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Im Rückspiegel der Geschichte

Im Mai hatte ich mir ja ein Rücklicht an der Lafette zerdeppert. Blöd. Durch den hohen und breiten Planenaufbau ist die Sicht mit den serienmäßigen Außenspiegeln des Gerontengolfes nach hinten gleich Null. Ziemlich bald nach dem Kauf hatte ich mir deshalb damals Wohnwagenaußenspiegel besorgt. Die kann ich an dieser Stelle auch direkt mal empfehlen: Sitzen super fest und lassen sich an nahezu jedem Fahrzeug problemlos montieren. Auch diese modernen sebsttätig anklappenden Außenspiegel sind damit kein Problem. Die beworbene Vibrationsfreiheit kann ich ebenfalls bestätigen.
Mit solchen Spiegeln kann man nun zwar sehen, was in größerer Entfernung hinter einem geschieht, aber beim rückwärts rangieren helfen sie auch nicht wirklich. Gute Gelegenheit für ein schönes Bastelprojekt!
Ausgangsmaterial ist eine Rückfahrkamera, welche ihr Signal zwar per Funk überträgt, aber per 12V betrieben wird:

Kameraset

12V sind sowohl hinten am Anhänger als auch vorne im Cockpit vorhanden. Da spart man sich also etwaiges Geassel mit Akkus/Solar. Bekommt die Kamera 12V, schaltet sie sich automatisch ein und schickt ihr Signal an den Bildschirm. Hier mal im Testaufbau mit der Batterie meiner Dieselheizung und meinem 12V-Akkuadapter:

Erster Testlauf

Die Grundkonstruktion funktioniert schon mal. Also munter an die Montage gehen. Die Kamera kam hinten an den Anhänger:

Kamera montiert

Die Löcher im Querträger waren schon und sitzen schön mittig:

Kamera mittig an der Stoßstange

Erfreulicherweise ist die Kamera mit Halterung so flach, dass sie über das Querprofil nicht hinaus steht. Auch die heruntergeklappte Heckklappe stößt nicht an. An der Werkbank konnte ich dann testen, ob die Reichweite des Funksignals mit hinter der Stoßstange montierter Antenne ausreichend ist:

Testlauf Kamera

Nun musste ich aber noch die Antenne samt Spannungswandler und Kabelgeraffel irgendwo hinten am Anhänger möglichst geschützt unterbringen. Eine 100er Abzweigdose bietet sich da an:

Dose auf der Werkbank

Die Dosen sind auch nach IP 65 zertifiziert, so dass die Elektronik schön trocken bleiben sollte. In eine 100er Dose passt der Funktransmitter samt Antenne geradeso quer rein:

Antenne in Aufputzdose

Für die geneigten Nachmacher sei noch der Hinweis gegeben, dass der Spannungswandler gänzlich ungeschützt in seinem lediglich geklipsten Gehäuse sitzt:

Spannungswandler

Der musste also auch noch mit in die Abzweigdose. Gleichzeitig passte bei mir die Aufteilung der Kabellängen des Spannungswandlers nicht. Das Anschlussende war viel zu kurz, das Kabelstück zum Funksender hingegen viel zu lang. Auftritt Lötifanten:

Lötifanten

Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass für solchen filigranen Kram diese kleinen Lötverbinder spitze sind. Drüber stecken, Litze verrödeln und die ganze Chose mit dem Heißluftfön rösten. Das Lötzinn schmilzt und verbindet die Adern, der Schrumpfschlauch zieht sich zusammen und der integrierte Kleber dichtet alles wasserdicht ab. Gute Investition. Mit dem herausgetrennten Kabel verlängerte ich dann die Anschlussseite:

Kabel verlängert

Jetzt konnte dieser Teil schon mal final in das Verteilergehäuse wandern:

Kabel in Dose unterm Anhänger

Am Heck der Lafette an 12V zu kommen ist hingegen etwas schwieriger. Die Rückleuchten haben eigene Stecker und sind ansonsten hermetisch abgeschlossen:

Steckkontakt Rücklicht

In ein Kabel reinflicken wollte ich aber auch nicht. Das war aber auch nicht nötig, da sich in den Ochsenaugen-Positionslichtern Steckkontakte finden:

Fassung rausgezogen

Kurzer Einsatz der Crimpzange und schon waren die Abzweige montiert:

Kontakte vercrimpt

Notfalls lässt sich das ganze wieder spurlos zurück bauen. Gewollter Nebeneffekt ist, dass die Kamera nun immer überträgt, wenn das Licht eingeschaltet ist (bei uns also immer) und nicht nur bei eingelegtem Rückwärtsgang. Ein zusätzlicher Rückspiegel/Innenspiegel quasi. Noch schnell das Kabel ordentlich verlegen und mit Spiralschlauch panzern, fertig ist die Laube:

Kabel verlegt

Der Monitor passt erfreulicherweise in den Universal-Handyhalter auf dem Armaturenbrett:

Linien im Display

Auf dem Bild seht ihr auch meinen anschließenden Test zur Einstellung der Peillinien. Ich habe entlang der Außengrenzen des Anhängers Mülltonnen aufgestellt und geguckt, welche ich davon sehe. Leider fehlen auf dem Bild oben links und rechts jeweils eine ganze Mülltonne. Die Kamera hat halt nur 120° Erfassungsradius. So weit lassen sich die Linien nicht an den Rand schieben. Um da also niemanden in trügerischer Sicherheit zu wiegen, habe ich sie in der Speisekarte deaktiviert:

Speisekarte

Jetzt muss man einfach gucken, was sich hinter dem Anhänger befindet und sollte anhalten, wenn es droht den linken oder rechten Rand zu verlassen:

Display im Auto

Ein paar Touren mit der Kamera habe ich nun schon gemacht und auch bei strömendem Regen überträgt sie stabil ihr Signal. Natürlich kann man bei Gischt auf der Linse kaum etwas erkennen. Besser als vorher ist es aber allemal!

Kupplung und Kleinkrams

Vom Alltagsbetrieb der Gorilla kann ich momentan nur erfreulich unspektakuläres berichten.
Mittlerweile habe ich über 200 problemlose km mit ihr zurück gelegt. Eine erste Betankung hat einen Durchschnittsverbrauch von 2,5 l/100 km ergeben. Allerdings ist das bei nur einer Tankfüllung und einem Füllstand „Pi mal Auge“ nur sehr bedingt aussagekräftig. Sie springt auf den ersten Kick an und läuft an guten Tagen auch mal 55-57 km/h. Eine rasende Geschwindigkeit im Vergleich zu meiner treuen Moffa.
Allerdings muss ich auch zugeben, dass das Fahrverhalten sehr grenzwertig ist.
Aufgrund des winzigen Radstands und der Schubkarrenräder ist es für eine schnittig genommene Haarnadelkurven ausreichend, die Spermien von einem Testikel ins Andere zu verlagern.
Das reicht vollkommen als Gewichtsverlagerung.
Den Geradeauslauf als „instabil“ zu bezeichnen, wäre eine klare Untertreibung.
Keine Ahnung, welchen Pakt mit dem Schöpfer die Menschen haben, welche in die Kisten 175ccm Motoren mit 23,5PS hängen….
Schraubermäßig gabs nur optische Verbesserungen und Kleinkrams.
Bei der letzten Ersatzteillieferung waren neben dem Dichtset, neue Gummigriffe, ein neuer Gasbowdenzug und NOS-Rückspiegel mit dabei:
Ersatzteillieferung
Den Gasbowdenzug zu tauschen ist eigentlich ein selbsterklärender Job. Sollte jemand bei der Nachahmung die Einstellschraube für die Zuglänge suchen, findet er sie unter der Gummitülle am Vergaserdeckel:
Einstellschraube Gasbowdenzug
Die Tülle sitzt sehr stramm in einer Nut am Deckel. Zarte Gewalt hilft.
Für die richtige Technik zum aufziehen der neuen Griffgummis hab ich mal ein wenig das Netz befragt.
Schmunzeln musste ich bei dieser aus dem Ruder gelaufenen Diskussion.
Ich habe mich dann gegen die Stalingrad-Methode und für Wasser mit einem winzigen Spritzer Spüli sowie eine Spritze mit Kanüle entschieden:
neue Gummigriffe
Hat bombig zum lösen funktioniert (einfach mit der Kanüle zwischen Lenker und Gummi gehen und das Wasser rein drücken).
Zum aufziehen hat leichtes einreiben der Innenseite mit der Lösung ausgereicht.
Auch die Spiegel waren fix montiert:
Gorilla im vollen Dress
„Wenn sie groß ist, will sie eine Enduro werden…“
Die etwas knorpeligen Gangwechsel ließen sich über die Einstellung der Kupplung weicher gestalten:
Kupplung eingestellt
Bei Gelegenheit muss ich mal etwas Öl in die Gabel kippen. Da scheint sich auch einiges zu verkrümeln:
ölige Gabel
Allerdings muss ich mich da auch erstmal schlau machen, was man da am besten verwendet und wie aufwändig der eigentlich nötige Dichtungstausch wird.
Im Sintermetall-Filter der Spritversorgung haben sich in der Zwischenzeit schon reichlich Rostpartikel eingefunden, die ich damals nicht raus gespült bekommen habe:
Rostpartikel im Benzinfilter
Is immer gut, so ein Filter! Erspart ne Menge Fummelarbeit.

Da die Kiste im Betrieb natürlich reichlich rappelt, habe ich mitllerweile auch so gut wie jede Schraubverbindung nachgezogen. Bisher konnte ich noch jede Schraube und Mutter vor dem Verlust retten. Einfach an der Ampel auf ein helles klingeln horchen.
Seit zwei Wochen ist Ruhe und ich hab den 10er-12er Schraubenschlüssel nicht mehr in der Bürotasche…