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Eine extra Wurst bitte I

Als Freund dreirädriger Fahrzeuge ist man natürlich darauf spezialisiert, alles was mit selbigen zusammen hängt, zu entdecken. Ebenso wird das Umfeld in Mitleidenschaft gezogen, weil auch sie für dieses Thema sensibilisiert werden.
So fiel der besten Freundin von allen neulich § 1 Absatz 4 der Altfahrzeugverordnung auf:

§ 1 Anwendungsbereich
(1) Diese Verordnung gilt für Fahrzeuge und Altfahrzeuge einschließlich ihrer Bauteile und Werkstoffe. Unbeschadet von § 3 Abs. 4 gilt dies unabhängig davon, wie das Fahrzeug während seiner Nutzung gewartet oder repariert worden ist und ob es mit vom Hersteller gelieferten Bauteilen oder mit anderen Bauteilen bestückt ist, wenn deren Einbau als Ersatz-, Austausch- oder Nachrüstteile den einschlägigen Vorschriften über die Zulassung von Fahrzeugen zum Verkehr auf öffentlichen Straßen entspricht.
(2) Die §§ 9 und 10 gelten nicht für einen Hersteller, der ausschließlich Fahrzeuge im Sinne von Artikel 8 Abs. 2 Buchstabe a der Richtlinie 70/156/EWG des Rates vom 6. Februar 1970 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Betriebserlaubnis für Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuganhänger (ABl. EG Nr. L 42 S. 1, Nr. L 225 S. 6) herstellt oder importiert, und nicht für die von ihm hergestellten oder importierten Fahrzeuge (Kleinserienregelung). Ob die Voraussetzungen nach Satz 1 zutreffen, entscheidet das Kraftfahrt-Bundesamt auf Antrag.
(3) Fahrzeuge mit besonderer Zweckbestimmung im Sinne von Artikel 4 Abs. 1 Buchstabe a zweiter Anstrich der Richtlinie 70/156/EWG vom 6. Februar 1970 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Betriebserlaubnis für Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuganhänger (ABl. EG Nr. L 42 S. 1, Nr. L 225 S. 4) sind von den Anforderungen nach § 5 Abs. 1 ausgenommen. Ausgenommen von den Anforderungen nach § 8 Abs. 2 sind Ausrüstungsgegenstände, die nicht speziell für den Einsatz der in Satz 1 bezeichneten Fahrzeuge hergestellt wurden.
(4) Für dreirädrige Kraftfahrzeuge gelten nur die §§ 1 bis 5.
(5) Den Vorschriften dieser Verordnung unterliegen die Wirtschaftsbeteiligten sowie die Besitzer, Eigentümer und Letzthalter von Altfahrzeugen.

Nicht das diese Beschränkung irgendeine sinnvolle Erleichterung für den gemeinen Dreiradfreund hätte… einfach im Garten verbuddeln ist trotzdem nicht. Aber Hauptsache ne extra Wurst.
Mal sehen, was mir noch so an gesetzlichen Ausnahmen über den Weg läuft. Ich fange vorsichtshalber mal ne Artikel-Serie an.
Die Ausnahme von der Feinstaubverordnung dürfte ja schon gemeinhin bekannt sein.

321-Zündung

Vor wenigen Tagen ist der nächste Leckerbissen per Post bei mir eingetrudelt.
Eine nagelneue 123ignition-Hochleistungszündanlage:
123-Ignition Mini-A-Series
Lecker, lecker, lecker!
Was eine 123ignition ist und was sie alles neben dem normalen verteilen der Zündspannung noch kann, erfahrt ihr ganz anschaulich auf dieser Seite.
Dieses Video zeigt ganz anschaulich, wie überlegen die 123ignition gegenüber anderen Zündungssystemen ist:

Und das ohne Berücksichtigung der ebenfalls anfälligen Unterdruckverstellung mittels Federn und Gewichten!
Ja, na klar, wenn die 123 kaputt geht, is nix mehr mit weiter fahren. Allerdings ist das auch der Fall, wenn beim normalen U-Verteiler was kaputt geht und man keine Ersatzteile dabei hat.
Ich halte die Gefahr auch für relativ gering. Zum einen ist die 123ignition seit Jahren erprobt und erntet nichts als Loblieder und zum Anderen ist in meinem Werkzeug-Ersatzrad ja vielleicht auch noch Platz für den alten U-Verteiler…
Die Tage des alten Unterbrecher-Verteilers sind damit nahezu gezählt.
Natürlich gibt es keine 123ignition, die genau für die Reliant-Motoren bestimmt ist. Noch weniger eine, die auf die Eigenheiten von Sir Edwards seltener „Yellow Top“-Maschine abgestimmt ist.
Ich habe mich daher für eine 123ignition für pre A-plus-Mini-Motoren entschieden. Diese Minis verwendeten ebenfalls den Lucas 45D4-Verteiler und hatten u.A. auch 848ccm. Ich hoffe also, dass ich eine der 16 Zündungskurven finde, die recht nah an den original Spezifikationen des Verteilers ist.
Allerdings ist diese Materie nagelneu für mich und ich muss mich erstmal etwas schlau lesen, bzw. bin für jeden Hinweis dankbar!

