralelektrik Einzelteile
Allerdings muss dazu gesagt werden, dass es schon eine Herausforderung war, die Kiste zu bauen, da der Bug keinen einzigen rechten Winkel besitzt. Der in Handarbeit gebaute Bond Bug ist krum und schief. Rechte Winkel waren bei Reliant wohl aus, als sie die Form gebastelt haben. Das Resultat ist, dass die Kiste nun links und rechts unterschiedlich hoch ist. Sieht auf der Werkbank unmöglich aus. Im Bug fügt es sich harmonisch ein…
Ohne Vadderns Hilfe wäre ich jedoch (wie sehr oft bei diesem Projekt) verzweifelt.
„Jedes Kind sollte einen Vater haben.“ wie meine Mutter immer zu sagen pflegte.
Zwischen Relaishalter und Deckel sind es nun (je nach Messpunkt s.o.) knapp 10mm Abstand:
Zentralelektrik Stellprobe
Hier mal in der Draufsicht:
Zentralelektrik Draufsicht
Der Kabelstrang kommt später von unten rechts in die Box, knickt nach links ab und geht, je nach Zuständigkeit, in die Zentralelektrik oder auf die Stromschienen.
Natürlich wurden die Ecken noch verstärkt und das ganze erst schwarz lackiert und dann nochmal mit Klarlack überzogen. Soll ja schließlich schick aussehen und auch einigermaßen wasserdicht/-beständig sein.
In dem Raum hinter dem Tacho habe ich auch eine Stromschiene installiert:
Verteiler hinterm Armaturenbrett
Dort sind hauptsächlich Massekontakte zusammengefasst. Es ist gut zu erkennen, dass die Schiene einen schönen Buckel macht. Wie gesagt: Kein rechter Winkel….

Bond Bug Ferien

Ich habe meinen Jahresresturlaub genommen, Frau und Hof im Stich gelassen und bin zu Vaddern in die heimische Werkstatt zurück gekehrt.
14-Tage-Bond Bug-Intensivprogramm steht auf der ärztlichen Verordnung.
Die malade Elektrik samt Umbau steht dabei ganz oben.
Auch der fragile Temperaturhaushalt sowie der Achsschenkel am A-Frame und Korrosionsschutz sind auf der Liste.
Es gibt also viel zu tun!
Daher wurde selbst der Besten nur ein enges Besuchsfenster zugestanden, um möglichst weit bei den Arbeiten zu kommen.
Für die geschätzte Leserschaft bedeutet dies aber auch erst mal Funkstille. Sorry.

Damit ihr aber nicht trübsinnig eure Tage bestreiten müsst, hab ich etwas Ersatzdroge im Angebot:
Sandmanns Welt
Toll geschrieben, witzige Themen und Automobile Perlen (Audi V8, VW K70, etc.).
Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen und freue mich drauf, euch in 14 Tagen hier wieder zu sehen!

Backe, backe, Formenbau

Neben der Bastelei an der Gorilla habe ich ein Formenbau-Experiment für den Bond Bug-Kofferraum durchgeführt.
Um die Kiste für die Zentralelektrik maßschneidern zu können muss ich irgendwie großflächig die Form des Kofferraums abnehmen.
Klassischerweise macht man das auch mittels GFK, wobei man erst ein Positiv der Form und dann hiervon wiederum ein Negativ anfertigt in dem anschließend der fertige Gegenstand gestaltet wird.
Das hierzu benötigte Material ist ein anständiger Kostenfaktor, welchen ich gerne minimieren würde.
Also ein wenig experimentiert.
Mein erster Versuch basiert auf selbst hergestellter Knetmasse (á la Fimo).
Ein Rezept findet sich z.B. hier.
Um zu testen, wie „formentreu“ das spätere Ergebnis ist, habe ich ein paar Gegenstände in die Form gepackt und das Ganze mit Frischhaltefolie zugedeckt:
Form mit Gegenständen
Anschließend kam satt der Teig drauf (welcher sich wirklich wie Knete formen ließ):
Form gefüllt
Ich habe ihn recht dick verteilt, da ich ja später auch vertikale Formen abnehmen müsste und testen wollte, wie homogen das Zeug aushärtet.
14 Tage später sah die Oberfläche so aus:
Oberfläche ausgehärtet
Die Ränder waren zwar ausgehärtet, aber die Mitte war noch immer labberig.
Ich habe dann mal die Folie hochgezogen:
Immernoch schmierig
Da is nix ausgehärtet. War also ein Fehlschlag.
Kein Problem. Aus den restlichen Zutaten gibts Pizzaboden.
Mal sehen, womit ich als nächstes experimentiere.
Entweder Gips (mit Mullbinden verstärkt) oder ich versuche mich mal an „Kaltporzelan„.
Letzteres würde mich reizen, da man damit auch sehr filigrane Formen herstellen kann und es sich so auch für zukünftige andere Anwendungen eigenen würde.