Güde GTB18 VARIO PRO

Schon länger wünschte ich mir von der Besten eine Tischbohrmaschine.
Vaddern und Sie haben dann (nachträglich) zu meinem Geburtstag zusammengelegt und mir eine Güde GTB18 Vario Pro gekauft.
Die Maschine stammt aus der nagelneuen Güde-Serie, nach „Q9 – Dem neue Güde Qualitäts- und Prüfstandard„.
Die technischen Daten, in Verbindung mit der garantierten Rundlaufgenauigkeit (<0,02 mm) und dem Preis gaben den Kaufausschlag.
Sollte schon hier jemand das „Billigkrams-Schreien“ anfangen, so muss ich klarstellen:
Alles, was die Chinesen an der Maschine gemacht haben, ist ok!
Der Murks beginnt erst in Deutschland!

Aber fangen wir auch hier von vorne an.
Wer zu faul zum lesen ist, kann auch mein Video zu der Geschichte gucken:

Für die Fotofreunde geht’s hier los:
Die erste Lieferung kam so bei mir an:
1. Lieferung
Alles schick, alles ordentlich.
Also schnell ausgepackt:
Karton
Der erste Dämpfer fand sich unter dem Standfuß:
abgebrochener Kabelhalter
Einer der zwei Kabelaufwicklern war schon bei der Lieferung abgebrochen (erkennbar am Konservierungsöl auf der Bruchstelle).
In einem der Gewinde für die Drehzahlverstellung war etwas zu viel Farbe. Das lies sich aber mit einem Bolzen beheben:
Gewinde nachschneiden
Das Plastik der Schutzhaube war ebenfalls nicht das klarste:
Verfärbungen im Plastik
Das wäre alles aber kein Rücksendegrund gewesen.
Wesentlich ärgerlicher war jedoch das Problem mit der Drehzahlverstellung.
Die Skala auf dem Stellrad ging von 1 bis 6. Allerdings ließ sich der Drehzahlbereich nur von 1,5:Verstellung nicht maximal möglich 2
bis 4,5
Verstellung nicht maximal möglich 3
verstellen.
Sehr ärgerlich.
Also habe ich eine Mail an den Support geschickt und Gewährleistung geltend gemacht.
Damit begannen die wirklichen Probleme….
Es startete mit Mails die laut Güde in deren Spamordner landeten und daher nicht bearbeitet wurden. Als dann endlich die Rücksendung erfolgt war, erhielt ich einen Anruf vom Support, dass die Drehzahlverstellung nicht defekt, sondern nur die falsche Skala aufgeklebt worden sei.
Die Reparatur bestand dann in einer neuen Skala (Jetzt nur noch von 1-4).
Verursachte zwar ein wenig Stirnrunzeln bei mir, aber ok.
Zu einem Blog-würdigen Ärgerniss wurde die ganze Geschichte dann aber, als die „reparierte“ Maschine wieder bei mir ankam.
So sah der Karton aus:

Lieferung nach Reparatur 2
Die fein säuberlich von mir in ihre Originalverpackungen (Tüten, Kartons, Styroporformen) gesteckten Einzelteile lagen einfach Kreuz und quer im Karton. Und da er so natürlich nicht mehr zu ging, musste Schrumpffolie das Ganze zusammen halten.
Beim reinwerfen trafen wohl nicht alle Teile den Karton, so dass der Austreibdorn für das Bohrfutter, die Bedienungsanleitung, der Zentriersatz für konzentrische Bohrungen, die Schiebehülse für die Schutzhaube, der große Knebel für den Bohrtisch sowie der kleine Inbusschlüssel für die Montage schlicht fehlten.
Das Stellrad für die Bohrspindel wurde wohl durch gebohrt (?!?), wobei eine scharfkantige Metall-Kante übrig geblieben ist und die Skala beschädigt wurde:
kaputte Skala 2
Die Skala selbst wurde allerdings auch nur schief und mit Tesafilm aufgeklebt:
Tesafilm an der Skala
Mit dem Zentrierfuß der Säule hatte anscheinend jemand Fußball gespielt, so vermackelt ist er:
vermackelter Ring 2
Und das Stromkabel, dass die Säule mit dem Motor verbindet wurde mit Isolierklebeband (!) geflickt:
geflicktes Kabel
Was noch auffiel, war der allgegenwärtige Gummiabrieb:
Abrieb
Ich vermute in diesem Zusammenhang, dass bei einem Testlauf die Riemen falsch eingestellt waren und das Kabel durch gescheuert haben. Glücklicherweise habe ich Fotos, die zeigen, dass der Schaden bei mir noch nicht da war.
Am allerärgerlichsten ist jedoch, dass das „Steuerrad“, mit dem man die Spindel hoch und runter fährt, sich einfach ohne Widerstand im Kreis drehen lässt (siehe Video). Ein bohren ist so gänzlich unmöglich und die Maschine nur noch ein teurer Briefbeschwerer!

Ich war ehrlich gesagt so fassungslos, dass ich als allererstes die Seriennummer der Maschine gecheckt hab. Ich konnte nicht glauben, dass dies meine nagelneue Bohrmaschine sein sollte.
Leider stimmt die Nummer aber….

