Kategoriearchiv: Allgemein

Saisonabschluss des Oldtimerstammtischs

So, ich bin aus den Bond-Bug-Ferien wieder da.
Bevor ich aber den Elektrik-Umbau in gewohnt epischer Breite darstelle, muss ich erstmal noch ein paar Dinge, die davor geschahen näher beleuchten.
Den Anfang macht der traditionelle Saisonabschluss des Oldtimerstammtischs Magdeburg vom 03.10.
Der bunt gemischte Haufen traf sich um 09:30 Uhr (Ich hab die Beste mal wieder viel zu früh dort hin gescheucht, so dass wir schon um 9 Uhr auf dem leeren Parkplatz standen) bei strahlendem Sonnenschein aber bitterer Kälte:

Einer der Neuzugänge war der imposante Gorkovsky Avtomobilny Zavod 24 Wolga (Kurz: GAZ 24 Wolga), der mir schon auf dem OMMMA aufgefallen war:

Nachdem auch die letzten Nachzügler eingesammelt waren, machten wir uns auf den Weg durch den Flemming:

Danke an alle für den Soli. Es waren vorzügliche Straßen!
Eine Lektion, die ich mittlerweile gelernt habe: Bei Oldie-Ausfahrten im Osten, immer Ausschau nach einem Viertakter halten, an dem man sich hängen kann!
Ist immer gut, wenn der erstmal den Zweitakterduft des Vordermanns verquirlen kann.
Einen kurzen Zwischenhalt legten wir an einer Burg ein, deren Name ich leider verdrängt habe:

Ich nutzte die Pause um ein paar Pflaumen aus dem Burggarten für die Beste zu stibitzen.
Ist immer wichtig, dem Liebchen ein paar Gaben darzubringen.
Nachdem sich alle die Beine vertreten hatten, ging es weiter Richtung Zerbst.
Unser Ziel war dort das Residenzschloss der Fürsten von Anhalt-Zerbst bzw. was von ihm übrig ist:

Wir durften freundlicherweise direkt im Schlosspark unsere Fahrzeuge abstellen:


Bevor wir zum Kulturteil schritten, wurde Mittagsrast im Gildehaus eingelegt.
Mit vollen Bäuchen ging es dann zurück zum Schloss und hinein in die Bruchbude:

Um es kurz zu machen: Hätten sie die Bude endgültig platt gemacht, wäre es auch keinem aufgefallen.
Es wurde während der Führung ein riesen Aufriss drum gemacht, dass Katharina die Große da mal für ne Woche den Lokus gewärmt hat.
Naja, jedem seine Schwärmerei.
Außer ein paar mühselig zusammengetragenen Bröckchen ist aber leider nicht mehr viel vom einstigen Glanz übrig. Den vom Förderverein angestrebten Wiederaufbau „in altem Glanz“ halte ich für … öhhhh…“optimistisch“… Obwohl zwei der Fenster sogar schon wieder richtiges Glas drin haben (der Rest ist nur Plastikfolie)!
Auf dem Rückweg zu den Autos, hatten diese sich auf wundersame Weise vermehrt:

Die IFA-Freunde Sachsen-Anhalt hatten für ihren Saisonabschluss das gleiche Ziel ausgewählt und sich zu uns gesellt.
Den anschließenden Rückweg traten wir zusammen mit Uwe und seinem Škoda 110 R an.
Wie immer war die Tour TOP organisiert und sehr unterhaltsam.
Vielen Dank für den schönen Saisonabschluss!

Bond Bug Ferien

Ich habe meinen Jahresresturlaub genommen, Frau und Hof im Stich gelassen und bin zu Vaddern in die heimische Werkstatt zurück gekehrt.
14-Tage-Bond Bug-Intensivprogramm steht auf der ärztlichen Verordnung.
Die malade Elektrik samt Umbau steht dabei ganz oben.
Auch der fragile Temperaturhaushalt sowie der Achsschenkel am A-Frame und Korrosionsschutz sind auf der Liste.
Es gibt also viel zu tun!
Daher wurde selbst der Besten nur ein enges Besuchsfenster zugestanden, um möglichst weit bei den Arbeiten zu kommen.
Für die geschätzte Leserschaft bedeutet dies aber auch erst mal Funkstille. Sorry.

