Niemand hat die Absicht,…

… eine Mauer zu errichten.
Normalerweise kann man keine 10 Minuten was rings ums Haus werkeln, ohne dass jemand vorbeispaziert und einen fragt, was man denn da schönes macht.
Nur wenn man einmal die Chance hat zu sagen: „Ich habe die Absicht eine Mauer zu errichten.“, dann kommt natürlich keine Sau vorbei….
Doch beginnen wir von vorne.
Wir haben ein Hanggrundstück. Der Höhenunterschied zwischen Haus und Grundstücksgrenze betrug knappe 2 Meter.
Kann man so lassen. Muss man aber nicht.
Da ich die Chance hatte, günstig an knapp 500 m³ Mutterboden samt Baggern, Kipplastern und Bedienpersonal zu kommen, ist das Gefälle jetzt Geschichte.
Allerdings bedarf nun die untere Grundstücksgrenze der Befestigung, damit mir der schöne Mutterboden nicht auf Wanderschaft geht.
Erste Überlegungen gingen Richtung L-Steine. Nachdem ich jedoch ein paar Preise eingeholt und mich über die baulichen Voraussetzungen informiert hatte, waren die Dinger recht bald raus. Die brauchen ein massives Fundament und einen Bagger/Kran zum positionieren.
Da wir die Stützmauer von unserem Grundstück aus nicht sehen, durfte es auch ruhig etwas hässliches sein. Also Pflanzsteine. Die sind preislich moderat und gut selber zu handhaben. Allerdings wollte ich gerne die rechteckige Variante, damit man an der Kante noch gut mit dem Rasenmäher entlang fahren kann. Was störte, war dass alle Hersteller zur Böschungsabstützung treppenförmige Anordnungen wollten. Das wäre aber verschwendete Grundstücksfläche und eine 1A-Kötertreppe für die Grundstücksscheißer des ganzen Dorfs. Also auch raus.
Mein Cousin brachte mich dann auf die Idee Beton-Schalsteine zu verwenden. Die sind spottbillig, nur mittel hässlich und halten dank Nut und Feder später auch super zusammen.
Bei einer Mauerhöhe von 100cm kommen als Fundament 20 cm Schotter und 10 cm Beton zum Einsatz. Die Steine haben das Maß 50 x 30 x 25 cm.
Als erstes wurde entlang der Maurerschnur ausgeschachtet:
Vaddern beim buddeln
Und zwar bis Oberkante Schräubchen:
Schräubchen in der Grube
Anschließend haben wir an der höchsten Stelle des Geländes eine „Brücke“ gesetzt:
fertig ausgeschachtet
So konnten wir auf einem provisorischen 30cm-Schotterbett den ersten Stein waage- und lotrecht setzen und bestimmen, ob die „Fundamentgrube“ über die gesamte Strecke tiefgenug ausgehoben war.
Dieser Stein diente als Referenzpunkt für waagerechte Pfosten:
Höhe in der Mitte
Eine über diese Pfosten streichende Maurerschnur diente dann zur Tiefenbestimmung für das Schotterbett:
Schotter eingefüllt
Verdichtet haben wir den Schotter mit der DDR-Version einer Rüttelplatte:
DDR-Rüttelplatte
Diese stammte, ebenso wie die Betonmischmaschine, von meinem überaus hilfsbereiten Nachbarn. Der Betonmischer ist ebenfalls ein historisches Schätzchen:
Betonmischer
Treu wie die Urban.
Erster Stein war anschließend der Eckstein zur späteren Grundstückseinfahrt:
erster Stein
Während wir so vor uns hin wurschtelten kam besagter Nachbar um die Ecke und meinte, wenn wir noch Eisen zur Verstärkung bräuchten, er hätte da noch ein paar Reste. Die könnten wir gerne haben:
Stahlbewehrung
Keine Ahnung, von welchem Brückenbauprojekt diese geschweißten Käfige noch übrig waren, aber mir tut schon jetzt derjenige Leid, der die Mauer irgendwann mal abreißen darf. Alle zwei Meter haben wir vertikale Eisen mit verbaut und auch das Fundament enthält durchgängig Matten. Das sollte wohl halten.
Die gelben Drainagerohre dienen übrigens später der Entwässerung. Von den späteren 4 Stein-Reihen sollen nur zwei (bei den „Säulen“ alle zwei Meter, drei) Reihen mit Beton gefüllt werden. In die oberen zwei (bzw. eine) Reihen kommt Erde, die dann bepflanzt wird. Damit die Pflänzelein aber keine nassen Füße bekommen, sollen die Rohre helfen.
Der Zwischenstand sieht aktuell so aus:
Zwischenstand
Sollte das jemand nach machen, so kann ich nur darauf hinweisen, dass die Schalsteine extrem empfindlich sind, was die Ecken betrifft! Passen Nut und Feder nicht haargenau zusammen, platzt einem die Ecke ab. Insbesondere bei (Gummi-)hammerschläge zum setzen, muss man auf ein Verkanten der Steine achten. Außerdem sind die Steine nicht 100%ig maßhaltig. Also später nicht wundern, wenn die Fugen nicht alle gleich eng sind.

2 Gedanken zu „Niemand hat die Absicht,…“

  1. das halte ich für keine gute Lösung, in frostfreien Gebiete wird es lange halten, aber in unseren Gefilden wird dir der Hang alles zerdrücken.
    warum hast du keine Gabionen gebaut?

    1. Hmm, der Hersteller nennt gerade meine Verwendung als möglichen Verwendungszweck.
      In seinen technischen Unterlagen heißt es sogar, dass man gänzlich ohne Armierung bis zu einem Meter Höhe hinterfüllen kann. Wir liegen nachher bei ca. 90 cm und habend das Ganze dann sogar noch mit Eisen verstärkt. Ich denke nicht, dass der Hang dann noch genügend Druck aufbauen kann, um da was zu zerdrücken. Einen zusätzlichen Druck bei Frost sehe ich ebenfalls nicht kommen. Die Mauer bekommt eine Drainageschicht als Hinterfüllung und die einzelnen Steine haben nochmal selber eine Drainage.
      Aber wir werden sehen. Wenn ich in 10 Jahren alles wieder weg kloppen muss, weil es bröselt, werde ich auf deinen Kommentar verweisen 🙂
      Gabionen waren mir ehrlich gesagt zu teuer. Außerdem hätte ich sie entweder wieder als Treppe anordnen oder solche riesen Klopper verwenden müssen, dass sie mir zu viel Fläche rauben.
      Weiterhin soll oben auf die Mauer noch ein kleiner Zaun, dessen Pfähle in den Steinen einbetoniert werden sollen. Das wäre bei den Gabionen auch wieder schwierig geworden.

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