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Trio mit drei Eiern

Nachdem Igor das Rätsel gelöst hat, kann ich euch die ganze Geschichte erzählen:

Vor längerer Zeit kontaktierte mich Heribert.
Heribert ist seineszeichens Doktor der Kunstgeschichte und hat einen Faible für Designikonen.
Anders ist es auch kaum zu erklären, dass er (neben einigen anderen tollen Fahrzeugen) auch drei (!!!) Mazda 121 DB besitzt.
Ja, richtig, die Eier mit denen wir Afrika verunsichert haben und von denen wir im Nachgang erkennen mussten, dass ein Leben ohne Eier zwar möglich, aber sinnlos ist.
Natürlich besitzt Heribert auch nicht irgendwelche 121. Nein, er hat natürlich die drei begehernswertesten Sondermodelle um sich geschart:
Das Sondermodell „Goldy“ (damals eine Kooperation mit Haribo):

Das Sondermodell „Chic“ (90’s at it’s best):

Und das Sondermodell „Ginza“ (mit handgenähter weißer Lederausstattung ab Werk):

Bei „Ginza“ wird der geneigte Blogleser hellhörig, weiß er doch, dass auch Tobias sich einen Ginza gekauft hat, um die Entzugserscheinigen seit Afrika zu lindern.
In einem längeren und sehr herzlichen Schriftwechsel und einigen Telefonaten eröffnete Heribert, dass er altersbedingt daran denkt, seine Sammlung zu verkleinern.
Für alle Fahrzeuge würde er gute Hände finden, nur für die Eier könne sich (außer uns) niemand erwärmen. Dabei seien die doch die eigentlichen Perlen. Designhistorisch gesehen. Meilensteine! Und all das Geld, dass er in die Restaurierung investiert hat („Goldy“ hat er von der Rohkarosse her neu aufbauen lassen!). Natürlich wisse er, dass er das investierte Geld niemals wiedersehen würde. Darauf käme es ihm auch nicht an. Hauptsache sie kämen in gute Hände!
Nun, gute Hände für ungeliebte Exoten?
Wer kommt uns da bloß in den Sinn….?
Richtig! Das steht ja als (imaginärer) Wahlspruch über dem Genesungswerk!
Insbesondere der Ginza reizte mich sehr. Vom Ginza wurden laut Mazda weltweit lediglich 500 Stück produziert. 250 Stück in der Variante, die Tobias besitzt und 250 Stück in der Variante von Heribert. Da ein Pärchen von über die Zeit zu retten finde ich sehr reizvoll.
Leider war auch der Ginza Heriberts Herzenswagen (neben Goldy, den er erstmal behalten möchte). Auch weil er noch einen vierten 121 in identischer Farbgebung in Teilen als Ersatzteilspender eingelagert hat. Nach einigem Ringen mit sich selbst erklärte sich Heribert doch mit einem Verkauf des Ginzas einverstanden. Über den vereinbarten Preis haben wir Stillschweigen vereinbart, aber ich kann sagen, das es ihm wirklich nicht ums Geld ging, sondern ausschließlich darum, dass der Ginza in liebevolle Hände kommt.
Als Übergabetermin hatten wir ein Wochenende im September ausgemacht.
Passend hatte in der Woche zuvor Tobias seinen AMC AMX (den wir damals zusammen aus der Schweiz geholt haben) frisch zugelassen.
Beste Vorraussetzungen für eine ausgedehnte Probefahrt:

Abfahrt!


Nach einer absolut entspannten Fahrt bei schönstem Herbst-Sonnenschein trafen wir bei Heribert und seinem Neffen ein und konnten direkt neben dem Objekt der Begierde parken:

Es folgte ein sehr herzliches Kennenlernen bei englischem Tee und selbst gebackenen Quarkbrötchen. Es wurde viel gelacht, als wir immer wieder feststellten, wie sehr wir trotz des beträchtlichen Altersunterschiedes doch auf einer Wellenlänge lagen. Menschen mit besonderem Geschmack unter sich.
Schon dort stellten wir übereinstimmend fest: Sollte der Verkauf aus irgendwelchen Gründen nichts werden, die Reise war es trotzdem wert.
Unseren speziellen Vorlieben folgend, waren Heribert und sein Neffe auch von Tobias AMX begeistert und wir beschlossen spontan eine kleine Ausfahrt mit Ginza und AMX.

