Mir ein Labsal II

Ihr fragt warum es am Genesungswerk nicht in rasanten Schritten weiter geht?
Weil für diesen Sommer ein anderes Großprojekt auf der Agenda stand.
Vor ziemlich genau sechs Jahren hatten wir die Dachüberstände mit „Labsal“ gestrichen.
Das hat zwar auch an den bewetterten Seiten sehr gut gehalten, aber mittlerweile war eine deutliche Auffrischung nötig.
Abseits der Wetterseite lag dies aber eher an der deutlichen Verschmutzung, als an einem verblassen des Anstriches.
Glücklicherweise lässt sich diese Dreckschicht nahezu rückstandsfrei abwaschen:

Leider braucht es dazu aber eine Wurzelbürste, so dass wir uns seit Wochen Brettchen für Brettchen auf einem Gerüst ums Haus hangeln:

Erst abschruppen, dann trocknen lassen und dann streichen. Wenigstens entschädigt der Anblick hinterher für die Knochenarbeit:

Im Vordergrund seht ihr schon die gereinigten und neu gestrichenen Bretter im Hintergrund noch den Ursprungszustand.
Wie erwartet (und auch beabsichtigt) ist der Farbton jetzt dunkler als beim ersten Durchgang vor sechs Jahren:

Mal sehen, wie das Holz in weiteren sechs Jahren aussieht. Meine Hoffnug ist ja, dass sich das Problem durch die bei jedem Anstrich dunklere Färbung irgendwann von selbst erledigt. Und wenn wir irgendwann mal gar keinen Bock mehr auf die Pflege haben, gibt es das Labsal auch mit schwarzer Pigmentierung.

P.S.: So ganz ruht das Genesungswerk auch nicht. Versprochen.

„Wie hältst du’s mit dem E-Auto?“

…ist die Gretchenfrage unserer Zeit.
Mein Standpunkt dazu ist klar: Autos sind nichts als Werkzeuge.
Und ein Werkzeug wählt man danach, wie gut es die anstehende Aufgabe erledigen kann.
Hammer -> Schraube: schlechte Kombi.
Hummer -> Stadtverkehr: dito.
Ganz simpel. Ändert sich die Aufgabe, ändert sich auch das optimale Werkzeug.
Schon den geliebten Combo haben wir nach diesen rein objektiven Kriterien ausgesucht und auch die nachfolgenden Fahrzeuge folgten diesem Schema.
Klar davon trennen muss man das „Hobby“:
Natürlich kann der Schreiner einen Schrank ausschließlich mit den Werkzeugen des 19. Jahrhunderts bauen. Er sollte nur nicht versuchen, damit täglich sein Geld zu verdienen….
Kann man auch anders sehen, allerdings kaum mit rationalen Argumenten.
Ist man also bei der nüchternen „Werkzeugauswahl“ für den Alltag angekommen, steht bei uns eigentlich alles auf E-Auto:
Kurze tägliche Pendelstrecke, eigene Garage, sehr gut planbarer Alltag, (bald) Photovoltaik auf dem Dach, hauptsächlich Stadtverkehr und Landstraße, spitzen Elektro-Infrastruktur.
Zumindest für den Zweitwagen ergibt es hier kaum Sinn einen Verbrenner anzuschaffen.
Damit hätten wir also die Gretchenfrage geklärt.

