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Einer ist immer der Erste I

Mittlerweile kenne ich drei von vier (mir bekannten) Reliant-3-Rad-Besitzern in Deutschland. Leider kann mir aber keiner von denen mit meinen Zulassungsproblemen weiterhelfen. Besonders ein Abgasgutachten für den 848 ccm-Motor suche ich verzweifelt. Der eine fährt seinen Rialto mit englischen Kennzeichen, der Andere mit roter 07-Nummer und der Dritte hat den Wagen schon zugelassen gekauft und hat keine Unterlagen.
Alles nicht sehr fruchtig. Naja, dann bin ich halt der Erste, der sowas anständig für die Nachwelt dokumentiert.
Über das Fusselblog von KLE (welches ich regelmäßig lese) bin ich an eine (unvollständige) Liste gekommen, aus der hervor geht, ab welchem Baujahr welche Bauteile zwingend waren:

§§ EZ Vorschrift
70/220/EWG vor 20.04.1973 Kurbelgehäuseentlüftung darf ins Freie gehen

§ 22a StVZO ab 01.01.1954 BAG* Pflicht für Schluss- und Bremsleuchten, sowie für Rückstrahler

§ 22a StVZO ab 01.01.1954 BAG Pflicht für Scheinwerfer für Fern- und Abblendlicht

§ 22a StVZO ab 01.01.1954 BAG Pflicht für Kennzeichenbeleuchtung, Begrenzungs- und Parkleuchten

§ 22a StVZO vor 01.01.1954 Keine BAG Pflicht für Einrichtungen zum Verbinden von Fahrzeugen

§ 22a StVZO vor 01.01.1954 Keine BAG Pflicht für lichttechnische Einrichtungen

§ 22a StVZO ab 01.04.1957 BAG Pflicht für Sicherheitsglas

§ 22a StVZO ab 01.04.1957 BAG Pflicht für Fahrtrichtungsanzeiger

§ 22a StVZO ab 01.01.1961 BAG Pflicht für Glühlampen für Scheinwerfer mit asymmetr. Abblendlicht

§ 22a StVZO ab 01.01.1961 BAG Pflicht für Nebelscheinwerfer

§ 22a StVZO ab 01.04.1961 BAG Pflicht für Zusatzheizungen (ausgenommen Warmwasser- und elektrische Heizungen)

§ 22a StVZO ab 01.04.1961 BAG Pflicht für Sicherheitsgurte

§ 22a StVZO ab 01.01.1962 BAG Pflicht für Heizungen (ausgenommen Warmwasser- und elektrische Heizungen)

§ 22a StVZO ab 01.01.1986 BAG Pflicht für Rückfahrscheinwerfer (müssen an Fz. mit EZ ab 01.01.87 verwendet werden)

§ 22a StVZO ab 01.10.1998 BAG Pflicht für Luftreifen

§ 30b StVZO ab 01.10.1989 Ber. des Hubraums pi = 3,1416, Bohrung u. Hub in mm, runden auf eine Stelle nach dem Komma

§ 35a StVZO ab 01.04.1970 Sicherheitsgurte auf den vorderen Sitzen erforderlich

§ 35a StVZO ab 01.05.1979 Sicherheitsgurte auf den hinteren Sitzen erforderlich

§ 35a StVZO ab 01.01.1988 Pflicht für Dreipunktgurte hinten

§ 35a StVZO ab 01.01.1992 Verankerungspunkte für Sicherheitsgurte müssen 76/115/EWG entsprechen

§ 35c StVZO vor 01.01.1956 Keine Heizung und Lüftung im geschlossenen Pkw erforderlich

§ 35e StVZO vor 01.07.1963 Hinten angeschlagene Türen zulässig

§ 36a StVZO vor 01.01.1962 Keine genaue Definition über Radabdeckungen (keine heutigen Maßstäbe anlegen)

