„Halt dich grad!“

Die Vorbesitzer waren ja, wie schon angedeutet, allesamt große Virtuosen mit dem Bohrer. Ich im Gegensatz dazu, bin eher ein Loch-Nazi. Ich versuche jedes Loch im Blech möglichst zu vermeiden um eine schön arische reine Blechsubstanz zu erhalten, denn jedes Loch ist auch ein potenzieller Rostherd. Daher hab ich mir jetzt erstmal einen Kennzeichenhalter für meine Lola gebaut. Bisher war das Kennzeichen ja direkt mittig an das Heckblech geschraubt. Ich habe es jetzt nach rechts oben auf Schulterhöhe versetzt. Dort läuft ja das Querrohr vom Rahmen der Sitzbank, welches auch das Heckblech trägt. Da sind eh schon Löcher für die Drehverschlüsse des Verdecks drin und die Edelstahlschrauben, welche ich hierfür besorgt habe, sind auch etwas länger als nötig. Also schnell im kochschen Blechteilefundus gewühlt und eine passende Aluminiumplatte zurechtgesägt. So sieht das Teil nun aus:
Kennzeichenhalter

Kennzeichenhalter II
In angeschraubtem Zustand steht das Kennzeichen nun etwas schräg nach unten, aber das war anders nicht möglich, weil das Verdeck sich ja nach hinten baucht. Würde der Halter gerade stehen, könnte man das Verdeck nicht mehr drüber ziehen. Im Nachhinein hab ich mir überlegt, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich den Halter nicht „stehend“ sondern „hängend“ konstruiert hätte. Also, dass er nicht vor dem Verdeck stehen würde, sondern vor dem Heckblech hängen würde. Dann würde das Kennzeichen nur leicht gen Himmel gucken. Hmm, vielleicht änder ich das noch…

Pimp my Fahrrad 1.0 beta

Die letzten Tage war hier in Osnabrück ja noch der 97. Deutsche Katholikentag. (Als Evangelisch-Reformierter spare ich mir mal jeden Kommentar.) Ich habe es die 5 Tage über eigentlich ganz gut geschafft, den Trouble und die Menschenmassen zu umfahren. Nur am Freitag ließ es sich nicht vermeiden. Ich musste direkt durch. Ich gestehe, dass meine Toleranzgrenze mit jedem Meter sank. Als gegen Ende meiner Schiebeodyssee durch die Menschenmassen auch noch eine Erweckungstänzermenge mit ihrem spastischen „Tanzstil“ den Weg versperrte, riss mir der Geduldsfaden und ich schob mein Fahrrad einfach mitten durch sie durch. Dies habe ich mittlerweile bereut. Der Herrgott bestraft zutreffenderweise kleine Sünden sofort. Haben die mir doch so eine katholische Reißzwecke in den Reifen gehext, die kleinen Schlawiner! Nen schön anständiger Platten. Also am Samstag Nachmittag Rad ausbauen, Loch suchen, flicken, Rad einbauen und feststellen, dass man keine Luftpumpe für Autoventile im Haus hat….Kacke. Für Lola hab ich normalerweise immer einen Adapter dabei, so das man Autoventile auch mit ner normalen Fahrradluftpumpe aufpusten kann („Schrader auf Dunlop“-Adapter), aber der ist natürlich bei Lola und die steht bei meinen Eltern. Die anderen Fahrräder im Fahrradständer der Nachbarschaft hatten natürlich auch alle nur normale Luftpumpen und der Fahrradladen um die Ecke hatte zu. Tolle Wurst. Also kurz überlegt: Zur Tanke schieben? Neee, viel zu weit. Also Alternativen. Du hast Doch noch von deinem alten Tourenrad das komplette Vorderrad im Keller…..mal sehen ob das passt:

Bild nicht vorhanden
Ok, das alte Vorderrad hatte 26″ und das Neue hat 28″, aber so Beachcruiser sind ja momentan in…. und vordere Schutzbleche und Bremsen werden auch total überschätzt! Die mussten nämlich weichen, damit das Rad passte. Ein paar Unterlegscheiben halfen weiterhin die Gabel ein paar Millimeter zu spreizen, damit die Speichen nicht an der Federgabel anschlugen. Aber ansonsten bin ich mit meinem Umbau sehr zufrieden. Damit kann ich jetzt erstmal wieder rumdüsen, bis ich nen bisschen Luft für das geflickte Vorderrad aufgetrieben habe.

