Ich hatte ja schon bei der Montage des Garagentores meine Verwunderung über den langen Überstand der horizontalen Laufschienen zum Ausdruck gebracht. Auch die Querstange zwischen den beiden Schienen wollte mir nicht so recht einleuchten. Und die Federpuffer/Anschubhilfen erschienen auch eher überflüssig.
Was macht man also? Richtig: Man fragt einen Klassenkameraden, der mittlerweile Ingenieur bei Hörmann ist! Arbeiten wir mal seine Antworten ab: – Die Anschubhilfe soll den Schließvorgang erleichtern. Wenn das Tor oben ist, hilft ja noch keine Schwerkraft die entspannte Feder wieder aufzuwickeln. Das kann bei handbetriebenen Toren oder Toren mit schwächeren Motoren (Deckenschlepper) durchaus ein Problem sein, die dann von oben wieder in Bewegung zu bekommen. Mein GfA-Motor stemmt aber saftige 50 Nm direkt auf die Welle und in Verbindung mit dem Gefälle der Schiene Richtung Ausgang, hat er wenig Mühe, das Tor bis zu dem Punkt zu bewegen, an dem die Schwerkraft übernimmt. Damit wären die Federn schon mal entbehrlich. – Der Überstand der Laufschienen ist produktionsbedingt (ist einfach billiger, die Schienen nur in bestimmten standardisierten Längen zu liefern) und dient daneben als Montagepunkt für die Federpuffer. Ok, wäre also in meinem Fall ebenfalls entbehrlich. – Die Querstange dient dazu seitliche Bewegungen zu minimieren und Torsion zu vermeiden. Ersteres habe ich durch meine üppigen Aussteifungen und die doppelte Abhängung ausgeschlossen. Es kann aber passieren, dass in der oberen Endlage das Gewicht des Tores zum verdrehen der Laufschienen führt. Hier die erläuternde Zeichnung des Ingenieurs:
Da half also nur eine vorsichtige Probe bei demontierter Querstange:
Da verdreht sich nix. Alles klar. Dann weg mit dem Rotz:
Erfreulicherweise sitzt der Schnitt auch hinter den Schweißpunkten, so dass die Verstärkung bis zum Ende mit der Schiene verbunden bleibt:
Ich habe dann noch beidseitig Winkel als Anschlag montiert, sollte da mal was schief gehen und das Tor über seine obere Endlage hinaus wollen. Genug Platz, um Notfalls die Querstange wieder zu montieren habe ich auch. Da, bis auf das letzte Torsegment, alle anderen Segmente aber vor meiner doppelten Abhängung sind, erwarte ich da aber auch keine Torsion. So spare ich 90 cm Luftraum und ca. 25 kg. Gewicht. Sollte sich das als dumme Entscheidung herausstellen, werdet ihr es lesen.
Nachdem das Sektionaltor in den Schienen montiert war, ging es als nächstes an den Antrieb. Omnitore bietet Antriebe von Gfa an. Ich entschied mich für einen Antrieb direkt an der vorderen Welle. Damit entfällt die Schiene für den üblichen Schlepper in der Mitte. Die Montage war auch keine große Hürde, sondern eher eine sprachliche Herausforderung:
Als ich das Tor zum ersten mal ganz hoch gefahren habe, staunte ich nicht schlecht, wie viel länger als nötig die Schienen doch sind:
Die Federstäbe am Ende sollen eigentlich komprimiert werden und dem Tor beim ablassen einen zusätzlichen Anschub geben. Ich habe jedoch penibel darauf geachtet, die Schienen im empfohlenen Gefälle von 0,5% Richtung Tor zu montieren, so dass mein Tor auch ohne Anschubhilfe sauber zu rollt. Ich warte noch ein wenig ab, ob die Anschubhilfen nicht doch noch nötig werden und wenn nicht, kürze ich die Schienen passend mit der Flex. Ergibt für eine potentielle Hebebühne ca. 150 cm mehr Luftraum. Dann entscheide ich auch, ob die hintere Querstrebe nicht entfallen kann. Eigentlich sehe ich auch keinen Grund, warum man die brauchen sollte. Mitgeliefert wurde ebenfalls eine optische Schaltleiste (Gfa WL900) als Sicherheitseinrichtung:
Kern des Ganzen ist eine 2-Wege-Lichtschranke, die mittels Adapterhülsen in die untere Gummidichtung des Tores eingebaut wird. Hier mal anhand eines Reststücks der Dichtung demonstriert:
Wird die Dichtung eingedrückt, weil sie auf ein Hindernis (Mensch, Tier, Pretiose) trifft, unterbricht sie die Lichtschranke im Inneren und das Tor stoppt automatisch. Schlaue Idee. Leider hat der Fliesenboden im Bereich des Tores eine Senke, so dass die Dichtung (während sie links und rechts maximal aufliegt) hier nur ganz knapp abschließt. Dementsprechend passten die mitgelieferten Distanzstücke links und rechts nicht mehr in die Dichtung bzw. das Tor saß auf den Sensoren auf. Wie lange die das mitgemacht hätten, weiß ich nicht. Wollte ich lieber aber auch nicht ausprobieren. Die Übergangslösung sah so aus:
Die finale Lösung waren dann selbstgebastelte Distanzstücke aus Schaumstoff:
Die lassen sich problemlos komprimieren, halten aber gleichzeitig die Sensoren zuverlässig an Ort und Stelle. Da das Spiralkabel bei geöffnetem Tor für meinen Geschmack zu sehr unter Spannung stand, habe ich es noch mittels Telefonkabel verlängert und den mitgelieferten Zwischenhalter spendiert:
Letzter Halt war der Funkempfänger für die Fernbedienungen. Omnitech legte hier einen Proxima NW1 Funkempfänger bei. Leider gibt es ihn, auch im Netz, nur mit polnischer Anleitung. Nachdem Google Translate auch nur 76% sinnvolle Wörter produzierte, habe ich den Support angeschrieben und um eine Übersetzung gebeten. Leider kam von da auch nur eine per Google Translate ins englische übersetzte Anleitung. Schade, denn das Teil ist als Nachrüstlösung (auch um andere Dinge per Fernbedienung zu steuern) eigentlich super. Zumal die Version Proxima NW1 HOB sogar mit Hörmann BiSecur-Fernbedienungen kompatibel ist. Also habe ich mich anhand der übersetzten Anleitungen und der Videos an einen Testaufbau herangetastet:
Für die Nachwelt sei dokumentiert, dass neben den selbsterklärenden Stromkontakten der Kontakt „P“ für einen externen Schaltkontakt (so wie der manuelle Druckschalter oben auf dem Gehäuse) ist. Der Kontakt „NC“ ist dauerhaft geschlossen und öffnet kurz, wenn man die Fernbedienung betätigt (oder dauerhaft, je nach Einstellung). Der Kontakt „NO“ ist dauerhaft offen und schließt auf den Impuls der Fernbedienung. Beide Schaltkontakte sind potenzialfrei (d.h. es liegt dort vom Relais aus kein Strom an. Es wird nur der Durchgang für ein externes Signal geschaltet). Auf der anderen Seite des Proxima NW1 finden sich der Anschluss für die Antenne und ein Kontakt dessen Funktion ich bisher nicht herausgefunden habe:
Achtung! Auf dem Bild habe ich die Antenne (kurzes Kabelstück) falsch eingesteckt! Es gehört eigentlich in den Kontakt mit dem umgedrehten „T“. Neue Fernbedienungen lernt man einfach an, indem man den Knopf oben auf dem Proxima NW1 drückt, bis er einmal piept, dann die Taste an der Fernbedienung gedrückt hält, bis er wieder piept und dann los lässt. Dann noch einen Moment warten und es ertönt eine Bestätigungsmelodie. Ganz genauso, wie im oben verlinkten Hörmann-Video. Der Funkempfänger wanderte dann einfach mit in die TS 970:
Auch hier war der Anschluss erfreulich einfach. Das Handbuch zur TS 970 ist da schön stringent. „24V“ und „GND“ liefern den Strom für den Funkempfänger. Das Steuersignal läuft über die Kontakte 7.1 & 7.2. In der Programmmierung der TS 970 muss man ihr dann noch sagen, wie sie mit dem Signal umgehen soll, aber auch das ist gut verständlich erklärt. Bisher funktioniert das alles reibungslos und zuverlässig.