Hier ein paar grundlegende Infos für euch:

123ignition pre-A-Plus-Mini-Zündkurven

Kurve Zündverstellung
500-1000 U/min*
Zündverstellung
@ 2000 U/min*
max. Zündverstellung
@ 5000 U/min*
0 10 14,5 28
1 10 16,7 28
2 10 18,4 28
3 10 20,2 28
4 10 16,3 30
5 10 17,6 30
6 10 19,4 30
7 10 21,1 30
8 10 16,2 32
9 10 18,1 32
A 10 20,3 32
B 10 22,9 34
C 10 17,0 34
D 10 20,4 34
E 10 22,1 34
F 10 23,9 34

*Alle Werte in Grad-Zündverstellung und U/min gemessen an der Kurbelwelle.

Die Unterdruckverstellung bei der 123ignition beträgt 0 bis 14° von 5″ bis 10„Hg (125mbar bis 250mbar)

Diese Liste und eine Übersicht über die zugehörigen Mini-Modelle gibts zum freien download hier.

Für die standard 848ccm-Mini-Motoren empfiehlt die 123-Broschüre Zündkurve „C„.

Meine Nachforschungen haben bisher ergeben, dass der Lucas 25D4-Verteiler (Lucas Service-Nummer 41961A) bei den Yellow-Top Maschinen folgende Spezifikationen hat:
Zündverstellung beginnt bei 800 U/min bis max. 27° bei 5200U/min.
Die Unterdruckverstellung beginnt bei 3″Hg, bis max. 14° bei 12″Hg.

Das klingt für mich bisher so, als hätte selbst die Kurve „0“ einen Grad zu viel maximale Zündverstellung und erreicht diese auch schon 200 U/min früher als der original Verteiler.
Und auch die Unterdruckverstellung beginnt später und erreicht früher die maximale Verstellung.
Was das nun effektiv bedeutet oder was ich da wie beeinflussen kann: Keine Ahnung!
Wie gesagt: Ich muss mich da wohl erstmal einlesen.
Klingt halt alles nicht so optimal…

Mein Bremsennachsteller hat vier Ecken…

Der Kleine hatte vor längerem einen Termin beim TÜV. Dort wurde uns mitgeteilt, dass er hinten links kaum Bremsleistung hat. Blöd.
Um die Sache mal zu ergründen muss die Bremstrommel ab:
Bremstrommel hinten Kronenmutter
Bremstrommel demontieren ist bei den alten Volvos eine Wissenschaft für sich. Wie bei Sir Edward einfach abnehmen is nich. Man braucht einen sehr massiven Abzieher. Viele versuchen es erstmal mit einem normalen Zwei-Arm-Abzieher. Wenn sie Glück haben, enden sie nur mit einem kaputten Abzieher. Wenn es blöd läuft, sieht die Trommel nachher so aus:

Bei dieser Aktion wird auch gerne das Gewinde des Achsstummels vergnaddelt oder das Splintloch oval gedrückt….
Also Ärger sparen und gleich zu professionellem Gerät greifen.
Einen speziellen Abzieher haben wir über das Volvoniacs-Forum bekommen. Der ist sehr massiv:

Die Voraussetzungen waren also gut.
Erster Schritt war den Bremsnachsteller zurück zu schrauben. Ansonsten geht die Trommel nicht runter. Leider saß der kleine Bastard so fest, dass er die kleinen Maulschlüssel einfach aufbog. Nen Bremsendienstschlüssel hatte ich gerade nicht zur Hand. Also mal wieder improvisieren….
Der Nachsteller selbst ist nen Vierkant (Warum ist das eigentlich kein Sechskant?!). Was ist massiv und hat ein Vierkant-Loch?
Die Rückseite einer 1/4″-Nuss hat ziemlich genau die Dimensionen des Vierkants! Jetzt fehlte noch was zum drehen der aufgesteckten Nuss. Da bot sich ne passende Sechskantnuss auf einer Ratsche an:
Bremsnachsteller 4-Kant improvisiert
Damit ließ der Nachsteller sich auch recht bequem zur Mitarbeit überreden:
Bremsnachsteller
Leider war dann auch bald Schluss mit der Arbeit. Ich habe in unserem gesamten Werkzeugfundus keinen Schlüssel gefunden, der groß genug war, um die Kronenmutter ab zu bekommen. Selbst nen 30er-Schlüssel ist nicht weit genug…