Damit ihr aber nicht trübsinnig eure Tage bestreiten müsst, hab ich etwas Ersatzdroge im Angebot:
Sandmanns Welt
Toll geschrieben, witzige Themen und Automobile Perlen (Audi V8, VW K70, etc.).
Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen und freue mich drauf, euch in 14 Tagen hier wieder zu sehen!

Android meets OBD

Im Zuge der Lambdasondenreparatur habe ich mich mal nach Möglichkeiten umgesehen OBD II Fehlercodes selber auszulesen.
Klar, bei Opel-Fahrzeugen aus den 2000er-Jahren geht das auch so, aber Opel ist im heimischen Fuhrpark klar in der Unterzahl.
Jeder drittklassige Elektronikversand bietet mittlerweile handliche Lesegeräte für den Heimanwender an. Auch eBay hat da reichlich im Angebot.
Aber in Verbindung mit den Preisen, spricht für mich auch die Abhängigkeit vom Hersteller für Updates gegen ein solches „geschlossenes“ System.
Für ein selbst geklöppeltes System bin ich jedoch nicht blond genug:

Es gibt auch Open-Source-Ansätze, wie z.B. OpenOBD.
Aber auch dort fehlt mir die Motivation, mich so tief in die Materie einzuarbeiten, als dass es auf einem der ollen Laptops die hier noch rum fliegen läuft.
Guckt man etwas weiter, so stolpert man ziemlich schnell über die Software „Torque„.
Torque nutzt Android-Geräte als Hardware und liest per Bluetooth oder W-LAN OBD II-Schnittstellen aus.
Es gibt zwei Versionen. Einmal „Torque Lite“ als kostenlose Version mit trotzdem riesigem Umfang und einmal „Torque Pro“ für sagenhafte 3,54 €.
Auch Herstellerspezifische Codes können damit ausgelesen werden.
NICE!
Hier ein kleines Video, was Torque Pro alles kann:

Und eine kleine Übersichtsgrafik:

Den Fehlerspeicher auslesen und löschen können übrigens beide Versionen.
Damit stand der Entschluss fest und ich hab mich mal nach kompatiblen Adaptern umgesehen.
Die vom Anbieter aufgelisteten Adapter waren mir alle zu teuer.
Also mal eBay direkt mit der Anfrage „Torque Bluetooth“ konfrontiert.
Da finden sich auch von deutschen Anbietern Angebote für schmale Mark.
Ich habe mich für dieses hier entschieden.
Ein deutscher Anbieter erleichtert die Nörgelei, sollte der Adapter doch nicht funktionieren.
Neben dem Adapter war noch eine deutsche Anleitung im Lieferumfang:
Lieferumfang
Die OBD II-Buchse findet sich beim Opel Corsa C bzw. Combo C in der Mittelkonsole unterhalb der Heizungssteuerung:
OBD II Anschluss
Der Adapter muss da leider über Kopf rein, so dass man die Kontroll-LEDs nicht sehen kann:
Adapter eingesteckt
Zu Anfang sah auch alles knorke aus.
Der Adapter wurde von meinem Defy gefunden und es konnte auch „gepaart“ (Ferkelkrams!) werden:
Pairing
Allerdings wollte Torque partout keine Verbindung mit dem Adapter herstellen.
Zurück am heimischen Rechner stellte sich heraus, dass ich mir selbst ein Bein gestellt habe.
Motorola verwendet proprietäre Treiber für die Ansteuerung seiner Bluetoothelemente.
Diese Treiber sind daher nicht in der von mir verwendeten Version des CyanogenMod 7 enthalten.
„Gibt’s nicht, bekommen wir auch nicht mehr rein…“ war die Antwort aus dem Netz.
Und ich bin nicht alleine.
Doof, aber weder ein Fehler des Verkäufers, der Cyanogen-Crew oder den Jungs von Torque.
Da ich wenig Lust auf Experimente mit anderen ROMs hatte, habe ich mich einfach im Freundeskreis nach Android-Geräten mit Stock-ROMs umgehört.
Michael war so freundlich mir den Zugang zu dem Mist-neuen Motorola-Telefon seiner Freundin zu verschaffen (herzlichen Dank dafür).
Da läuft noch ein gebrandetes original Android 2.3 drauf.
Damit war der Verbindungsaufbau glücklicherweise kein Problem und ich konnte den Fehlerspeicher auslesen:
hinterlegter Fehlercode
Wie zu erwarten war, war dort noch der Fehler P0136 hinterlegt (auch wenn die Motorkontrollleuchte längst erloschen war).
Zwei Klicks später war der Fehler gelöscht und bei einer Runde um den Block konnte ich mich davon überzeugen, dass Lambdasonde 2 wieder ihren Dienst aufgenommen hat:
Lambdawert von Sensor 2
Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass Torque ein hammermäßiges Tool ist, dass in keiner Auto-Nerd-Hosentasche (insbesondere beim Gebrauchtwagenkauf) fehlen sollte.
Eine Aufnahme in die Liste mit den besten Schrauber-Apps ist längst überfällig!

