Archiv der Kategorie: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

Dem Ingenör is nix obskör II

Eh man es sich versieht, sind ruck-zuck zwei Jahre um.
Das bedeutete, dass der Rialto wieder zur Hauptuntersuchung musste.
Erstmals nicht bei meinem Haus-und-Hof-TÜV-Prüfer in Osnabrück (welcher sich mittlerweile zu einem echten Dreirad-Spezialisten gemausert hat, da auch andere Reliant-Fahrer aus der Republik, auf meine Empfehlung hin, extra zu ihm gefahren sind).
Da hieß es also neben der üblichen Frühlings-Wiederbelebung auch die nötigen Unterlagen zusammen zu stellen bzw. den dicken Ordner einzupacken.
Die Wiederbelebung gestaltete sich erwartungsgemäß unspektakulär.
Die Batterie vom neuen Erhaltungsladegerät in den Rialto geschraubt, alle Flüssigkeiten gecheckt, Zündspule abgeklemmt und mittels Anlasser georgelt, bis die Öldruckleuchte erloschen ist.
Anschließend wieder die Zündspule angeklemmt, Choke gezogen und nach kurzem orgeln (der Sprit musste ja erst wieder die Leitungen füllen) sprang der Motor an und lief direkt rund.
Auch die folgende Proberunde verlief ebenfalls ohne unerwartete Vorkommnisse.
Die Beleuchtung funktionierte einwandfrei (nachdem ich mich erinnert hatte, welcher Schalter für die Nebelschlussleuchte zuständig ist).
Lediglich die Warnblinkanlage brauchte 2-3 Betätigungen, bis sich eine einhellige Meinung über die einzelnen Zuständigkeiten bei den Blinkern gebildet hatte.
Die Bremse bedurfte ebenfalls einiger Probebremsungen auf einem leeren Parkplatz, bis der Rost der Standzeit runter und eine einheitliche Kraftentfaltung wieder gegeben war.
Anschließend bei einer nahen Tanke mit frischem Super-Plus vollgemacht, den Reifendruck gecheckt und in einer Waschbox den Tiefgaragenstaub der letzten Monate abgewaschen.
Damit waren die technischen Vorbereitungen abgeschlossen.

Leider konnte mir beim Magdeburger Oldtimerstammtisch niemand einen Prüfer mit Herz für Oldtimer empfehlen, so dass ich auf gut Glück losfahren musste.
Erste Anlaufstelle war die Dekra-Filiale in der Brenneckestraße. Dort hatte man zwar Zeit für mich, allerdings wurden der junge Prüfer und ich uns ziemlich schnell einig, dass wir uns nicht einig wurden. Auch Telefonate mit Vorgesetzten und Kollegen führten zu keinem gemeinsamen Nenner, was die Anwendbarkeit bestimmter Vorschriften angeht.
Also Krams wieder zusammengepackt und eine Station des TÜV-Nord angesteuert. Die erste hatte geschlossen, die zweite war glücklicherweise offen:
HU 2014
Der Prüfer dort war mir auf Anhieb sympathisch.
Auf eine erste Erläuterung meines Anliegens folgte ungläubiges Gelächter. Der Prüfer meinte, dass wir beide Glück hätten, dass der Kunde, der den 15-Uhr-Termin gehabt hätte, vorhin absagte, so dass er reichlich Zeit für mich hätte. Noch immer lachend forderte er den Zündschlüssel und meinte: „Also damit lasse ich mir eine Proberunde nicht entgehen! Und Sie kommen mit, um mich einzuweisen.“
Vor dem Auto stehend erklärte ich schnell, dass er auf der Seite, auf der er stehen würde kein Lenkrad finden würde, was mit weiterem lachenden Kopfschütteln beantwortet wurde. Die Probefahrt wurde weiter grinsend absolviert, während ich ein paar erläuternde Worte sprach.
Am Ende stand die Diagnose „Handbremse zieht etwas einseitig“. Nach der Erklärung des kurz zuvor beendeten Winterschlafs war aber auch das in Ordnung. „Bremst sich noch ein“. Der Leuchtweitentester attestierte ein wenig hoch eingestellte Scheinwerfer, aber auch das war kein zu monierender Mangel. Um den Rialto von unten zu begutachten, musste ich rückwärts über die LKW-Grube fahren, bis das Vorderrad an der Kante stand. Das kannte ich schon aus Osnabrück.
Ich habe die Chance dann genutzt, mit dem Prüfer zusammen einen Blick unter den Rialto zu werfen. Auch hier erklärte ich dem interessierten Ingenieur ein paar konstruktive Besonderheiten und plauderte locker mit ihm.
Am Schluss stand eine neue HU ohne erkennbare Mängel:
HU-Bericht 2014
Sehr schön!
Wie ihr sehen könnt, muss der Rialto erst im Februar 2016 wieder hin, obwohl er eigentlich im Dezember 2013 dran war. Adieu Rückdatierung!
Allerdings war ich auch auf den letzten Drücker da, denn man kann nur zwei Monate ohne Mehrkosten überziehen!

