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Kabelsalat

Wie berichtet bin ich in Teilen Zweitverwerter einer Industriehalle. Letzthin kam ein Anhänger Stromkabel:

Kabel im Anhänger.jpg

Zwei ausgedehnte Nachmittage später war alles entwirrt, feucht abgeputzt, vermessen, gebündelt und beschriftet:

Kabel sortiert.jpg

274m in Enden zwischen 2 und 26m. 98% davon fünfadrig und nix unter 2,5mm². Sehr schön. Damit dürfte das Thema Stromkabel für meine Werkstatt größtenteils abgehakt sein. Verlegen will ich das Ganze später auf Putz in Leerrohren.

2in1 Werkstattwagen I

Meine aktuelle Werkbank besteht aus alten Küchen-Unterschränken. Der mittlere Schubladenschrank stammt noch aus der legendären osnabrücker Mädels-WG der Besten von Allen. Nicht nur das er aus dieser Zeit reichlich zu erzählen hätte, man glaubt ihm sein bewegtes Leben auch schon rein äußerlich:

Die Führungen und Schubladen teils gebrochen, der unterste Griff verbogen und die Böden durchhängend:

Dazu dann noch ein latenter Wasserschaden der die Spanplatten hat aufquellen lassen. Machen wir es kurz: Das Ding ist fertig.

Da passte es gut, dass das „Krawatten-Eck“ meinen bisherigen Bohrtisch verdrängte. Der Bohrtisch war ebenfalls ein alter Unterschrank vom Sperrmüll, aber leider nur mit einer Schublade:

Das ging so nicht. Ich brauche Schubladen und keine Tür. Also überlegt, wie man das Ganze kostengünstig umbauen könnte. Die erste Idee war ein Umbau auf Euro-Boxen, so wie hier. Leider passen die Euro-Boxen mit ihrem genormten 4:3-Format nicht zur deutschen Einbauküche mit ~5:5. Da ließ sich beim besten Willen nix ordentliches zurecht basteln.
Aber wenigstens die Werkstattwagen-Idee will ich von den Agrarökonomen übernehmen. Mit ein paar kleinen Rollen statt der Füße sollte der Schrank auch unter die Werkbank passen.
Blieb das Problem mit den Schubladen.
Klar, kann man die fertig als genormte Einsätze kaufen. Aber selbst IKEA hat da ordentliche Preise. Bleibt also nur selber bauen. Gerne aus Resten und gerne ohne aufwändige Tischlerarbeiten. Da finden sich zwei gute Artikel in der Blog-Welt. Insbesondere die Idee von Operation-Eigenheim mit den falschen Fronten spielt meinem Plan der Resteverwertung in die Hände.
Um mir Malessen mit den Böden (gefräste Nuten, aufwändige Verbindung mit den Seiten, etc.) zu ersparen, habe auch ich zu Auszügen gegriffen, welche die Schubladen von unten greifen. Für die Montage des untersten Auszuges habe ich Muttern als Distanzstücke verwendet:

Den ersten Schubladenboden habe ich dann direkt aus einem der alten Einlegeböden geschnitten:

Das Klebeband sollte ein absplittern der weißen Beschichtung verhindern. Ging so lala. Für die Werkstatt OK, für den Wohnraum muss man sich da was besseres überlegen (Tipps willkommen). Zumindest passte der Boden nachher genau:

Fehlte noch dass restliche Material für die Korpusse. Mein Holzvorrat lieferte mir ausreichend Reste. Insbesondere ein älterer Hängeschrank war schnell mit der Stichsäge zu Plattenmaterial verarbeitet:

An dieser Stelle kann ich nur nochmals die App CutList Optimizer empfehlen. Gerade bei unproblematischem Plattenmaterial liefert die App sehr gute Ergebnisse:

So konnte ich eine schön rationale Fertigungsstrecke aufbauen und hatte Rucki-Zucki alle Einzelteile beisammen:

Über die OSB-Platte bin ich etwas unglücklich, aber ich hatte nix anderes. Mit drei Lagen Parkettlack wird sie aber auch ausreichend glatt.
Ich habe erstmal Material für vier identische Schubladen mit 8 cm Innenhöhe gesägt. Das Maß für die fünfte und letzte Schublade hätte ich zwar ausrechnen können, das wäre aber aufgrund der unterschiedlichen Materialstärken garantiert falsch geworden.
Know your Limits!
Also munter am Fließband Schubladen bauen. Hierbei nochmal meinen Dank an den Herrn Schwager für die beiden „Spannmobile„:

Die Vereinfachen das Leben deutlich. Die Seiten der Korpusse habe ich aus ehemaligen Schrank-Fronten aus MDF gebaut. Hier ist beim verschrauben akribisches vorbohren erforderlich, sonst platzen die Platten! Nicht dass mir das passiert wäre….