ATORN Werkzeug von Betriebsausstatter24.de

Vor einiger Zeit fragte man mich von Betriebsausstatter24.de, ob ich nicht etwas aus ihrem Sortiment für mein Blog testen möchte.
Da ich auch sonst kein Problem damit habe, ein gutes Produkt zu empfehlen, bin ich für so was immer zu haben. Schließlich bin auch ich froh, wenn ich mir die ein oder andere Empfehlung in der befreundeten Bloggerwelt holen kann.
Solange man mir nicht vorschreibt, wie mein Testurteil im Anschluss ausfallen soll, bin ich natürlich bereit, mein kritisches Hobbyschrauberauge auf Produkte zu werfen.
Aber auch in dieser Beziehung wurde mir von Betriebsausstatter24.de freie Hand zugesichert.
Also stöberte ich im großen Angebot der Firma.
Zielgruppe sind eigentlich eher professionelle Anwender, aber wenn ich die Wahl habe, greife ich ja gerne mal ins Profi-Regal.
Da man nie genug Werkzeug haben kann und mir ehrlich gesagt die Marke „ATORN“ bisher noch nichts sagte, wollte ich gerne eines von deren Ratschensets testen.
Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass meine mangelnde Kenntnis lediglich daran liegt, dass ATORN in einer gänzlich anderen Liga spielt, als das Werkzeug, mit dem man sonst so hantiert.
Eigentlich kommt die Firma aus dem Fräs-, Bohr- und Dreher-Bereich. „Normale“ Handwerkzeuge sind da nur ein Nebenprodukt. Das lässt die Erwartungen natürlich nach oben schnellen. Insbesondere, da ATORN 10 Jahre Garantie auf seine Produkte gibt.
Objekt meiner Begierde war eigentlich der ATORN Steckschlüssel Satz 49-teilig 3/8 Zoll in Hartschaumeinlage:
ATORN Steckschlüssel Satz 49-teilig 3/8 Zoll in Hartschaumeinlage
Den hätte ich gerne mit dem von mir so geliebten “moto detail”/“Rothewald”-Kasten verglichen. Was zölliges Werkzeug angeht, halte ich den ja für eine eierlegenden Wollmilchsau. Da wäre es schön gewesen ein metrisches Pendant zu testen.
Vom Umfang her sind beide Wekzeugsets ja durchaus zu vergleichen, zumal ich in meinem jugendlichen Wahnsinn auch behaupte, dass 1/2-Zoll-Werkzeug im PKW-Bereich überflüssig ist.
3/8-Zoll ist das neue 1/2-Zoll!
Die Werkstoffe, die Technik und die Verarbeitung des Werkzeugs hat sich in den letzten Jahren so verbessert, dass Drehmomente, die man früher nur 1/2-Zollwerkzeug zugemutet hat, heute auch gut von 3/8-Zoll verkraftet werden, und das in wesentlich schlankeren Abmessungen.
Klar: Wer in seiner Freizeit an alten Kaelble Zugmaschinen schraubt, braucht größeres Geschirr, aber bei unserem Kleinkram ist es eher so, dass der Platz für die raumgreifende Knarre nicht reicht, als dass die Nuss platzt, weil das Drehmoment sie zerschnetzelt. Alternativ reißt vorher auch einfach die Schraube ab.
Ist aber eh alles nur Hypotenuse.
Anscheinend sind Deutschlands Werkstattmeister nämlich auch meiner Meinung.
„AUSVERKAUFT“ war die Antwort auf meine Anfrage und Nachschub ließe auf sich warten.
Sehr schade!
So musste ich mich notgedrungen umentscheiden und wählte den ATORN Modul-Hartschaumeinlage Steckschlüsselsatz 1/2 Inch-1/4 Inch 293x587x31mm:
ATORN Modul-Hartschaumeinlage Steckschlüsselsatz 1/2 Inch-1/4 Inch 293x587x31mm
Das Set besteht sowohl aus 1/2-Zoll- als auch 1/4-Zoll-Werkzeug und einem Bit-Kasten mit „Drehknauf“.
Stellen muss sich das Set unseren bisher genutzten Kästen im jeweils gleichen Format:
Steckschlüsselsätze im Vergleich
Ich habe das ausgiebig „überkreuz“ beim Zahnriemenwechsel am Opel Combo getestet.
Das bedeutet, ich habe mal die eine Knarre benutzt und mal die Andere.
Denn der direkt auffällige Nachteil für die Arbeit an modernen Autos ist, dass in allen Kästen keine Innen- und Außentorx-Einsätze („Sechsrund“) vorhanden sind.
Damit beschränkt sich der Test der Nüsse auf die Radmuttern. Mehr Sechskant gibt es einfach nicht an einem modernen Auto…
Allerdings ist auch auf diesem Gebiet das ATORN-Set überraschenderweise lückenhaft. So findet sich z.B. keine 15er Nuss. Fragt mich bitte nicht warum. Sooo selten kommt die an unseren Autos gar nicht vor.
Schade, denn die Nüsse sind mit Flankenangriff gegen das Runddrehen von Schrauben oder Muttern ausgestattet, ein Feature auf dass ich mittlerweile nicht mehr verzichten möchte!
Beim Flankenangriff sind die Nüsse dabei in den Ecken nicht spitz zulaufend, sondern bilden eine kleine Ausbuchtung:
Flankenangriff
So reißt man eher den Schraubenkopf ab, als dass man ihn runddreht.
Ein Feature, dass unsere alten Kästen allesamt nicht haben und das den ATORN-Kasten weit nach vorne bringt.
Viel genutzt habe ich die beiden Knarren und die Verlängerungen aus dem ATORN-Set.
Sehr gut finde ich, dass die Verlängerungen geriffelt sind. So kann man nach dem Lösen der Schraube, sie bequem von Hand drehen, ohne die Knarre benutzen zu müssen. Und auch fürs „handwarme“ Einschrauben hat man genug Grip.

Die Knarren selbst sind ein Kapitel für sich.
Der Einsatz unserer alten 1/2″-Knarre wackelt wie ein Lämmerschwanz im Vergleich zur ATORN-Knarre. Null Nachstellmöglichkeit, Null Austauschmöglichkeit. Da kann man nur warten, bis es endgültig *Knack* macht und die Knarre in die Tonne kann.
Die ATORN-Knarre ist verschraubt, so dass man den Einsatz im Kopf bei Bedarf reparieren oder austauschen kann. Preislich sicherlich angemessen.
Der Richtungsumschalter ist leicht vertieft angebracht, so dass man ihn nicht aus Versehen beim hantieren betätigen kann. Sinnvoll, da mir das immer wieder bei der großen 1/2″-Knarre mit dem aufgesetzten „Umstellkreuz“ passiert.
Auch den Auswurfknopf auf dem Knarrenrücken finde ich gut. So kann man mit einer Hand die Nuss wechseln, während die andere die Schraube an Ort und Stelle hält.
Allerdings gibt’s auch hier was zu kritisieren:
Durch die massive Bauweise insbesondere der Knarrenköpfe sind beide Knarren recht sperrig.
Es gab Arbeitsschritte, bei denen ich zur schlankeren 3/8″-Knarre greifen musste, weil einfach nicht genug Platz war, um mit der 1/2″-Knarre hantieren zu können.

Den starren Knebel habe ich dazu verwendet, um die Zentralmutter der Riemenscheibe anzuziehen. Um genug Kraft aufzuwenden, musste ich hier zu einem Rohr als Verlängerung greifen, aber auch dass überstand der Knebel klaglos.
Da haben wir in unserem Werkzeugbestand wesentlich dickere und dafür krumme Knebel, die so was nicht ausgehalten hätten. Respekt!