Ist das also „Q9 – Der neue Güde Qualitäts- und Prüfstandard„, der überall so groß beworben wird?
Ich werde diese Frage auch mal an den Güde Support richten.
Ihr werdet die Antwort hören.

7 Gedanken zu „Güde GTB18 VARIO PRO“

  1. Ich musste jetzt gerade noch einmal hochscrollen, um sicherzugehen, dass das kein Aprilscherz ist! Der Defekt bei Erstauslieferung ist ja schon sehr ärgerlich, aber die „Reparatur“ ist ja eine Frechheit.

  2. Man könnte ja vermuten (oder hoffen?), dass die Supportabwicklung an irgendeine Butze outgesourced wurde. Da muss dann irgendeine schnelleingewiesene Person möglichst billig möglichst viele Tickets abarbeiten.

    Ich war ja etliche Jahre leitend im Technischen Kundendienst und nun in der Qualitätssicherung im Schaltschrankbau tätig…was man hier sieht, ist so unglaublich schlecht bzw. unzulässig nachgebessert (beschädigte Netzanschlusskabel mit Isoband reparieren anstatt zu tauschen??! )
    Wäre mal interessant was ein DGUV Prüfer dazu sagt – zick zack Stecker ab 😀

  3. Wirklich unglaublich. Man kann gar nicht glauben, dass es wirklich wahr ist. Was für Stümper waren denn da am Werk.
    ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht.

  4. Hallo,
    bin gerade auf meinen abendlichen Streifzügen durchs Internet auf diesen Artikel gestoßen. Da Kollegen von mir oft gut über Güde gesprochen haben, hat der Artikel meine Aufmerksamkeit erregt.
    Ich hoffe, das Ganze ist für Dich doch noch gut ausgegangen. Genrell scheint mir aber schon der Trend zu sein, dass die Qualität immer mehr in den Hintergrund rückt.
    Liebe Grüße und viel Erfolg weiterhin mit deinen Projekten,
    Stephan

  5. Servus,
    ich habe mir zu Weihnachten eine Güde GTB16 V bestellt. Von einem Kollegen war sie mir empfohlen worden, möglicherweise habe ich aber ein Montagsmodell bekommen (war auch noch Baujahr 2012). Gestern wurde sie vom Service abgeholt, mal sehen wie sich die Austauschmaschine schlägt…
    Die PBD 40 hatte ich auch in Erwägung gezogen. Allerdings hat mir das Handrad überhaupt nicht zugesagt. Da kann man nur einen kurzen Hub bohren ohne um zu greifen. i.d.R habe ich aber die linke Hand am Schraubstock und die Rechte am Drehebel.
    Weiterhin hat bei allen Ausstellungsstücken die Säule bzw das Bohrfutter gewackelt.
    Zur GTB16V
    – Schlechte Verarbeitung, teils riesige Grate, Plastik spannheben sofort gebrochen, Loch in Bohrtisch nicht mittig unter Bohrer…; Dies hatte allerdings auf die Funktion keinen Einfluß
    – sehr unrundes Laufgeräusch -> das wurde auch vom Telefonservice bestätitgt -> mal sehen wie es mit der Austauschmaschine aussieht.
    – Bohrfutter eiert leicht. Im oberen Teil des Bohrfutters stark sichtbar, an der Bohrspitze minimal. Gemessen habe ich die Abweichung nicht. Ich konnte auch in Metall Löcher bohren, aber man hat nicht das Gefühl von höchste Qualität.
    + Drehzahl über variable Riemenscheiben veränderbar. Es muss also kein Riemen umgelegt werden sondern die Drehzahl wird über einen Hebel verstellt. Das habe ich bei der kurzen Nutzung schon zu schätzen gelernt und ich denke ich würde mir jetzt auch keine Maschine mit reinem Riemenantrieb kaufen.
    + Das Bohrergebnis war ok; ich musste in einige Metallwinkel zusätzliche Löcher bohren. Da war es um ein Vielfaches angenehmer dies mit der Ständerbohrmaschine zu tun, als von Hand mit dem Akkuschrauber.
    + Ausladung und Tischgröße sind für die Maschinengröße gut. Tisch kann noch verbreitert werden.
    + MK2 Aufnahme, es können also MK Bohrer direkt eingespannt werden, ein Schnellspannbohrfutter ist natürlich dabei.
    + Güde Service scheint kulant zu sein
    + Preis
    Unterm Strich muss man ganz klar sagen, dass dies keine Profimaschine ist und wer Profiqualität erwartet wird enttäuscht. Das Preis-Leistungverhältnis ist meines Erachtens nach aber wirklich in Ordnung und für mein Anwendungsgebiet:
    80-90% Holz
    10-20% Metall, dann aber auch nicht superpräzision gefragt
    ist bringt mich die Güde auf alle Fälle weiter.

    1. Hallo Limun,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht.
      Die Bosch PBD 40 hatte ich damals auch in der näheren Auswahl. Mich störte allerdings auch das Rad.

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