Schlagwort-Archiv: Zündaussetzer

magnetischer Abfall

Die aktuelle Stille hier im Blog begründet sich mit verschiedenen Großprojekten rings um das Genesungswerk. Mit im Dauereinsatz:
Der Dumper und der Bagger.
Leider war auf letzteren zuletzt kein Verlass.
Er sprang nur sporadisch an und wenn er lief, dann nur kurz.
Natürlich habe ich die üblichen Verdächtigen gecheckt und landete ziemlich schnell dabei, dass er keinen konstanten Zündfunken bekam:

Erster Reparaturversuch

Der systematischen Fehlersuche folgend, hatte ich recht schnell den Ölstandschalter (legt die Zündspule auf Masse, wenn zu wenig Öl im Motor ist) im Visier:

Ölstandssensor

Kaum hatte ich ihn ausgebaut (und natürlich den Ölstand vorher geprüft) lief der Bagger wieder.
Alles Klar. Schuldiger gefunden. Neu ordern, weiter im Text.
Allerdings dauert die Freude nur ein paar Minuten, bis der Bagger wieder aus ging und nicht wieder anspringen wollte.
Glücklicherweise befand ich mich gerade vor dem Genesungswerk, so dass ich ihn mit dem Anlasser schrittweise in die Halle fahren konnte (Zündkerze raus, Richtungshebel gezogen halten und Anlasser betätigen, der dann über den Motor die Hydraulikpumpe dreht).
Dann steigen wir mal tiefer ein!
Um keine Zeit zu verlieren orderte ich schon (mit dem Teilekatalog) mal die üblichen Ersatzteile:

Ersatzteile

Eine abgescherte Passfeder auf der Kurbelwelle ist wohl eine übliche Krankheit bei den Briggs & Stratton Motoren der 19N1 Serie.
Alternativ auch eine schwächelnde Zündspule.
Und um ganz sicher zu gehen, habe ich auch noch eine original Torch F6TC-Zündkerze mit geordert.
Die Kosten sind überschaubar und es warteten tonnenweise Material auf den Bagger.
Als erstes bekam die seitliche Verkleidung einen Schlitz, um den Bowdenzug ausfädeln zu können:

Seitenverkleidung geschlitzt

Bisher konnte man die nur demontieren, indem man den Bowdenzug abschraubte. Suboptimal.
Um an das Polrad zu kommen, müssen alle Verkleidungen und auch der Tank raus:

Erste Verkleidungen demontiert

Bevor ihr das Schwungrad demontiert, messt erstmal den Abstand zwischen Zündspule und Schwungrad:

Abstand zur Zündspule

0,3mm ist ok. Es kann aber auch sein, dass sich da eine Schraube gelöst hat und der Abstand deswegen nicht mehr stimmt (dann aber üblicherweise mit Totalausfall der Zündung)
Um die Zentralmutter auf der Kurbelwelle zu lösen, ist mal wieder ein Zipfel der Verkleidung im Weg:

Zugang versperrt

Das ist natürlich auch ein großes GFK-Teil mit der Bediensäule und Hebelage. Also entweder alles demontieren oder mit der Säge einen kleinen Ausschnitt schaffen:

Polrad lösen

Entgegen der Beteuerungen von Le Chat hat die Mutter auf der Kurbelwelle ein ganz normales Rechtsgewinde! Also ganz normal gegen den Uhrzeigersinn drehen zum lösen.
Ist das Lüfterrad runter, braucht ihr einen Abzieher für das Polrad:

Lüfterrad demontiert

Kann man entweder kaufen oder aus einem stabilen U-Eisen und zwei M8-Schrauben selber bauen:

Eigenbau Abzieher

Ist das Polrad runter findet man entweder die abgescherten Passfeder oder schlimmeres:

Magnete herausgebrochen

Augenscheinlich hat sich die Verklebung der Polrad-Magneten gelöst:

Kleber abgelöst

Die Magneten ließen sich mit Fingerkraft aus ihrem Kleberbett ziehen.
Da einer der Magneten zerbrochen war, brauchte ich ein neues Polrad.
Den günstigsten Anbieter (160€) fand ich in Dänemark.
Nach einer Woche Lieferzeit und reichlich Rückenschmerzen vom schippen kam das Ersatzteil:

Neues und altes Polrad

Danach alles wieder zusammen werfen (Die Zentralmutter auf der Kurbelwelle bekommt 60 Nm) und testen.
Die Bude läuft wieder!
Aber bei gerade mal 58h auf der Uhr sich ablösende Polradmagneten?!
Wenn ich auch nur ansatzweise Zeit hätte, würde ich da Briggs & Stratton mal zu befragen.