§ 38a StVZO ab 01.01.1962 Diebstahlsicherung rückwirkend für alle erforderlich

§ 38a StVZO vor 01.01.1962 Sicherung gegen unbefugte Benutzung durch loses Zubehör (nur mit Ausnahme-genehmigung)

§ 38b StVZO ab 01.10.1998 Pkw Alarmsysteme müssen RL 74/61/EWG entsprechen

§ 40 StVZO vor 01.01.1957 Keine Kennzeichnungspflicht für Sicherheitsglas

§ 41 StVZO ab 01.01.1991 Bremsanlage von Pkw muß RL 71/320/EWG entsprechen

§ 43 StVZO ab 01.10.1974 Abschleppöse vorn erforderlich, wenn Anhängelast, dann auch hinten erforderlich

§ 47a StVZO ab 01.07.1969 Pkw mit Ottomotor AU pflichtig

§ 47a StVZO ab 01.01.1977 Pkw mit Dieselmotor AU pflichtig

§ 50 StVZO ab 01.08.1988 Hauptscheinwerfer Anbauhöhe untere Spiegelkante größer / gleich 500 mm, oberster Punkt leuchtende Fläche kleiner / gleich 1250 mm

§ 50 StVZO ab 01.01.1990 Leuchtweitenregulierung erforderlich

§ 52a StVZO ab 01.01.1987 Pflicht für Rückfahrscheinwerfer

§ 53 StVZO vor 01.07.1961 Eine Bremsleuchte zulässig

§ 53 StVZO vor 01.01.1983 Bremslicht auch gelb zulässig

§ 53 StVZO vor 01.01.1983 Brems- und Blinklicht als Baueinheit zulässig (Einkammerleuchte)

§ 53 StVZO vor 01.01.1986 Getrennte Absicherung von Schlussleuchten oder sinnfällige Ausfallanzeige erforderlich

§ 53 StVZO ab 01.01.1986 Getrennte Absicherung von Schlussleuchten erforderlich

§ 53d StVZO ab 01.01.1991 Nebelschußleuchte erforderlich

§ 54 StVZO vor 01.01.1970 Fahrtrichtungsanzeiger auch rot zulässig

§ 54 StVZO vor 01.04.1974 Winker mit gelben Blinklicht zulässig

§ 54 StVZO vor 01.04.1974 Gelbe Pendelwinker zulässig

§ 55a StVZO ab 01.01.1962 Funkschutzzeichen für Funkentstörung erforderlich

§ 57 StVZO ab 01.01.1991 Geschwindigkeitsmesser muss RL 75/443/EWG entsprechen

§ 59 StVZO vor 01.04.1952 Ort der Anbringung des Fabrikschildes beliebig

§ 59 StVZO vor 01.04.1952 Angabe des Fahrzeugtyps auf dem Fabrikschild nicht erforderlich

§ 59 StVZO vor 01.10.1969 FIN** darf auch eingraviert sein

§ 59 StVZO vor 01.10.1969 FIN auch auf genietetem Schild zulässig

*BAG = Bauartgenehmigung
** FIN = Fahrzeug-Identitätsnummer

Zwar wird die StVZO gerade reformiert und in die FeV/FZV/FBV/FGV überführt, aber außer den §§-Nummern dürfte sich inhaltlich da nichts ändern.

Statisch war gestern VI

Abschließend ein paar Fotos von dem fertig eingebauten Adapter:
Gurtumbau 010

Gurtumbau 009

Gurtumbau 014
Damit war der Bastelteil des Umbaus abgeschlossen und wir konnten an das Einstellen der Automatikgurte gehen. Es sei hier angemerkt, dass man besonders diese Arbeit in Ruhe und in psychisch ausgeglichenem Zustand angehen sollte (Ernsthaft!). Es ist eine echte Sisyphos-Arbeit! Man muss die Einstellschrauben der Gurtrollen millimeterweise verstellen bis sich der Gurt einwandfrei von der Rolle ziehen lässt. Die englische Einbauanleitung ist einem hierbei aber keine wirkliche Hilfe, da sie schlichtweg falsch zu sein scheint. Durch stundenlanges Ausprobieren haben wir herausgefunden, dass die auf den Einstellschrauben vermerkten Pfeile in einem gedachten rechten Winkel zueinander stehen müssen. Die Relation der Pfeile zum Gurt scheint dabei aber unerheblich zu sein. Zumindest konnten wir kein logisches Schema in den verschiedenen Stellungen sehen, in denen ein Abrollen möglich bzw. unmöglich war. Wie gesagt: Langwieriges Probieren scheint hier der einzige Lösungsweg zu sein.

