Ok, die 60 PV-Platten mit ihren 29,5 kwP lagen nun auf dem Genesungswerk. Aber irgendwie muss der Strom da ja auch runter kommen.
Die Strings auf dem Dach haben am Ende jeweils einen weiblichen (im Bild links) und einen männlichen (im Bild rechts) MC4-Stecker (vulgo „Stäubli-Stecker„):

Achtung! Auch wenn man den rechten Stecker auf den ersten Blick für einen weiblichen Stecker halten könnte, ist das ein männlicher! Es kommt nämlich auf den Pin im inneren an:


Musste ich auch erst lernen.
Üblicherweise muss man diese Stecker mit einer besonderen Zange crimpen. Für ungeübte nicht ganz trivial.
Da sollte man sich ruhig 5-6 Stecker extra bestellen und erst mal an einem Restkabel üben.
Zumal nach einer Untersuchung des Frauenhofer-Institutes der Großteil aller PV-Brände auf mangelhafte Elektroinstallationen zurückzuführen ist und hier insbesondere die Steckverbindungen auffällig waren.
Eine Fehlerquelle, die ich gerne vermeiden wollte.
Daher griff ich zu den (verhältnismäßig) neuen Weidmüller „PV-Sticks“:
Die funktionieren nach dem Federklemmenprinzip, dass wir schon seit Jahren von den Wago-Klemmen kennen.
Die Federklemmen haben den Vorteil, dass Temperaturschwankungen durch die Federkraft ausgeglichen werden und so immer ein gleichmäßiger Kontakt besteht.
Um auch bei der Verkabelung auf Nummer sicher zu gehen, wählte ich statt der rechnerisch ausreichenden 4mm²-PV-Kabel die dickere 6mm² Variante.
Da braucht man dann aber eine ordentliche Zange, um die Kabelenden abzuisolieren:

Auf den Steckern gibt es extra ein Piktogramm, wie weit man die Kabel abisolieren soll (15-16mm):

Auch an die passende Länge tastet man sich am besten mit einem Reststück Kabel heran.
Danach das Kabel leicht verdrillen und in den PV-Stick einführen.
Da ist ordentlich Kraft nötig, bis die Federklemme im Inneren auslöst. Für den besseren Gripp habe ich die Überwurfmutter, die später den Mantel klemmt, 2-3 Umdrehungen aufgedreht. So hat man mehr Stecker in der Hand.
Das versprochene „Klick“-Geräusch beim auslösen der Federklemme ist bei den 6mm²-Kabeln jedoch schwer zu hören. Das lässt einen etwas verunsichert zurück. Ggf. ist das aber bei den dünneren 4mm²-Kabeln besser zu hören.
Anschließend nochmal kräftig am Kabel ziehen und dann die Überwurfmutter aufdrehen. Fertig.
Die Kabel der Strings laufen dann am Rand des PV-Feldes nach unten und dort gebündelt in ein UV-beständiges Wellrohr, dass an dem „Tisch“ einer der Industriefalzklemmen befestigt ist:

„Eigentlich“ sollte durch die Verlegung innerhalb des Modulrahmens keine Feuchtigkeit an die Kabel gelangen. Sollten dennoch Tropfen am Kabel herabrollen, fungiert der (UV-beständige) Kabelbinder kurz vor dem Wellrohr als Abtropfstelle.
Das Wellrohr überbrückt dann die 70 cm zur Traufkante des Daches:

Dort verschwindet es unter dem Schwallblech und führt die Kabel, vor den scharfen Metallkanten des Sandwichpaneels geschützt, um selbiges herum.

Auf der Unterseite mündet das Wellrohr in einen Kabelkanal, welcher mit der Dachschräge wieder ansteigt, um dann in einen Anschlusskasten zu münden:

In dem Anschlusskasten sitzen zwei PV-Lasttrennschalter, mit denen sich String 1 (unten) und String 2 (Mitte) bzw. String 3 (oben) komplett trennen lassen:

Im Wartungs- oder Brandfall lässt sich so die Anlage selbst unter Volllast vom Wohnhaus trennen, ohne dass es einen Funkenschlag gibt.
Für die Feuerwehr kommen da noch entsprechende Aufkleber drauf. Auch an den Schaltschrank kommt ein Hinweis.
So verklemmt konnte ich den Duspol schwingen:

Es sind gleichmäßig 750V je String. Das lässt genügend Luft für die maximal zulässigen 1000V je String des Wechselrichters (Fronius Verto 25.0 Plus).
Wie der Strom vom Anschlusskasten ins Haus kommt, berichte ich euch später.



















