Platz an der Sonne I

Wir alle wissen, dass mit „eigentlich“ immer eine Lüge beginnt.
„Eigentlich dürften da keine Eisberge kommen, Kapitän.“
„Eigentlich war Hitler Kommunist.“
„Eigentlich war ich dir immer treu.“

So auch bei uns.
Eigentlich standen für dieses Frühjahr die geplanten Pflasterarbeiten rings um das Genesungswerk an. Die waren schon so lange geplant, dass mittlerweile zwischen den Pflastersteinen ein Rudel kleiner Wölfe überwinterte:

Pflastersteine warten

Geplant. Eigentlich.

Dann aber überlegte Frau Reiche laut, dass das mit den erneuerbaren Energien eine überdenkenswerte Idee sei. Also spontan alles über den Haufen geworfen und die PV-Anlage für das Genesungswerk vorgezogen.
Wir erinnern uns, dass die PV-Anlage dort von Anfang an vorgesehen war und ich dafür extra besondere Sandwichplatten als Dacheindeckung verbaut hatte.

Die sind auch direkt der Startpunkt.

Die Firma SL-Rack bietet für die Roma-RD-Sandwichplatten spezielle Träger („Industriefalzklemme 2.0„) an.
Da auch schon mein erster Tipp:
Solltet ihr das nachmachen wollen, wendet euch unbedingt mit eurem Projekt an den Support von SL-Rack bzw. nutzt deren Online-Planungstool!
Die Leute dort sind super hilfsbereit! Ich habe von dort kostenfrei eine komplette Statik samt Stücklisten und Verlegeplänen für mein Dach und meine Module bekommen!
Das war eine riesen Hilfe!
Und bei 3,80€ pro Industriefalzklemme konnte ich eigentlich noch nicht mal über den Preis meckern.
Eigentlich.
Denn die Qualität der Klemmen ist noch deutlich ausbaufähig. Aber dazu später mehr.

Bei den Modulen verließ ich mich auf die Empfehlung eines Bekannten und entschied mich für Module der Firma Trinasolar.
Genauer Trinasolar TSM-495NEG18RC.27:

Typenschild Module

Die Module im Industrieformat (wichtig für den Abstand der Falzklemmen) 1961 x 1134 x 30 mm haben 495 Wp bei einer verhältnismäßig niedrigen Spannung von 33,1-39,8 V.
Auch hier war der Preis mit 62 €/Stück attraktiv.
Also 60 Stück geordert.
Die Lieferung war gewohnt abenteuerlich:

Module abladen

Aber nichts, was sich nicht mit zwei Hubwagen, verschiedenen Unterleghölzern und einer Person als Kontergewicht lösen ließ.
In der Garage gelandet:

PV-Module in der Garage

So konnte ich auch erstmals die Kombination Industriefalzklemme, Endklemme und PV-Paneel in Echtzeit testen:

PV-Klemmen

Sieht schon mal gut aus.
Also den Aufbau auf dem Dach vorbereiten.
Da das Genesungswerk in den Hang hineingebaut ist, ist an der äußeren Ecke, die Traufkante lediglich 2m über dem Boden. Eine ägyptische Rampe wie bei den Sandwichplatten konnte ich mir für die 25 kg-PV-Modulen sparen.
Es reichte ein Podest und ein Katenschutz am Traufblech, so dass man das abgestellte PV-Modul von oben greifen und auf das Dach heben kann:

Podest

Dank der Vorarbeit von SL-Rack und eines selbst erstellten Verlegeplanes, wusste ich wo die erste Reihe Falzklemmen sitzen musste, damit ich später noch genügend Platz habe:

Falzklemmen ausrichten

Die gespannte Schnur hilft dabei, dass nachher alles schön gleichmäßig aussieht.
Hier nochmals ein Detailbild, wie die Falz- und Endklemmen später die PV-Platten halten:

Aufbau Falzklemme

Die „Industriefalzklemme 2.0“ greift um das Schwalbenschwanzprofil der Roma RD Sandwichplatten und wird durch zwei Klemmschrauben gehalten. Diese Klemmung fixiert auch eine Art „Tisch“, auf dem später der Rahmen des PV-Moduls liegt. Die Endklemme greift in eine Nut in diesem Tisch und wird ebenfalls über eine Schraube verspannt.

Jedoch zeigte sich schon bei der ersten Reihe Falzklemmen, dass das Produkt noch ein Update auf „3.0“ benötigt.
Wer mich kennt, weiß, wie penibel ich arbeite, aber selbst die zärtlichste Verwendung des Drehmomentschlüssels konnte nicht verhindern, dass bei 10 von 150 Klemmen das Alugewinde selbst den von SL Rack vorgeschriebenen 10 Nm nicht standhielt:

Gewinde ausgerissen

Abhilfe schafft dann nur noch Gewinde ausbohren und einen (Edelstahl-)Bolzen samt selbstsichernder Mutter verwenden.
Das an den Industriefalzklemmen über und über Metallspäne klebten, war da das geringere Ärgernis:

Falzklemmen Ausschuss

Das ließ sich mit einem Lappen und einem Nachmittag Putzeinsatz beheben. Aber weder die ausgerissen Gewinde noch die Metallspäne hätten einen Profi vom verbauen abgehalten.

Wie die Platten aufs Dach kommen, behandeln wir dann im nächsten Artikel.

2 Kommentare zu „Platz an der Sonne I“

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