Ich habe die Chance genutzt und mit dem Prüfer gleich das Mitte des Jahres anstehende H-Gutachten besprochen. Auch hier sieht er keine Probleme. Lediglich den tiefen Kratzer im rechten Kotflügel soll ich etwas kaschieren. Aber das steht eh auf meinem Programm, wenn der Bond Bug wieder läuft. Schmunzelnd meinte er dann noch, dass es nett wäre, wenn ich ein paar Unterlagen (Verkaufsprospekte, etc.) zum H-Gutachten mitbringen könnte. Er hätte schließlich keine Ahnung, wie so ein Rialto im Original aussehen würde… Auch das kein Problem und natürlich verständlich. Habe ich mittlerweile alles angesammelt.
Abschließend habe ich ihn dann noch auf den Bond Bug vorbereitet, der ebenfalls neuen TÜV braucht, wenn er fertig ist.
Er meinte, dass er sich schon darauf freuen würde und gab mir eine Visitenkarte mit Handynummer, damit ich einen Termin mit ihm abmachen könne, „damit wieder genügend Zeit für eine Probefahrt ist“. Aber gerne doch.
Am Schluss machte er noch selbst ein Foto vom Rialto, „weil die mir das sonst heute Abend nicht glauben“.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass ich diesen Prüfer vorbehaltlos für Oldtimer und exotische Autos empfehlen kann.
Der Mann hat neben Sachverstand auch ein Herz und das rechte Augenmaß für die Besonderheiten solcher Fahrzeuge.
Schön, auch hier in Magdeburg so jemanden gefunden zu haben.

Kupferwurm XII – Spannungsbogen

Neben dem neuen Kabelbaum sollen ja auch ein paar Upgrades Einzug in den Bug halten.
Eines davon ist eine moderne Drehstromlichtmaschine mit integriertem Regler.
Die alte Gleichstromlichtmaschine leistete zwar noch treue Dienste, ich habe mich aber aus verschiedenen Gründen von ihr abgewandt.
Wie bekannt ist, erzeugt eine Gleichstromlima erst bei höheren Drehzahlen ausreichend Strom um alle Verbraucher samt Batterie zu versorgen.
Der Bug wird aber in Zukunft verstärkt im innerstädtischen Kurzstreckenbereich eingesetzt. Denkbar ungünstige Voraussetzungen.
Erschwerend kommt hinzu, dass auch der Strombedarf signifikant gestiegen ist (z.B. H4-Scheinwerfer und elektr. Lüfter). Da geht der alten Lima mit maximal 22 Ampere schon mal die Puste aus.
Darüber hinaus entfällt bei einer Umrüstung der prähistorische Lucas RB 106-Spannungsregler. Diese mechanischen Wunderkisten sind neben ihrer Fehleranfälligkeit und dem unvermeidlichen Verschleiß für ihre nur beschränkte Leistungsfähigkeit bekannt.
(Sollte sich jemand für das Funktionsprinzip interessieren, findet sich hier eine ausführliche Erklärung am prinzipiell identischen Lucas MC2.)
Bei der Umrüstung entfällt nebenbei auch einiges an Kabeln.
Auch im Hinblick auf die „Originalität“ habe ich keine Bauschmerzen:
Der Umbau ist spurlos wieder rückgängig zu machen und spätere Reliant Robins, welche ebenfalls mit dem 700ccm-Motor unterwegs waren, hatten ebenfalls eine Drehstromlima.
Die technischen Grundlagen dieser (insbesondere im MG-Bereich) weit verbreiteten Umrüstung sind im Netz gut dokumentiert. Insbesondere MGAguru.com gebührt mein Dank!
Es konnte mich also nix mehr aufhalten.
Als erstes muss man feststellen, was für eine Lima gebraucht wird.
Beim Blick in den Motorraum zeigt sich, dass die Platzverhältnisse nicht gerade üppig sind:
Space between dynamo and radiator outlet
Da muss also was schlankes her.
Natürlich lässt sich einiges anpassen und zurecht basteln, aber am liebsten war mir natürlich eine annähernde plug&play-Lösung.
Auch in Bond Bug-Kreisen ist der Umbau nicht unbekannt, allerdings ist man dort wenig wählerisch, was die Ausgangskomponenten angeht.
Ist die ausgesuchte Lima zu groß, wird kurzerhand ein Loch in den Beifahrerfußraum gesägt und eine „Beule“ einlaminiert, um ihr mehr Platz zu verschaffen…. ehrlich wahr! Ich hab schon Bilder gesehen!
Allerdings fand sich auch der beruhigende Hinweis, dass die recht schlanke Lucas 17ACR-Lichtmaschine ohne Umbauten passen soll.
Mit 34 Ampere und integriertem Regler klang sie genau nach dem, was ich suche.
Neben der Leistung und den Abmessungen ist es beim Shopping wichtig, die Ausrichtung am Motor zu wissen.
Das folgende Diagramm gibt Aufschluss:
LiMa-Ausrichtung Diagramm
Man blickt dabei von vorne auf den Motor. Der Bug braucht eine „rechtshändische“ Lima. Viele Typen lassen sich von „links- auf rechtshändisch“ umbauen, aber man muss sich ja nicht zwingend Arbeit machen.
Gerüchten zufolge sollte die Lucas 17ACR noch lange verbaut worden sein. Unter anderem im Ford Fiesta, Escort, Orion, Scorpio und Sierra bis Ende der 90er.
Also geshoppt.
Leider erwies sich die Info als falsch. In den genannten Fordmodellen werkelte eine Lucas 18ACR und die ist einen Happs zu dick, um sie in den engen Maschinenraum des Bugs zu zwängen.
Also Plan B:
Mein Rialto ist Baujahr 1984.
Zu dieser Zeit wurden auch noch Lucas 17ACR in die Rialtos eingebaut (Später ebenfalls Lucas 18ACR).
Organspende innerhalb der Familie nennt man das wohl:

Original Lima im Rialto
Da sitzt sie noch ganz unschuldig.
Kurze Zeit später lag sie vor mir:
Beschriftung original Lima Rialto
Um den Rialto nun wieder zu mobilisieren, musste die generalüberholte Lucas 18ACR ihren Weg an seinen Motor finden.
Einzige Hürde war dabei das Steckergehäuse des Kabelbaums zur Lima. Das war ca. einen Millimeter zu lang.
Allerdings ließ sich der Stecker ohne große Gegenwehr zerlegen und seiner Kontakte berauben:
Lima-Stecker zerlegt
Diese wurden daraufhin einzeln isoliert und wanderten an die neue Lima:
Neue Lima im Rialto
Der Platz ist ausreichend und auf der späteren 250km-Fahrt zurück nach Magdeburg lüppte alles problemlos.
Konnte ich mich also dem Bug zuwenden.
Hier die ausgebaute Gleichstrom-Lima (nach gewohnt liebevoller Reinigung durch Vaddern):
alte Lima ausgebaut
Ist ein ganz schöner Trümmer.
Allerdings ist sie immer noch schlanker als die Lucas 17ACR.
Die in den Motorraum zu bugsieren war eine Tetrisleistung der besonderen Art:
Ansicht von unten
Momentan ist sie weder ausgerichtet noch großartig befestigt.
Es reichte mir erstmal die Erkenntnis, dass sie grundsätzlich passt und auch noch etwas Raum zum spannen des Riemens bleibt:
Ansicht von Oben
Auch die Riemenscheiben sind noch nicht in einer Flucht:
Position zum Wasserpumpenrad
Das sieht bisher aber nicht nach einem Problem aus.
Den finalen Einbau gehe ich an, sobald der Kühler raus ist.
Der muss nämlich für Gadget Nummer 2 weichen…..

Saisonabschluss des Oldtimerstammtischs

So, ich bin aus den Bond-Bug-Ferien wieder da.
Bevor ich aber den Elektrik-Umbau in gewohnt epischer Breite darstelle, muss ich erstmal noch ein paar Dinge, die davor geschahen näher beleuchten.
Den Anfang macht der traditionelle Saisonabschluss des Oldtimerstammtischs Magdeburg vom 03.10.
Der bunt gemischte Haufen traf sich um 09:30 Uhr (Ich hab die Beste mal wieder viel zu früh dort hin gescheucht, so dass wir schon um 9 Uhr auf dem leeren Parkplatz standen) bei strahlendem Sonnenschein aber bitterer Kälte:

Einer der Neuzugänge war der imposante Gorkovsky Avtomobilny Zavod 24 Wolga (Kurz: GAZ 24 Wolga), der mir schon auf dem OMMMA aufgefallen war:

Nachdem auch die letzten Nachzügler eingesammelt waren, machten wir uns auf den Weg durch den Flemming:

Danke an alle für den Soli. Es waren vorzügliche Straßen!
Eine Lektion, die ich mittlerweile gelernt habe: Bei Oldie-Ausfahrten im Osten, immer Ausschau nach einem Viertakter halten, an dem man sich hängen kann!
Ist immer gut, wenn der erstmal den Zweitakterduft des Vordermanns verquirlen kann.
Einen kurzen Zwischenhalt legten wir an einer Burg ein, deren Name ich leider verdrängt habe:

Ich nutzte die Pause um ein paar Pflaumen aus dem Burggarten für die Beste zu stibitzen.
Ist immer wichtig, dem Liebchen ein paar Gaben darzubringen.
Nachdem sich alle die Beine vertreten hatten, ging es weiter Richtung Zerbst.
Unser Ziel war dort das Residenzschloss der Fürsten von Anhalt-Zerbst bzw. was von ihm übrig ist:

Wir durften freundlicherweise direkt im Schlosspark unsere Fahrzeuge abstellen:


Bevor wir zum Kulturteil schritten, wurde Mittagsrast im Gildehaus eingelegt.
Mit vollen Bäuchen ging es dann zurück zum Schloss und hinein in die Bruchbude:

Um es kurz zu machen: Hätten sie die Bude endgültig platt gemacht, wäre es auch keinem aufgefallen.
Es wurde während der Führung ein riesen Aufriss drum gemacht, dass Katharina die Große da mal für ne Woche den Lokus gewärmt hat.
Naja, jedem seine Schwärmerei.
Außer ein paar mühselig zusammengetragenen Bröckchen ist aber leider nicht mehr viel vom einstigen Glanz übrig. Den vom Förderverein angestrebten Wiederaufbau „in altem Glanz“ halte ich für … öhhhh…“optimistisch“… Obwohl zwei der Fenster sogar schon wieder richtiges Glas drin haben (der Rest ist nur Plastikfolie)!
Auf dem Rückweg zu den Autos, hatten diese sich auf wundersame Weise vermehrt:

Die IFA-Freunde Sachsen-Anhalt hatten für ihren Saisonabschluss das gleiche Ziel ausgewählt und sich zu uns gesellt.
Den anschließenden Rückweg traten wir zusammen mit Uwe und seinem Škoda 110 R an.
Wie immer war die Tour TOP organisiert und sehr unterhaltsam.
Vielen Dank für den schönen Saisonabschluss!

Rugged Robin – 2/3-track light strike vehicle

Ich hatte ja schon berichtet, dass man in Reliant-Kreisen nicht sonderlich glücklich über Jeremy Clarksons Art der Berichterstattung über Reliant Threewheeler ist.
Mit seiner letzten Aktion (ich berichtete) hat er jedoch dass Fass zum überlaufen gebracht.
In einer Geheimaktion der „IRA“ („International Reliant Army“) wurde ein Clarkson-Jagdkommando zusammengestellt und mit einem passenden Fahrzeug ausgestattet:

Die Jagd auf Herrn Clarkson ist damit eröffnet:

Er kann sich nicht ewig vor unserer Rache verstecken!

P.S.: Die Darstellungen des Autors müssen nicht zwingend mit der Wahrheit übereinstimmen und sind eventuell aus dramaturgischen Gründen leicht übertrieben.

Zuwachs in der Bibliothek

Während ich noch über dem neuen Stromlaufplan für den Bond Bug brüte, trudelte gestern Verstärkung für meine Reliant-Bibliothek ein:
The Reliant Threewheeler
Elvis Payne hat zusammen mit Stuart Cyphus in zwei Büchern die Geschichte der Three-Wheeler-Produktion von Reliant dokumentiert.
Buch 1 umfasst die Jahre 1935 bis 1973 und Buch 2 die Jahre 1973 bis 2002.
Die Bücher sind unterhaltsam geschrieben, gut recherchiert und enthalten viel historisches Bildmaterial.
Sie können getrost als neue Standardwerke zum Thema Reliant Three-Wheeler angesehen werden.
Eine echte Empfehlung für jeden, der an der Marke interessiert ist und englische Lektüre nicht scheut!