Machen wir weiter und kommen zu des Pudels Kern dieser Textwüste:
Das KfW-Förderprogramm 440
Aktuell fördert der Staat (also ihr; herzlichen Dank!) die Installation von privaten Ladesäulen mit jeweils 900€ pro Ladepunkt (also quasi „pro Zapfstelle“).
Zwar steht bei uns noch kein E-Auto und der Combo (mit ~215.000 km der nächste Wechselkandidat) läuft noch gut, aber ein solches ist explizit KEINE Fördervoraussetzung.
Auch die sonstigen Voraussetzungen für die Förderung sind sehr niederschwellig. Als Spoiler sei verraten, dass die allergrößte (und nicht zu unterschätzende) Hürde aktuell ist, einen Elektriker zu finden, der die Wallbox anklemmt und dies auch bescheinigt.
Den Förderantrag kann man direkt online stellen und erhält auch umgehend die Förderzusage, solange das Kontingent noch nicht aufgebraucht ist.
Nach der Zusage hat man dann 9 Monate Zeit zur Abwicklung.
Soweit, so beliebig nachlesbar.
Deutlich dünner wird die Luft, wenn man nach Infos sucht, welche Wallbox man denn nun genau nehmen soll.
Bei der KfW selbst gibt es eine Liste, aller förderfähigen Boxen. Aber schon die ist einfach uferlos.
Auch hier war es bei uns im Kern wieder die Frage nach dem richtigen Werkzeug.
98,7% aller angebotenen Wallboxen sind irgendwelche Ein-Platinen-Lösungen mit properitärer Software und einer selbst gestrickten App für die obligate Smartphone-Bedienung. Das klappt auch alles ganz wunderbar. Bis sich eine Lötstelle verabschiedet oder die Firma feststellt, dass man mit kostenloser Softwarepflege kein Geld verdienen kann.
Dementsprechend habe ich den Großteil der verfügbaren Wallboxen direkt abgehakt und mich nach einer OpenSource-Lösung umgesehen.
Überraschung, Überraschung sowas gibt es tatsächlich und die Box ist sogar vom Funktionsumfang ein absolutes Spitzengerät.
Ich spreche von der „OpenWB„.
Und nicht nur der Funktionsumfang ist absolute Spitzenklasse, sondern auch die technische Umsetzung ist genau mein Geschmack.
Die Entwickler lehnen Ein-Platinen-Systeme mit demselben religösen Eifer ab, wie ich. Dementsprechend finden sich in der OpenWB auch lediglich Komponenten aus dem industriellen Schaltschrankbau. Alles schön auf einer klassischen Hutschiene angeordnet und mit Kabeln verbunden. Wenn da in 10 Jahren mal eine Komponente ausfällt, kann man sie jederzeit selber ersetzen. Angesteuert und zur Eierlegendenwollmilchsau verwandelt werden diese analogen Komponenten durch einen ebenfalls jederzeit zu ersetzenden RaspberryPi auf dem die frei verfügbare Software läuft. Eine App (und den damit verbundenen Pflegeaufwand) gibt es nicht. Punkt. Ist auch nicht nötig, da es eine schicke Web-Oberfläche gibt, die man einfach von seinem Smartphone (oder Rechner) ansteuern kann.
Einen umfangreichen Erfahrungsbericht samt vielstimmiger Lobpreisungen findet ihr z.B. hier.
Natürlich könnte man dank dieser Open-Source-Architektur die Wallbox auch selber stricken, aber dann entfiele die Förderung. Außerdem machen die Entwickler deutlich, dass durch den Vertrieb der fertigen Boxen die Softwareentwicklung abseits der Freiwilligkeit vorangetrieben wird.
Der Preis für dieses (in meinen Augen) unschlagbare Gesamtkonzept:
Aktuell muss man ca. 14 Wochen (!) auf seine bestellte Box warten.
Ein Preis, den ich gerne zahle.

Da die KfW jedoch pro Ladepunkt 900€ gibt und wir auch in Zukunft zwei Alltagsfahrzeuge besitzen werden, werden wir auch noch eine zweite Wallbox installieren.
Der Vorteil ist die Querfinanzierung. Bei einer verdoppelung der Ladepunkte verdoppeln sich nicht auch die (Installations-)Kosten. Daher finanziert Box 2 zum Teil auch Box 1.
Allerdings wäre eine zweite OpenWB in diesem Fall unnötiger Overkill. Da die OpenWB auch weitere Ladepunkte ansteuern kann (wichtig um nicht über die 11kw-Grenze zu kommen und das PV-geführte Laden), darf der zweite Ladepunkt ruhig „dumm“ sein. Er muss es nur akzeptieren, von der OpenWB rum kommandiert zu werden.
Und auch hier: Oh Wunder, oh Wunder gibt es was aus der OpenSource-Schmiede.
Diese sehr kompakte Wallbox nennt sich „smartWB„:

Auch hier finden sich im Inneren standardisierte Industriekomponenten auf einer Hutschiene, welche von einer (stark abgespeckten) OpenSource-Software angesteuert werden.
Glücklicherweise stehen sich die Entwickler von OpenWB und smartWB so nahe, dass sie eine reibungslose Interaktion zwischen den beiden Boxen garantieren und sogar für den Netzbetreiber (11kw-Grenze) bescheinigen.
Nach meiner Auffassung die perfekte Ergänzung, um das Optimum aus der KfW-Förderung heraus zu holen.

Natürlich geht das Ganze auch billiger. Je nach Eigenleistung, dank Förderung, sogar zum Nulltarif. Für den Mitnahmeeffekt sicherlich ok, aber ob man damit auf Dauer glücklich wird?

