Wechselintervalle

Da Sir Edward ja die Garage mit der Grube verlassen hatte, konnten wir uns endlich der anstehenden Wartungsaufgaben an unseren anderen Fahrzeugen widmen. Unter anderem wollte Tobias gerne, dass der alte Volvo (unser 740 GL) mal neues Automatik-Öl bekommt und bei der Gelegenheit auch der Filter und die Magneten in der Ölwanne getauscht/gereinigt werden. Er fand das sei nach über 350.000 km mit wahrscheinlich noch dem ersten Öl notwendig. Das Öl selbst zu tauschen ist nicht so schwierig. Die Getriebeölwanne hat dafür eine komfortable Ablassschraube:

Um allerdings an den Filter und die Magneten zu kommen, muss die Ölwanne ab. Damit selbige aber ab kann, muss man das Rohr für den Füllstandsanzeiger an der Seite abschrauben:

Das Rohr selbst ist mit den zwei Schrauben des Anlassers im Motorraum zusätzlich befestigt. Um dort keine Scherereien zu haben, entschlossen wir uns, das Rohr direkt unten an der Wanne abzuschrauben. Vertane Liebesmüh, wie wir nach Stunden feststellen mussten. Aber dazu später mehr.

Sollte man das Rohr direkt an der Wanne abschrauben wollen, sollte man mit viel Bedacht vorgehen!

Die große „Mutter“ zwischen Rohr und Wanne ist nämlich garkeine Mutter, sondern Teil der Wanne! Versucht man das Rohr an ihr abzuschrauben, reißt man mit relativ wenig Pech den ganzen Flansch ab und kann eine neue Wanne besorgen! Dreht man alleine an der kleineren Mutter, kann es passieren, dass diese so fest sitzt, dass man den Flansch der Wanne verdreht und dessen schweißnähte Risse bekommen. Resultat: Neue Ölwanne…

Also Obacht!

Es wird empfohlen die große „Mutter“ gegen ein Verdrehen zu sichern. Leider hat sie irgendwas bei Schlüsselgröße 32, welchen wir natürlich nicht in der Werkstatt haben. Die von mir so geliebte Knipex-Schraubzange konnten wir auch nicht einsetzen, weil nicht genug Platz war um sie anständig festzuhalten bzw. zu verkeilen. Unsere lösung war dann diese Konstruktion:

Das Rohr stützt sich über das Hölzchen an der Getriebetraverse ab, wenn die große „Mutter“ links rum will.

Nach einigen ergebnislosen Versuchen die kleine Mutter dann mittels Schlüssel oder Verlängerung zu lösen griffen wir zum nächst größeren Kaliber:

Als Schlüssel verwendeten wir einen 15/16-Zoll-Schlüssel. Dieser passte absolut bündig auf die kleine Mutter. Der entsprechende DIN-Schlüssel wieß uns zu viel Spiel auf.

Hier nochmal aus anderer Perspektive:

Da wir aber nun zu wenig Hubraum für den Schlüssel auf dem Wagenheber hatten, musste der Volvo „höher“. Wozu hat man sonst ein breites Sortiment an Wagenhebern?:

War schon eine arge Schräglage, die der Volvo erreichen musste, bis alles passte:

Als dann alles in Position war, ging es ans „drehen“ des Schlüssels. Das Ergebnis war, dass der Volvo über den Schlüssel sich vom großen hydraulischen Wagenheber heben wollte!! Als dann auch noch die kleine Mutter erste Spuren des Runddrehens aufwies, war für uns der Zeitpunkt gekommen, die Aktion abzublasen und doch den Anlasser abzubauen, um die Wanne samt Messrohr abzunehmen.

Das war zwar auch eine fiese Fummelarbeit und die Schrauben wehrten sich nach Kräften, aber es ging nach weiteren zwei Stunden.

Als wir dann endlich die Wanne in den Händen hielten, staunten wir nicht schlecht, als wir nur noch einen Magneten vorfanden:

Keine Ahnung, was mit dem Anderen passiert ist. Muss er gefressen haben.

Der Zusammenbau war dann wieder relativ easy. Beim nachfolgenden spülen des Automaten half uns noch eine Gartenschlauchkonstruktion, von der ich irgendwie vergessen habe Fotos zu machen. Leider unterlief uns dabei aber wohl ein Rechenfehler, so dass wir beim finalen Befüllen nachts um 3 zu wenig neues ATF übrig hatten… Klarer Fall von: Schön gedacht, schlecht gemacht.

Nachschub ist aber schon lange bestellt und dürfte auch schon geliefert und eingefüllt sein.

Wir hielten uns bei dieser Aktion ziemlich genau an eine sehr gute englische Anleitung, die Tobias ausgegraben hatte und deren Link er hier sicherlich in die Kommentare packen wird, sobald er den Artikel ließt. Ich finde sie nämlich nicht mehr…

2 Gedanken zu „Wechselintervalle“

  1. Dann will ich mal ans Nachliefern gehen. Aber vorher noch einen herzlichen Dank für die ausführliche Berichterstattung! Das wäre ja wieder nix geworden, wenn man darauf warten müsste, dass ich selber mal dazu komme.
    Vatern konnte sich mittlerweile dunkel entsinne, dass da doch mal was gewechselt worden ist. Das würde auch die Angabe für die letzte Kontrolle in unserem Service-Excelsheet erklären, die ich von den mittlerweile außer Dienst gestellten MS-Publisher-Listen übernommen habe. „275000 km“ war dort als letzte Eintragung vermerkt. War aber vermutlich nur ein Ölwechsel (ca. 3 von 7.5 Liter) und keine Spülung.
    Ob sich wirklich mal zwei Magneten in der Ölwanne befunden haben, kann ich auch nicht mit Sicherheit sagen. Ich habe das mal gelesen, aber Volvo hat ja in den 80er Jahren mehrere verschiedene Automaten verbaut. Neben den frühen Borg-Warner BW55 kamen auch Aisin-Warner AW70 zum Einsatz. Die wurden dann durch die AW71 ersetzt. Daneben gab es noch die AW70L und AW71L. Das „L“ steht dabei für eine verbaute Wandlerüberbrückung (bei uns ab ca. 82 km/h). Schließlich gab es noch die AW72L bei denen es sich um abgewandelte AW71L handelt. Und zu guter Letzt verbaute man auch ZF 4HP22 (zu erkennen an der wählbaren Stufe „3“ in der Schaltkulisse). Unser Getriebe ist ein AW71L.

    Bei der von mir verwendeten Anleitung zum Spülen des Automatikgetriebes handelte es sich um eine von Fredy960_LPG aus dem Technik-Forum von alter-schwede.de.
    Als Ergänzung dazu vielleicht der Hinweis, dass man auf jeden Fall sicherstellen sollte, dass sich vor der ersten Probefahrt genug Öl im Getriebe befindet. Da verschwindet eine ganze Menge drin. Periodisch auftretende knirschende Geräusche (z. B. im Rückwärtsgang) deuten auf akuten Mangel hin. Ebenso plötzliches Zurückschalten (auch aus dem ersten Gang).

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