Das letzte Wochenende habe ich dazu genutzt Lola weiter zusammen zu bauen, damit Tobias und ich sie am Montag (anlässlich meines Geburtstages) zurück nach Osnabrück bringen konnten. Eine der zu erledigenden Aufgaben, war hierbei die abschließende Lackierung und Montage des reparierten Verdeckgestänges. Ich finde das Endergebnis dieser Reparatur ist uns gut gelungen. Man sieht kaum etwas und es hält wieder bombenfest:

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Waffengewalt für den Hausgebrauch
Heute war ich gezwungen Lola gegenüber von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Ernsthaft! Es blieb mir nichts anderes übrig. Notwehr quasi…
Bei dieser Gelegenheit habe ich auch mal wieder festgestellt, wie wichtig es doch ist, ein breit gefächertes Aufgebot großkalibriger Schusswaffen im Hause zu haben! Das Second Amendment, ist schon nicht falsch…
Aber fangen wir von vorne an:
Lola hegt zu mir ja eine innige Hassliebe. Sobald ich eine Ecke an ihr repariert habe, geht sie an einer Anderen wieder kaputt. Heute gabs wieder ein Traumbeispiel dafür: Ich nutzt wieder meinen lokalen Feldweg um den Motor weiter ein zu fahren. Plötzlich macht es *Ploing* und das Verdeckgestänge schlackert rechts lose am Türpfosten…durchgerissen…na traumhaft. So sah die Miesere aus:

Einer der Vorbesitzer war so schlau, durch das hohle und schon so ausgesprochen weiche Rohr des „Überrollkäfigs“ ein Loch zu bohren, um da dran den Türrahmen zu verschrauben. Diese Schrauben (links machte er das Gleiche für den Fensterrahmen) knallte er dann auch gleich so fest an, dass das Rohr sich platt drückte und auf der rechten Seite bis auf die Hälfte einriss.
Es war somit eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es an dieser Stelle komplett durchreißen würde. Dieser Tag war heute. In solchen Momenten ist guter Rat teuer. Denn wie ich schon mal schrieb, ist so ein Gestell nicht ganz einfach zu besorgen. Mein guter Rat kam in der recht günstigen Gestalt meines Vaters noch viel günstigeren Gestalt meines Bruders, welcher meinte, dass man versuchen könnte, einfach ein Stück Rohr drüber zu löten. Wie bei gebrochenen Zeltstangen. Gute Idee, mindestens für die Übergangszeit, bis ich mir ein neues Gestell gebastelt/besorgt habe. Also schnell die digitale Schieblehre rausgeholt und gemessen. Das Verdeckgestänge hat einen Außendurchmesser von ca. 10,4 mm. Fix weiter in unseren Baustoffkeller und nach passendem Rohr gesucht. Mir schwebte da Kupferrohr aus dem Heizungsbau vor. Das lässt sich spitzenmäßig löten und auch einfach bearbeiten. Leider fand ich nur Rohre mit einem Innendurchmesser von 12mm und welche mit einem Außendurchmesser von 10mm (Das 10mm-Rohr behalte ich mal im Hinterkopf für den Gestell-Nachbau). Auch sonst fand sich kein brauchbares Rohr bei uns im Haus. Tolle Wurst.
Während ich also knurrenderweise bei uns im Werkkeller rumstehe und ehrlich gesagt ziemlich miese Laune hatte, kam mein Vater mit einem Schuhkarton voller Patronenhülsen um die Ecke. Ich begegnete dieser Idee erst skeptisch, war aber schlagartig überzeugt, als er mir eine Hülse im Kaliber .30-06 unter die Nase hielt und stolz verkündete: „10,83 mm Außendurchmesser.“ Trotz des ambitionierten Starts erwies sich diese Patrone allerdings als zu klein im Innendurchmesser. Die Wandstärke nimmt nämlich zum Anzündhütchen hin zu. Dementsprechend hatte die .30-06 dort nur noch ca. 9,7 mm Innendurchmesser. Weiteres wühlen förderte dann eine Patrone im Kaliber 9,3×62 zutage. Diese hatte am oberen Ende direkt unterhalb des Halses 11,58 mm Durchmesser. Klang schon besser. Also auch bei dieser fix den Hülsenboden abgesägt und dort gemessen: 10,6 mm. Das könnte wirklich klappen….
Hier die Arbeitsschritte in der Übersicht:

Und hier die abgesägten Hülsenböden:

Nach einer ersten Anprobe am Verdeck sah es wirklich so aus als könnte es funktionieren. Also schnell die gerissene Stelle blank geschliffen:

„Affensperma“ aufgetragen (Versuche mit Eigensperma wurden verbeten.), Hülse aufgeschoben/-hämmert bis die Bruchstellen sich im Innern berührten und fertig war das Ganze zum löten:

Danach sah das ganze dann so aus (Ok, ich hätte mehr abschleifen sollen. Ich gebs ja zu):

Abschließend noch die Lötstellen verschleifen:

Wie auf dem letzten Bild ganz gut zu erkennen ist, ist der Übergang vom Originalgestänge zu der Patronenhülse schön mit Lot gefüllt, so dass hier keine scharfen Kanten das Verdeck beschädigen können.
Die Tage werde ich dann noch in die Unterseite ein Loch bohren und eine spezielle Schraube (deren Name ich gerade vergessen habe) dort anbringen, damit der Türrahmen wieder fest ist. Danach noch grundieren sowie lackieren und fertig ist das reparierte Verdeckgestänge!
Ich hatte ja ein wenig Bedenken, dass sich das Lot nicht mit dem Gestänge und der Hülse verbinden würde, da es ja unterschiedliche Materialien sind. Bisher macht unsere Konstruktion aber einen sehr stabilen Eindruck. Ich bin gespannt, wie sie sich unter Belastung verhalten wird.
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass diese Aktion mit 7,62 × 39 mm nicht möglich gewesen wäre.
Unvollständig
Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich mit der Arbeit vom Simson Duo Treffpunkt GbR/Ltd. nicht wirklich zufrieden bin. Heute gabs mal wieder ein Beispiel: Ich hatte dort vor einiger Zeit ein „Dichtset“ für den Benzinhahn bestellt. Sollte man ja meinen, dass da alles mit bei ist, was das Dingen zum dicht werden braucht. Mit nichten, mein Herr! Das „Set“ enthielt nur zwei Papierdichtungen für über und unter der „Abzweigkugel“ und die „Vier-Loch-Dichtung“ für den Hahn selber. Nicht enthalten waren die beiden Gummidichtungen, die den beweglichen Abzweig zum Füllstandsanzeiger und das bewegliche Rohr Richtung Benzinleitung abdichten (Sitzen jeweils in den großen sechseckigen Tonnen). Ebenfalls nicht dabei war die Papierdichtung, die den Hahn selbst zum Tank abdichtet. Es fehlten somit die Dichtungen, die auf dem folgenden Bild markiert sind:

Der Laden will irgendwie bei mir keinen guten Eindruck hinterlassen. Ok, die fehlenden Dichtungen sind keine 08/15-Teile und deshalb vielleicht nicht so einfach zu bekommen, aber dann sollen sie das einem wenigstens am Telefon sagen, wenn man den Krams bestellt!
Ich hab zum Glück in unserem heimischen Fundus zwei passende Gummidichtungen für die Abzweige gefunden. Mal sehen, ob die auch auf Dauer benzinbeständig sind. Die Dichtung für den Schraubanschluss nach oben zum Tank habe ich mir auch selber gebaut. Einfach eine Papierdichtung aus dem Sanitärhandel in Übergröße gekauft und mit Schleifpapier passend kleiner geschliffen. Nicht schön, aber selten.
P.S.: Das Bild habe ich mir mal dreister Weise von Belü aus dem Simsonforum ausgeborgt.
Laufen lernen
Nach der endlich gelungenen Regenerierung des Motors muss Lolalein jetzt wieder ganz vorsichtig das laufen lernen. Die neuen Bauteile des Motors müssen sich erst einmal ganz allmählich aufeinander einspielen. Die neuen Lager müssen sich einlaufen, die Kurbelwelle muss sich an ihr neues Zuhause gewöhnen, der neue Kolben muss sich unter Temperatur ausdehnen und gucken ob ihm der ausgeschliffene Zylinder nicht zu klein ist, die Kolbenringe müssen sich ihrer Aufgabe bewusst werden und das abdichten lernen, etc.
Das heißt im Klartext, dass man den Motor behutsam einfahren muss. Dazu gibt es aber, wie so oft, so viele Meinungen, wie Marienkäfer Punkte haben.
Ich habe mich für die von möffi angesprochene Anleitung aus den 60er Jahren entschieden. Sie stammt von Carl Hertweck, dem ehemaligen Chefredakteur der Zeitschrift „Motorrad„. Der Mann hat unter anderem zwei große Klassiker der Motorradschrauberei verfasst und ich glaube, er wusste wovon er schrieb. Dementsprechend habe ich letzten Sonntag direkt angefangen „Die ersten 100 Kilometer“ ab zu reißen. Allerdings war das gar nicht so einfach. Erstmal musste ich bei uns im Teutoburger Wald eine möglichst ebene Strecke finden, da man dem Motor in dieser kritischsten aller Phasen keine Steigungen zumuten soll und andererseits musste ich Lola auf eine Diät setzen, damit das arme Motörchen nicht so viel schleppen muss. Dementsprechend ließ ich alle nicht essentiellen Anbauteile zuhause und machte mich ohne Heckblech, Dachgestell sowie ohne Kotflügel und dementsprechend ohne Blinker und Bremslichter auf den Weg. Das wiederum schränkte meine Streckenwahl doch erheblich ein. In den öffentlichen Straßenverkehr wollte ich mich so nicht wagen. Zumal ich ja auch nur 80% der Leistung abrufen durfte…alles ein Dilemma. Zum Glück gibt es bei uns eine menge Feldwege, die niemand benutzt. So fand ich einen ein-Kilometer-langen Abschnitt, welcher recht eben war und Wendemöglichkeiten an beiden Enden bot. Diesen Streckenabschnitt habe ich dann zwischen 16 und 21:30 Uhr über 60 mal befahren und dabei ca. 320 mal geschaltet (Ja, man hat Langeweile bei solch einer Aktion.). Dementsprechend hat Lola jetzt die ersten 67 Kilometer mit dem neuen Motor auf dem Tacho. Bisher, bis auf einen abgerutschten Benzinschlauch (eigene Dummheit), absolut problemlos. Also: Noch 433 km to go…
Tobias hat von der Aktion noch ein paar schicke Bilder geschossen (und 20€ am Straßenrand gefunden…die Sau!):

Is hübsch bei uns zuhause, gell?!
Lola rennt!
Hiermit möchte ich verlautbaren, dass Lola back on the road ist! Nach ziemlich genau 12 Monaten verlängertem Schönheitsschlaf (30 Jahre wollen erstmal ausgeschlafen werden!) und gut vier Monate nach der für beide Seiten unglücklichen Motorregenerierung erwachte sie mit einem fröhlichen und endlich konstanten „Rääng-täng-täng-täng“ zum Leben. Hier das filmische Dokument zum epischen Ereignis (incl. Freudentanz):
Nachdem ich anschließend das Standgas eingestellt hatte lief sie, auch ohne Hand am Gasgriff, rund und ich konnte beidhändig ihren Namen tanzen.
