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Ein Trauermarsch durch die Elektrik II

Nachdem ich die englischen Todesfallen vorübergehend gesichert hatte, habe ich mich weiter den Vorarbeiten für die eigentlich anstehenden Aufgaben gewidmet: Relais für die Scheinwerfer und Warnblinkanlage.
Es fehlte noch ein neuer Sicherungskasten. Den Alten, zusammengeschusterten, habe ich ja auch im hohen Bogen entsorgt. Auch die ehemals allesamt schwarzen Kabelstücke habe ich entsorgt und versucht, den Salat ein wenig zu ordnen:
Bond Bug Kabelsalat 13
Da der Sicherungskasten in einem Bereich sitzt, in dem man Feuchtigkeit nicht ausschließen kann, habe ich mich für ein spritzwassergeschütztes Exemplar entschieden. Ich habe ebenfalls auf moderne Flachstecksicherungen umgerüstet:
Bond Bug Sicherungskasten 18
Nich original, aber da siehts eh keiner. Außerdem gibts dafür Ersatz an jeder Tanke und auch das Relais arbeitet mit diesen Sicherungen. Auch die im Original durchgängig verwendeten 35A-Sicherungen habe ich mal durch (grob) berechnete Sicherungsstärken (Watt durch Volt = Ampere) ersetzt.
Ich habe erstmal das alte Hitzeschutzblech wieder verwendet. Das sieht zwar mittlerweile wie ein schweizer Käse aus, aber als Schablone für ein hübsches Teil wird es später gut funktionieren:
Bond Bug Hitzeschutzblech Elektronik 7
Auf dem Bild fehlen noch die beiden Löcher für das Warnblinkrelais und das Loch für das Scheinwerferrelais (kommt beides auf die Rückseite geschraubt).
Danach habe ich unseren Kabel-Reste-Fundus raus gekramt und nach passenden blauen Kabeln gesucht:
Bond Bug Scheinwerfer Relaissteuerung 9
So bleibt die Kabelfarbe für alles was mit den Scheinwerfern zusammen hängt einheitlich. Germanischer Ordnungssinn und so….
Die Verkabelung war recht einfach, nachdem klar war, welches Kabel am Lichtschalter für was zuständig war:
Bond Bug Scheinwerfer Relaissteuerung 10
Da der Haupt-Lichtkreis im Original gänzlich ohne Sicherung lief, habe ich mich für ein Relais mit integrierter Sicherung entschieden:

Der Schaltkreis (Klemme 85/86) läuft jetzt über den Zündungsstromkreis am Sicherungskasten (Schlüssel raus = Licht aus). Lege ich mit „Zündung an“ dann den Schalter am Armaturenbrett auf die Position „Standlicht“, fließt der Strom dort direkt drüber. Da geht ja kaum was durch. Auf der Position „Abblendlicht“ schickt der Schalter Strom zum Relais, dass den geschalteten Stromkreis (Klemme 30/87) zu zieht und nun den Arbeitsstrom für die Scheinwerfer über die dicken Originalleitungen und die neue 30A-Sicherung holt. So ist nur noch ein Bruchteil der Last auf dem filigranen Lucas-Schalter am Armaturenbrett, was hoffentlich seine Lebensdauer wesentlich erhöht. Das Relais hat übrigens einen integrierten Widerstand, so dass man den Schaltkreis ruhig direkt auf Masse legen kann.
Interessanterweise brauchte ich für Abblend- und Fernlicht nur ein Relais. Augenscheinlich wird der Strom des Abblendlichts durch den Fußschalter fürs aufblenden durch geschleift. Da geht ein Kabel rein und zwei wieder raus. Drückt man dann den Schalter bekommen die Fernlichter ihren Saft auch aus der Abblend-Leitung. Nicht schön, aber naja. Kommt Zeit, kommt separate Leitung.
Der Einbau der Warnblinkanlage war traumhaft einfach. Ich muss nochmal drauf hinweisen, was für ein gutes Produkt diese Anlage für ihren Preis zu sein scheint! So sind zum Beispiel die Beschriftungen, wozu die einzelnen Kabel dienen, in kurzen Abständen (sogar auf deutsch) auf die Ummantelung der einzelnen Strippen aufgedruckt. Schlaue Idee.
In einem wüsten Testaufbau mit Krokodilklemmen habe ich vor dem Ablängen der Kabel erst einmal getestet, ob mein Plan aufgehen würde. Ich wollte den Strom von der Dauerplus-Leitung am Sicherungskasten abnehmen. Die Steuerleitungen der Blinker sollten dann einfach an die Ausgangsseite des Blinkerschalters gehen und so die bestehende Verkabelung nutzen. Das ersparte mir das verlegen neuer Kabel zu den Blinkern. Hat auch wunderbar funktioniert. Schön gleichmäßiger Takt. Also Kabel abgeknipst und vercrimpt:
Bond Bug Warnblinkanlage 8
Lediglich das Kabel der Kontrollleuchte und des Schalters habe ich noch nicht gekürzt. Da warte ich noch auf einen original Schalter aus England. Soll ja möglichst authentisch sein.
Die Lucas-Schalter werden übrigens mittlerweile nachgefertigt. In Deutschland bekommt man sie z.B. bei Heinrici.
Beim nächsten Einsatz muss ich dann nur noch alles wieder zusammen werfen und mich um die ominösen Kabel kümmern. Auch der Verkabelung der Zündspule will ich mal auf den Grund gehen.