Auch hierbei herrschte ausgelassene Stimmung und ich konnte den Ginza erstmals detailliert „erfahren“. Natürlich war er genau so wie Heribert ihn beschrieben hatte:

Bei knapp über 50.000 km auf der Uhr war der tadellose Zustand auch nicht weiter verwunderlich:

Auch das weiße Leder im Innenraum hat nur minimale Gebrauchsspuren:

Man beachte die Sitzkeder in Wagenfarbe! Dazu ist er (bis auf die Klimaanlage) voll ausgestattet: elektrische Fensterheber, Sitzheizung, elektrisches Panoramadach, Servolenkung, das ganze Programm. Davon konnte ein normaler 121, genauso wie die meisten anderen Kleinwagen der frühen 90er, nur träumen.
Ich hatte aber nur kurz Zeit zu schwelgen, denn wir wollten unbedigt noch unsere gemeinsame Ausfahrt mit allen drei 121 machen:

Der Wahlspruch „Trio mit drei Eiern“ stand natürlich von vornherein fest.
Ziel unserer Ausfahrt war ein leicht erhöht und abgelegener Wendehammer im abendlichen Sonnenschein.
Die 121 zu drapieren war dann nochmals Gegenstand längerer Diskussionen.
Man merkte deutlich, dass Heribert mehr von farblichen Arrengements versteht als wir alle zusammen.

Während ich nur ein paar schnelle Schnappschüsse mit meinem Handy machte, packte er das große Besteck aus und suchte nach dem goldenen Schnitt.

Man beachte übrigens die Kennzeichen, welche die Initialen von Heriberts Lieblingskünstlern und wichtige Daten in deren Wirken repräsentieren. Zum Beispiel Paul Gauguins Südseereise 1891 bei Goldy.

Nachdem alle Bilder im Kasten waren, fuhren wir zurück und erledigten den obligaten Papierkram. Leider dämmerte uns schon der Abend, so dass wir dem Rest seiner Sammlung nur eine Stippvisite abstatten konnten. Aber auch da fanden sich Leckerbissen, die dem Ginza in nichts nachstehen.
Nun war er gekommen, der Augenblick des Abschieds und Heribert war die Wehmut deutlich anzumerken.
Nach der mehrfachen Versicherung, dass der Ginza es bei mir gut haben würde und er ihn jederzeit besuchen dürfe, ließ uns Heribert vom Hof reiten.
Es wurde ein erfreulich ereignisloser Ritt in die Dunkelheit, auf dem ich den Ginza ganz entspannt genießen konnte.
Wieder in Padeborn angekommen, haben wir die beiden Boliden dann noch voll getankt:

So steht er nun einträchtig neben seinem Bruder und wartet darauf, dass es wieder Frühling wird und ich ihn zu mir hole:

Danke, Heribert!

P.S.: Sollte ein weiterer Mazda 121-Liebhaber (m/w/d) über diesen Artikel stolpern: Den roten „Chic“ würde Heribert ebenfalls noch in liebevolle Hände abgeben…

Rätselzeit

Es gibt mal wieder Zuwachs im Koch’schen Streichelzoo der skurilen Automobile.
Und da sowas traditionell immer mit einem Rätsel einher geht, wisst ihr, was euch blüht:
Nach der langen Coronazeit war uns einfach nach weiter Welt, Exotik und fremde Kulturen. Allerdings wollten wir auch an gemeinsame Erfahrungen anknüpfen und diese logisch ergänzen. Wir haben uns daher hierfür entschieden:

Na, wer findets?

Untenrum feucht

Auch am Genesungswerk ging es zwischenzeitig natürlich weiter.
Bevor ich mit dem stellen der Schalungssteine starten konnte, wollte ich einen Schutz gegen aufsteigende Feuchtigkeit aufbringen.
Verschiedene Menschen meinten zwar, das dies nicht nötig sei (WU-Beton, Kunststoffbahn unter der Bodenplatte), aber die DIN schreibt es vor. Außerdem sind sowohl die Kosten als auch der Aufwand sehr übersichtlich, insbesondere wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten einer nachträglichen Sanierung wären.
Da aus der Bodenplatte ja die Anschlusseisen für die Wände ragen, habe ich statt der zulässigen besandeten Teerpappe R500 eine flüssige Abdichtung gewählt.
Leider war ich zu doof für eine ordnungsgemäße Anwendung. Ich vermute, die Beschichtung ist trotz steter Bewässerung zu schnell getrocknet, so dass sie sich hinterher großflächig einfach wieder vom Untergrund löste:

Ich habe dann mit dem Hochdruckreiniger alles weg gepustet, was nicht ordentlich hielt.
Also zurück auf Anfang und doch die R500-Teerpappe nehmen. Ist zwar nerviger, aber geht auch.
Etwaige Unebenheiten in der Bodenplatte habe ich mit Betonspachtel ausgeglichen:

Während der aushärtete, habe ich aus einer meiner Moniereisenabdeckungen einen Abroller für die Teerpappe gebaut:

Mit einem geopferten Forstnerbohrer konnte ich dann die ausgemessenen Bohrungen für die Moniereisen machen:

So konnte ich die Teerpappe Stück für Stück über die Eisen fädeln und mich langsam vorwärts arbeiten:

Die entstandenen Löcher in der Teerpappe habe ich dann mit kleinen Flicken nochmals zusätzlich abgedichtet:

Ich gebe es zu: Alles nicht geil.
Allerdings immer noch besser als einfach nichts zu machen und einfach das Beste zu hoffen.

Hals- und Federbruch

Ich gebe es zu: Wir müssen hier so einiges aufarbeiten.
Beim Service des Combos hatte ich ja den Federbruch hinten links festgestellt:

Leider hat der Erdgascombo andere Federn als seine liquiden Brüder. Für den CNG-Combo braucht ihr „progressiv gewickelte“ Federn. Das heißt, dass sie oben und unten dünner sind, als in der Mitte. Die normalen Combos haben da durchgängig eine Drahtstärke. Die gemeinen Ersatzteilportale werfen euch da munter beide Varianten als passend aus, also Obacht. Leider gibt es für die progressiven Federn kaum (namenhafte) Anbieter. Lediglich KYB führt sie im Programm, aber auch da lässt die Qualität zu wünschen übrig (siehe unten).
Neben den Federn brauchte ich auch einen Federspanner für den Wechsel. Die Horrorgeschichten von zahnlosen Altgesellen haben wir alle gehört, daher wollte ich da nicht die billigen Spanner nehmen. Das Werkstatthandbuch wildert natürlich direkt im Hazet-Regal. Das war mir mit ~300,00 Euro aber dann doch eine Nummer zu preisintensiv. Die goldene Mitte findet sich (wie so häufig) im extrem guten Katalog (kostenlos bestellbar) des Korrosionsschutzdepots. Für schlanke 60 Euro gibt es drei Spanner mit Sicherheitsverschluss:

Leider war eine der vom Shop übersandten Federn augenscheinlich ein Kundenrückläufer (Karton geflickt, Macken im Lack):

Da musste ich also erst mal den Lackpinsel schwingen:

Den Start machte der Ausbau der defekten Feder. Durch den fehlenden Teil, war sie die kürzeste und ging damit am leichtesten aus ihrem Sitz:

Zum komprimieren braucht man ein breites Sortiment an schlanken Ratschen und Schlüsseln.

Insgesamt ist die Sache zwar mühsam aber straight forward. Deutlich erleichtern würde es die Aktion, wenn man auf die Enden der Gewindestangen passende Muttern schraubt und diese kontert. Dann könnte man sowohl von oben als auch unten schrauben, je nachdem wo man besser dran kommt. Da die Federspanner aus England stammen braucht man jedoch 3/8″-Muttern (11G):

Also beim nachmachen frühzeitig besorgen!
Nachdem die Feder raus war, konnte ich mir mal in Ruhe den Federdom und seine Umgebung besehen:

Da arbeitet Gevatter Gammel schon ganz ordentlich. Ist interessanterweise nur die linke Seite.
Bei ~212.000 km auf der Uhr geht es aber eigentlich nur noch darum den Gammel so weit zu bremsen, bis der Combo auf andere Weise sein Leben aushaucht. Dafür reicht nach einer Behandlung mit der Drahtbürste eine sinnliche Massage mit meinem Korrosionsschutzfett:

Hier mal ein Vergleich der alten und der neuen Feder nebeneinander:

Die Längendifferenz ist deutlich.
Aber auch nochmaliges überprüfen zeigt, dass die Federn für den Erdgascombo von KYB freigegeben sind.
Die „losen“ Federn zu spannen ist die deutlich größere Herausforderung.
Dank der Sicherheitshaken an den Spannern fliegen einem die Federn zwar nicht mehr um die Ohren, aber einen gehörigen Schreck bekommt man trotzdem, wenn plötzlich alle Spanner auf eine Seite rutschen und die Feder einen großen Bauch macht. Deutlich besser wurde es, als ich mir aus einer dicken Stahlplatte und einer Gewindestange eine Führung gebaut habe:

Damit die Feder nicht zerkratzt kam noch ein Lappen über die Gewindestange und dann konnte es immer fünf 90°-Drehungen pro Ratsche rings um gehen:

Im Nachgang habe ich noch den Tipp erhalten, jeweils links und rechts neben die Spannerklammern Kabelbinder zu machen. Dies gibt ihnen zusätzlich seitlichen Halt während des Spannvorgangs. Sicherlich ein hilfreicher Tipp.
Hat man die Feder auf ca. 23 cm komprimiert, kann man sie einbauen:

Leider musste ich nach dem Einbau feststellen, dass die Windungen der Federn ganz minimal aneinander scheuern, was sie bei jeder Bodenwelle mit einem herzerweichenden Knarzen quittierten.
Eine kurze Google-Recherche später wusste ich, dass dies kein seltenes Problem mit „billigen“ Federn ist.
Für einen Umtausch der Federn hatte ich jedoch weder Zeit, noch Lust, noch einen alternativen Anbieter (siehe oben).
Also selber lösen. Die Federn würden nicht mehr quietschen, wenn die Windungen irgendwie auf Distanz gehalten würden.
Als „proof of concept“ diente ein Schwung Kabelbinder:

Das klappte tadellos, also was dauerhafteres basteln.
Ich habe nun einen (mit Korrosionsschutzfett gefüllten) aufgeschnittenen Gewebeschlauch um die Scheuerstellen gemacht und mit Kabelbindern gesichert:

Das hält seit ca. 1000km tadellos und ist ggf. innerhalb kürzester Zeit erneuert.

Service en gros II

Nachdem der Combo mit dem Service durch war, habe ich dasselbe Spiel nochmal beim Gerontengolf durchgezogen:

Auch hier, fast nix, was wir nicht schon gehabt hätten.
Ein paar Hinweise will ich aber doch noch da lassen.
Bei der Dichtung für das Ölfiltergehäuse müsst ihr darauf achten, dass die kleine Lippe Richtung Motor zeigt:

Außerdem scheint der VAG-Konzern für alle seine Fahrzeuge nur einen Typ Luftfilter zu haben. Zumindest von den Dimensionen her, wäre er nämlich für den Cayenne angemessen:

Der Tausch ist super einfach, genauso wie beim Innenraumluftfilter. Den hingegen beim Combo verantwortlichen Opel-Ingenieur peitsche ich ja immer noch gelegentlich im Keller aus.
Beim Golf entfernt man einfach die Schaumstoffabdeckung im Fußraum (Plastikmuttern):

Dann sieht man direkt die Kunsstoffabdeckung des Innenraumfilters vor sich. Hat man auch die abgeschraubt, kommt einem direkt der Filter entgegen:

Dank der Form des Filters ist es im Anschluss auch umöglich ihn verkehrt herum einzubauen. Wirklich schön gelöst (whip).
Damit war auch hier der Service durch und ich konnte wieder den Stempel zücken.
Zwischenzeitig hatte ich schon die Bestellung für zwei neue Federn für den Combo aufgegeben. Dort konnte es also direkt weiter gehen.