Nachdem die Laufschienen des Tores montiert waren, habe ich bei der Welle weiter gemacht. Um sicherzustellen, dass sie später auch möglichst reibungsarm in ihren Lagern läuft, habe ich wieder den Laser und einen kleinen magnetischen Neigungsmesser bemüht:
Damit auch später alle Stützlager in einer Flucht verlaufen, habe ich bei jedem (der unterschiedlich großen) Lager die Mitte markiert:
So konnte ich sie entlang der Laserlinie ausrichten und an der Wand montieren:
Die einzelnen Wellensegment montierte ich wieder vom Rollgerüst aus:
Keine Ahnung, wie man das ohne Gerüst machen will. Die Dinger sind bestialisch schwer. Aufgrund des Gewichtes lohnt es sich vorher drei mal zu kontrollieren, ob man wirklich alle vorgesehenen Bauteile aufgefädelt hat. Achtung, es gibt unterschiedliche Bauteile für links und rechts! Die Anleitung ist auch hier eine Herausforderung. Von der Montage der Torsegmente habe ich leider keine Bilder. Wie schon gesagt, waren wir zu dritt gut ausgelastet. Kein Vergleich zu den Sandwichelementen des Daches, aber immer noch herausfordernd. Aber am Ende war das Loch zu:
Endlich ergab sich auch von Außen ein finales Bild:
Nächster Schritt war die Montage des Torantriebes. Das war eher eine sprachliche Herausforderung…
…das Tor macht weit. Seit Ewigkeiten bildeten zwei modifizierte Bauzaunelemente ein improvisiertes Tor zum Genesungswerk. Ziel zum Jahresende war es, dieses Provisorium durch ein schickes neues Sektionaltor zu ersetzen. Nach einem astronomischen Angebot von Hörmann (etwas über 6000€; ohne Montage!) entschied ich mich für Omnitore als Anbieter. Dort kostete das Tor knapp die Hälfte und die Abwicklung samt Lieferung war absolut problemlos:
Um die Kosten weiter in Grenzen zu halten entschied ich mich für einen Aufbau in Eigenleistung. Aus der Retrospektive kann ich sagen: Kann man machen.
Die mit Abstand größte Herausforderung war es, die Piktogramme in der Anleitung zu verstehen. Die Anleitung umfasst verschiedene Varianten des Tores und die unterschiedlichen Baugruppen werden immer nur als „Option X“ tituliert. Da ist Detektivarbeit gefragt, um herauszufinden, welche „Option“ man denn nun da vor sich liegen hat. Die Bauteile sind häufig optisch gleich, weichen aber in den Dimensionen um ein paar Millimeter ab. Man beachte auch die kreative Nummerierung der Seiten.
Bei einem Tor in den Dimensionen 5 x 3 Meter geht der Aufbau selbst auch alleine, sofern man ein (Roll-)Gerüst hat. Nur beim einsetzen der Torelemente waren wir zu dritt und gut ausgelastet. Los ging es aber mit der Montage des Rahmens und der Schienen:
Ebenfalls empfehlen möchte ich für den geneigten Nachmacher einen Nivelierlaser und Einhandzwingen zum ausrichten:
Eine gute Idee in der Anleitung ist es, die hintere Querstange als temporäre Abstandslehre für die Schienen vorne zu nehmen:
So kann man die vertikalen Schienen schön vor der „Torloch“ vermitteln und mittels Einhandzwingen und Laser parallel ausrichten. Danach noch 12 mal die Maße checken, die Löcher anzeichnen und dann gibt es keinen Weg mehr zurück:
Für die Verankerung in Porotonsteinen schwöre ich auf TOX „Bizeps“ Poroton-Dübel. Die halten wirklich super! Nur oben im Betonsturz führte die hohe Reibung im Dübel dazu, dass ich mir eine Schraube abriss:
Merke: Für relevante Verangerungen in Beton IMMER Bolzenanker verwenden! Es gab anschließend ein neues Loch, etwas darunter und einen ordentlichen Anker:
Zur Montage der knapp 5m langen horizontalen Laufschienen ersann ich eine hasardeuristische Stützkonstruktion aus zwei Gerüstböcken, einer Baustütze und reichlich Kabelbindern:
Bis einen Moment später mein Blick auf mein Rollgerüst fiel….:
So konnte ich die Schienen bequem an das Tor heranrollen, vorne verschrauben und hinten hoch halten. Mittels Ratschengurten habe ich sie dann temporär von den Stahlträgern abgehängt:
Mittels der Ratschengurte ließ sich auch die Höhe der Schienen gut justieren. Abgehängt habe ich die Schienen dann final über an einem Stahlträger aufgehängte Dreiecke:
Das war ein wildes Puzzle aus gelochten Winkeleisen. Die Klemmung am Stahlträger erfolgt über Gewindestangen, die die Winkeleisen anpressen. Ich habe die Dreiecke bewusst nach innen überstehen lassen, damit ich neben dem Tor ggf. noch ein Hochregal stellen kann. Der geneigte Nachmacher muss darauf achten, dass das Tor beim Hochlauf nicht mit der Querstrebe kollidiert. Im nächsten Artikel geht es dann in die Vollen.