Reiseruf

Aus aktuellem Anlass strahle ich mal einen eigenen Reiseruf aus:

Herr XY aus Osnabrück (?) zur Zeit vermutlich unterwegs im Raum Osnabrück mit einem neon gelb-orangenen Simson Duo 4/1 mit dem Kennzeichen XYZ 123 (?) wird gebeten, sich umgehend mit mir in Verbindung zu setzen.“

Ich hab heute an einer Ampel (Sutthauser Straße/Rosenplatz) nen Duo gesehen. Das gute Teil schien in einem ziemlich desolaten Zustand zu sein. Es hatte ein graues Verdeck und war neon orange-gelb lackiert. Sah ziemlich nach Spraydosenlack aus. Leider reichte die Rotphase nur aus, um dem Fahrer zuzurufen, dass ich auch nen Duo besitze und das er doch mal ins Simsonforum bzw. Schwalbennest kommen soll. Auf die Idee, ihn zu fragen, ob er gerade mal rechts ran fahren könnte um nen kleinen Plausch zu halten, bin ich natürlich nicht gekommen…*Dummheit*
Naja, so hoffe ich, dass er hier mal vorbei schaut…. für sachdienliche Hinweise wäre ich dankbar. So häufig sieht man ja selbst in der Schwalbenhochburg Osnabrück nen Duo nicht. Da ist man über jeden Informationsaustausch froh…

Wenn ich groß bin, will ich dichter werden

Wie schon angesprochen, bin ich ja gerade dabei die Frontscheibe meiner Lola neu abzudichten. Hierzu hatte ich mir bei ebay eine neue Fensterscheibendichtung geschossen. Bei der Auktion stand extra „Für Duo 4/1“ bei. Sollte man also von ausgehen, dass die dann passt, oder? Pustekuchen. Die alte Originaldichtung hatte eine Tiefe von 8 mm. Die Neue hatte eine Tiefe von 13,5 mm. Das macht, da ja auf jeder Seite mehr Tiefe dazukommt, insgesamt 11 mm mehr Weg für die Scheibe den sie hin und herwandern kann. Die Dichtung war aber nicht das einzige Problem. Die Scheibe selbst ist lausig verarbeitet. Ich glaube, als die produziert wurde, waren Zollstöcke gerade aus…kamen auch nicht mehr rein… Die Scheibe ist viel zu klein für den Rahmen. Man kann sie mehr oder weniger einfach in den Rahmen legen. An einigen Stellen sind es nur 2-3 mm die sie im Rahmen halten. Das Resultat war auch, dass die Scheibe mit der Dichtung absolut nicht passte. Wenn die Scheibe ganz rechts im Rahmen stecke, konnte man links nen Finger zwischen Rahmen und Scheibe durchstecken….Ganz großes Tennis. Hier mal ein unscharfes Foto zur Verdeutlichung. Links die neugekaufte und rechts die Originaldichtung:
Fensterdichtung 020
Also „original passende Dichtung für Duo 4/1“ in die Tonne gekloppt und selbst nach was passendem umgesehen. Ich habe eine Skizze von der mir gewünschten Dichtung gemacht und ungefähr 20 verschiedene Gummiwerke und Händler angeschrieben.
Einige meldeten sich nicht, andere hatten nichts passendes und einige schieden aus, weil die Mindestabnahmemenge 200 Meter war. Die dann noch verbliebenen schrieb ich an, ob sie mir nicht ein paar Muster schicken könnten, damit ich ein wenig rumexperimentieren könne. Zu meiner Überraschung machten das auch recht viele. Hier eine kleine Auswahl der Muster, die sie mir schickten:
Fensterdichtung 018
Im Endeffekt kam nur eine einzige Dichtung aus dem ganzen Haufen in Frage. Sie hat nur 5mm Tiefe und gleicht somit die mangelnde Maßhaltigkeit der Scheibe aus. Außerdem ist sie nicht so wie die alte Dichtung ein einfaches „U“ sondern hat auf jeder Seite noch eine doppelte Dichtlippe. Das sollte das Wasser auf jeden Fall draußen halten. Quasi „Duo Dichtung – The Next Generation“!
So sieht das gute Stück im Querschnitt aus:
Fensterdichtung 012 klein
Die Mindestabnahmemenge war 10 Meter. Blöd, aber noch zu verkraften. Also bestellt. Und, was soll ich sagen? Sie passt perfekt. Selbst oben in den Rundungen, wo die andere Repro-Dichtung Wellen und Falten geworfen hat, liegt sie schön dicht an. Zwar mussten wir ein wenig nachhelfen, da natürlich der Kurvenradius der Scheibe nicht mit dem Radius des Rahmens übereinstimmte, aber auch das war zu machen. Insgesamt habe ich 2,8m gebraucht. Der abschließende Dichtigkeitstest fehlt noch, aber da bin ich recht zuversichtlich, dass die Dichtung ihn mit Bravour bestehen wird.
Warum ich hier solche Lobgesänge auf die Dichtung singe und die Quelle nicht verrate? Naja, ich hab jetzt noch 3x 2,8m bei mir rumliegen (Es wurden 11,5m geliefert.). Die würde ich gerne wieder loswerden… 🙂

Heinz Erhardt sah das übrigens ähnlich.