Heute gibts mal wieder einen Lesetipp für verregnete Tage.
Das Landcruiser-Experiment habe ich ja schon vor längerem empfohlen.
Ein vergleichbares Projekt gibt es aber auch in der Dreirad-Welt:
Oskar hat sich als blutiger Anfänger an eine Piaggio Ape P2 als Restaurierungsobjekt gewagt.
Leider herrscht seit der Lackierung im März 2009 Funkstille, aber die Artikel bis dahin sind nicht nur sehr unterhaltsam geschrieben, sondern beinhalten auch viel lehrreiches!
Daher mein Lesetipp: http://www.motorschrauber.com/

Alle Beiträge von Adrian
Herzlichen Glückwunsch zur Wiedergeburt
Am letzten Wochenende waren wir zu unserem Nachbarn (der mit dem Jaguar E-Type) eingeladen. Er und seine Frau feierten die Wiedergeburt ihres Mercedes-Benz 230 SL (W113):

Mir gefiel die Pagode noch nie, aber Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden.
Sie haben den Wagen aus dem „Bible Belt“ der USA importiert. Aus der Nähe einer Quäker-Stadt in der nie Salz gestreut wurde. Der Vorbesitzer hatte den Wagen nur sehr selten für eine Sonntagsausfahrt benutzt. Das alles sieht man dem Wagen auch an.
Andere Menschen hätten solch ein Fahrzeug nicht restauriert. Nicht wegen etwaiger Patina, sondern, weil es einfach nicht nötig war. Eine leichte technische Überholung und er hätte für 5-10 Jahre treue Dienste geleistet.
Allerdings haben unsere Nachbarn anderes vor. Sie wollen einen Wagen im Zustand 1. Und nicht ein „Mein Wagen ist Zustand 1!“, wie man es oft in Anzeigen ließt, sondern eine offizielle 1 per Gutachten!
Dem Wagen sieht man diese Ambition nun auch an:

Sauberer hat der das Mercedes-Benz-Werk auch damals nicht verlassen.
Wie gut die Ausgangssubstanz war, sieht man gleichfalls am Innenraum:

Das Leder ist noch das originale! Lediglich gereinigt und neu aufgepolstert.
Wie gut die Arbeit des Polsterers war, sieht man auch an dem Leder auf der Verdeckabdeckung:

Diese Krümmungen bekommen die Wenigsten faltenfrei hin. Häufig wird auch der Einfachheit halber dort eine Naht gesetzt. Ist ne Kleinigkeit, aber nur mit diesen Details gibts auch ne 1…. Der Chrom und Lack ist ebenfalls richtig toll geworden. Herrlicher Tiefenglanz!
Das diese Pagode noch nie geschweißt wurde, zeigt die winzige Sicke am Kotflügelübergang zum Scheinwerferrahmen:

Dort rosten sie sehr gerne und bei Instandsetzungen wird diese Sicke der Einfachheit halber einfach weg gelassen (die Repro-Bleche haben sie oft auch garnicht). Wie oben: Ein unwichtiges Detail, aber ohne keine 1.
In einem ruhigen Moment gestand der Eigentümer uns allerdings, dass der Gutachter bisher nur eine 1- gibt. Mal sehen, welches Detail den Ausschlag geben wird.
Natürlich ist solch eine Restaurierung nicht jedermans Sache, aber es macht die beiden Glücklich. Warum also nicht. Der Wagen wird ja auch keine Trailerqueen, sondern die Beiden werden ihn nach dem Gutachten regelmäßig ausführen. Das automobile Kulturgut bleibt also erhalten.
Auch die Gäste reisten zum Teil mit adäquatem Altblech an. wWe zum Beispiel mit diesem linksgelenkten (!) Jaguar XK 140:


Ohne Stoßstangen finde ich ihn sogar noch hübscher.
Von Sir Edward sind die Beiden übrigens begeistert. Da bestehen keine Berührungsängste. Auch die Gäste wollten mal Probe sitzen. Gab wie immer große Erheiterung.
Vielen Dank für den schönen Nachmittag und allzeit gute Fahrt!
Damits funkt
Ok, ich geb’s zu: Langsam gehen mir die Ideen aus, woran Sir Edwards Schluckauf liegen könnte. Ich hab ja nun schon alle möglichen Ursachen beseitigt, aber er bockt immer noch. Es ist zwar um Welten besser geworden, aber schön ist das immer noch nicht.
Da mir die möglichen Ursachen ausgehen, bin ich jetzt dazu übergegangen wahllos Teile aus zu tauschen. Machen moderne Werkstätten auch so. Als erstes war die Zündungsseite dran.
Die alte Zündspule schwitzte immer ihr Öl (Kühlung) aus:

Wer weiß, ob die nicht einmal zu oft überhitzt ist und nun nen Schlag hat?! Da gabs also Ersatz in Form einer neuen Flamethrower-Spule:

Die neue Spule hat 3 Ohm Widerstand und produziert 40.000 Volt. Das soll bei Vierzylindern bis 6.000 U/min ausreichend sein.
Bei der Demontage fiel mir mal wieder eine der wenigen kaputten Stellen in der Karosserie von Sir Edward auf:

Da muss irgendwer mal die Schraube der Halteschelle der Zündspule mit Herkules-Kräften angeknallt haben. Naja, beeinträchtigt die Funktion nicht und bricht auch nicht weiter. Kann also erstmal so bleiben.
Außerdem gabs noch neue Zündkabel. Ich hab einen Satz zum selber konfektionieren genommen. Klar birgt das auch wieder Fehlerpotential, aber das ist zum einen keine Weltraumtechnik und zum anderen gibts für die Reliant-Motoren keine fertigen Sätze bzw. nur solche unbekannter Qualität. Also selber ran.
Die Kabel haben eine Edelstahlseele mit äußerst geringem Widerstand (ca. 1,5 kOhm/m) sind silikonummantelt und kommen mit lebenslanger Garantie.

Crimpen war echt easy (wobei Silikonspray zum einziehen der Kabel in die Kappen essentiell ist!):

Dadurch, dass Sir Edward nur sehr kurze Kabel braucht, hab ich jetzt noch nen ganzen Sack Zündkabel übrig:

Naja, findet sich schon noch nen Verwendungszweck für…
Die alten Kabel hatten recht hohe Widerstände wie ich fand. Das Längste von ihnen (Zündspule – Verteilerkappe) hatte 32,5 kOhm:

Die neuen Kabel haben 0,00 – 0,07 kOhm…. wahrscheinlich geht nun bei den Nachbarn der Fernseher aus, wenn ich den Boliden starte. Kommt Zeit kommt Entstörung. Was ist da an Widerstand eigentlich normal? Ich hab gelesen, dass ab 25 kOhm Probleme auftreten können…
Wie ihr meinem Tonfall (Wie nennt man eigentlich den entsprechenden Schreibstil? „Schriftfall“?) entnehmen könnt, hat diese Aktion nix am Geruckel geändert…. *Kacke*
Like a Hobo
Hier gibts mal wieder nen Musik-Tipp von mir, für alle die was für Blues übrig haben:
Seasick Steve – Dog House
Ön/Öff, drauf drüggn! III
Seit kurzem wollte meine herrliche Relais-Steuerung für die Scheinwerfer nicht mehr.
Zündung war an, aber es gab kein *Klick* vom Relais und die Scheinwerfer blieben dunkel… Über den Schalter im Armaturenbrett konnte ich das Licht aber noch ganz normal einschalten. Hat also gerade mal ne knappe Woche lang funktioniert. Großartig…
Eine kurze Untersuchung ergab erstaunliches:

Die kleinen Chinesen, die das Teil zusammengeklöppelt haben, haben zwar ne Sicherung verbaut, allerdings waren die Übergangswiederstände am Sicherungshalter anscheinend so groß, dass selbiger einfach geschmolzen ist! Nicht das die Sicherung sowas verhindern sollte…nöööö! Die ist nur Deko, damit die da deutsche Prüfsiegel drauf pappen dürfen. Schöner Schrott, den HP Autozubehör da vertreibt.
Das Teil hat sich so verzogen, dass ich noch nicht mal die Sicherung raus bekommen habe.
Ich hab jetzt das Kabel vor und hinter der Sicherung durch gekniffen und einen neuen Halter (noch aus Kriegsproduktion) mit einer 16A-Sicherung verbaut. Vorher waren da 30A drin.
Zum Glück hat das Relais diesen Suizid des Halters überlebt und funktioniert mit dem Neuen wieder einwandfrei. Ich hab nach zwei Stunden mal angepackt: Alles schön kühl bzw. Hand-warm. Ich werde es kritisch im Auge behalten.

