Gestern habe ich das schöne Wetter genutzt und Lola endgültig wieder sommer-fein gemacht. Es fehlte ja noch das Rad samt Antrieb auf der Fahrerseite und der vordere Bremsbowdenzug.
Die erste Hürde war hierbei das Schließen der neuen Kette. Damit ich genug Kettenglieder beisammen hatte, um vorne die Kette zusammen zu führen, musste ich den Kettenspanner hinten lösen machen. An sich kein großes Thema. Leider muss man aber auch den Querstabilisator lösen:

Dessen Mutter hat Schlüsselweite 23 oder 24. Meine Schlüssel hier gehen aber leider nur bis 22. Blöd.
Versuche mit der Rohrzange scheiterten kläglich. Aber selbst wenn das geklappt hätte, ich hätte sie ja nachher zum spannen wieder festziehen müssen. Hätte zweimal Gewürge mit der Rohrzange bedeutet…ne danke.
Also alternativen Weg gesucht.
Der V-förmige Stabilisator mündet vorne in eine angeschweißte Buchse, welche am Rahmen verschraubt wird. Deren Bolzen hat Schlüsselweite 13. Also habe ich kurzerhand die Buchse vom Rahmen gelöst:

Funktioniert super!
Ich musste den Stabilisator nachher einfach wieder mit dem Kettenspanner zurück ziehen und die Buchse glitt wieder in die Aufnahme. Saubere Angelegenheit.
Das Kettenschloss habe ich nach einigem Überlegen entgegen der original Ausführung zum Fahrgastraum hin montiert. Ich verspreche mir davon, dass ich sie so leichter irgend wann mal wieder öffnen kann:

Montiert man sie anders herum, kommt man nur über den Kettenkasten ran und das finde ich fummeliger, als an dieser doch recht gut zugänglichen Stelle.
Das einfädeln der Trommel-Mitnehmer in den Gummi-Mitnehmer des Ritzels war allerdings mal wieder ein Fummelkram aller erster Kajüte! da habe ich bestimmt eine geschlagene Stunde mit zugebracht. Ich war nachher so verzweifelt, dass ich überlegt habe, dort Fett einzusetzen, damit alles leichter gleitet.
Eine kurze Verzweiflungs-Verschnaufpause brachte dann aber die Lösung:

Klebestreifen markieren auf der Vorderseite die Position der Mitnehmernasen auf der Rückseite. Das in Verbindung mit Eddingmarkierungen am Ritzel-Mitnehmer führte dazu, dass ich die ganze Chose in fünf Minuten zusammen hatte. Wäre ich da mal eher drauf gekommen.
Ein letzter fieser Fummelkrams war dann das Aufstecken der neuen Kettenschläuche auf das Motorgehäuse.
Der Bremsbowdenzug hingegen war fix und problemlos verlegt.
Der Plan war zu dem Zeitpunkt noch, mit Lola ein wenig durch den sommerlichen Abend zu düsen.
Aber auch den konnte ich kurze zeit später knicken, als mir einfiel, dass ich ja noch gar kein neues Versicherungskennzeichen für Lola besorgt habe…. Also nur ein paar Runden auf dem Hof.
Irgendwie erscheint mir die Performance (noch) müder als normal…komisch. Kann aber auch täuschen.
Ich hab mir vorgenommen morgen früh bei der LVM auf der Matte zu stehen, nen neues Schild zu ziehen und direkt ein paar Testkilometer abzureißen.
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Zum tanken über die Grenze
Hier kommt Gurt IV
Ich staune immer wieder über die Früchte unseres familliären Sammeltriebes! Neulich Abends hatte ich eine Eingebung betreffend der benötigten Bolzen zur Montage der Beckengurte.
Als wir damals den Kleinen von Statikgurten auf Automatikgurte umgerüstet haben, waren bei den Securon/Stevens-Wesel-Gurten auch jede menge Adapterteile mit im Lieferumfang. Unter Anderem auch verschiedene Bolzen. Wir konnten die Bolzen damals nur nicht verwenden, da der Kleine (ganz untypisch, normalerweise werden Herstellerübergreifend identische UNF-Gewinde/-Bolzen zur Gurtbefestigung verwendet.) UNC-Gewinde verwendet, um die Gurte zu sichern. Wir mussten daher damals die alten Bolzen anpassen und weiterverwenden. Die mitgelieferten Teile wanderten unbenutzt in unseren Fundus.
Eben dort habe ich sie wieder ausgegraben:

Die Langen passen vorzüglich in die äußeren Befestigungslöcher.
Um zu überprüfen, ob die Kurzen auch in die mittleren Löcher passen, war etwas Feinarbeit notwendig.

Die Arbeiter in der Reliant-Fabrik waren nicht sehr maßhaltig bei der Sache. Die Löcher waren ausgefranst und wesentlich zu klein. Hinzu kommt noch der Umstand, dass die Fiberglasmatten damals bei der Produktion von Hand in die Formen gelegt wurden und daher keine Karosse gleich einer anderen ist. Das führt auch dazu, dass die Löcher in der Karosserie nicht immer zu 100% mit den vorgesehenen Bohrungen im Rahmen fluchten. Die Gurtlöcher von Sir Edward lagen ca. ein Viertel daneben.

Nach etwas Feintuning mit der Feile passten sie aber und ich konnte mich daran machen, die Gewinde wieder nutzbar zu machen. Die äußeren Gewinde sind ja im Rahmen integriert und daher etwas geschützter als die exponierten mittleren Muttern. Dementsprechend hat es eine geschlagene Stunde gedauert, bis ich mit Hilfe von Rostlöser und einem Bolzen die Gewinde wieder frei bekommen hatte. Zwischendurch musste ich den Bolzen immer wieder durch eine andere Mutter drehen, um sein Gewinde wieder in Form zu bringen. Mühsam, aber schlussendlich von Erfolg gekrönt!
Bolzen habe ich also schon mal. Fehlen nur noch Gurte. Mal sehen, ob ich diese Woche zum Schrottplatz komme.
Trommel trouble
Sir Edwards Bremstrommeln vereinen Freud und Leid. Vorne Leid, hinten Freud.
Die hinteren Trommeln überraschten mich bei meinem Check mit nagelneuen Radbremszylindern:


Ich vermute, sie wurden im Zuge der „Standschädenbeseitigung“ zusammen mit dem Hauptbremszylinder (der auch neu aussieht) ausgetauscht. Sehr schön! Damit kann ich wieder eine Sache von meiner Einkaufsliste streichen.
Neu auf die Liste kommen aber Bremsbeläge. Ich kann nicht so recht einschätzen, was die neu an Stärke haben und wie abgefahren die von Sir Edward daher sind. Ich werde sie einfach mit bestellen, vergleichen und wenn die Alten noch gut sind, erstmal in den Fundus packen. Frist ja alles kein Heu.
Die Frage, die aber nun in mir aufkeimt ist: Wenn die ganzen Komponenten getauscht wurden, muss ja auch die Bremsflüssigkeit getauscht worden sein. Haben die dann DOT3 oder DOT4 da rein gefüllt? Und kann ich jetzt (mit den neuen Teilen) problemlos auf DOT 4 aufrüsten, oder zerfrisst die mir trotzdem die Gummidichtungen? Weiß jemand von euch, ob man irgendwie die einzelnen Bremsflüssigkeiten unterscheiden kann? Farbe? Geruch? Geschmack?
Hinten scheinen Profis am Werk gewesen zu sein. Zumindest haben sie dran gedacht zwischen die Bremstrommel und die Ankerplatte Kupferpaste zu packen. Tut man das nicht, hat man die Misere, wie ich jetzt beim Vorderrad:

Die Trommel sitzt bomben fest mit der Ankerplatte verbacken. Akkurat festgerostet. Ich konnte sie nur abbauen, indem ich das komplette Radlager auseinander genommen habe.
An dieser Stelle sollten die Beiden sich eigentlich trennen:

Die Verbindung ist dermaßen dicht, dass noch nicht mal Rostlöser da rein krabbeln will. Schwimmt einfach oben drauf….
Diese solide Verbindung aufgrund mangelnder Kupferpaste ist ein bekanntes Problem. Zur Lösung wird im Forum einhellig dieses Spezialwerkzeug empfohlen:

Tolle Wurst. Ich werde die Trommel mal die Woche über von meinem Vater in Rostlöser baden lassen und dann nächstes Wochenende die ganze Einheit mit dem Bunsenbrenner erhitzen. Wenn auch das nichts hilft, schwinge ich den Vorschlaghammer. Mehr als kaputt geht nicht.
Hier kommt Gurt III
Nachdem ich die mittleren Montagepunkte hinten ja nun entdeckt hatte, standen noch die an der Seite aus. Ein Hinweis aus dem R3W-Forum brachte mich auf die richtige Spur. Sie sollen sich in den kleinen Ausbeulungen am Fuße der Rücklehne befinden:

Also mal vorsichtig das Kunstleder runter gepult:

Dammt. Nix. Die Löcher wurden anscheinend nur durch die Karosserie gebohrt, wenn die Gurte auch wirklich verbaut wurden. Ich befürchtete schon, aus der Karosse an dieser Stelle einen schweizer Käse machen zu müssen, um per Probebohrungen das Loch zu finden.
Ein Blick ins Radhaus brachte aber Erleichterung:

„Ich sehe was was du nicht siehst und das ist ein Loch!“
Im nächsten Schritt habe ich das Loch so gut es ging an der Karosserie eingemessen:

Für die „Tiefenmessung“, habe ich mich eines Hakens bedient, welchen normalerweise der Zahnarzt benutzt um einen zu piesaken:

Diese Maße wurden dann im Innenraum angezeichnet:

Bisher alles harmlos. Nun kam der Teil mit Augen zu und Luftanhalten….Bohrer raus!
Ich hab mich für den kleinsten Bohrer entschieden, den wir im Haus hatten. Mit etwas Spucke hätte man das Loch dann als Fliegendreck verkaufen können. Nach der Bohrung kam ein dünner Draht durch, um zu schauen, wo ich gelandet bin:


Besser als erwartet! Also einen größeren Holzbohrer (die haben diese praktischen Zentrierspitzen) rausgekramt und das Loch vergrößert. Leider war meine Erstlingsbohrung etwas außermittig und ich musste mit der Feile (sehr gut geeignet!) ein etwas eieriges Loch ausfeilen:

Blöd, aber nicht zu ändern. Außerdem verschwindet es später unter einer Unterlegscheibe, der Kunstlederabdeckung und der Haltelasche.
Ich habe dann mal einem der Vordergurte einen Bolzen gemopst um den Montagepunkt zu testen. Erst ging die Schraube kaum rein. Mit etwas Silicon-Öl und einer Ratsche ging es aber ganz leicht. War halt das erste Mal seit 25 Jahren, dass da jemand ne Schraube in das Gewinde dreht. Nach 2-3 Mal rein und raus ging es dann ganz easy.

Es passt übrigens nur der Bolzen der äußeren vorderen Montagepunkte. Die Bolzen an den Gurtpeitschen sind dicker! Sie müssen 20 Gänge pro inch (UNF) haben, 38,8 mm lang (wobei länger auch kein Problem ist) sein und 10,8 mm dick. Ich hoffe mal, dass ich auf dem Schrott passende Bolzen finde.
Auf der anderen Seite war es dann wesentlich einfacher, ein schön rundes Loch zu produzieren. Ich habe einfach das erste Loch auf der Innenseite zur Mitte vermessen und übertragen. Hier für die Nachwelt ein bemaßtes Bild:


