Die Weihnachtszeit ist auch immer Bastelzeit. Eine der letztjährigen Laubsägearbeiten waren Lackierstützen. Die Idee habe ich bei den Hobbyholzwürmern geklaut, aber im Grunde sind es nix anderes als angespitzte Dübel auf einem beliebigen Fuß:
Kein Hexenwerk, aber eine gute Idee. Ein stinknormaler Haushaltsanspitzer eignet sich perfekt um die Dübel anzuspitzen. Ich konnte sie anschließend auch direkt nutzen um den Handlauf vom Kulturcafé des Kleinen Schräubchens zu lackieren:
So kann man Ober- und Unterseite gleichzeitig lackieren und hat nachher nur minimale Spuren von den Spitzen im Lack.
Tank entwässsern, Luftfilter reinigen, alles nix wildes. Neu war nur der Ölwechsel. Den Kompressor hat mir vor fünf Jahren mein Schwiegervater (zusammen mit ein paar anderen Schätzen) geschenkt. Seit dem gab es keinen Ölwechsel. Wie ich erfuhr hat auch er nie das Öl gewechselt. Höchste Eisenbahn also! Die erste Hürde war, das alte Öl da überhaupt raus zu bekommen. Eine Bedienungsanleitung habe ich nicht und im Netz findet man nur Anleitungen von neueren Modellen, die eine klassische Ablassschraube haben. Mein 20+Jahre altes Exemplar hat an derselben Stelle jedoch nur einen Plastikknopf mit einem Schloss-Symbol…. Nach einigem probieren stellte sich heraus, dass dieser „Knopf“ ein Stopfen ist. Der Weg ist, ihn mit einem Schraubendreher auf „Schloss offen“ zu drehen und dann mit zwei Schraubendrehern gleichzeitig seitlich zu hebeln:
Ist er raus, kommt einem gleich die schwarze Suppe entgegen:
Während die zähflüssig vor sich hin tröpfelt, kann man sich in Ruhe nach Ersatz umschauen. Natürlich gibt es spezielles Kompressoröl. Da übersteigt aber eine Flasche den Restwert des Kollegen. Recherchiert man ein bisschen stellt man fest, dass der Großteil der Hersteller gerne ein „Verdichteröl nach DIN 51 506“ hätte. VDL 100 soll da das Maß aller Dinge sein. Liest man weiter wird deutlich, dass die Viskosität und die sonstigen Anforderungen ziemlich Deckungsgleich mit schnödem SAE30-Öl sind. Das kommt auch in den Rasenmäher und ist daher in der Garage vorhanden. *Bingo* Füllmenge sind knapp 100ml. Lässt sich aber gut über den Peilstab kontrollieren.
Für den Schraubenkompressor hätte ich das nicht genommen, aber für diesen 08/15-Hasen wird es schon passen.
Als ob ich aktuell nicht schon genug an den Hacken hätte, meldete der eh schon verhaltensauffällige Geschirrspüler „Fehler Automatisches Türöffnen“:
Miele meinte dem Geschirrspüler (Modell: G 5985 SCVi XXL Type: HG03) einen motorisierten Türöffner spendieren zu müssen, welcher nach jedem Spülgang nicht nur die Tür einen Spalt weit öffnet, sondern nach jedem manuellen öffnen um ein schmutziges Glas rein zustellen, die Tür auch mit Motorkraft wieder schließt. Gerade letzteres führt in einem Mehrpersonenhaushalt zu einen beständigen Hintergrundsurren. Fragt mich nicht, warum das ein zwingendes Feature sein musste. Der Ausfall war jedenfalls vorprogrammiert. Gut, sagt der geneigte Bastler, klemme ich halt den mistigen Motor ab und lasse mich dazu herab die Spülmaschine von Hand zu öffnen. Ja, leider, nein. Das Steuergerät nörgelt dann, dass der Motor zu lange braucht um die Tür zu öffnen und wirft einen Fehlercode aus. Damit wird das Geschirr nicht mehr sauber. Also reparieren. Der Miele Kundendienst nimmt schlanke 400 € für die Reparatur. Das also schon mal auf gar keinen Fall. Den Türöffnungsmechanismus (Ersatzteilnummer 06715063 bzw. 06715064) bekommt man auch einzeln für ~250 €. Stolzer Preis für ein bisschen Plastik. Gräbt man etwas tiefer, stolpert man über diesen Eintrag bei microcontroller.net. Dort war der Getriebemotor für den Öffnungsmechanismus der Übeltäter. Also Ärmel hochkrempeln und selber machen. Hat man die Spülmaschine aus ihrem Loch gezerrt und die obere Isolation entfernt (ist nur gesteckt) hat man den Türöffner direkt vor sich:
Unter dem Schaumstoffstreifen ist eine Metallkante, auf die er aufgesteckt und mit zwei Plastiknasen gesichert ist. Hat man ihn dort losgefummelt, muss man noch die Kabel ausclipsen und schon kann man ihn in seine Höhle zerren und vorsichtig zerlegen:
Die Gehäusehälften sind nur geclipst, das jedoch mit Begeisterung. Mir sind lediglich zwei der Clipse abgebrochen. Ich hoffe eure Quote ist ähnlich. Hat man den Deckel entfernt, liegt der Motor vor einem. Auf seiner Unterseite findet sich folgende Beschriftung: Powertronic PL220270-2A251R 24V Herstellungsdatum www.antriebe.com
Das ist dann auch der Schlüssel zum Erfolg. Schreibt einfach eine höfliche Mail an die Firma Powertronic mit der Motorenbezeichnung. Im Handumdrehen habt ihr eine nette Antwort, dass ihr einen neuen Motor samt Getriebe zum Preis von 56,61 € (inkl. Versand) bekommen könnt. Bei Bezahlung per Paypal hatte ich den Motor schon am nächsten Tag in der Post:
Nun noch fix den Lötkolben geschwungen (achtet auf die Polarität, neben einem der Kontakte ist ein roter Punkt, da muss das rote Kabel dran):
und alles wieder zusammen bauen. Läuft! Danke Powertronic für den super Service!
Deutschland im Dornröschenschlaf? Bei mir leider nicht. Mit zwei kleinen Kindern zuhause und einer Beschäftigung im Gesundheitswesen (Bitte kein Applaus, den verdienen andere bei der nächsten Gehaltsrunde) kann ich mich aktuell über zu viel Freizeit nicht beklagen. Daher auch die tendenzielle Stille hier im Blog.
Um allerdings selbst ein bisschen auf andere Gedanken zu kommen und um ohne Frustgefahr schnell etwas nützliches in den Händen zu halten, habe ich eine kleine Laubsägearbeit gemacht.
Wenn ich (insb. mit den Kindern) in der Garage bin und bastele soll nicht immer der Fernseher laufen. Aber so ganz ohne auditive Unterhaltung will ich da auch nicht sein. Aber dafür ein Radio aufstellen? Mit extra Strom? Und kaufen und so? Neee.
Das Telefon habe ich immer zum fotografieren dabei. Das kann auch dudeln. Auf Tonqualität lege ich ja eh keinen Wert. Aber wenn man das Telefon einfach so auf die Werkbank packt, ist es ruck-zuck begraben und verstaubt. Außerdem muss der Lautsprecher immer auf extra laut gestellt werden. Also Harald Blauzahn um eine Boombox ersuchen? Geld, Strom, wir hatten das Thema.
Schaut man sich zielgerichtet um, stolpert man recht schnell über sogenannte „Holzverstärker„. Sowas lässt sich schnell aus Resten klöppeln:
Ausgangsmaterial ist bei mir ein recycelter French Cleat, ein Abfallbrett und ein Stück Multiplex von den Auffahrrampen.
Das Abfallbrettchen bekommt mit der Lochsäge eine Bohrung, die später den Klangkörper bildet. Daneben zeichnet man dann die Umrisse des halben Telefons auf und einen Trichter vom Lautsprecher zum Klangkörper:
Anschließend schlägt die Stunde der Stichsäge:
Wie man sieht, bekommt auch das spätere Deckbrettchen ein Loch im Durchmesser des Klangkörpers. Nun wird alles geschliffen und als Sandwich verleimt. Fertig ist die „Boombox Unplugged“.