Nun warte ich auf die Lieferung der OpenWB (avisiert für die KW39) um dann mit der Verkabelung zu starten.
Mit dem Elektriker habe ich ausgemacht, dass ich alles installiere und er sich nur um den finalen Anschluss im Schaltschrank samt Bescheinigung kümmern muss. Ein Glücksfall, der die Kosten deutlich drückt.

Tank zum Abschied nochmal voll II

Im ersten Teil dieses Duetts habe ich vom Rohbau der Tanksäulen für den lokalen Kindergarten berichtet.
Nachdem die beiden Säulen geschliffen waren, verschwand das grau-braun des alten Palettenholzes unter einem Deckmantel aus weiß.
Für farbige Akzente sorgen zwei diagonale Streifen in grün und rot:

Das ließ sich mit dem Crap[sic!]band gut realisieren. Es ist auch kaum Farbe hinter das Band gelaufen, so dass das Gesamtbild durchaus zu überzeugen weiß:

Der aufmerksame Betrachter wird, insbesondere am rechten Säulenkopf, kleinere Verfärbungen im weiß bemerken.
Das kommt durch die Harzrückstände im Holz und lässt sich leider kaum vermeiden, wenn man nicht den ganz großen Aufwand mit Sperrgrund etc. fahren will.
Im nächsten Schritt ging es dann an die Beschriftung.
Der beste Nachbar der Welt hat einfach alles. So auch einen alten Overheadprojektor:

Ich hätte nicht gedacht, dass dabei in mir nostalgische Gefühle aufkeimen könnten, aber wenn erstmal das vertraute Heulen des Lüfters einsetzt und man geblendet vom Halogenlicht versucht irgendwelche Konturen nachzuzeichnen, kommt man sich doch wie im Kunstunterricht der 10. Klasse vor.
Allerdings ist das Ergebnis damals wie heute durchaus ansehnlich:

Für das Display experimentierte ich mit Schultafellack. Das Ergebnis war desaströs:

Keine Ahnung, wie der Hersteller meint, dass man damit ein einheitliches Ergebnis erzielen soll.
Die Lösung war auch hier einfache Acryl-Abtönfarbe:

Auch darauf lässt sich mit Kreide gut schreiben und sie deckt um Welten besser.
Für die wirklich filigranen Sachen holte ich mir dann Hilfe bei einer Flasche Wein und der Besten von Allen:

Damit waren nur noch Details auszubessern und die Zapfarmaturen zu installieren.
Die Stromsäule bekam zwei ausgediente SCART-Kabel. Das war schön einfach. Loch bohren, Kabel durch stecken und auf der Innenseite einen Knoten machen.
Für die Benzinsäulen bekam ich von besungenem Nachbarn zwei alte Staubsaugerschläuche. Um die aber auch für zerrende Kinder stabil zu montieren, bastelte ich eine Stück OSB, dass saugend (haha) in den Staubsaugerschlauch passte:

So gefüllt habe ich ihn mit zwei Schrauben samt Unterlegscheiben auf der Innenseite verschraubt:

Die doppelte Pressung sollte jetzt auch dem dicken Kevin stand halten.
Oben auf kamen dann noch Siebdruckplatten, welche ich von unten durch die Dachlatten verschraubte, so dass die Oberseite unbeschädigt ist.
Fertig und im Kindergarten aufgestellt sehen die Säulen so aus:

Rückseite:

Ich hoffe, dass die Kinder mit der Tankstelle viel Spaß und die Erzieherinnen und Erzieher ein bisschen weniger Arbeit bei der täglichen Aufsicht haben.
Das ist das Mindeste, was wir zurück geben können.

Und wenn das kleine Schräubchen durch ist, gibt es die passende Bobbycar-Waschanlage dazu. Den Plan habe ich schon fertig.