Gorilla will nicht warm II

Ok, dass Problem ließ mir keine Ruhe!
Konnte doch nicht sein, dass ich bei diesem herrlichen Frühlingswetter drin sitze und Montags auf dem Drahtesel ins Büro rollern muss!
Also mal Menschen nach Hilfe gefragt und deren Tipps systematisch abgearbeitet:
Sonntägliches schrauben
So sah die Kerze nach den Aussetzern aus:
Zündkerzengesicht nach Nadeländerung
Nicht wirklich dramatisch, wie ich finde.
Ich habe sie vor der erneuten Verwendung mit einer Kupferbürste gereinigt.

Die Ventile habe ich auch neu eingestellt:
Einlassventil
Ist bei der Gorilla/Monkey zwar etwas umständlich, da man sich für das Auslassventil unter den Motor legen muss, aber immer noch um Welten besser, als beim Rialto.
Hier übrigens ein schönes Video zum Thema:

Die Ventile stellt man auf folgende Werte ein:
Einlassventil 0.05 mm
Auslassventil 0.07 mm
Auch hier mal wieder mikroskopische Werte im Vergleich zu anderen Viertaktern.
Die Gorilla-Ventile hatten aber nur minimal zu viel Spiel.

Dann habe ich die Vergasernadel näher begutachtet.
Die saß eine Kerbe zu tief:
falsch eingestellte Nadel
Die Nadel gehört (bei serienmäßigen Fahrzeugen) eigentlich mit der mittleren Kerbe aufgehangen.
Bei der ursprünglichen Einstellung war das Gemisch magerer eingestellt. Da hat also auch schon mal wieder jemand dran rum gefummelt.
Die Nadel hat die Bezeichnung „R4304E“ (Wobei das „R“ auch ein“B“ sein kann). Ob das die richtige Nadel für die 50ccm-Honda-Motoren ist, muss ich noch recherchieren.

Mit den neuen Einstellungen habe ich dann wieder eine Testrunde gedreht.
Die Symptome blieben aber ähnlich. Ruckeln/Verschlucken nach einiger Zeit und lausige Gasannahme bzw. Verschlimmerung beim gasgeben.
Besonders schlimm wurde es direkt nach dem schalten.
Allerdings ging der Motor jetzt im Standgas nicht mehr aus.

Um die Tankentlüftung als Fehlerquelle auszuschließen habe ich während des ruckelns mal eine Runde gänzlich ohne Tankdeckel gedreht.
Brachte aber auch keine Besserung.

Wieder zurück wollte ich nochmal das Kerzenbild prüfen.
Dabei fiel mir auf, wie labberig der Kerzenstecker saß….. Ihr ahnt, was kommt, oder?!

Da hatte schon mal jemand dran „gearbeitet“:
vermurkster Zündkerzenstecker
Ich habe bisher wirklich noch keine einzige ordentlich ausgeführte Arbeit an dem Bike gefunden!

In meinem Fundus fand sich noch ein Strobo-Teststecker (hat ein Leuchtelement, welches Zündaussetzer im laufenden Betrieb visualisiert):
Strobo-Stecker

Mit dem Ding lief die Gorilla meine 6-km-Teststrecke einwandfrei!

Mal sehen, ob sie morgens zur Arbeit wieder zickt, oder ob es das wirklich war.
Auf jeden Fall besorge ich morgen einen ordentlichen Zündkerzenstecker. Der Alte liegt schon im Müll.

So sieht das Kerzenbild übrigens jetzt aus:
Zündkerzengesicht mit Aussetzern
Bilderbuch!