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Let the rope be free III

Die Winde samt Adapterplatte war fertig und auch die Laufkatze modifiziert. Nun fehlte nur noch ein passender Kettenzug.
Wie schon eingangs geschreiben, wollte ich gerne ein Exemplar haben, dass 2t heben kann. Zum Vergleich: Der Demag-Trümmer am Minikran durfte lediglich 500 kg heben!
Entspechend groß und schwer ist auch der Kollege, den Vevor mir vor die Haustür kullerte:

Kettenzug ist angekommen

Ohne Motorkran bewege ich da nix. So hing er aber schnell am Haken:

Kettenzug am Haken

Jemand technische Daten?

Technische Daten Kettenzug

Und? Erkennt ihr, warum der Hase nur etwa halb so teuer war, wie seine inländischen Kollegen?
Richtig! 3-Phasig, 220V, 50Hz (60Hz laut Handbuch)… das ist US-Drehstrom und kommt (außerhalb von US-Basen) in Deutschland aus keiner Dose.
Aber vielleicht habe ich ja Glück und kann den Motor einfach von einer Dreieck- auf eine Sternschaltung umbauen.
Da wird sich ja sicherlich irgendwo eine Klemmdose im Innern finden.
Nein:

Kabeleinführung Kettenzug

Auch nicht:

Elektrik Kettenzug

Ok, dann demontieren wir mal den Stator und gucken, wie die Wicklungen verkabelt sind.
Dazu löst ihr die von einem Sicherungsblech gehaltene Mutter auf dem hinteren Wellenstumpf:

Kronenmutter montiert

Danach schraubt ihr die vier Inbusschrauben des hinteren Lagerdeckels ab. Achtung! Hinter der „Bremstrommel“ sitzt eine gewaltige Feder! Am besten löst ihr die Schrauben Stück für Stück Reih um und ein Helfer hält den Lagerdeckel, damit er euch nicht durch die Gegend fliegt:

Bremsschild Kettenzug

Es finden sich darunter einige Distanzringe und Anlaufscheiben. Schön auf die Reihenfolge achten!
Danach könnt ihr die Schrauben des Stators lösen:

Elektromotor Kettenzug

Der lässt sich dann ein Stück Richtung Wellenstumpf ziehen. Keine Angst, da ist nicht viel nötig um für Ernüchterung zu sorgen:

Verdrahtung Windungen

Wie ihr seht, gehen die Kabel direkt auf die Wicklung über. Nix mit Klemmdose, nix mit Stern/Dreieck. Das ist stumpf fix verkabelt. Macht im westlichen Anlagenbau heute niemand mehr, aber nützt ja nix.
Damit musste ich irgendwo Strom in ausreichenden Mengen und passender Stückelung auftreiben.
Ein Gedanke führte Richtung Frequenzumrichter (FU). Die gibt es auch mit einstellbarer Voltzahl und dreiphasig. Neben dem Kostenfaktor ist dabei aber auch ein Problem, dass der Sanftanlauf eines FUs Gift für die mit Netzspannung arbeitende Bremse des Kettenzuges ist.
Was macht man, wenn man nicht mehr weiter weiß?
Richtig!
Möglichst vielen Menschen sein Problem klagen!
Und wie so oft führte dies schnurrstraks zu einer Lösung.
Davon aber mehr im nächsten Teil der Serie.

My Minikran V

Als letzten Posten vor der Inbetriebnahme hatte ich noch eine Abdeckung für den Kettenzug auf dem Zettel.
Der Kettenzug ist ein gewaltiger wie historischer Trümmer:

Er stammt von 1988 und kann 500 kg (1000 kg bei doppelter Kette) heben:

Da der Kollege bei Wind und Wetter draußen baumeln muss, wollte ich ihn ein wenig vor den Elementen schützen.
Am einfachsten geht das mit einer Regenhaube.
Die benötigten Maße ermittelte ich mit einem alten Duschvorhang, während der Kettenzug an meiner Dachbodenwinde hing:

Als Material entschied ich mich für LKW-Plane. Die ist UV-Stabil und auch sonst sehr unempfindlich.
Mein Lieblingsnachbar hatte davon glücklicherweise noch einen ganzen Ballen im Fundus, aus dem ich mir ein Stückchen heraustrennen durfte:

Damit mir die Plane an der Durchführung des Schäkels nicht ausreißt, habe ich dort passgenaue Löcher geschnitten und jede Schnittkante in einer Rundung auslaufen lassen:

Der auf dem Bild sichtbare KG-Deckel soll ebenfalls etwas von der Last von der Durchführung nehmen.
Dazu habe ich ihn mittels Forstnerbohrer und Raspel so bearbeitet, dass der Schäkel hindurch passt:

Der Deckel liegt nun auf dem oberen Haken des Kettenzuges auf und fungiert als „Tisch“ für die darüber hängende PVC-Plane.
Der Starkstromstecker guckt einfach unter seinem Rock hervor. Das sollte aber harmlos sein. Die sind beide gut abgedichtet.
Sollte sich jedoch diese Verbindung als anfällig erweisen, so habe ich auch noch fünfpolige Verbindungsmuffen mit IP68-Freigabe liegen.
Damit konnte der Kettenzug dann an den Kran und das ganze Geraffel erstmalig auf der Baustelle errichtet werden:

Ist ein ordentliches Kratur. Und das schon ohne den noch weiter teleskopierbaren Mast.
Von der Ausladung her passt er super zur Breite der Halle:

Auch ohne ihn zu bewegen, kann man einen Großteil der Baustelle abdecken.