Archiv der Kategorie: Bond Bug

Kupferwurm XXVIII – Intermetzo

Um die Wartezeit bis zur Lieferung zu überbrücken, habe ich mich ans andere Ende des Kabelbaumes begeben und angefangen, die Zentralelektrik mit Relais und Sicherungen zu bestücken:
Bestückungsliste
Dabei fiel mir auf, dass ich alles ganz wunderbar dokumentiert habe, nur nicht, welche Sicherung für was zuständig ist…. Also fix nachgetragen und in hübsch bunt (nach Sicherungsfarbe) umgesetzt:

Sicherungsbelegung

Der Zettel wird dann laminiert und kommt unter den Deckel der Zentralelektrik.
Ich war erstaunt, wie sehr sich die Mikrorelais dagegen sträuben, in die Sockel zu gehen:
erste Relais in der Zentralelektrik
Da ist auf jeden Fall noch Nachdruck gefragt. Die sollten eigentlich bündig sitzen.
Im Zusammenhang mit dieser Arbeit kam mir die hoffentlich rettende Idee für meine vermurkste Verkabelung des Scheibenwischers. Aktuell liegt auf dem „Park-Stromkabel“ dauerhaft Klemme 15 (also Zündungs-Plus) an. Laut originalem Schaltplan darf aber nur in Schalterstellung „Aus“ dort Strom anliegen. Glücklicherweise verwende ich für die Zentralelektrik nicht einfache Schließer-Relais, sondern Wechsler:
Micro-Relais
Wenn ich nun also das Park-Stromkabel von Klemme 15 auf das Relais des Scheibenwischerarbeitsstroms packe, so dass mit Schalterbetätigung immer zwischen Arbeitsstrom (Klemme 87) und Parkstrom (Klemme 87a) gewechselt wird, müsste meine Verkabelung funktionieren. Das wäre dann sogar überraschend sauber und würde fast gewollt aussehen.

Den Dummen hilft das Glück! Hoffentlich…

Kupferwurm XXVII – Erleuchtungsprobleme

Bei der Neuverkabelung des Bugs bin ich mittlerweile an den Scheinwerfern angekommen. Munter die Kabel abgelängt, 6,3mm Standard-Kabelschuhe vercrimpt und ins Steckergehäuse der umgerüsteten H4-Scheinwerfer gesteckt. Passt.
Damit der Bug nicht mehr so traurig aus seinen leeren Scheinwerferhöhlen schaut, wollte ich anschließend die Latüchten probeweise einsetzen. Vergeblich versuchte ich jedoch die Stecker auf die Steckkontakte der Leuchtmittel zu schieben. Die wollten da ums verrecken nicht drauf. Eh mein Krafteinsatz Opfer forderte, habe ich mich kurz besonnen und mal einen 6,3mm Kabelschuh neben den Kontakt einer H4-Birne gehalten.
Diagnose: Arschlecken!
Der geneigte Autoelektriker weiß: Alles Elektrische im PKW hat 6,3mm-Steckkontakte, außer die dicken Geräte wie Anlasser (-relais) und Lichtmaschine, die haben 9,5mm-Steckkontakte. Schraubt man an Engländern hat man auch manchmal 4,8mm-Steckkontakte.
Ist ok. Kann man sich drauf einstellen und gibt’s an jeder Ecke.
Aber welcher *#&%$*-Ingenieur meinte denn für H4 (und Bilux) extra Steckkontakte knobeln zu müssen?!
„Oho, 6,3mm sehen so mickrig aus! Aber 9,5mm sind mir zu üppig. Ich finde, wir sollten da extra 8mm-Steckkontakte verbauen! Außerdem finde ich es sinnvoll, dass wir die nicht einfach so verkaufen, sondern nur von Innungsmeister an Innungsgeselle in einer Blutopferzeremonie überreichen!“
Der letzte Satz mit der Blutopferzeremonie hat sich mir erst offenbart, als ich versuchte, die 8mm-Steckschuhe (von manchen Herstellern auch als 7,7mm bezeichnet) auf dem freien Markt zu beziehen. Selbst der Mechaniker des lokalen Boschdienstes sagte mir, dass sie dafür immer bei Schrottautos die ganzen Scheinwerferstecker mit Kabeln abkneifen und dann beim Reparaturfahrzeug anlöten! Im Netz herrscht gähnende Leere, wenn man nach nem Dealer sucht. Vereinzelt findet man Händler, welche komplette Stecker samt Kabel zum anlöten anbieten, aber das wollte ich ja nicht. Noch vereinzelter findet man um 90° angewinkelte Kabelschuhe, die gehen jedoch nicht in die original Lucas Steckergehäuse.
In detektivischer Kleinstarbeit und mit der sehr ausführlichen Hilfe des lokalen Boschservices (wir haben ca. 45 Minuten lang jegliche Zulieferer-Katalog gewälzt) konnte ich jedoch folgende Artikelnummern für gerade 8mm-Kabelschuhe herausfinden:
Bosch: 8784477007
Würth: 05585020
Einziger Wehrmutstropfen war jedoch, dass die kleinste Gebindegröße 50 Stück sind.
Ich brauche gerade mal 6….
Also zurück an den Rechner. Mit diesen Nummern in der Hinterhand fanden sich schon ein paar mehr Händler. Durch den Hinweis meines Bruders bin ich über den Shop von Verkaufsagent-Oberursel gestolpert. Der Name sollte einen nicht stören, denn der Laden ist absolute Spitzenklasse! Ein reichhaltiger Fundus an exotischem PKW-Elektrokrams! Alles lässt sich einzeln bestellen und geliefert wird auch bei Erstbestellung auf Rechnung. Großartig!
Natürlich würde ich von dem Laden nicht so schwärmen, wenn es dort nicht auch gerade 8mm-Kabelschuhe geben würde:

Kupferwurm XXVI – Blink-blink

Bei den Blinkern des Bugs musste ich in den sauren Apfel beißen und für happige 50€ einen neuen Richtungsanzeiger aus England ordern. Die Dinger bestehen aus einem einfachen Blechträger mit Reflektor. Ein Gehäuse besitzen sie selbst nicht, sondern die Gummidichtung fungiert als solches:
alte Blinker im Vergleich
Wie man auf dem Bild sieht, ist das linke Gummi völlig zerbröselt. Da ist Korrosion unausweichlich.
Auf dem Gummi findet sich folgende Nummer: 54577103
Lucas Blinker Beschriftung
Die Blinker haben die Bezeichnung Lucas L787 und wurden auch in folgenden Fahrzeugen verwendet:
Vauxhall Viva HB & FD Victor/Ventora
und Bedford CF (einige Modelle; als seitliche Begrenzungsleuchten)
Reliant verwendete sie weiterhin beim Scimitar und frühen Robin und Kitten.
Es gab wohl mal eine Nachfertigungsaktion, allerdings soll die in den 80ern stattgefunden haben (die rechte Lampe scheint aus dieser zu stammen). Leider war die Gummiqualität nie sonderlich berauschend, so dass auch diese Teile mittlerweile ihr Lebensende erreicht haben. Nach langem Suchen habe ich bei ebay.co.uk zwei NOS-Blinker samt intaktem Gummi gefunden. Leider zu besagtem Stückpreis….
Mittlerweile ist einer davon auch wohlbehalten bei mir eingetrudelt. Es ist wie vermutet ein Teil aus der Nachfertigungsaktion:
NOS Blinker
Die Beschriftung des Kartons verweist auf Bedford sowie die NSN Nummer 6220-99-623-8854. Die Bedford Artikelnummer lautet A4021009

Ich werde mich mal schlau lesen, mit was ich am besten das Gummi vor dem Einbau behandle um es wenigstens etwas aufzufrischen und fit zu halten. Habt ihr da Empfehlungen?

Laut Forum soll es auch mit überschaubarem Aufwand möglich sein, auf VW Golf I-Blinker umzurüsten. Allerdings hatte ich wenig Lust, an der Karosserie rum zu sägen. Das bleibt mir immer noch in 10 Jahren, wenn das Gummi wieder aufgegeben hat.

Kupferwurm XXV – Püsterich

Auch beim Bond Bug ging es voran. Für die Überholung des Heizungskastens musste der Lüftermotor ausgebaut werden. Dessen Rotor wird von einer 3/32“-Inbus-Madenschraube auf der Motorwelle gehalten (schon ausgebaut):
Madenschraube entfernt
Ich gebe ehrlich zu, bisher gar nicht gewusst zu haben, dass es zöllige Inbusschrauben gibt und dass da metrisches überhaupt nicht passt. Wieder schlauer geworden und einen Satz geordert:
zölliger Inbusschlüsselsatz
Allerdings saß der Flügel auch ohne Madenschraube bombenfest auf der Welle. Erst die Lötlampe in Verbindung mit einem Vereisungsspray und einem anständigen Hebel bewegten das Lüfterrad langsam von der Welle:
Kältespray
Alles schön rostig:
Lüfterrad abgenommen
Der Lüftermotor selbst läuft noch, wird aber nach kurzer Zeit recht warm. Auch seine Kabel sind schon gut porös:
poröse Kabel
Wie lange er einen eventuellen Betrieb durchhalten würde, kann ich kaum abschätzen. Ich tendiere daher dazu, ihn ins Lager zu packen und durch einen modernen 12V-Lüfter zu ersetzen. Der Luftdurchsatz dürfte auch mit einem Axiallüfter zu erreichen sein. Die Öffnung im Gebläsekasten hat 7,6cm:
Lüfteröffnung
Vielleicht finde ich da was (spritz-)wasserdichtes aus dem 12V-PC-Bereich.
Das würde mich auch von dem Problem befreien, dass der NOS-Kühler an das Gehäuse des Lüftermotors stößt und selbiger dem geplanten Luftleitblech im Weg ist.

Kupferwurm XXIV – Wischi-Waschi

Ein besonderes Kapitel bei der Verkabelung des Bugs nimmt der Scheibenwischermotor ein.
In der Vergangenheit war dieser ein beliebtes Ziel von Hohn und Spott (auch meinerseits), da er nur zwei Geschwindigkeiten kannte:
AUS
und
AN
Für ein AUSSCHLIEßLICH im sonnengegerbten England vertriebenes Fahrzeug sicherlich eine treffliche Entscheidung der Konstrukteure, wie ich meinte.
Aber schon die Demontage des alten Kabelbaumes ließ mich an meiner Einschätzung zweifeln. Im Inneren des Canopys fanden sich nämlich abgekniffene Kabel, welche nur zum Scheibenwischer gehören konnten.
Um meinen Verdacht des multiplen Pfuschs zu verifizieren, habe ich mal die Modell-Bezeichnung des Lucas-Motors recherchiert:
Lucas Scheibenwischermotor Beschriftung
Die Beschriftung lautet:
„Lucas-Logo“ 75799E
14W PARK<-
12V 26 81
54071752E
Und siehe da:
Das Ding hat eigentlich drei Geschwindigkeiten:
AUS, SLOW, FAST
Wahnsinn!
Verbaut war der Motor in jedem dritten (englischen) Fahrzeug. Über Lotus, Land Rover, Triumph bis MG. Ganz zu schweigen von allen Kit Cars.
Quasi Lucas Universalwaffe gegen Wasser von oben.
Allerdings erkauft sich Lucas diesen 2-Geschwindigkeits-Luxus mit einer höchst aufwändigen Verkabelung (5 Kabel) und speziellen Schaltern (Lucas Nr. 35927; mit interner verkreuzter Schaltung):
Scheibenwischerschalter neu vs. alt
Links neu, rechts alt
Nach unendlicher Recherche; rumprobiererei und dank dieser Seite konnte ich folgende Schemata ergründen:
Belegungsplan
Die original Kabelbelegung am Scheibenwischer ist folgendermaßen:
  1. MASSE (schwarz)
  2. PARK (braun-grün)
  3. FAST (blau-grün)
  4. ZÜNDUNGSPLUS (grün(-pink))
  5. SLOW (rot-grün)

Die original Schalterbelegung am Armaturenbrett ist folgendermaßen:

    4. SLOW (rot-grün)
    8. PARK (braun-grün)
    6. ZÜNDUNGSPLUS (grün(-pink))
    2. FAST (blau-grün)

Schalterintern sind folgende Kontakte verbunden:

Kontakt/Schalterstellung 2 1 0
1 X X X
2 X
4 X X
6 X X
7 X X X
8 X
Sofern ich die alten Lucas-Unterlagen richtig interpretiere liegt auf PARK nur in Stellung 0 Zündungsstrom.
Ich habe die Verkabelung allerdings (leider) angepasst.
Zündungsplus wird bei mir über ein Relais geschaltet und die Park-Funktion hängt unabhängig von der Schalterstellung am Zündungsstrom.
Je länger ich jedoch über der original Lucas Schaltung sinniere, desto weniger sinnvoll scheint mir meine Verschaltung. Keine Ahnung, was ich mir damals dabei gedacht habe. Das sind so die Fehler, die sich bei solch einem Projekt einschleichen.
Ich befürchte, dass ich mir mit dem Zündungsstrom auf PARK (egal wie der Wischerschalter steht) einen ziemlichen Bock geschossen habe.
Wie ich den Fehler behebe kann ich auch noch nicht sagen. Momentan fehlt mir die passende Idee.
Da die Zentralelektrik allerdings noch nicht mit Sicherungen und Relais bestückt ist, konnte ich noch keinen Funktionstest machen.
Ich hoffe, dass die früheren Pfuscher die FAST-Funktion nur tot gelegt haben, weil das Kabel oder der original Schalter (es war ein einfacher ON-OFF-Schalter verbaut) einen Kurzen hatten und nicht der Wischermotor selbst.