Um noch ein bisschen mehr der simplen Ablenkung zu frönen, habe ich mir von meinem Nachbarn einen Brennpeter ausgeborgt. Da ich aber nicht mal in Rufreichweite künstlerischer Begabung bin, habe ich kurzerhand eine papierne Vorlage auf das Deckbrettchen geklebt und bin diese mit dem Brennstift abgefahren:
Das klappt erstaunlich gut:
Diese durchgebrannten Linien ließen sich dann einfach nachmalen, was ein recht ordentliches Ergebnis ergibt:
So hat die French Cleat Boombox ihren Platz links an der Wand über dem Krawatteneck gefunden:
Funktioniert einwandfrei. Ich empfehle aktuell jedem so ein leichtes Bastelprojekt. Mentalhygiene und so.
P.S: Um dem erwartbaren Shitstorm vorzubeugen: Ich weiß, dass das eingestrichene H spiegelverkehrt ist.
Das notwendige Reinigungszubehör habe ich ebenfalls bereit gelegt. Als Reinigungslösung habe ich mich für einen Test mit Tickopur R33 entschieden:
Tobias verwendet das Zeug in seinem Ultraschallreiniger und auf dessen Akribie bei der Auswahl kann man sich immer verlassen. Laut Hersteller ist das Mittel auch für Tauchbadreiniger geeignet. Man soll dann lediglich die Konzentration erhöhen (ich habe 10% gewählt; beim nächsten Mal würde ich erstmal 5% testen und dann ggf. erhöhen). Da eine Ansaugbrücke und ein Vergaser-Vorheizelement schon von vornherein als Kandidaten feststanden, konnten die schon wärend der Aufwärmphase mit in die Lösung:
Mit dazu kamen dann noch die schmierigsten und klebrigsten Klotten. Fünf vorderen Getriebedeckel und zwei obere Getriebedeckel:
Das Ganze durfte dann eine Episode Projekt Binky bei 40-53°C (50°C Ausschalttemperatur + Trägheit des Sensors & 40°C Wiedereinschalttemperatur) vor sich hin garen:
Kurzer Blick nach 20 Minuten:
Schon ohne Bürsteneinsatz sieht man, wie sich der Schmodder löst. Während Gronkh, verpeilt wie immer, durch Tamriel stromerte, habe ich Olaf geschwungen und die Teile abgeschrubbt. Natürlich habe ich vorher den Stecker des Teilewäschers gezogen! Das Ergebnis ist wirklich beeindruckend:
Die Verkrustungen ließen sich größtenteils einfach abwischen. Lediglich für Winkel und Ecken habe ich eine kleine Rundbürste bzw. die Zahnbürste verwendet. Die Geruchsbelastung ist bei der Arbeit minimal und die Temperatur angenehm. Absolut kein Vergleich mit Verdünnung und Co. Lediglich die Schaumbildung des Reinigers ist etwas störend (ggf. zu hohe Konzentration; s.o.). Die Teile sind nun wirklich sehr sauber, so dass man sie auch mit bloßen Fingern anfassen kann, ohne dass irgendetwas abfärbt. Mit diesem Ausgang bin ich sehr zufrieden. Ich werde mich jetzt nach und nach durch den Teilehaufen arbeiten und schauen, wie lange die 11 Liter (die ich noch mit 5 Litern Wasser weiter strecken werde) Reinigungslösung so ein gutes Ergebnis abliefern.
Wer also selber auf der Suche nach einem handlichen Teilewäscher oder Teilewaschtisch ist, dem kann ich diese Konstruktion nur ans Herz legen. Die Kosten (ohne Reinigungsmittel) beliefen sich auf knapp 50 €. Dafür bekommt man kein komerzielles Gerät mit diesem Volumen, geschweige denn eines mit Heizung.