Statisch war gestern V

Nachdem nun auch die Gurtlaschen am Schweller befestigt waren, kamen wir zu dem schwierigsten Punkt des Umbaus: Dem Befestigungspunkt der Gurtschlösser. Auch hier wollten wir den original Befestigungspunkt auf dem Kardantunnel verwenden. Im Original sitzt dort eine aus einem massiven Stahlrohr gebogene Schlaufe, in die die Gurtschlösser des Statikgurtes greifen.
Das Problem war jetzt, dass die neuen Securon-Gurtschlösser ja jeweils auf geraden 15 cm-Flachstahlbändern montiert waren.
Wir mussten also den Befestigungspunkt „verdoppeln“, um 90° drehen, ca. 10 cm nach Hinten versetzen und auch noch ein paar cm vom Boden des Kardantunnels abheben um die Gurtschlösser zur Sitzhöhe passend und optisch stimmig verbauen zu können. Hier kam uns zum Glück ein Bekannter zu Hilfe, welcher in seinem Betrieb einen solchen Adapter nach unseren Spezifikationen herstellen konnte.
Anbei ein paar Bilder von dem Adapter.
Gurtumbau 001 Gurtumbau 003 Gurtumbau 004
Wir haben ihn erst schwarz lackiert und dann wieder bis aufs Metall abgeschliffen um die Unebenheiten der Bearbeitungsspuren plan aufzufüllen. Danach lackierten wir den Adapter im selben matt-schwarzen Ton wie die Sitzgestelle. Zur Montage im Kardantunnel verwendeten wir auch wieder den original Bolzen.
Auch die Anbauteile des Adapters lackierten wir matt-schwarz. Die Hülse in der Mitte verhindert, dass sich die Backen des Adapters zusammenziehen, wenn man den Bolzen fest anschraubt. Außerdem sieht es mit der Hülse besser aus, weil das Gewinde der Schraube ansonsten sichtbar ist. Die Abdeckkappen über dem Bolzen und der Mutter lagen den Gurten bei. Sie passten aber nicht über die original Bolzen, welche wir an der C-Säule und den Schwellern verwendet haben. Sie fanden daher hier ihre Anwendung.
Gurtumbau 007
Damit war der Adapter mit den Gurtschlössern bereit zum Einbau.

Statisch war gestern IV

Nachdem der Retractor in Position gebracht war, musste noch die Gurtlasche am Schweller befestigt werden. Auch hierfür nahmen wir den original Befestigungspunkt. So sah es im Original aus:
P1800 Gurt Schweller
Und so nach dem Umbau:
Gurtlasche unten eingebaut
Da auch die Gurtlasche beim Statikgurt beweglich gelagert war, fand sich hier eine ähnliche Bolzen-Feder-Unterlegscheiben-Konstruktion wie an der C-Säule. Weil die Lasche auch bei dem Securon-Gurt drehend gelagert sein sollte, kann man eigentlich diese Feder-Konstruktion beibehalten. Wir entschieden uns dagegen, weil wir eine schlankere und von der Feder her, ermüdungsfreiere Konstruktion wollten. Wir verwendeten dazu eine der mit den Gurten gelieferte Distanzhülse mit Stufe, eine Unterlegscheibe und den original Bolzen.
Hier die original Feder-Konstruktion:
Original Bolzenkonstruktion unten
Und hier unser Umbau auf die Distanzhülse:
Gurtlasche unten Zusammenbaudetails
Der schmalere Teil der Distanzhülse greift in das Auge der Gurtlasche und sie dreht sich dann zwischen der Stufe in der Hülse und der Unterlegscheibe auf der anderen Seite. Die Lasche dreht sich nun leichter als das Original an diesem Punkt. Damit war auch die Gurtlasche fest verbaut.

