Der Neuzugang ist ein Wartburg 311.
Genauer wohl ein Wartburg 311/1. Das „/1“ steht für „Luxuslimousine, viertürig“. Jahaha! Auch im realexistierenden Sozialismus gab es Luxus!
Natürlich gibt es keine Papiere mehr für den Wagen und auch eine Fahrgestellnummer konnte ich nicht finden.
Die Geschichte begann, wie bei der Gorilla, mit der Frage eines netten Mitmenschen: „Du machst doch was mit alten Autos, oder?“ und endete mit einer Telefonnummer und einer Adresse.
Ein sehr nettes Telefonat und eine Fahrt ins Magdeburger Umland später, konnte ich mir den Wartburg in Ruhe besehen.
Details wie der abschließbare Kofferraum, sowie insbesondere der Tankdeckel mit Schloss verraten ihn als späteres Modell ab 8. April 1960 (ab FgstNr. 6013671).
Das sich auf den obigen Bildern ankündigende Elend setzt sich leider unter der Motorhaube fort:
Wenigstens dreht der Motor noch.
Der Wagen stammt aus einer ehemaligen LKW-Werkstatt, welche der neue Besitzer momentan beräumt und umbauen will.
Leider war das Dach der Werkstatt Jahre lang undicht, so dass der Wagen immer schön feucht gelagert wurde.
Das Interieur ist, genauso wie das Blech und die Mechanik, ein Fall für eine Kernsanierung:
Ob der Tacho 1 oder 2 mal rund ist, kann natürlich niemand sagen:
Das Bodenblech hat, sofern noch vorhanden, Oblatenstärke:
Auch im Kofferraum findet sich ausreichend Rost:
Der Rahmen, hingegen machte, soweit ich das beurteilen konnte, noch einen soliden Eindruck:
Weitere Bilder findet ihr im zugehörigen Album.
Der Eigentümer meinte, ich solle mir in Ruhe überlegen, ob ich ihn haben möchte. Das hab ich nun eine Woche lang getan.
Dem nüchternen Text könnt ihr meine Entscheidung schon entnehmen.
Der Zustand des 311 übersteigt leider meine Fähigkeiten bei weitem. Auch meine Lagerkapazitäten geben nicht genug her, um den Wagen die nächsten 10 Jahre wegstellen zu können.
Auch wenn es mir natürlich im Herzen weh tut, so muss ich doch realistisch genug sein und das Angebot ablehnen.
Vielleicht kann ich den Wartburg jedoch vor der Presse retten und ihn in gute Hände weiter geben. Mal sehen, ob jemand vom Stammtisch Interesse hat und der Eigentümer einverstanden ist.
Es gibt Zuwachs in meinem Fuhrpark.
Nachdem das letzte Rätsel wesentlich zu einfach war und dieses euch wesentlich länger beschäftigen muss (siehe unten), kommen die Hinweise heute mal aus einem gänzlich zielgruppenfernen Themenkreis.
Die Tipps sind ein bärtiger Mann:
und ein frommes Zitat:
„Und der HERR rief Mose und redete mit ihm aus der Stiftshütte und sprach:“
Mit dieser hoffentlich harten Nuss verabschiede ich mich zur kirchlichen Hochzeit und anschließender Flitterwoche…..
Selbige nutze ich, um in mich zu gehen und mir zu überlegen, ob ich den Zuwachs nicht direkt weiterreiche. Immer diese Vernunft vs. Herz-Entscheidungen…
Vor kurzem erhielt ich den Anruf einer guten Freundin: Ihr Freund hätte ein paar alte „Oldtimer Markt“-Zeitschriften angeboten bekommen, könne damit aber nix anfangen. Ob ich Interesse hätte?
Preis sei eine Kiste Bier.
Eine genaue Anzahl konnte sie mir nicht nennen, aber es wären schon „einige“…
Also Mut zum Risiko gezeigt und eingeschlagen.
Zwei Wochen später kam sie dann bei uns vorbei, mit einem Kofferraum voller Zeitschriften und der Aussage, dass das noch nicht alle wäre, mehr hätte sie aber leider nicht mitbekommen…:
Ich habe es noch nicht alles gesichtet, aber beim Anfang der 90er bin ich von 2012 aus, schon angelangt….
Fairer Deal.
Damit ist der Lesestoff für das nächste Jahr schon mal gesichert.
Danke, dass an mich gedacht wurde!
Mein Herz schlägt bekanntermaßen für Außenseiter, Underdogs und Dinge/Menschen, welche konsequent anders sind.
Die Prototypen dieser Leidenschaft sind Corbin Goodwin und sein „Zero Fucks Given RX7“:
Nachdem uns schon mehrere Leute besorgt kontaktiert haben, will ich mal diesen Kanal nutzen, um ein Lebenszeichen abzusenden.
Das wichtigste zuerst:
Die Beste und ich haben noch trockene Füße.
Auch die Fahrzeuge sind (momentan) noch sicher.
