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Kupferwurm XXVII – Erleuchtungsprobleme

Bei der Neuverkabelung des Bugs bin ich mittlerweile an den Scheinwerfern angekommen. Munter die Kabel abgelängt, 6,3mm Standard-Kabelschuhe vercrimpt und ins Steckergehäuse der umgerüsteten H4-Scheinwerfer gesteckt. Passt.
Damit der Bug nicht mehr so traurig aus seinen leeren Scheinwerferhöhlen schaut, wollte ich anschließend die Latüchten probeweise einsetzen. Vergeblich versuchte ich jedoch die Stecker auf die Steckkontakte der Leuchtmittel zu schieben. Die wollten da ums verrecken nicht drauf. Eh mein Krafteinsatz Opfer forderte, habe ich mich kurz besonnen und mal einen 6,3mm Kabelschuh neben den Kontakt einer H4-Birne gehalten.
Diagnose: Arschlecken!
Der geneigte Autoelektriker weiß: Alles Elektrische im PKW hat 6,3mm-Steckkontakte, außer die dicken Geräte wie Anlasser (-relais) und Lichtmaschine, die haben 9,5mm-Steckkontakte. Schraubt man an Engländern hat man auch manchmal 4,8mm-Steckkontakte.
Ist ok. Kann man sich drauf einstellen und gibt’s an jeder Ecke.
Aber welcher *#&%$*-Ingenieur meinte denn für H4 (und Bilux) extra Steckkontakte knobeln zu müssen?!
„Oho, 6,3mm sehen so mickrig aus! Aber 9,5mm sind mir zu üppig. Ich finde, wir sollten da extra 8mm-Steckkontakte verbauen! Außerdem finde ich es sinnvoll, dass wir die nicht einfach so verkaufen, sondern nur von Innungsmeister an Innungsgeselle in einer Blutopferzeremonie überreichen!“
Der letzte Satz mit der Blutopferzeremonie hat sich mir erst offenbart, als ich versuchte, die 8mm-Steckschuhe (von manchen Herstellern auch als 7,7mm bezeichnet) auf dem freien Markt zu beziehen. Selbst der Mechaniker des lokalen Boschdienstes sagte mir, dass sie dafür immer bei Schrottautos die ganzen Scheinwerferstecker mit Kabeln abkneifen und dann beim Reparaturfahrzeug anlöten! Im Netz herrscht gähnende Leere, wenn man nach nem Dealer sucht. Vereinzelt findet man Händler, welche komplette Stecker samt Kabel zum anlöten anbieten, aber das wollte ich ja nicht. Noch vereinzelter findet man um 90° angewinkelte Kabelschuhe, die gehen jedoch nicht in die original Lucas Steckergehäuse.
In detektivischer Kleinstarbeit und mit der sehr ausführlichen Hilfe des lokalen Boschservices (wir haben ca. 45 Minuten lang jegliche Zulieferer-Katalog gewälzt) konnte ich jedoch folgende Artikelnummern für gerade 8mm-Kabelschuhe herausfinden:
Bosch: 8784477007
Würth: 05585020
Einziger Wehrmutstropfen war jedoch, dass die kleinste Gebindegröße 50 Stück sind.
Ich brauche gerade mal 6….
Also zurück an den Rechner. Mit diesen Nummern in der Hinterhand fanden sich schon ein paar mehr Händler. Durch den Hinweis meines Bruders bin ich über den Shop von Verkaufsagent-Oberursel gestolpert. Der Name sollte einen nicht stören, denn der Laden ist absolute Spitzenklasse! Ein reichhaltiger Fundus an exotischem PKW-Elektrokrams! Alles lässt sich einzeln bestellen und geliefert wird auch bei Erstbestellung auf Rechnung. Großartig!
Natürlich würde ich von dem Laden nicht so schwärmen, wenn es dort nicht auch gerade 8mm-Kabelschuhe geben würde:

Laberbackes 1969er Pontiac Firebird

Nachdem „Unternehmen Seehund“ letztes Wochenende ja am Widerstand der Engländer gescheitert ist, haben wir die so gewonnen Zeit dazu genutzt, um neue Verbündete für den erneuten Anlauf zu suchen. Wie Tobias ja schon in seinem Kommentar schrieb, haben wir uns dabei auf die US-Amerikaner konzentriert. Objekt unserer Begierde war ein 1969er Pontiac Firebird:
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Ein besonders schönes Detail ist, wie ich finde, der originale Drehzahlmesser auf der Motorhaube:
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Wie ihr an dem Schriftzug auf der Haube erkennen könnt, hat dem Firebird in seinem früheren Leben mal jemand einen 455cui-Motor implantiert. Das sind umgerechnet ca. 7,5 Liter Hubraum. Damit leistet der V8 um die 300 PS:
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Diesen größeren Motor zum implantieren ist durchaus zeitgenössisches Tuning und daher an sich nichts anrüchiges. Natürlich haben wir auch eine Probefahrt gemacht:

Es tut mir leid, das man kaum Gelegenheit hat, den Motorsound zu hören. Der Verkäufer wollte mangelndes Wissen durch unaufhaltsamen Redefluss kaschieren. Der Typ war wirklich eine Laberbacke vor dem Herrn. Und nur Dünnschiss… Es war teilweise unerträglich. Das war auch einer der Gründe, warum Tobias sich gegen die Verstärkung aus Detroit entscheiden hat. Der Wagen wies so viele Ungereimtheiten auf, die der Verkäufer uns nicht erklären konnte, dass wir immer stärker an einem Kauf zweifelten. Ein Beispiel: Er behauptete, der Wagen sein nie gespachtelt worden. Allerdings haftete mein provisorisches „Schichttiefenmessgerät“ erst am linken Kotflügel, nachdem ich 1,7mm Schichttiefe festgestellt hatte. Bei anderen Blechpartien reichte 0,1-0,2 mm Tiefe.
Nur falls Interesse besteht: Das „Gerät“ besteht aus einem Pinnwandmagneten und 20 Schnipseln 80g/m²-Papier. 80g/m²-Papier ist ca. 0,1 mm dick. Das ergibt also eine nichtmagnetische „Abschirmschicht“ von 2 mm.
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Nun sucht man sich am zu begutachtenden Fahrzeug einen möglichst senkrechten Referenzpunkt, an dem der Magnet auf dem Papierstapel gerade so sich selbst hält. Anschließend geht man rings um und testet verschiedene Stellen. Sollte der Wagen im „Originalzustand“ sein, sollte der Magnet überall nahezu gleichmäßig anhaften. Purzelt er hingegen wie beim Firebird einfach weg, ist genaueres Untersuchen gefragt. Natürlich ist mir bewusst das dieses „Messinstrument“ Steinzeittechnik ist. Allerdings hilft es schon einen gewissen Eindruck zu bekommen.
Was uns besonders negativ auffiel, war, dass der Lack am Wagen rings um Blasen geworfen hatte. Hier kann man es ganz leicht erkennen. Achtet auf die verzerrte Spiegelung des Hauses. Diese Blase war sogar schon gerissen:
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Der Verkäufer beteuerte zwar, dass das kein Rost sei (was ich ihm auch glaube) allerdings hatte er trotzdem überall 5DM-Stück große Blasen. Meine ganz persönliche Vermutung ist, dass der Wagen hier in Deutschland schon mal lackiert wurde und das dabei der alte amerikanische Thermoplast-Lack auf der Karosserie gelassen wurde. Nun arbeitet dieser Lack bei Temperaturunterschieden unter dem neuen europäischen Lack und die beiden Schichten lösen sich nach und nach von einander. Was also nichts anderes bedeutet, als dass man in absehbarer Zeit den Wagen komplett entlacken muss und eine vollständige Neulackierung ansteht. Das dürften gut-und-gerne 4000€ werden. Eine Investition, die der sonstige Zustand des Wagens einfach nicht rechtfertigte. Ansonsten glänzten noch Rechnungsunterlagen und Werkstattbelege durch Abwesenheit und die Werkstatt „die den Wagen in-und-auswendig“ kennen soll ist kein US-Spezialist sondern (wenn ich das richtig gesehen habe) eine Werkstatt für LKW und Baumaschinen.
Allerdings bleibt festzuhalten, dass, obwohl Tobias den Wagen nicht gekauft hat, es doch ein sehr lehrreicher Ausflug war! Außerdem hatten wir drei (Vaddern war auch mit) einen schönen Tag und viel zu lachen.