P.S.: Mein Vater bestand darauf, dass ich erwähne, dass er schon Jahrzehnte bevor er überhaupt an selbst schraubenden Nachwuchs dachte, unsere Garage mit einem großen Heizkörper ausgestattet hat, welcher es schaffte sie auf mollige 16°C zu erwärmen.
Ein Visionär, der Mann….

Warnblinkerei

Es gibt nur wenige Dinge, bei denen der TÜV keine Baujahrsbedingte Gnade kennt.
Eines davon ist die Warnblinkanlage.
Sowas muss selbst Opas Schnauferl von 1912 haben.
Die Engländer hingegen, halten sowas für neumodischen Nonsens. Geht doch niemanden was an, wenn ich ne Panne habe! „Datenschutz“ und so!
Dementsprechend muss ich beim Bug solch ein Gerät nachrüsten.
Ohne Armaturenbrett im klassischen Sinne hat man aber nix, wo man sowas im Innenraum drunter schrauben kann.
Die normalen Nachrüst-Teile sind auch eher grobe Klötze:

Eher unschön im glatten Bug-Innenraum.
Torsten aus dem BondBug-Forum
zeigte mir ein Bild seiner Lösung. Leider hab ich es gerade nicht zur Hand.
Er hat einfach ein neues Abdeckblech für die Schalterreihe in der Mittelkonsole mit einem zusätzlichen Loch angefertigt und dort seinen Warnblinkschalter untergebracht. Allerdings auch ein ziemlich klobiges Teil.
Der Ansatz war aber super! Ausgiebige eBay-Suche förderte dann eine schlanke Lösung für Motorräder zutage:
Warnblinkanlage
Nice! Den Kippschalter werde ich dann irgendwann einfach gegen ein Bug-Original tauschen und schon sieht das aus, wie serienmäßig. Das Relais selber ist kaum größer als eine Streichholzschachtel.
Um sie einzubauen, musste also die Front der Schalter ab. Damit nachher jeder wieder an seinen originalen Platz zurück findet, hab ich sie beschriftet:
PC240556
Danach kam die große Enttäuschung. Haben die Schimpansen damals doch kein nützliches Zugangsloch in die Karosserie gesägt, sondern nur so mickrige Löcher für jeden Schalter:
PC240557
Da werde ich also selbst die Säge zücken müssen.
Ärgerlich.
Ich hab dann mal geguckt, ob ich da vielleicht von hinten dran komme.
Als erstes musste dazu der Hitzeschild mit dem Sicherungskasten weg:
PC240555
Den hat einer der Orang-Uthans von Vorbesitzern mal mit ner Laubsäge malträtiert und auch einen selbst gestrickten Sicherungskasten da drauf genietet:
PC240564
Intelligenterweise hatte er auch, als er den Sicherungskasten an das Blech genietet hat, das ganze an der Karosserie fest genietet…. Durfte ich also erstmal ausbohren.
Der selbst zusammengewürfelte Sicherungskasten erklärt auch, warum alle Kabel schwarz sind, die dort rein und raus gehen… sehr sinnvolle Modifikation….
Engländer und Elektrik. Mir fehlen die Worte!
Ich hab den ganzen Scheiß jetzt im hohen Bogen raus geworfen. Gibt nen schönen neuen Sicherungskasten mit Steckschuh-Kontakten und original Kabelfarben.
Als ich das Blech endlich raus hatte, musste ich aber erkennen, dass so auch kein vorrankommen war:
PC240562
Ker, ich hätte nicht gedacht, dass mir mal die geräumigen Platzverhältnisse von Sir Edward fehlen würden.
Außerdem hatte ich mehrfach die Erkenntnis, wie segensreich doch ein Auto aus Erstbesitz ist, an dem noch keiner rum gepfuscht hat. Was ich schon am Bug alles entdeckt habe….Junge, Junge.