Anschließend habe ich die Böden in den Schienen ausgerichtet, mit Klebeband fixiert und dann umgekehrt auf den Korpus gelegt:

Nun konnte ich alles miteinander verschrauben:

Zum Einsatz kamen Schrauben im Format 3×30 und 3×45. Dadurch, dass bei dieser Bauart die Seiten keine Last tragen, muss die Verschraubung mit dem Boden sie nur an Ort und Stelle halten.

Damit konnte dann der erste Korpus eingesetzt werden:

Sehr schön. Um später identische Abstände zwischen den Schubladen zu haben, habe ich mir für die folgenden Schienen einen Abstandshalter gebastelt:

Im nächsten Teil kommen dann die falschen Fronten dran, Rollen drunter und die obere Platte wird angepasst.

Kleiner Service, großer Aufwand

Das Handbuch des Rialtos wünscht sich, dass der gewissentliche Eigentümer alle 10.000 Meilen das Dämpfungsöl des SU HS-2 Vergasers nachfüllt.
Aber gerne doch. Da passt es gut, das wir die 10.000 Meilen gerade überschritten haben.
Also erstmal Grundlagen klären:
Das Handbuch wünscht sich schlicht „engine oil“. Mein geliebtes Haynes ist da schon konkreter und begehrt SAE 20W/50.

Von Vadderns Nachbarn hab ich einen original SU-Spare-Parts-Catalogue bekommen, welcher nach SAE 20 verlangt.

Und da ich vorher in beides nicht rein geguckt habe, sondern dieses Internet befragte, habe ich schnödes ATF verwendet:

Soviel sei schon mal gespoilert: Es macht keinen Unterschied. Hauptsache der Kolben wird durch irgendwas gedämpft. Zur Not Sonnenblumenöl.

Nun also zur praktischen Umsetzung. Bei Vadderns 1800S erledigt man das im vorbei laufen. Haube auf, liegen die Vergaser vor einem, Käppchen samt Dämpfer runter schrauben, Öl einfüllen bis der Messschieber sagt:“Passt“ (13mm über der Dämpferbohrung). Ist ne Sache von 3 Minuten.

Beim Rialto ist es etwas kompliziert. Seht ihr die schwarze Kappe auf der Glocke des Vergasers? Gaaaanz tief hinten rechts. Nein?

Moment, ich schraube schnell den Luftfilter samt Gehäuse weg:

Da ist sie.
Ach, ihr bekommt den Dämpfer nicht entfernt, weil die Karosserie zu dicht darüber ist? Kein Problem, ich schraube schnell den Vergaser samt Leitungen vom Vorheizelement los, um ihn nach vorne kippen zu können.

Ach geht nicht, weil auf den Stehbolzen nicht genügend Platz für einen normalen 1/2-Zoll Maulschlüssel ist? Kein Problem, ich feile gerade einen schlanken Blech-Schlüssel passend.

Ach Mist, der lässt sich nicht drehen, weil zu wenig Platz ist? Kein Problem, ich säge ihn auch noch ab.

So, jetzt haben wir ein passendes Werkzeug (siehe oben im Bild) und können den Vergaser ein Stück nach vorne ziehen, so dass der Dämpfer entfernt werden kann:

Hier sieht man auch die Bohrung des Dämpfers innerhalb der Glocke. Da soll das Öl 13mm drüber stehen. Bei waagerechtem Vergaser versteht sich. Keine Chance dass beim Rialto sauber hin zu bekommen.

Gut, dass es englische Technik ist. Da kann man auch getrost gröber ran gehen. Einfach auffüllen, bis das Öl Pi-mal-Auge unten am Gewinde steht, dann den Dämpfer einschrauben, einen Lappen auf das Entlüftungsloch oben in der schwarzen Kappe halten und mit der Hand ein paar mal kräftig den Kolben des Vergasers durch die offene Ansaugseite hoch drücken. Alles überschüssige Öl wird so nach oben durch die Entlüftung raus gedrückt. Bei ATF eine echt stinkige Angelegenheit, aber nachher passt der Pegel.

Danach alles wieder zurück bauen und fertig ist die Laube für die nächsten 10.000 Meilen. Den mund-geklöppelten Spezialschlüssel packt man am besten zum Bordwerkzeug.

Bei dieser Gelegenheit:
Hatte ich eigentlich schon mal gesagt, wie liebevoll ich die Beschriftung des Luftfilter-Gehäuses finde?

Ich finde, da ist Unternehmerstolz spürbar.

Das Krawatten-Eck II

Auch an der Krawatten-Front ging es weiter. Und zwar ganz unten. Ich habe die untere Hälfte des Tresens auf den Kopf gestellt, um die Unterseite zu lackieren. Erstens um den Boden zu schützen (der Tresen hat keine Füße) und zweitens, weil ich mal testen wollte, ob sich der von mir favorisierte Parkettlack auch mit der Schaumstoffrolle ausreichend schön verteilen lässt.
Also Schleifklotz raus und los:

Dabei bin ich direkt auf das nächste historische Relikt gestoßen:

Mein Barbarenfragment war also augenscheinlich mal Teil einer L-förmigen Verkaufslandschaft.
Drei Schichten später war die Bodenplatte ausreichend geschützt:

Fazit: Ja, der Parkettlack lässt sich auch mit der Schaumstoffrolle gut und schnell verteilen, allerdings verläuft er nicht so glatt wie mit dem Pinsel oder der Fell-Rolle. Es verbleibt eine ganz leicht strukturierte Oberfläche.

Für den sichtbaren Bereich bin ich daher wieder auf klassische Fusselrolle und Pinsel umgestiegen:

Natürlich habe ich vorher noch alles angeschliffen und auch am Zwischenschliff zwischen den einzelnen Lackschichten nicht gespart. Die Spuren der Jahre sind so unter einer glatten Oberfläche konserviert.

Bei dem Wasserschaden an den beiden Schiebetüren habe ich mich jedoch gegen eine Konservierung entschieden und habe sie deutlich schärfer abgeschliffen:

Leider habe ich nicht alle schwarzen Verfärbungen raus bekommen, so dass man den Wasserschaden bei genauer Betrachtung auch jetzt noch erkennt:

Oben drauf seht ihr auch schon die neue Arbeitsplatte, die ich besorgt habe. Hornbach lieferte massives Eichenleimholz in ordentlicher Stärke und Tiefe. Die Platte liegt auf dem Bild nur lose drauf und muss natürlich noch beschnitten werden. Eine Versiegelung hat sie (nach obligatem Zwischenschliff) trotzdem noch zusätzlich erhalten:

Früher nahm man dazu direkt Pinguine (sofern man sie nicht alle verheizt hatte), heute reichen auch eine Pinguin-Strumpfhose und etwas OSMO TopOil. Durch die geölte/gewachste Oberfläche lassen sich später Schadstellen in der Arbeitsplatte besser beheben, als wenn sie lackiert wäre.

Im nächsten Schritt habe ich mich den Schubladen zugewandt. Da sie natürlich alle in Handarbeit entstanden sind, passen sie auch nur sauber in die jeweils entsprechend angepasst Führung im Tresen. Damit da nix durcheinander kommt, hat der Schreiner damals alles penibel nummeriert:

Aber auch hier machen einem die Barbaren einen Strich durch die Rechnung, indem sie anscheinend die Schubladen des ganzen Ensembles durcheinander gewürfelt haben. So passen leider nur ca. 60% der Schubladen sauber in ihre entsprechenden Führungen.

Dementsprechend langsam geht es auch an dieser Stelle voran:

Beim nächsten Update sind hoffentlich alle Schubladen geschliffen, eingepasst und lackiert. Außerdem warte ich noch auf passende Seitenblenden aus Eiche, um auch die letzten stabilisierenden Spanplatten entfernen zu können. Ein historischer Schraubstock soll mir ebenfalls noch zu laufen.

Artgerechte Haltung II

Der Startschuss für mein Werkstatt-Projekt ist gefallen:

Es gab zwar einige Änderungen zum ursprünglichen Plan, aber nix von grundsätzlicher Natur. Die Geschichte wird jetzt 2 Meter kürzer und der Abstand zum Wohnhaus muss statt 3 Metern, 5 Meter betragen. Dafür kann ich in der Breite auf 7 Meter gehen, so dass sich die Grundfläche kaum ändert.

Nur damit hier keine falschen Hoffnungen aufkommen:
Der Bau ist ein Marathon, kein 100m-Lauf! Erwartet also nicht, dass hier nächste Woche die Bagger anrücken.

Leider deutlich zu früh rücken hingegen wo anders die Bagger an. Da hätte ich zum guten Kurs solch einen Kran abgreifen können:

Dort stehen fünf dieser Trümmer in unterschiedlichen Gewichtsklassen (Wenn jemand Interesse hat, bitte melden). Allerdings wäre die Beste von allen nur mittel begeistert, wenn ich den Hasen auf der Terrasse zwischenlagern würde. So begnüge ich mich mit Strom- und Druckluft-Installation aus den Hallen. Ist natürlich mal wieder gewerblicher Overkill, aber haben ist besser als brauchen.