Statisch war gestern III

Nachdem die bestellten Sachen da sind, kommen wir nun zum Einbau der Automatikgurte. Die Gurtrolle (Retractor) haben wir an dem original Befestigungspunkt an der C-Säule montiert. Eigentlich wäre es schicker, sie unten am Schweller zu montieren, aber da ist beim 1800 zu wenig Platz zwischen Schweller und Sitzschiene, um den doch recht großen Aufrollmechanismus unterzubringen. Außerdem hätte dann die Rolle in den Ausstieg hineingeragt und das sah einfach bescheiden aus.
So sah die original Gurtbefestigung an der C-Säule aus:
P1800 Gurt Gesamtansicht gedreht
Nach der Montage des Automatikgurtes sah es dann so aus:
Gurtrolle eingebaut C-Säule

Aufgrund dieser Konstruktion hängt die Gurtrolle wie der original Statikgurt nur an einem Bolzen. Dieser muss daher fest angezogen werden, um zu verhindern, dass sich die Rolle später durch die Schwerkraft und Vibrationen im Fahrbetrieb (Sie hat ein ziemlich hohes Eigengewicht!) oder die Benutzung in ihrer Einbauposition ändert. Dann müsste man nämlich jedes mal den Retractor neu einstellen, damit sich der Gurt abrollen lässt (doch dazu später mehr).
Durch die starke Wölbung der C-Säule drückte die Bodenplatte der Gurtrolle sehr gegen die Verkleidung, wenn man den Bolzen fest anzieht. Das war so nicht hinnehmbar. Wir mussten dementsprechend etwas Distanz zwischen die Gurtrolle und die Seitenverkleidung bringen. In der Originalkonstruktion ist das, wie auf dem Bild zu sehen ist, durch eine auf den Bolzen geschobene Feder geregelt.
Original Bolzenkonstruktion oben
Diese Konstruktion konnten wir nicht übernehmen, da durch die Feder nicht genug Druck aufgebaut wurde, um die Rolle zu halten.
Wir beschlossen daher die mitgelieferte Distanzplatte zu verwenden. Diese Platte alleine reichte aber noch nicht aus, damit die Rolle nicht mehr die Verkleidung zerdrücken würde. Abhilfe schaffte da eine an der serienmäßigen Distanzplatte befestigte Aluminiumplatte von 2mm Stärke und den Originalmaßen 50 mm x 30 mm (bxh). Die beiden Distanzplatten kamen damit auf eine Gesamtdicke von 5 mm. Dieser Abstand genügt, damit die Rolle in fest eingebautem Zustand nicht mehr die Seitenverkleidung zerdrückt. Man sollte diese Distanzplattenkonstruktion noch schwarz lackieren, da sie später durch das kleine Seitenfenster teilweise sichtbar ist. Fertig sieht das dann so aus:
Distanzplatte
Durch das Loch in der Mitte läuft nach dem Einbau der Befestigungsbolzen an der C-Säule.
Den original Bolzen mussten wir kürzen, da er ohne die Feder und Unterlegscheiben wesentlich zu lang war. Es ist wichtig, dass man an diesen Schritt denkt! Vergisst man es den Bolzen zu kürzen und schraubt ihn in der Originallänge ein, kann es passieren, das man das Außenblech des Wagens an der C-Säule verbiegt! Wir haben das Gewinde auf 22mm Länge gekürzt. So bestand keine Gefahr für die Außenhaut und der Bolzen griff noch komplett in das an der C-Säule verschweißte Gewinde.
Damit war die Gurtrolle fest verbaut.