Womit ich gar nicht klargekommen bin, ist der Bit-Kasten. Namentlich der Bithalter hat mich zur Verzweiflung getrieben:
ATORN-Bithalter
Der Drehgriff liegt gut in der Hand und kann durch seine gummierte Oberfläche auch gut Kraft übertragen.
Die Funktion des Bithalters leuchtet mir jedoch noch immer nicht wirklich ein.
Normalerweise hält ein kleiner Magnet den Bit im Halter. ATORN verwendet stattdessen einen etwas klobigen „Schnellverschluss“.
Durch Verschieben des blau eloxierten Mantels wird der Bit arretiert bzw. freigegeben, und da liegt das Problem:
Der Schnellverschluss hat einen zu tief liegenden Anschlag. Drückt man nur mit mittlerer Kraft auf den Bit, so wie man es auch beim Schrauben tun würde, gibt der Halter ein leises *Klick* von sich und der Bit rutscht noch einmal ein Viertel tiefer in den Halter:
ATORN-Bithalter reingerutschter Bit
So guckt dann nur noch ein kleiner Teil der Bit-Spitze aus dem Halter. Bei tief liegenden Schrauben stelle ich mir das durchaus problematisch vor, zumal es auch nervt, wenn der Bit jedes Mal ein bisschen nachgibt, wenn man mit ihm schrauben will.
Keine Ahnung, ob ich zu doof bin, um den Mechanismus zu verstehen, aber auch dann wäre es ein eher suboptimales System.
Was ich auch vermisse ist ein Bithalter für die Knarren!
So könnte man die Bits auch mit den Verlängerungen der Knarren kombinieren und an unzugänglicheren Orten schrauben.
In der Schaumstoffeinlage wäre dafür noch ausreichend Platz.
Das zweifarbige Design der Einlage ist übrigens eine clevere Idee! So sieht man sofort, wenn ein Werkzeug fehlt, da der Platz blau hervorscheint.
Die Inbus-Nüsse könnten wegen mir einfach durch Torx-Nüsse ersetzt werden. Die Einsatzhäufigkeit zumindest im PKW-Bereich sollte da eine klare Sprache sprechen.
Oder wann habt ihr zuletzt mal so einen riesen Klopper benutzt wie er ganz oben zu sehen ist?
Die Kaeble-Fraktion ist mal wieder raus….

Kommen wir zum Fazit:
Das Werkzeug selbst macht einen echt guten Eindruck. Es würde mich wundern, wenn wir da was vor Ablauf der 10-Jahres-Garantie kaputt bekommen würden.
Die Zusammenstellung des Sets finde ich persönlich weniger gelungen. Es ist weder Fisch noch Fleisch.
Die Überschneidung 1/4″ und 1/2″ geht klar zu Ungunsten der Vielfalt aus.
Die Inbus-Nüsse sind meiner Meinung nach überflüssig. Was fehlt sind Torx-Nüsse.
Schön wären auch Adapternüsse von 1/2″ auf 1/4″ und umgekehrt, so dass man mehr Kombinationsmöglichkeiten erhält (wie z.B. im 3/8″-Kasten enthalten). Wer natürlich die 32er-Nuss mit der 1/4″-Knarre benutzt muss sich über einen abgerissenen Adapter nicht wundern. Klar!
Der Sinn des Bit-Kastens in diesem Set erschließt sich mir nicht ganz, zumal die „Anbindung“ an die Knarren mittels Bithalter fehlt. Hier wäre es sinnvoller den Kasten mit mehr Nüssen auszustatten.

Versetze ich mich in die Lage eines Werkstattmeisters, würde ich dieses Set wieder zurück schicken. Für die aufgerufenen 330,92 € wäre er mir einfach zu unvollständig.
Was nicht bedeutet, dass ich Betriebsausstatter24.de den Rücken kehren würde,  das eingangs erwähnte 3/8″-Set wäre stattdessen meine erste Wahl, sonstige Teile würde ich bei Bedarf einzeln ordern.

Der Morgan stirbt nie II

Auch wenn ich nach Tag 1 völlig erledigt war, hielt mich morgens wenig im Bett.
Während die Beste noch friedlich schlummerte, nutzte ich die Chance um dem Morgan mal etwas auf die technische Pelle zu rücken.
Im Netz gibt es nahezu 7 Mrd. Fahrvideos, aber keiner hat mal unter sein Kleidchen geguckt.
Also entblättert, das gute Stück:

Hier mal der Blick in den Innenraum:

Lecker Leder auf bequemen Polstern. Seitenhalt gibt der Nebenmann bzw. die Außenwand.
Ich empfehle die Tour nur Leuten, die sich auch mögen, da man gezwungenermaßen die ganze Zeit auf Tuchfühlung geht.
Was mir persönlich missfällt, ist das Instrumentenbrett. Das Flugzeugdesign von VDO zusammen mit den digitalen Anzeigen ist einfach nicht mein Geschmack. Eine schöne Uhrensammlung von Jaeger oder Smith (die es auch als moderne Nachbauten gibt) würde ich als passender empfinden. Ebenso hässlich ist die billige Plastikverkleidung der Lenksäule. Auch dort würde ich mir etwas filigraneres wünschen.
Aber das ist alles Geschmackssache.
Der Handdbremshebel ist übrigens auch eine interessante Variation. Zum aktivieren der Bremse muss man ihn zurück ziehen und zum Fixieren die „Kappe“ des Hebels herunter drücken. Zieht man ihn nur und lässt ihn los, löst sich die Bremse sofort wieder. Ein Schelm, der an driftmäßigen Missbrauch denkt!
Hier mal ein Blick in den Fahrerfußraum bei abgenommenem Lenkrad:

Es war übrigens meine erste Mietwagenübergabe, bei der ich gefragt wurde, wie groß das Lenkrad denn sein soll, dass ich wünsche…
Ich habe mich für die mittelgroße Variante entschieden und bin damit sehr gut zurecht gekommen.
Wie man auf dem Bild sieht, gibt es keinen Platz, um den linken Fuß zu verstauen, wenn man ihn mal gerade nicht braucht. Bei einem Fahrzeug mit hängenden Pedalen (z.B. dem Rialto oder dem Bug) ist das auch so eng, aber kein Problem, da man den Fuß einfach „unter“ das Pedal legen kann. Der Morgen zwingt einen aber dazu den Fuß die ganze Zeit angewinkelt  zu halten. Bequem ist was anderes. Schmales Schuhwerk (43 passte noch) ist natürlich ein Muss, genauso wie ein 20er BMI (drunter hat nicht genug Schmalz in den Armen für die Lenkung, drüber muss mit dem Schuhlöffel wieder rausgepellt werden).
Für das leichte Reisegepäck hält der Morgan übrigens einen (nicht wasserdichten) Kofferraum über dem Hinterrad parrat:

Mit dem Pannenset und der Abdeckplane für den Innenraum ist er zwar so gut wie voll, aber für einen Kulturbeutel und eine Kreditkarte findet sich noch ein Plätzchen.
Der Teil, der nun aber brennend interessiert, ist der Hinterradantrieb. Um den begaffen zu können muss die Kofferraumschale raus.
Dabei fiel mal wieder die nonchalante Verarbeitung im Morgan-Werk auf. Drei Löcher, drei unterschiedliche Schrauben/Unterlegscheiben:

Natürlich kein 6-Kant! Nein, in Malvern Link schwört man noch auf die gute alte Schlitzschraube!
Egal. Details. Zack, die Schale runter und freigelegt ist der Antrieb:

Außen sieht man sehr schön den Eschenholzrahmen, der die Aluhaut trägt, so wie die beiden Benzintanks links und rechts des Hinterrades.
Im Netz gab es zu Anfang eine Diskussion, ob der neue Morgan nun per Kardan oder Riemen angetrieben wird. Nun die Antwort ist: Beides.
Aus dem MX5-Getriebe kommt ein Kardanstummel, welcher in eine Morgan-Eigenkonstruktion mündet und dort über einen „Winkeltrieb“ die Antriebskraft auf einen Zahnriemen überträgt:

Das Resultat ist ein nerviges und sehr lautes Wimmern und Heulen, welches den Soundgenuss des Motors stark einschränkt.
Ich fühlte mich stark an einen Lynx Explorer 500 erinnert, den ich mal im Urlaub pilotiert habe.
Ohne auch nur annähernd genug Ahnung von der technischen Umsetzung zu haben, möchte ich sagen, dass mir diese Lösung als eher suboptimal erscheint und auf mich eher den Eindruck macht, als wollte Morgan damit Präzisionsdefizite kaschieren.
Nimmt man die Fronthaube ab, fällt einem erstmal auf, dass das „Lüftungsgitter“ hinter dem Motor natürlich nur eine Attrappe ist:

Was soll da auch belüftet werden?
Hier ein Blick unter die Haube:

Auf dem obigen Bild kann man leicht versteckt einen der Hauptprotagonisten des Tages erkennen. Aber dazu später mehr.
Im zugehörigen Album findet ihr übrigens bei Interesse noch mehr Technik-Bilder.
Während die Beste erwachte, baute ich alles wieder zusammen und fuhr schon mal eine Runde Brötchen holen.
Der Auftritt hat auf dem lokalen Edeka-Parkplatz so schon einen ganz anderen Lässigkeitswert.
Frisch gestärkt machten wir uns auf zu Teil 2 und Teil 3 von OSTs-Routenempfehlung.
War der vorherige Tag noch verregnet, so kam an diesem Tag immer öfter die Sonne raus, so dass wir die Fahrt noch mehr genossen als zuvor.
Selbst Tankstopps waren sehr unterhaltsam. Meistens waren es die Biker, die großes Interesse hatten:

Auf unserem Weg nach Ratzeburg kamen wir gerade durch Lauenburg, als wir mal kurz rechts angehalten haben.
Als es weiter gehen sollte, passierte dann folgendes:

Der Motor ging nach dem Knall aus und war auch nicht mehr zu starten. Mit Warnblinkanlage rollten wir dann zurück in die Bus-Bucht:

Dort wurde der Schock erstmal verdaut und überlegt, was ich kaputt gemacht haben könnte.
Ein Blick unter das Fahrzeug zeigte keine Beschädigungen oder Tropfen. Konnte also nur was „internes“ sein. Der Motor ließ sich aber noch per Anlasser drehen. Wäre es das Getriebe oder der Abtrieb, dann müsste der Motor ja noch anspringen… alles sehr kryptisch.
Mehr als am Zündkabel wackeln konnte ich aber auch nicht machen.
Also schweren Herzens den Vermieter angerufen und innerlich der Selbstbeteiligung von 1500 Euro adieu gesagt.
Der Vermieter nahm die Nachricht sehr freundlich und gefasst auf. Er stellte mich anschließend an seinen Werkstattmeister durch, welcher, typisch nordisch, meine Schilderung des Geschehens mit „Das ja man doof, ne.“ kommentierte.
Eine treffliche Zusammenfassung, soweit.
Ende vom Lied war, dass der Mechaniker sich mit Abschleppanhänger zu uns auf den Weg machte. Dauer: 1,5 Stunden.
Also haben wir uns wieder in den Morgan gesetzt und ausreichend Trübsal geblasen.
Ziemlich genau nach 1,5 Stunden traf der Werkstattmeister bei uns ein. Auch er warf einen Blick unter den Morgan, ließ den Anlasser den Motor drehen und stellte fest, dass sich da nix rührte.
Also Fronthaube abgebaut und mal nach den Innereien geguckt. Ein kurzes Telefonat später drückte er auf einen unscheinbaren Schalter (auf dem Bild weiter oben rechts zwischen Tank und Batterie zu sehen), es machte *Klick* und er sagt: „Jo, das war’s.“.
Auf den Startknopf gedrückt und schon lief der Wagen wieder!
Ich kann kaum beschreiben, wie erleichtert ich war!
Anscheinend bin ich beim einfädeln in den fließenden Verkehr von dem abgesenkten Bordstein in einen unter Straßenniveau liegenden Rinnsteindeckel gefahren, was der Erschütterungssensor der Crashbox direkt als Unfall gewertet hat und daraufhin die elektrische Benzinpumpe lahm legte….
Der Mechaniker meinte daraufhin leicht resigniert (es war schon lange nach seinem Feierabend): „Die Fahrzeuge sind halt noch lange nicht so, wie wir uns das wünschen würden! Naja, jetzt haben wir einen Punkt mehr, den wir bei der Einweisung am Anfang ansprechen müssen.“
Und das will ich an dieser Stelle mal sagen: Die Einweisung am Anfang umfasst Dinge, die man auch sonst eher selten bei einem (neuen!) Mietwagen zu hören bekommt:
„Hier ist der Sicherungskasten…manchmal brennen die durch, wenn sich bei Regenfahrten die Schrauben losvibrieren.“
„Die Rückstellung vom Blinker funktioniert nicht, dass müssen sie selbständig machen…“
„Die elektronische Wegfahrsperre funktioniert nicht immer. Da müssen Sie dann…“
„Das Lenkrad sitzt unter Umständen nicht richtig fest, wenn sie es abgenommen und wieder montiert haben. Dann müssen Sie…“
„…“
Doch zurück zur Bus-Bucht in Lauenburg!
Der ausgesprochen nette Mechaniker meinte dann, wir sollten den Morgan einfach 1,5 Stunden später als verabredet abgeben. Das würde dann ja passen. Da haben wir uns gerne drauf eingelassen und sehr erleichtert unseren Weg fortgesetzt:

Allerdings schafften wir es zeitlich nicht mehr bis nach Ratzeburg, so dass wir zwischendurch einfach das Navi auf „kürzeste Strecke“ und „Autobahnen meiden“ stellten.
Dabei kamen ebenfalls sehr interessante Strecken raus:

Ein gutes Konzept, wenn man mal neue Wege zu einem Ziel erkunden möchte.
Pünktlich 1,5 Stunden nach der verabredeten Zeit waren wir wieder beim Morgan Park und mussten schweren Herzens unseren kleinen Flitzer hergeben:

Auch diese Abwicklung lief völlig problemlos und sehr nett.
Normalerweise waren im Preis 200 km inklusive. Die Dame bei der Einweisung meinte noch zu uns, dass das kaum jemand ausschöpfen würde.
Naja, wir haben es geschafft. Und auch noch reichlich mehr…. Aber auch dafür wurden uns die ansonsten fälligen 0,80 €/km erlassen. Eine Entschädigung mit der wir gerne einverstanden waren.
Ich habe im Nachhinein den Morgan mal ausgelitert. Bei uns hat er 7,88 Liter auf 100km verbraucht. Gar nicht mal so schlecht, wenn man bedenkt, dass er eher digital bewegt wurde.
Anschließend haben wir uns noch ein wenig im Showroom umgesehen:

Die Beste von Allen ist angefixed. Sie will einen Morgan. Am liebsten einen Threewheeler! Zur Not geht aber auch ein 4/4.
Mal sehen, wo ich da was ausbuddeln kann.

Auf dem Hof des Morgan Parks fand sich übrigens noch ein weiterer Leckerbissen:

Aufmerksame Leser erkennen natürlich sofort den Mitsuoka Viewt, welcher schon mal Thema hier im Blog war.

Kommen wir also zum Fazit dieses Wochenendes:
Das Team des Morgan Park Hamburg ist herzallerliebst, sehr zuvorkommend und überraschend locker. Wir fühlten uns rundum wohl.
Die Fahrt selbst war ein episches Erlebnis und glich eher einer Runde mit nem Doppeldecker auf Flughöhe 0. Atemberaubend und „Fortbewegung“ in einer bisher ungekannten Form!
Der Morgan Threewheeler selbst….nun, hier muss man meiner Meinung nach unterscheiden:

  • Motor: Großartig
  • Sound: Gänsehaut
  • Getriebe: 1. Sahne
  • Handling: Sehr Gut
  • Sitze: Fein
  • Alles was Morgan selbst gebaut hat: Furchterregend

Die Mängelliste nach nur knapp 6500 km Laufleistung ließt sich wie bei einem 200.000km-Verbrauchtwagen:

  • jaulender Hinterradantrieb
  • selbsttätig verstellender Außenspiegel
  • Blinkerschalter mit Eigenleben
  • widerspenstige Wegfahrsperre
  • kein passendes Schraubenloch
  • schiefes Lenkrad
  • flackernde Motorkontrolleuchte im Leerlauf
  • rostige Teile wohin man blickt (schaut euch mal die Fotos im Album im Detail an!)
  • hässliche Schweißnähte
  • knarzende und rappelnde Verkleidungen

Dazu kommen noch nervige Eigenheiten wie z.B.:

  • kein Fernlicht
  • fieser Fiepser bei „Licht an“/“Zündung aus“

In Verbindung mit der wirklich miserablen Verarbeitungsqualität bin ich erstaunt über den guten Ruf, den Morgan ansonsten für seine Autos genießt.
Selbst mein eher lieblos im Werk zusammengeschusterter Reliant zeugt von mehr Qualitätsbewusstsein.
Die Reduktion auf eine reine „Fahrmaschine“ wird ihm nicht gerecht. Für einen +4 oder +8 mag das ja hinkommen, aber der Threewheeler ist dafür einfach nicht gedacht.

Es ist halt wie im Zoo:
Elefanten streicheln ist cool, aber zuhause haben will man ihn nicht wirklich.

So bleibt mir nur die Hoffnung, dass ich die Beste (Vielleicht mit etwas freundlicher Unterstützung) von den Vorzügen eines Triking oder JZR überzeugen kann. Schlechter können die auf jeden Fall nicht sein, egal in welcher englischen Garage sie zusammen gezimmert wurden. Nur wesentlich günstiger!

Allen anderen Petrolheads kann ich nur Raten: Gönnt euch das Wochenende! Es ist das Geld mehr als wert!