Tank zum Abschied nochmal voll I

Die Zeit macht auch an meinen beiden Schräubchen keinen Halt. Dementsprechend hat das große Schräubchen demnächst seien letzten Tag im Kindergarten.
Das ist nicht nur für uns als Eltern ein trauriger Tag, nein auch unsere beiden Kinder lieben ihren Kindergarten und die tollen Erzieherinnen und Erzieher dort.
So ein moderner Kindergarten ist kein Vergleich zur „Kinderverwahrstation“ früherer Tage. Es wurden und werden ihnen dort immer wieder tolle Angebote gemacht, die auch uns als Eltern erstaunt und verzückt zurück lassen. Sei es die Jüngste, die voller Begeisterung am Wegesrand über die Klassifizierung von Frühblühern referiert oder die Älteste, welche beim zu-Bett-gehen noch schnell die Entstehungsgeschichte des Saturns kritisch diskutiert wissen will. Wie gesagt: Wir sind absolut begeistert von unserem lokalen Kindergarten und den dort Tätigen.
Um nun zum Abschluss dem Kindergarten etwas zurück zu geben, gab es eine kurze familieninterne Diskussion.
Auch wenn es unromantisch ist, aber ich war der Meinung, dass ein ordentlicher Geldschein für die Erzieherinnen und Erzieher das Beste sein würde. Deren Lohn und das was sie verdienen stehen in keinem Verhältnis. Berechtigterweise hatte die Beste von Allen juristische Einwände. Eine gut gemeinte Geste nützt nix, wenn man sich nachher mit dem Arbeitgeber rum ärgern darf. Aus den selben Gründen (und anderen) schieden auch (Wellness-)Gutscheine aus. Damit blieb nur eine Bastelarbeit.
Gebatikte T-Shirts mit Kindergesichtern á la Dalí? Mundgeformte Tassen?
Alles Schrott. Was den Erzieherinnen und Erziehern wirklich hilft, ist etwas, was die kleinen Gören beschäftigt.
Schon auf dem Freigelände vorhanden, ist ein großer Rundkurs auf dem die Kinder mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen und wachsender Begeisterung ihre Runden drehen.
Was fehlt da? Klaro: Eine Tankstelle.
Damit war auch ich in meiner Komfortzone.
Eine kurze Skizze später stand der Grundplan.
Die Basis bildet eine stabile Einwegpalette und auch das Holz für den Bau spendeten mein Palettenfundus sowie zwei alte Lattenroste:

Einen kurzen Prozess später lag das Rohmaterial bereit:

Das Grundgerüst für die beiden Tanksäulen bilden zwei Rechtecke in 45×45 cm an die dann die ersten vertikalen Latten geschraubt werden:

Da die Säulen bei Wind und Wetter draußen stehen werden, muss man insbesondere auf konstruktiven Feuchtigkeitsschutz achten.
Ich habe die Holzer daher so angeordnet, dass sie zumindest an drei Seiten leicht über die Palette hinaus stehen. So kann herablaufendes Wasser einfach abtropfen und zieht nicht in das Hirnholz.
Für den „Kopf“ der Säule habe ich einen Überstand eingeplant und hierzu einfache Dachlatten verwendet:

Durch den Überstand der vertikalen Bretter konnte ich eventuelle Längendifferenzen kaschieren und die Latten mit der Wasserwaage ausrichten.
Damit auch die Bretter des „Kopfes“ einen Überstand haben, an dem das Wasser abtropfen kann, habe ich ein Kantholz mit 1cm Distanzstück unter die angeschraubten Dachlatten geklemmt:

Auch hier geben wieder Dachlatten den Abschluss, nur dass sie diesmal über die Bretter über stehen und eine plane Auflagefläche für die abschließende Siebdruckplatte als Dach bilden.

Die zweite Säule entstand identisch, so dass ich sie gemeinsam vor dem lackieren schleifen konnte:

In Teil zwei begeben wir uns dann an’s Finish.

11. Magdeburger Oldtimertag

Am letzten Wochenende haben wir das schöne Wetter genutzt und sind zum 11. Magdeburger Oldtimertag gefahren:

Wir waren zum Glück nicht die Einzigen:

Und zwar bei weitem nicht…..

Mobiles Kulturgut, soweit das Auge reichte. Und was mich noch mehr freute: Die Mischung ist bunter geworden. Mehr Westen, mehr 90iger.

Allerdings stellte ich auch fest, dass die Motoraver von früher mittlerweile grau geworden sind. Wir werden alle alt.

Auch an bekannten Gesichtern mangelte es nicht:

Das Dreirad ist übrigens ein elektrischer Munitionstransporter der schwedischen Armee. Aber das ist den Stammlesern natürlich schon bekannt. Die Beste und ich nutzten das herrliche Wetter noch für ein ausgedehntes Picknick:

Nachdem wir uns dort ausreichend verbrannt und das kleine Schräubchen sich auf dem nahen Spielplatz verausgabt hatte, haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht. Es war ein wirklich schöner Nachmittag für alle Beteiligten. Danke an die Ausrichter!