Allerdings befürchten wir, dass wir bald ohne Strom da sitzen, da das Umspannwerk Rothensee im Norden Magdeburgs stark bedroht ist und vielleicht Not-abgeschaltet werden muss. Das wäre verheerend, da auch die städtischen Abwasserpumpen zum Teil über dieses Umspannwerk versorgt werden und ohne diese Pumpen das Grundwasser nicht mehr im Zaum gehalten werden kann. Es würde dann aus den Gullis auch in nicht überfluteten Stadtteilen an die Oberfläche sprudeln.
Auch unser Einsatz am Deich in Breitenhagen war leider nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt.
Zwar konnte unser Deichabschnitt gehalten werden, aber dafür brach er heute Morgen ein paar tausend Meter weiter an der Saale, so dass die verbliebenen Menschen im Raum Groß Rosenburg, Breitenhagen, Lödderitz und Sachsendorf (Schaut euch mal an, wie riesig das Gebiet und wie weit die Saale und Elbe davon normalerweise entfernt sind!) aufgefordert wurden, sofort in höhere Gebiete zu flüchten:
Schon unsere Anreise ließ erahnen, dass es schlimm um die Gegend stand:
Wir wurden morgens mit einem Sammelbus bis in den Ort Breitenhagen gebracht. Beim Blick aus dem erhöhten Bus-Fenster konnte man schon sehen, dass das Wasser nahe unter der Böschung und damit quasi auf Augenhöhe stand:
Zum Deich selbst wurden wir dann mit einem Mercedes-Benz Axor 4×4 gebracht, da dort nur noch schweres Gerät sicher unterwegs war:
War sehr gemütlich:
Unsere Einsatzstelle war hier.
Auf der verlinkten Aufnahme seht ihr die befestigte Auffahrt auf den Deich und östlich davon das Waldstück, welches zusammen mit der Fläche im Norden metertief unter Wasser stand.
Hier der Blick nach Norden von der Deichkrone aus:
Hier nach Süden:
Hier der Knick etwas südlich der Auffahrt:
Wie man sieht ist hinter dem Deich nur noch flaches Land bis zum Horizont (an dem man die Häuser von Breitenhagen erahnen kann).
Die Sandsäcke wurden erst per Menschenkette weiter gereicht:
und am Ende der Kette per Schubkarre zu den Verbauungsstellen gefahren:
Im Laufe des Tages konnte ich glücklicherweise Karriere machen und vom „Sackreicher“ zum Schubkarrenfahrer aufsteigen.
Da gab’s wenigstens mal ne Verschnaufpause.
Apropos:
Der Leiter des örtlichen Krisenstabs meinte zu uns Helfern:
„Wer von euch heute Abend hungrig nach hause geht, hat was falsch gemacht!“
Und so war es auch. Es gab reichlich zu trinken und immer wieder belegte Brote, eine Gulaschkanone und ähnliches. Die Versorgung war 1A!
Danke dafür!
Auch die anderen Helfer möchte ich nicht unerwähnt lassen. Gegen Nachmittag kam sogar noch ein Junggesellinenabschied, welche statt Bollerwagentour lieber mit anpacken wollten.
Allerdings zeigte sich auch mehrfach das Problem mit den Freiwilligen: Es darf sich halt jeder melden….
Auch wenn man zu unqualifizierten Querelen neigt. Es gab Leute, die ich schon nach 20 Minuten verbannt hätte.
Für die Themen-Kritiker hier im Blog gab’s sogar noch ein wenig Altmetall:
Ein Robur LO 2002 A. Nicht nur der LKW an sich war prähistorisch, sondern auch seine Reifen:
Die dürften aber mittlerweile genug ausgehärtet sein, als dass da kein Vergang mehr dran ist. Die halten auch noch die nächsten 25 Jahre.
Während wir die Sandsäcke vor uns hin stapelten, überflogen uns regelmäßig Bundeswehrhubschrauber, welche ein paar Kilometer weiter ihre Bigpacks abwarfen:
„Radlader-Barbie“ (so von den Helfern aufgrund seines pinken Radladers getauft) erzählte uns später, dass wir an diesem Tag 120 Tonnen Sand bewegt hätten.
Und das war noch lange nicht alles:
Entsprechend fertig waren wir auch, als man uns abends zurück brachte.
Mittlerweile helfen die Magnesiumtabletten aber, so dass wir morgen wieder helfen wollen.
Auf dem Rückweg konnte ich noch dieses Video aufnehmen:
Im Hintergrund vor den Bäumen erhebt sich der Deich, rechts des Weges seht ihr, wie Wasser, welches unter dem Deich durch gedrückt wird hervor sprudelt und sich auf das Feld ergießt.
Es schien so, als würde das Wasser kochen, so stark quoll es hervor.
Ich muss ehrlich sagen, dass die Situation beklemmend ist.
Hier in der Stadt heulen im Viertelstundentakt Fahrzeugkolonnen mit Sirenen an einem vorbei. Bundeswehrkonvois mit Rad- und Bergepanzern rollen durch die Straßen und Stadtteil um Stadtteil wird evakuiert.
Vor 14-Tagen war das noch für mich unvorstellbar.
Die Ohnmacht ist überwältigend.
Es hat den laienhaften Geschmack von Krieg.