MacGyvers feuchter Traum

Via meinen Bruder erreichte mich der Hinweis auf dieses schmucke Accessoire für den Survivalfreund der Familie:

Es handelt sich bei diesem Multi-Multi-Multi-Funktionsmesser um das „Wenger Giant Messer“. Das ist keine Fotomontage! Das kann man echt so kaufen! Mit all seinen 87 Werkzeuge und 141 Funktionen…
Noch unterhaltsamer als die alleinige Existenz dieses Tools sind allerdings die Kundenrezensionen bei Amazon.de zu dem Teil!!

Zylinder 4 hat Gicht

Mein Bruder kam am Wochenende mit Kummer nach Hause. Der alte Volvo (Volvo 740 GL) lief nur noch auf zwei bzw. drei Töpfen. Kalt gings noch, aber sobald er warm wurde, machte er kaum 200 U/min bzw. war kaum am laufen zu halten.
Da ich gestern etwas Zeit hatte, habe ich mich der Sache mal angenommen.
Nicht laufender Motor können grundsätzlich, eigentlich und sowieso nur zwei Dinge sein:

  1. Kraftstoffversorgung
  2. Zündung

Da unser 740 eine der seltenen Vergaserausführungen (B230K mit Pierburg 2B5) ist, wollte ich mich erstmal der Zündung zuwenden, eh ich in das Gewirr von Schläuchen des Vergasermonstrums eintauche:
Volvo 740 Zündanlage
Erstmal grober Check:
Die Zündkabel selbst waren es nicht. Die hatte Tobias schon gechecked und sie sahen gut aus. Im dunkeln gab’s auch keinen Funkenregen.
Also mal das Kabel Zündspule-Verteiler begucken. Ahauaha…das sieht fies aus. Links besagtes Kabel, rechts normales Kabel Verteiler-Zündkerze:
Volvo 740 Zündanlage Zündkabel
Fieser Grünspan und Korrosion. Im Anschluss an der Zündspule fand sich ebenfalls Korrosion und auch Wassertropfen:
Volvo 740 Zündanlage Zündspule
Ok, da kann man was dran machen. Schön alles abwischen, reinigen, Kontaktspray nutzen.
Weil ich schon dabei war, habe ich auch mal die Verteilerkappe abgenommen. Ist ein bisschen Fummelarbeit, da die Kappe an der Rückseite des Motors, direkt an der Feuerwand sitzt. Allerdings easy im Vergleich zu einigen Arbeiten an Sir Edwards Motor.
Auch die Verteilerkappe war ein Trauerspiel. Am Anschluss der Zündspule wieder Korrosion:
Volvo 740 Zündanlage Verteilerkappe
Riss im Gehäuse, siffig und die Kontakte in der Kappe sahen aus wie das Gesicht eines pubertierenden Teenagers:
Volvo 740 Zündanlage Verteilerkappe
Die Kontakte waren so verbrannt, dass ich zum Dremel mit Kupferbürstenaufsatz greifen musste. Auf diesem Bild sieht man ganz gut, wie abgefressen sie schon sind. Teilweise steht kaum noch die Hälfte:
Volvo 740 Zündanlage Verteilerkappe
Der Verteilerfinger hat ebenfalls die beste Zeit hinter sich:
Volvo 740 Zündanlage Verteilerfinger
Nach eingehender Reinigung hab ich alles wieder zusammengebaut und ihn mal testweise laufen lassen. Ergebnis:
Der Alte läuft wieder auf allen Töpfen. Kalt bei ca. 1000 U/min, warm bei ca. 600 U/min und alles schön stabil.
Natürlich haben wir gleich heute eine Großbestellung bei Skandix aufgegeben:
u.A.:
Halter, Zündkabel Ventildeckel
Zündverteilerläufer
Zündkabelsatz
Dichtring, Verteiler Satz
Zündverteilerkappe
Eben rief Skandix an und teilte uns mit, dass unsere Bestellung heute noch raus geht. Am Wochenende gibt’s also Neuteile für den Alten. Hat er sich auch redlich verdient. Normaler Wechselintervall für Verteilerkappen ist nach meiner Info ca. 120.000 km.
Unser Alter mit seinen über 360.000 Km hat sicherlich noch den ersten Verteiler…